Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Bekrönung in Schmiedeeisen, ausgeführt
in der Kunstschlosscnibteilun^. r» n n n n

KRITTSCÜE RUNPSCÜAU

DIE DEUTSCHE WOHNUNGS-EIN-
RICHTUNG - Von Rud. TRUNK.
(Schluss). — Die Hausfrau, die leidenschaft-
lich Handarbeiten fertigen will, braucht
also durch die neuen Kunstbestrebungen
keine Schmälerung ihres Einflusses auf die
Gestaltung, Einrichtung und Ausstattung
unserer Wohnräume zu befürchten; im Ge-
genteil — ihre Anteilnahme ist auch ferner-
hin notwendig, wir brauchen die Hülfe der
Frau, ihre individuelle Anschauung, ihre
haushälterische Begabung, aber ihr Ge-
schmack bedarf einer Läuterung, ihre
Thätigkeit muss in bestimmte Bahnen
gelenkt werden. Einrichten und Schmücken,
sind bis jetzt für die Frau sich deckende
Begriffe, und doch besteht ein scharfer
Gegensatz zwischen ihnen. Oft betrachtet
die Frau den Schmuck als die Haupt-
sache und schmückt in ihrer Freude mit
allerlei nichtigem Tand und weit über
die Grenzen des Erträglichen hinaus. Es
kann ja Manches im Wohnraum seinen
Platz finden, was nicht unmittelbar zum
Gebrauch gehört, Manches was man als
Schmuck für unentbehrlich hält — Lampen,
Vasen, Büsten, Prunkgeräth — der Ge-
schmack muss eben die Grenzen des
Zulässigen zu erkennen wissen. Wenige
und gute Zierstücke, am richtigen Platz
aufgestellt und richtig gruppirt, werden

die künstlerische Stimmung eines Raumes
ganz anders gestalten, als eine Menge
wertloser Dinge.

Auch in der Frage des Bodenbelags
kann die Handarbeit der Hausfrau von
entschiedener Bedeutung werden; auch
hier dominiren noch die billigen Massen-
produkte und verkümmern beim Laien
das Urteilsvermögen. Ist auch die Fabrik-
ware der Läufer, Teppiche u. s. w. nicht
zu entbehren, so könnte doch durch einen
bessern Geschmack des kaufenden Publi-
kums der Fabrikant gezwungen werden,
sich nach besseren Mustern umzuschauen.
Die Beschaffenheit des Bodenbelags ist
durchaus nicht gleichgültig; schlichtge-
musterte, farbensatte Teppiche müssen
den Möbeln die notwendige Basis, dem
Raum eine harmonische Grundlage, einen
Abschluss geben.

Welchen Weg müssen wir nun ein-
schlagen, um unsere Wohnung, ob einfach
oder reich, auf die Höhe harmonischer
Wirkung bei möglichster Zweckdienlichkeit
zu heben? Wir müssen wissen, was wir
wollen, Gefühl für harmonisches Zusam-
menwirken von Form und Farbe entwickeln
und bekunden, und unsern Geschmack bei
Beschaffung des Mobiliars dem Verfertiger
und Verkäufer gegenüber mit Entschieden-
heit zur Geltung bringen. An tüchtigen
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