Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 5.1907

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den Künstlern, von denen man fast glauben möchte, dass
ihnen die Armut nötig sei, um zu schaffen .... Er hat
in der glänzendsten Zeit seiner Laufbahn, von 1870 bis
1880 in der schlimmsten Lage gelebt und ist wahr-
scheinlich einer der glücklichsten Menschen gewesen.
Er verkaufte im Alter seine Bilder zu denselben Preisen,
die Diaz in seiner Jugend erzielt hatte; ein bis zwei Louis
war die Taxe. Er ist damit reicher als irgend ein Carolus
Duran gewesen. Sein Oeuvre zählt nach vielen Tau-
senden. Seine Zeit hat er genau berechnet, als er nicht
ohne Stolz sagte: „Je peins pour dans trente ans." Aber
noch bevor der Amateur sich seiner besann, entdeckten
ihn in Schottland und Frankreich die Künstler. Am
tiefsten fasste ihn der Holländer, der, wie schliesslich
Monticelli, das ewige Licht mit der Umnachtung des
Geistes zahlte: Vincent van Gogh."

Ihne hat mit den neuen Räumen der Akademie der
Künste, im umgebauten Arnimschen Palais bewiesen,
dass er Ausstellungssäle bauen kann, die gutes Licht
haben. Nach den Proben im Kaiser-Friedrich-Museum
hätte das Niemand für möglich gehalten.

Das neue Haus wurde mit einer Mitgliederausstel-
luncr von erfreulicher mittlerer Güte eröffnet. Alte,

aber eben darum auch bewahrte Bilder. Ein paar wür-
dige Gäste: Zorn, Israels, Rodin, Lagae; Vertreter des
Soliden: Graf Harrach, Hildebrand, Köpping, Tuaillon,
Gaul, O. H. Engel; eine wertvolle neue Plastik von
Klinger; und als Trumpf: den Häuptling der Sezession
in den heiligen Hallen der Akademie. Wie tönt es doch

Peer Gynt
mählich."

ins Ohr? „Der grosse Krumme siegt all-

K. WALSER, FIGURINE FÜR ,,FIGAROS HOCHZEIT"

Eine Ausstellung von Lenbachs Werken fordert
immer zu heilsamer Bescheidenheit auf. Es kann nicht
mehr die Rede sein, diese historisch gewordene Kunst
zu kritisieren; die Zeit hat bereits das Richteramt über-
nommen. Doch ist es gut, sich zu erinnern, wie hoch
die Begeisterung selbst der ruhigsten Kenner vor diesen
geistreichen Begriffskünsten einst schwärmte, daran zu
denken, dass die nun langsam vergilbenden, scharfen
Schriftzüge eines prachtvoll assoeiierenden Verstandes
für die bedeutende Handschrift des Genies genommen
wurde. Bei Gurlitt war in diesen Wochen Gelegenheit,
vor Werken Lenbachs, über die Autosuggestionen nach-
zudenken, die auf private und allgemeine Urteilsbildung
Einfluss gewinnen. Und Schlüsse auf gegenwärtige Zu-
stände zu ziehen. Hüten wir uns, dass die Zeit, die
unbarmherzig einst unser Thun und Lassen kritisieren
wird, uns^Überklugen nicht gerade dort trifft, wo wir am
stärksten zu sein glauben. Zur Wahrheit des Bleibenden
verhelfe uns der Genius der Einfalt.

Durch die Verlegung der Unterrichtsanstalt hat das
Berliner Kunstgewerbe-Museum bedeutenden Raum ge-
wonnen. Der Sammlung kommt diese Ausdehnung
zugute, wenn auch die kleinen Museen in der Regel
den grossen vorzuziehen sind. In diesem Fall lässt sich
Kants Wort anwenden, dass „manches Buch viel kürzer
sein würde, wenn es nicht so kurz wäre". Die früher
zusammengedrängten Schätze der Sammlung sind durch
die Erweiterung und durch geistreiche Anordnung über-
sichtlicher geworden.

Nicht einzusehen ist es, warum nicht in einem
Kunstgewerbemuseum die Deckenmalereien und Wand-
dekorationen auch als Ausstellungsobjekte behandelt
werden. Die Plafonds in den neuen Räumen sind Thaten
eines besseren Malermeistergeschmacks. Wenn sie teil-
weise von Schülern der Unterrichtsanstalt ausgeführt
sein sollten, war es freilich hohe Zeit, dass Bruno Paul
kam.

•SS-
Wunderliche Empfindungen erregte im Kunst-
gewerbe-Museum eine Ausstellung, die die Ergebnisse des
verbesserten Zeichenunterrichts in den preussischen
höheren Schulen bekannt machte. Das pädagogische

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