Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

Seite: 127
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Forrer ■■ Die Strassburger historische Schmuck-Ausstellung von 1904. 127

2S4-

257.

256.

Fig. 254—267. Kameenschmuck der 1. Hälfte des XIX. Jahrhunderts.
Sammlung Commerzienrat Joseph Cremer.

Louis XVI- und des Directoire-
Stiles; die Antike feierte damals ihren
Triumphzug im Norden wie im Süden.
Dann kam die Zeit der Romantik, die
Zeit der Walter Scott'schen Ritterromane
und mit ihr die Vorliebe für mittelalter-
liches Rittertum, für die Gotik. Gotische
Ornamente und Motive linden wie auf
Buchdeckeln, an Bauten und an Möbeln so
auch auf Schmucksachen wieder An-
wendung; oft in seltsamer Verquickung
mit durch die vorangegangene Vorliebe
für die Antike gegebenen antikisierenden
Elementen; ich erinnere an das Kamm-
diadem Fig. 218 mit gotischen Spitz-
bögen, an das Armband Fig. 228 mit
gotisierender Goldfassung und antiki-
sierender Mosaikeinlage.

Dann greift man auf die Kunst des
Rococo zurück und imitiert den Stil
Louis XV (vgl. die Fassungen Fig. 258
und 259); es ist ein Rococo freilich, das
ebenso weit von dem des XVIII. Jahr-
hunderts entfernt liegt, wie die Roman

tikergotik von der des XIV. und XV.
Jahrhunderts.

In den sechziger und siebziger Jahren
begann dann die Renaissance, ihre
Auferstehung zu feiern, im Buchschmuck,
im Hausbau, im Möbel und natürlich auch
in der Schmuckindustrie. Bis zu Ende
des XIX. Jahrhunderts war diese Richtung
herrschend und hat besonders in den
neunziger Jahren bezüglich Schönheit
und Reinheit des Stiles Hervorragendes
geschaffen (vgl. Fig. 263 — 269, darunter
eine Goldemailkette von Lalique in Paris
und zwei von Meister Prof. Anton
Seder entworfene und von Walter
Eberbach ausgeführte Ehrenketten, die
eine für den Straßburger Bürgermeister,
die andere für den Rektor der Straü-
burger Universität). — In den letzten
Jahren des XIX. Jahrhunderts traten
dann zur Neu-Renaissance Nachbild-
ungen anderer Stile, vor allem des
Louis XIV, Louis XVI und des
Empire. Daneben herrscht der seit den
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