Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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SEPP FRANK. AMALFI

AUS DER RADI ERFOLGE „ITALIENISCHE REISE'

SEPP FRANKS „ITALIENISCHE REISE"*)

Es ist seit einigen Jahren unter Malern und
Literaten Mode geworden, über Italien ge-
ringschätzig zu reden, als sei es eine Sache,
die überhaupt nicht lohne, daß man sich mit
ihr beschäftige. Aber wenn man diesen Blasierten
Spanien nennt, dann beginnen ihre Augen zu
leuchten. Spanien, ja, das ist etwas anderes!

Muß man erst beweisen, daß solche Urteile,
wie alles Übertriebene, subjektiv unüberlegt
und objektiv falsch sind? Gewiß ist Spanien
ein Land der tausend Wunder, und Sepp Frank
ist ja auch dort gewesen und hat in einer Folge
von Radierungen seine Eindrücke festgehalten.
Aber er ist doch auch nach Italien gegangen
und hat über diese Reise in zwölf Radierungen
künstlerisch Rechenschaft abgelegt. Und es will
dem unvoreingenommenen Blick fast scheinen,
als sei diese italienische Serie der spanischen
als seelisches Erlebnis und als graphische Lei-
stung sogar noch um einiges überlegen.

Das allerdings war von vornherein gewiß,

*) Sepp Frank, Italienische Reise. Zwölf Radierungen.
Ausgabe A Nr. I—XXX; Ausgabe B Nr. I—50; Ausgabe C
Nr. 51—170. München, F. Bruckmann A.-G.

daß Sepp Frank Italien anders sehen werde
als alle, die vor ihm dort gezeichnet, gemalt
oder radiert haben. Mit anderen Worten: es
war vorauszusehen, daß Sepp Frank auch in
seinen graphischen Erinnerungen an Italien
zunächst sich selbst, ein Spiegelbild seiner eigen-
willigen Persönlichkeit geben werde. Wir finden
zwar fast ausschließlich längstvertraute Motive.
Aber es ist doch eine starke und merkwürdige
Veränderung mit ihnen vorgegangen. Sie haben
sich beim Passieren der Seele Sepp Franks so
sehr mit seinem Wesen vollgesogen, daß sie nun-
mehr ebensoviel davon als von ihrem eigenen
Wesen haben. Und so ist manches dieser Blätter
eine große Überraschung. Es stellt wohl dieses
oder jenes bekannte Motiv vor und ist doch etwas
ganz anderes. Altvertraut und verblüffend neu
zugleich: das ist der Eindruck. Und außerdem
drängt sich dem Betrachter wieder das Empfin-
den auf, daß Frank im Architektonischen viel-
leicht doch am stärksten ist. Daß die Mappe
auch rein graphisch höchst interessant und reiz-
voll ist, bedarf bei Frank keiner besonderen Er-
wähnung. Richard Braungart

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