Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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sagt er einmal: „Im Frühjahr 1842 hatten
wir in Dresden einmal eine größere Ausstel-
lung, und zwar für einen neugebildeten Ver-
ein zum Andenken des vor nicht langem ver-
storbenen Tiedge veranstaltet. Eine Menge
fast vergessener Bildergespenster von Matthäi,
Klengel, Hartmann standen da wieder auf und
sahen einander gelangweilt an; selbst einiges
von Friedrich nahm sich schon etwas wun-
derlich aus, gleichwie einiges Frühere von mir
selbst. Sieht man doch bei solchen Gelegen-
heiten sogleich, wie schnell das meiste veraltet
und wie bald nun das fremdartig werden kann,
was eben in seiner Zeit doch so manchen Bei-
fall fand. Aber wie wenig ist dagegen, was
sich wirklich zum Zeitlosen zu erheben vermag."

Wenn wir uns heute wieder für die genann-
ten Künstler und weiter für die noch ver-
tretenen : F. S. Kersting (1783—1847), E. F. Öhme,
Ludwig Richters Freund (1797—1855), den Nor-
weger K. A. Baade (1800—1879) und andere
aus jener Zeit wieder erwärmen, so hat das
seinen guten Grund. Eine Kunstrichtung stirbt
meist nicht an der Unfähigkeit der Künstler,
sondern an der Erschöpfung der Motive und
der künstlerischen Hilfsmittel, ebenso sehr aber
an der Ermüdung der Kunstfreunde und dem
Herannahen einer neuen Generation mit neuen
Anschauungen und Bestrebungen. Wir Heutigen
leiden gegenüber der Kunst, die einst Carus
literarisch betreute, nicht an der Ermüdung,
wie die Zeitgenossen. Auf uns wirken auch
die Düsseldorfer und die Belgier Gallait und
de Bievre nicht mehr hinreißend; auch sie
sind längst „abgelöst". Wir sind daher gern be-
reit, das Gute zu würdigen, das die einst von
den Düsseldorfern und den Belgiern besiegte
Richtung der Friedrich und Genossen in sich
schloß. Wir sind es um so mehr, wenn sie uns
in so erlesenen und anziehenden Stücken und in
so gefälliger Aufmachung vorgeführt werden,
wie jetzt in der Dresdner Ausstellung Paul Rusch.
Was sind uns Richtungen? Nur das Gute gilt
auf die Dauer, sei die Richtung wie sie wolle.

Paul Schumann

DIE DANZIGER MÜNZEN

Nach Zeichnungen des Oberbaurats Fischer

Die nach Zeichnungen des Danziger Ober-
baurats Prof. Dr. ing. Fischer gefertigten
Geldstücke des Freistaates Danzig sind von
besonderem Interesse wegen der glücklichen

formalen Lösung aus gegebenen schwierigen
technischen Bedingnissen heraus. Wegen der
Kürze der Zeit war es nicht möglich, große
plastische Modelle für die Verkleinerung her-
zustellen, sondern die Stücke mußten nach
Bleistiftzeichnungen in natürlicher Größe un-
mittelbar in Stahl geschnitten und danach ge-
prägt werden. Infolgedessen beschränken sie
sich auf ebene Vertiefung, d. h. auf glatte
Flächen ohne modelliertes Relief, in der Art
etwa von ausgestochenen Holzschnittplatten.
Neben dem Vorteil der leichten maschinellen
Erzeugung bietet sich dadurch noch der weitere
Vorzug, daß die Stücke gleichmäßig abgenutzt
werden und außerdem in Rollen besser ver-
schickbar sind. Die Gestaltung des Münzbildes
mußte also die einfachsten Formen einhalten.
Die Kupfer- und Nickelmünzen mit dem Stadt-
wappen sind in Danzig durch Herrn Anders
bei der Firma Stumpf & Sohn geschnitten und
in der Berliner staatlichen Münze geprägt wor-
den. Die Silberstücke — das Bild einer Kogge,
bei den Fünfguldenstücken das Bild der Ma-
rienkirche — sind nach den Stempeln des Me-
dailleurs Kullrich (von der Berliner staatlichen
Münze) in Utrecht geprägt worden.

Der entwerfende Künstler, Oberbaurat Fischer,
hat in Danzig überhaupt eine segensreiche
Tätigkeit ausgeübt, insbesondere durch seine
modernen Ladeneinbauten in die alten Renais-
sancehäuser, durch den geschmackvollen An-
strich vieler alter Häuser sowie durch seine
Siedlungsbauten. Wir hoffen später darauf zu-
rückzukommen. Bei diesem Anlaß seien auch
die schönen Danziger Freimarken erwähnt, und
es sei die Frage gestattet, warum der kleine
Freistaat geeignete Künstler für solche öffent-
lichen Aufgaben finden kann, aber nicht das
große Deutschland? Hermann Schmitz

GEDANKEN ÜBER KUNST

Ich weiß nicht, wohin meine Kunst geht, ob ich
im vieux oder im nouveau jeu, ob ich modern oder
nicht bin. Ich weiß nur das eine, daß ich nach bestem
Können ehrliche Arbeit mache. Dieses Gefühl wird
mich wie einen Gotiker enden lassen. Und ich laß
es geschehen . . Die Vierziger haben mir nichts ge-
nommen, weder meinen Enthusiasmus noch meinen
Glauben an all die schönen Dinge. Ob meine Zeich-
nung gut ist oder schlecht, das weiß ich nicht. Ich
mache sie ganz ehrlich, das ist alles. Ich arbeite wie
ein Benediktiner. Felicien Rops

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