Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

Page: 52
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kgel1900_1901/0065
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
UNSERE ILLUSTRATIONEN

Die in Farbendruck ausgeführte Tafel an
der Spitze unseres Heftes gibt ein Glasfenster
aus der St. Magdalenenkirche in Strassburg
nach einer Copie von dem Maler und Lehrer
der Kunstgewerbeschule A. Cammissar wieder.
Um 1480 wurden diese farbenprächtigen Glasge-
mälde mit den Bildern aus der Legende der
heil. Magdalena und der heiligen Jungfrau
Maria, sowie mit den Bildnissen und Wappen
der Stifter ausgeführt. Unser Farbendruck
zeigt oben die Darstellung der heiligen Jung-
frau mit dem Jesuskinde, unten das Wappen
des Stifterehepaares, der Familie Böcklin von
Böcklinsau und der Familie Wurmser. Wir
werden bei Gelegenheit der Reproduktion
eines zweiten Fensters noch eingehender auf
diese Glasgemälde zu sprechen kommen.

Seite 3i und 33 bringen Darstellungen von
prähistorischen Steingefässen und ihrer Orna-
mente, zu welchen der an erster Stelle ver-
öffentlichte Aufsatz Dr. Forrer's die nöthigen
Erklärungen bietet.

Seite 35 ist der Darstellung eines in Silber
und in Vergoldung ausgeführten Bechers ge-
widmet, entworfen von Prof. A. Seder. Auf
der Blattranke, die sich um den Becher theils im
Flachrelief, theils in erhabener Arbeit windet,
sitzt eine Brieftaube. Der kleine Becher ist
als Ehrenpreis für die letzte Brieftaubenaus-
stellung von Seiner Durchlaucht dem Fürsten
Statthalter gestiftet worden. Inschrift, Wappen
und Jahreszahl künden Zweck und Entstehung
des Bechers. (Unsrer Reproduktion liegt eine
photographische Aufnahme von Dr. Haus-
mann zu Grunde.)

Seit 37 enthält zwei Arbeiten aus der
Schlosserabtheilung der Strassburger Kunst-
gewerbeschule : einen in Blüthen- und Blatt-
motiven ausgeführten Lustre und einen Paravent,
bei dem ebenfalls hauptsächlich Pflanzenformen
verwendet sind.

Seite 38 zeigt ein Wandschränkchen, grün
gebeizt.

Auf Seite 39 findet sich ein Armsessel aus
roth gebeiztem Nussbaumholz mit Fassung
und eine Ecketagere aus Pitchpineholz mit
Intarsia. Die drei letztgenannten Arbeiten
sind nach Entwürfen von K. Rapp in der
Kunstgewerbeschule ausgeführt worden.

Seite 41 u. 42 bringen: ein altes Mülhauser

Druckmuster, die Darstellung einer hölzernen
Walzendruckmaschine und das Wappen der
Zeugdrucker (Cliches aus dem Besitze von
Dr. Forrer.)

Seite 43: Ein Raum aus der Sammlung des
Herrn Fabrikbesitzers Georg Spetz in Isenheini.

Seite 45 enthält eine Füllung aus der «Salle
du Dais » des alten bischöflichen Schlosses zu
Strassburg. (Photographische Aufnahme von
Dr. Hausmann.)

Seite 47 bringt Zeichnungen von Hugo
Höpfiter, die hauptsächlich als Umrahmungen
für Zeitungsannoncen gedacht sind ; sie sollen
durch ihre einfache, dabei aber kräftige Li-
nienführung die Aufmerksamkeit der Leser
auf sich lenken.

Seite 49 bietet eine Tafel mit einfachen,
dekorativ aufgefassten Entwürfen für Kunst-
stickereien von Adolf Leibrock, Oberlehrer
der Technischen Schule. Auf dem Gebiete
der dekorativen Stickerei wird bekanntlich jetzt
der Seidenapplikation wieder grössere Auf-
merksamkeit zugewendet. Für diese Technik
bietet unsere Tafel drei Beispiele: die beiden
Kissen in der Mitte, sowie das Viertel einer
Tischdecke links unten. Die beiden Entwürfe
oben (sog. Servirtischdecken) sind für farbige
Stickerei auf Leinen bestimmt; bei dem
Alpenveilchenmotiv sind Blätter und Blüthen
in natürlichen Farben gestickt, Stengel in
blaurother Schnur aufgenäht; bei dem Orna-
ment sind Füllstiche in hellblau, Umrisse in
gelbbrauner Schnur aufgenäht. Die Ecke einer
Tischdecke rechts unten zeigt auf graugrünem
Grund in kräftigem Braun und Grün gehaltene
stilisierte Baumzweige.

Seite5i u. 62: Hocker undSchemel,dann Salon-
tisch; ausgeführt unter Leitung von K. Rapp.

Bezüglich der Ausstattung dieses Heftes sei
bemerkt, dass die als Titelvignette verwendete
elsässische Landschaft (vom schwarzen See)
von dem Kunstmaler und Lehrer der Kunst-
gewerbeschule Georg Daubner stammt; die
Vignetten auf S. 32, 40, 44 und 46 sind sämtlich
von dem Maler und Lehrer der Kunstgewerbe-
schule Hugo Höpfncr gezeichnet.

* *i Das folgende dritte Heft wird
dem Meister Wendel Dietterlin gewidmet
sein und eine Reihe von Reproduktionen
seiner Entwürfe enthalten, $ $

Für die Redaktion verantwortlich: Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
loading ...