Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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UNSERE ILLUSTRATIONEN

Die in Farbendruck ausgeführte Tafel
gibt zwei Glasfenster (Stifterbildnisse) aus der
St. Magdalenenkirche in Strassburg nach einer
Vorlage von dem Maler und Lehrer der Kunst-
gewerbeschule A. Cammissar wieder. Die Glas-
gemälde wurden um das Jahr 1480 ausgeführt.

Seite 82: Entwurf zu einem Schrank mit
2 Thüren, zu beiden Seiten abgerundete Cache-
desordre mit schräglaufenden Wänden, von
Charles Spindlcr in St. Leonhard. Baum und
Blattwerk sind in Relief gehalten, ebenso die
Wurzeln, welche die Umrahmung der unteren
Nische bilden. Ein Teil der Blätter, ebenso
wie die Figuren, ist in Marqueterie auszu-
führen. Auch die Cache-desordre können mit
Marqueterie verziert werden. Die Motive für
die Marqueterie sind nur provisorisch ange-
deutet und können bei der Ausführung
natürlich geändert werden. — Ebenfalls von
Ch. Spindlcr bringen wir auf Seite 83 ein
Schlafzimmer mit Intarsien und auf Seite 84
eine Kredenz mit Intarsien.

Seite 85 zeigt eine Bisquitgruppe aus
der Porzellanfabrik Niederweiler in Lothringen,
jetzt im Museum Unterlinden zu Colmar.
Allegorische Darstellung zur Verherrlichung
der Hochzeit zwischen dem nachmaligen
König Ludwig XVI. und Maria-Antoinette:
auf einem Opferaltar die beiden Wappen
des Dauphins und Oesterreich-Lothringens;
ein geflügelter Genius mit der Fackel Hymens
windet Blumen um Altar und Wappen. Nach
glaubwürdiger Tradition ist die Gruppe von
der Stadt Strassburg bestellt worden, um
damit bei der Durchreise Maria-AntoinetteJs
am 7. Mai 1770 deren Schlafzimmer im Palast
des Kardinalbischofs Ronan, dem heutigen
Alten Schlosse, zu schmücken. Vermutlich
ein Werk von Lemirc.

Seite 87 : Farbige Verglasungen von
dem Lehrer der Strassburger Kunstgewerbe-
schule Hugo Hüpfncr. Es ist längst bekannt,
dass sich heute auf dem Gebiete der Glas-
malerei ein mächtiger Umschwung vollzieht;
sie wird wieder, was sie in ihrer ersten Zeit
war: Mosaik. Hugo Höpfner sucht mit seinen
Entwürfen, deren Motive zum Teil aus reinen

Ornamenten bestehen, für dekorative Zwecke
richtige Vorlagen zu bieten und ihr Linien-
spiel den neuen baulichen Erfordernissen
anzupassen. Wir bedauern nur, dass die
Reproduktion in Schwarz so wenig von der
wirksamen Farbenverteilung wiederzugeben
vermag.

Seite 89: Thürfüllung und Thürklopfer
vom bischöflichen Schlosse in Strassburg
(1656—1735). Die Dekorationsmotive, wie sie
an den einzelnen Teilen des alten Schlosses
sich bieten, sind voller Kraft und Leben ;
in dem schönen Schwung der Linie, in der
reizvollen Behandlung von Licht und Schatten,
in der musterhaften technischen Ausführung
ruht das Geheimnis der Anziehungskraft dieser
Ornamente.

Seite 93: Renaissancehaus aus Zabern,
restauriert von der Kunstgewerbeschule in
Strassburg In der Mitte der Giebelfront springt
ein Erker in zwei Seiten eines gleichschenk-
ligen Dreiecks heraus. Mit reichgeschnitztem
Holzwerk. Die Hausthüre ist noch im Esels-
rücken geschlossen. Unter dem Erker und
über der Thüre steht die Jahreszahl i6o5.

Seite 95 bringen wir eine Tafel mit
Handleuchtern, entworfen von Rudolf Trunk.
Die Arbeiten eignen sich zur Ausführung in
Schmiedeeisen oder in Altsilber. Zierlich und
graeiös, zeigen sie auch die schöne Kontur,
die solche Gegenstände notwendig erfordern.

Den Beschluss unserer Abbildungen bilden
auf Seite 96 ein Schränkchen und auf Seite
97 ein Stuhl, beide ausgeführt unter Leitung
von K. Rapp.

Die Randleisten und Vignetten auf Seite
81, 86, 90 und 96, die zum Teil unter Ver-
wertung elsässischer Motive entstanden sind,
wie Seite 81: Elsässer Bauernhaus, Seite 90:
Rathaus in Molsheim, stammen von dem Leh-
rer der Kunstgewerbeschule Hugo Hö'pftier'.
Die Vignetten auf Seite 84, 86, 88, 94, 99
sind von der Zeichenlehrerin Johanna Hipp
in Mülhausen i. Eis. gezeichnet und dem im vor-
liegenden Hefte besprochenen Werke «Der
Zeichenunterricht für Mädchen» entnommen.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
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