Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Bodo Ebhardt: Das Kunstgeiverbc auf der Hohkönigsburg.

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und verdübelt waren; diese waren dann
ihrerseits mit Bohlen überdeckt, auf denen
wir Schüttung oder Estrich nach der noch
erkennbaren grossen Höhe anzunehmen
haben.

Der grösste Teil der Räume war jedoch
mit Stein gedeckt, in grösseren Räumen
wie Kapelle und Saal durch Sandstein-
bogen mit starken Profilen unterstützt.

Die Fenster waren mit Butzenscheiben
geschlossen, von deren Bleifassung Reste
erhalten sind. Gegen aussen wahrten starke
eiserne Gitter die Oeffnungen (um die Gitter
stehlen zu können, sind leider zahlreiche
Fenstergewände stark zerstört worden).
Die Holzrahmen der Fenster trugen sicht-
bare Eisenecken und Vorreiber als Beschlag.
Die Abmessungen der Fenster sind ver-
hältnismässig reichlich. Die Zimmer mün-
den in den beiden Hauptflügeln fortlaufend
in einander, innere Gänge fehlen, doch
sind im Hof 4 Wendeltreppen und 2
offene Holzgallerien für den Verkehr an-
geordnet gewesen. Zahlreiche Aborte sind
in den verschiedenen Geschossen des
Hochschlosses in den Aussenmauern vor-
gesehen. Viele Räume .sind verhältnis-
mässig klein.

In solchem Zustand etwa war die
Burg, soweit der Wohnbau in Frage
kommt, noch unter dem letzten Verteidiger,
dem Herrn von Lichtenau; — als sie von
den Schweden 1633 zerstört wurde, ging
also ein Sitz alter Kunst und Kultur zu
Grunde. Was nicht niet- und nagelfest war,
wurde fortgeschleppt (wir haben aus dem
30 jährigen Kriege ja zahlreiche Nach-
richten, dass nicht nur Geld und Geldes-
wert, sondern selbst Wandteppiche und
Möbel von den Eroberern mitgenommen
werden, z. B. in Schloss Langenburg a.
d. Jaxt).

Was die Schweden damals mit Feuer
und Schwert zerstört haben, war ein Bau
von unvergleichlicher Kühnheit, von hoher
Schönheit und von einer Eigenart der
Erscheinung, die selbst seine, allerdings in
selten grossartigem Umfang erhaltenen
Trümmer noch weit über ähnliche Werke
emporheben, ein Bau innen reich ausge-
stattet mit allem was ein grosser Herr für
den täglichen Gebrauch in seinem Hausstand

benötigte, ferner eine Veste, die weniger
durch Zerstörung der Bauten als durch
Hunger bezwungen wurde. Sie trug eine
starke Wehr an Kriegsbedarf, zahl-
reichen Kanonen, Falkonettlein und Haken-
büchsen, Pulver im Turm, Werfkugeln,
Pechpfannen, Mörsern und Steinbüchsen
u. s. w. War sie doch ein eifer-
süchtig bewachter, strategisch höcht wich-
tiger Besitz des cestreichischen Hauses,
der den Pass durch das Leberthal nach
Frankreich bewachte und dessen Werth-
schätzung aus den Worten eines Gut-
achtens der cestreichischen Regierung
vom 14. Januar 1533 hervorgeht: «son-
« derlich dieweil dieses Haus hohen
« Kunigsperg nit ein gemein schlecht Haus
«sondern ein trefflichs Ortschloss, deran
«Königl. Maj. und den vorderen Erb-
« landen viel gelegen ist.» Von den mit
östreichischen Wappen geziert gewe-
senen Geschützen und dergleichen ist
natürlich das wenigste auf uns gekommen ;
als gute Kriegsbeute werden die Schweden
neben allem Beförderbaren vor allem die
Waffen mitgenommen haben, so dass auch
hier, wie an anderer Stelle berichtet wird,
die Burg «fein säuberlich ausgeleert» war,
ehe sie den Flammen übergeben wurde,
die alles Brennbare vernichteten, die ge-
waltigen Steinbauten aber bis zum Dach
stehen lassen mussten, sodass die heutige
Wiederherstellung nicht Wesentliches neu
hinzuthun, sondern nur Beschädigtes er-
gänzen wird. Bodo Ebhardt,
Herbst 1900 Architekt.

Abb. 20. — Hohkönigsburg. Kanonenkugeln.
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