Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Abb. 15. — Zwei &usseiherne Kaminplatt&n mit dem Wappen der "Stadl Met/

EIN rlQLZS^NlTT PES 15. JArlRrluNPERTS

IM MUSEUM PER 5TAPT METE'

von J. B. KEUNE.

(Hierzu Abbildung 16).

Der Stadtarchivar Proth entdeckte im
Jahre 1861 unter dem Einband eines Aus-
gabeverzeichnisses der Stadt Metz zwei
Bruchstücke eines Holzschnittes, der wegen
seiner Beischriften den Tafeldrucken bei-
zuzählen ist, wie sie bereits vor Guten-
bergs Erfindung der beweglichen Lettern
gebräuchlich waren. Die beiden Bruch-
stücke wurden sogleich nach ihrer Ent-
deckung in den Sitzungen der «Societe
d'archeologie et d'histoire de Ja Moselle »,
der Vorläuferin der Gesellschaft für
lothringische Geschichte und Altertums-
kunde, gebührend gewürdigt und einem
Anerbieten des Professors an der « Ecole
des chartes », Vallet deViriville, zufolge nach
Paris geschickt, wo sie unter Leitung des
genannten Gelehrten in zweckmässiger
Weise aufgezogen und von Pilinski in
einer genauen Nachbildung wiedergegeben
wurden, die gleichfalls das Museum der
Stadt Metz verwahrt. Das Original, wie
die Nachbildung, waren in den Ausstellungs-
räumen des Museums aufgehängt, bis im

1 (i Bulletin de la Societe d'archeologie et d'his-
toire de la Mosellei) IV (1861), 62-67, 180-185, 216-

217, 253-256; vi (1863), 69-71, 79 f. 157-159, 173;

«Bulletin de la Societe des antiquaires de France»
1863, 127-132; C.-M. Briquet im «Bibliographe mo-
derne 1) 1900, n°2; vgl. Kraus," Kunst und Altertum
in Elsass-Lothi ingen < III, 779-780.

Jahre 1889 die Sammlung Migette aus dem
Stadthaus ins Museum überführt wurde
und zu diesem Zwecke Platz geschaffen
werden musste. Damals verfiel das wert-
volle Stück dem Missgeschick, unter die
«zurückgestellten Bilder» der Gemälde-
sammlung zu geraten und nach dem
Speicher verbannt zu werden; seit einigen
Jahren aber ist es wieder aus dem Staub
ans Licht gezogen.

Die beiden Bruchstücke rühren von
einem Ganzen her, welches in drei Abteil-
ungen, vielleicht auf je einem Doppelblatt,
die « neuf preux», d. h. neun Helden dar-
stellte, drei des heidnischen Altertums:
Hector, Alexander den Grossen und Cäsar;
drei des biblischen Altertums : Josua,
David und Judas Machabasus, sowie drei
der christlichen Zeit : Artus, Karl den
Grossen und Gottfried von Bouillon. Diese
Zusammenstellung war im mittelalterlichen
Frankreich offenbar recht beliebt. So gab
es auf dem Stammschlosse des Metzer
Bischofs Raoul de Coucy, dem chäteau de
Coucy, in der ersten Hälfte des 15. Jahr-
hunderts eine « salle des preux », in
welcher die Statuen jener neun Helden
aufgestellt waren ', und die Sammlung des
Louvre besitzt ein hölzernes Diptychon

' « Bull. Mos. ( VI, 158-159.
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