Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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der Jahre 1461-1464; es
beginntnämlich mit dem
Februar 1461, der nach
damaliger Rechnung
noch dem Jahre 1460
zugezählt wurde, weil
erst mit dem Fest der
Verkündigung Maria,
25. März, das neue Jahr
begann. Da nun die Be-
schaffenheit des Regis-
ters keinen Zweifel lässt,
dass das Buch bereits
gebunden war, ehe die
Ausgaben darin einge-
tragen wurden, so muss
der Holzschnitt vor den
Februar desJahres 1461
fallen. Dass er aber der
Mitte des 15. Jahrhun-
derts angehört, lehrt
das Papierzeichen. Auf
dieses hatte schon Yallet
de Yiriville hingewie-
sen, einer genaueren
Prüfung ist dasselbe in
jüngster Zeit von Herrn
Briquet aus Genf unter-
zogen worden. Als Pa-
pierzeichen dient eine
Wage mit überlangem
Wagebalken, an dem
beiderseits an drei
Schnüren halbmondför-
mige Wagschalen hängen. Der über dem
Wagebalken sich erhebende Träger endigt
in einen Ring, welchen ein kleines Kreuz
krönt. Die Wage war ein beliebtes Papier-
zeichen, dessen Gebrauch von 1356-1562
nachweisbar ist. Wagen aber, die der unseren
ähnlich sind, finden sich als Papierzeichen
von 1415-1477 in einem auch räumlich
enger begrenzten Gebiete. Allein was dem

Abb. IS. — Gotische Fliesen ans der 8t. Katharlnenkapelle bei Oberhomburg.

Papierzeichen des Metzer Holzschnittes
eigentümlich ist, ist das Kreuz, und dieses
Kreuz hat Briquet nur noch in Papier-
zeichen von Registern der Stadt Cöln aus
den Jahren 145t und 1452 gefunden. Wenn
er daher den Metzer Holzschnitt dieser
Zeit zuweisen will, so stimmt diese Zeit-
bestimmung mit den anderen Kennzeichen
für das Alter desselben.

Pie Metzer Bürgermeisterkette wurde
von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser im
Jahre 1893 der Stadt Metz verliehen.

Im Charakter der späten Gothik als der
Zeit da Metz noch deutsch war, entworfen und
sich an die prächtigen Goldschmiedearbeiten
dieser Periode anlehnend, zeigen die einzelnen
Kettenglieder das Bild eines sogenannten
« Liebesknoten » zwischen denen sich ein Glied
mit je zwei stilisirten, violetroth emaillirten
Nelken befindet, welche in der Mitte mit Tafel-
steinchen besetzt sind. Weiter folgen zwei
grössere Glieder mit emaillirten Granatäpfeln
und befindet sich in der Mitte das Portrait Sr.
Majestät des Kaiser Wilhelm IL überdacht von
einem reichen Baldachin an dessen Basis das

deutsche Wappen mit dem Reichsadler ange-
bracht ist.

Mit Kettchen daran befestigt, hängt als
Kettenkleinod, das Symbol der Stadt Metz « die
Jungfrau (Pucelle) » mit dem Wappenschild der
Stadt, umgeben von einem Spruchband, auf
dem der von Ludwig XIV, König von Frankreich,
für Metz gewählte Wahlspruch angebracht ist:
« Sie ist in guten Händen. » Den Schluss der
Kette, das Kettenschloss bildet das von den
lothr. Greifen gehaltene lothringische Wappen.

Ausgeführt ist die Kette in Feingold im
Atelier des kgl. bayer. Hofgoldschmiedes Theo-
dor Heiden in München, nach Entwürfen von
Prof. Ant. Seder, Direktor der Kunstgewerbe-
schule Strassburg i. E.
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