Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

Page: 256
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R. Trunk: Über Fensterdekoration.

wenn die kunstverständige Hand bessernd
und veredelnd eingreifen wollte.

Eine Bereicherung erfuhr die farblose
Fensterdekoration durch die Anwendung
des Aetzverfahrens, die dem Maler grössere
Freiheit in Entwurf und Ausführung ein-
räumt; die Tonunterschiede können hiebei,
je nach Zusammensetzung der ätzenden
Säure, nach Belieben gesteigert werden,
der deckende Asphaltlack lässt sich wie
die Malfarbe anwenden, so dass sich eine
leichte plastische Wirkung erzielen lässt

und figürliche Motive ebenso günstig
behandelt werden können, wie rein orna-
mentale Gebilde. Auch diese Technik
wurde trotz ihrer höheren Bedeutung bis
jetzt zu sehr vernachlässigt und durch
handwerksmässige Behandlung in Miss-
kredit gebracht. Eine Besserung ist auch
hier möglich, wenn berufene Kräfte sich
der Sache annehmen, durch Entwürfe von
künstlerischem Werth und verständniss-
voller Ausführung diesen Zweig der deko-
rativen Kunst zu neuem Blühen bringen.

UNSERE ILLUSTRATIONEN

Der Entwürfe zu einfachen Bucheinbänden
bedarf das moderne Kunstgewerbe um so
nötiger, als gerade auf diesem Gebiete eine
unglaubliche Verwilderung des Geschmackes
um sich greift. Wie Pflanzenstilisierungen für
Bucheinbände verwendet werden können, zeigt
A. Erdmann auf Seite 239. Die Anwendung
weniger zum Ton des Leders harmonieren-
der, ruhiger Farben «grün, blass rot und weiss»
giebt diesen Einbanddecken ein frisches Ge-
präge.

Ist auch der Thürklopfer an sich für unsere
Zeit bereits historisch geworden, so findet er
doch dann, wenn er zugleich Thürgriff ist,
noch immer in der alten Form seine Ver-
wendung. Der Thürklopfer von A. Erdmann,
den wir auf Seite 240 veröffentlichen, ist im
Geschmacke der Renaissance gezeichnet.

Seite 241 enthält Front- u. Seiten-Ansicht
eines modernen Damenwäsche-Schrankes von
A. Cammissar, ausgeführt von Rafifi u. Sohn
in Strassburg i./E.

Seite 243 zeigt den Entwurf zu einem
modernen Plafond von dem Lehrer an der
Kunstgewerbeschule Hugo Höpfncr. Nachdem
man sich an den mehr oder weniger natura-
listisch, meist sehr oberflächlich gemalten
Blumenplafonds satt gesehen, sucht man durch
strenge Zeichnung den Plafonddekorationen
ein gediegenes Aussehen zu geben. Der vor-
liegende Pla'bnd zeigt ein modernes Linien-
spiel in Verbindung mitstilisiertenNaturformen.
Die Formen werden durch die Contur klar
herausgehoben, die Farbenstimmung ist in
hellen Tönen gedacht.

Einen Zierschrank mit Intarsien bringen
wir auf Seite 249, entworfen und ausgeführt von
der Kunstschreinerabteilung der Strassburger
Kunstgewerbeschule.

Die Einführung der Pflanzenmotive in die
Glasmalerei, an Stelle der als Teppichmuster
bezeichneten ornamentalen Flächenverzierung,
hat die Phantasie der Künstler mächtig be-
fruchtet. Seite 247 und 25i enthalten Kunst-
glasereien, die, von A. Erdmann entworfen,
von der bewährten Firma Ott freres in Strass-
burg ausgeführt wurden.

Farblose Glasdekorationen im Rokokostile
bringt Rudolf Trunk, auf Seite 284 und 255;
ihre Technik wird in dem begleitenden Auf-
satze des Nähern gewürdigt. — Die Vignetten
auf Seite 237 und 253 verdanken wir Hugo
Höpfncr, die Randleisten auf Seite 242 und
248 Kurt Ollmuth.

Mit diesem Hefte schliesst
der erste Jahrgang unserer
Zeitschrift. Wir bitten deshalb
unsere geehrten Abonnenten,
das Abonnement zu erneuern.
Über den Inhalt des neuen —
zweiten — Jahrganges geben
wir im nächsten Hefte das
Nähere bekannt.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
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