Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Leitschuh Dürer im Elsass.

Fassadenfüllung von Elchin}!

den grossen Hochaltar für das Münster
gemalt hatte, wieder nach Strassburgzurück.
All' das lässt uns darauf schliessen, dass
Baidung eigentlich ein Strassburger war.

Wo lernten sich Dürer und Hans
Baidung kennen? Thausing meint, Baidung
sei ein Mitschüler Dürer's bei Wohlgemuth
gewesen. Er ist nur wenig jünger als
Dürer. Das ist aber ganz unwahrschein-
lich. Wir wissen, dass Dürer in Strassburg
arbeitete. Offenbar traf er schon damals
mit Baidung in Strassburg zusammen,
arbeitete vielleicht mit ihm in einer Werk-
stätte. Es ist auch nicht unwahrscheinlich,
dass er von 1507 —1509 zusammen mit Dürer
in Nürnberg gearbeitet hat. Dürer ist jeden-
falls der Künstler, dem Baidung am meisten
verdankt: Ernst der Gesinnung, Gewissen-
haftigkeit des Studiums, Strenge der
Zeichnung. Aber auch das persönliche
freundschaftliche Verhältnis der beiden
Maler ist merkwürdig genug. Dass Dürer
das « Grienhansen Ding»

Fassadenfüllung von Elchingcr

Holzschnitte, mit nach den Niederlanden
nahm, um sie im Interesse des Meisters
zu verkaufen, ist ein unzweifelhafter Be-
weis der freundschaftlichen Beziehungen.
Ein Denkmal ihrer Freundschaft ist end-
lich eine blonde Locke Dürer's, die Hans
Baidung nach dem Tode des Nürnberger
Meisters erhielt. Diese Reliquie blieb in
Strassburg lange Zeit, wo ihre Wanderung
von Hand zu Hand durch glaubwürdige
Zeugnisse verfolgt werden kann. Zuerst
kam sie in die Hände des Strassburger
Malers Nikolaus Krämer, dann wanderte
sie 1559 in die Hände des Sebald Bühler
in Strassburg, dann erhielt sie der Glas-
maler Josias Schacher in Strassburg 1595.
1649 ging die Dürerlocke in den Besitz
des Strassburger Kunstliebhabers Balth.
Ludwig Künast über, der sie an die
Herren v. Holzhausen in Frankfurt weiter-
gab. Später besass sie der bekannte
Kunstliebhaber Hüsgen in Frankfurt. Dann
fand sie sich bei dem Maler Eduard Steinle,
jetzt ist sie Eigentum der Wiener Akademie
der Künste. Von 1528 bis etwa 1668 befand
sich aber, wie gesagt, diese Dürer-Re-
liquie in Strassburg.

nämlich dessen
Wichtigersind die übrigen Beziehungen
Dürer's zu Strassburg, die eine Förderung
des humanistischen Treibens jener Zeit
bedeuten.

Dürer erscheint bekanntlich auch unter
jenen Meistern, welche für Grieninger, den
Strassburger Buchdrucker, Zeichnungen
lieferten. Das gilt vor Allem von dem
1525 in Strassburg erschienenen Ptole-
mäus, der auf gemeinschaftliche Kosten
von Grieninger und dem Nürnberger Buch-
drucker Koberger erschien. Der Titel ist
mit älteren Holzschnittverzierungen, mit
religiösen Darstellungen, die andern Blätter
sind mit mancherlei unpassenden Leisten
eingefasst. Ebenso sind die wahrscheinlich
von einer älteren Ausgabe herrührenden
Karten auf den beiden Aussenseiten mit
ähnlichen Darstellungen, oft das obere nach
unten gekehrt, in geschmackloser Weise
verziert.

Wichtiger als alle diese handwerks-
mässigen Holzschnitte ist ein auf Blatt
69 befindlicher Holzschnitt, eine Armillar-
sphäre darstellend, umgeben von 12 bla-
senden Köpfen, welche die Winde der
verschiedenen Himmelsgegenden andeuten.
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