Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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UNSERE ILLUSTRATIONEN

Bereits im zweiten Hefte unserer Zeit-
schrift haben wir auf die hohe Bedeutung der
Sammlung Spetz in Isenheim hingewiesen.
Auf Seite 3 bringen wir wiederholt eine Tafel,
die einen Einblick in die an Werken altelsäs-
sischer Kunst so ungemein reiche Sammlung
bietet.

Seite 105 enthält einen in der Kunst-
gewerbeschule in Strassburg entworfenen und
ausgeführten Schrank, in der Art der Stollen-
schränke gedacht, mit reicher Schnitzwerk-
Verzierung versehen.

Seite 106 bringt zwei Fassadenfüllungen
von Ph. Elchinger in Sufflenheim; dieselben
sind in Scharffeuerfarben ausgeführt; sie
schmücken die Fassade der Kunstgewerbe-
schule in Strassburg.

Seite 107 enthält das auf der Pariser
Weltausstellung mit der goldenen Medaille
ausgezeichnete Studier-Zimmer von Aug.
Häusler in Mülhausen im Elsass. Häusler, der
schon 1888 auf der deutschnationalen Kunst-
gewerbeausstellung in München mit einem
geschmackvollen Zimmer in französischer Re-
naissance vertreten war, nähert sich diesmal
moderneren Formen. Die treffliche Aufnahme,
die unserer Illustration zu Grunde liegt,
stammt von Braun, Clement & Cie. in Dornach.

Seite 109 und Seite 111 bringen eine Reihe
von Gegenständen aus der Steingutfabrik von
Villeroy u. Bock in Mettlach, die von dem Elsäs-
ser J. B. Stahl entworfen und ausgeführt sind.
Die Firma hält im allgemeinen an dem un-
glasierten, matt glänzenden Steinzeug fest, ein
Verfahren, bei dem allein der dem Steinzeug
eigene Charakter gewahrt bleibt. Die Deko-
ration des Steinzeugs, welche teils aus farbigen
Ornamenten, teils aus reliefierten Auflagen
besteht, geschieht durch Färbung in der Masse.
Dem Zug der Zeit folgend, hatte die Fabrik
in Paris auch ein Sortiment glasierter Stein-
zeuggegenstände mit moderner Dekoration
ausgestellt.

Ein noch edleres als das zur Herstellung
des Steinzeugs dienende Material kommt bei
der Erzeugung der « Phanolith»-Stücke zur Ver-
wendung, von denen die Fabrik in Paris eine
reichhaltige Collektion von Kunstgegenständen
ausgestellt hatte. Der Phanolith-Scherben ist
wie beim Porzellan vollständig gesintert und
sogar geschmolzen, wodurch derselbe noch
durchsichtiger wird als der Porzellanscherben.
Dadurch nun, dass einzelne Figuren oder
Gruppen aus dieser reinen weissen Masse in

Schwach-Relief auf einen grün oder blau ge-
färbten Scherben aufgelegt werden, wird ein
ungemein feiner Effekt erzielt, da durch die
dünnen Auflagen des Reliefs der grüne oder
blaue Fond noch durchleuchtet, während er an
den dickeren Auflagen wenig oder gar nicht
mehr bemerkbar ist und somit das ganze Relief
schattiert und an Plastik zu gewinnen scheint.
Durch den zarten weissen Ton und den
milden, matten Glanz und Schmelz des Reliefs
wird der Gesamteindruck des Phanolithstückes
noch gehoben. Die Vasen und Jardinieren
dieser Gattung mit Scenen meist aus der
griechischen Mythologie sind von J. B. Stahl
modelliert.

Ein Kunstwerk und eine technischeLeistung
ersten Grades ist die Herstellung der grossen,
von J. B. Stahl entworfenen Phanolith-Wand-
füllung auf Seite 112 zu nennen, welche,
aus einem einzigen Stück bestehend, eine
Höhe von 220 und eine Breite von 60 cm
hat, und von welcher sich auf grünem
Grunde eine allegorische Figur «Herbst»
mattglänzend abhebt. Wenn man die un-
gemein grosse Schwindung einer solchen
Platte beim Brande bedenkt und den Umstand,
dass die Masse im Feuer schmilzt, kann man
sich die Schwierigkeiten vorstellen, die zu
überwinden sind, um ein Stück solcher Grösse
unversehrt aus dem Ofen zu bringen.

Seite 113 enthält eine Collektion interes-
santer keramischer Gegenstände, meistens
Vasen, von der Firma Ph. Elchinger u. Söhne
in Sufflenheim im Elsass.

Seite 114 zeigt ein Medaillon von einer
Fassadenfüllung von Elchinger in Sufflenheim,
an der Kunstgewerbeschule in Strassburg
ausgeführt.

Die Seiten 115, 116, 117 und 118 bringen
alte und moderne Fliese elsässischer Herkunft.

Seite 121 enthält einen Damenschreibtisch,
ausgeführt in der Schreinerwerkstätte der
Kunstgewerbeschule in Strassburg unter Lei-
tung von K. Rapp.

Die Titelvignette auf Seite 101 (Motiv
aus Dambach) und die Zeichnung auf Seite 108
(Motiv aus Ammerschweier) stammt von Georg
Daulmer, die Randleiste auf Seiteio4 jOber-
ehnheim) und die Schlussvignette auf Seite 123
verdanken wir Hugo Höpfner in Strassburg.

Die Kopfleiste auf Seite 119 wurde von
Johanna Hipp in Mülhausen i. Eis. gezeichnet.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitscliuh in Strassburg.
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