Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Hugo Hüpfner.

Pie Neue richTüNq uNp

pie kuNsTgeVerbesgIuleN

Von HUGO HOPPNEE.

eitdem wir in Deutschland den alten Schlendrian
aufgegeben haben, seitdem wir der modernen Rich-
tung im Kunstgewerbe huldigen und damit endlich und
endgültig auf das Kopieren und Nachempfinden ver-
gangener Stile verzichtet haben, jener Stile, die für
ihre und in ihre Zeit passend, von uns für uns
zurechtgestutzt, immer höchstens eine vorüber-
gehende aufoctroierte Geschmacksrichtung hervor-
bringen konnten, seitdem eine mutige Künstlerschar,
unbeirrt um das Geschrei verknöcherter Stilfana-
tiker, denen im ewigen Kopieren der höhere Schwung
für unmittelbare Frische verloren gegangen, daran
arbeitet, einen unserer raschpulsierenden Zeit und
unseren modernen Lebensbedürfnissen Rechnung
tragenden Stil aus sich heraus, mit Benutzung
selbststilisierter Naturformen zu schaffen, ist es wohl
angebracht, die Frage zu beleuchten: wie stellen
sich die bestehenden Kunstgewerbeschulen älteren
und neueren Datums dazu, wie sind sie förderlich oder hinderlich für die Ausbildung
von Leuten, die sich an der Neubelebung des Kunstgewerbes beteiligen wollen.

Es ist wohl jedem, der das Kunstgewerbe aufmerksam verfolgt, aufgefallen, wie
vielseitig einerseits und wie verhältnismässig klein andererseits die Zahl der Künstler
ist, die sich durch zeitgemässe individuell und künstlerisch empfundene und durch-
geführte Entwürfe und Schöpfungen bemerkbar machen, und wie selten Specialisten
durch moderne kunstgewerbliche Erzeugnisse die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Es

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