Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

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Hermann Bek-Gran.


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100 7AHRE SIN) DAHINGEGANGEN,SEIT BAS HAUS 6ÄGLAFEY
GEGRÜNDET WURDE- 100 ZÄHRE HAT CTE FIRMA MiT ALLEN KRÄF
TEN DANACH GESTREBT IN IHREM RACHE GUTES ZU LEISTEN UND
iHREN ABNEHMERN DAT BESTE ZU ÄETEN-MIT STOLZ KANN SIE
HEUTE AUF DEN KREIS DERER BÜCKEN/DIE DURCH MEER AIS 3 GE-
NERATION EN IN TREUE ZU MC GEHALTEN UN) VIELFACH IN FREUTO
SCHAFT MIT IHR VERBUNDEN WAREN-OHNE DIESE GESCHÄFTSFREUN
-vE/OHNE DEREN ANHÄNGLICHKEIT WÄRE DAS BLÜHEN UN) GEDEIH«
DER FIRMA NICHT DENKBAR-

ZUR ERINNERUNG AN DIESE HUTOEKTiAHRFEiER MOCHTE SIE DA-
HER IHNEN DIE EiNUEGEfOE PIAKETTE ÜBERREICHEN,MiT DER BrTTE/
DIESELBE AK EIN ZEICHEN DER DANKBARKEIT ENR5EGENNEHMEN ZU WOILEN

WIE DER jÜNGÜNG AUF DEM BILDWERKE SICH DEN KRANZ ALS PREIS
SEiNER MÜHE ERRUNGEN HAT/SO HOFFT AUCH DAS HAUS 61AFEY IN7U
•KUNFT DURCH RASTLOSES FORTARBEiTEN, DURCH ZEITGEMÄßES GESTAL-
TEN SEINER PRODUKTION/DURCH BERÜCKSICHTIGUNG ALLER WÜNSOE
SEINER ABNEHMER DEREN ANERKENNUNG IMMER AUFS NEUE ZU GE
-WINNEN - MÖCHTEN DIE ALTEN FREUNDE DANN AUCH IN TREUE l
NOCH FÜR LANGE ZÄHRE DER FIRMA ZUR SEITE STEHEN-

NÜRNBERG/DEN 10 AUGUST 1908
GAGLAFEY-

•H-ßEK-ORAN-

5. Gedächtnisblatt für die Firma G. A. Glafey.

manchen anderen einseitig beschränkt —, hat so
manches auch verstreut und dabei verloren, freilich
nicht durch eigene Schuld; das wäre bei seiner
für einen Aünstler schier unheimlichen Ordnungs-
liebe überhaupt nicht möglich, (kr hat gelegent-
lich wohl auch einmal eine photographische Familien-
chronik mit seinen zierlichen Umrahmungen zu künst-
lerischer Wirkung zu erheben versucht, hat für eine
säkularfeiernde Nachtlichterfabrik Originalverpackung
und Begleitschreiben (Abb. Z) entworfen, hat Faß-
stempel gezeichnet und für einen fröhlichen Aegel-

abend ein Scherzplakat in fröhlicher
Laune hingeworfen (Abb. ^), merk-
würdigerweise aber fand er ver-
hältnismäßig noch selten Gelegen-
heit zur Betätigung ans dem Gebiet
des Exlibris und der Buchillustration
im engeren Sinne des Wortes, ob-
wohl feine Neigung und seine
Befähigung ihn daraus hinwiesen
(Abb. 3—8). Verfasser ist z. B.
nicht der erste, wie er mir selber
bestätigte, der Bek aus Ulörike hin-
gewiesen hat; und manche seiner
wonatsvignetten zeigen auf den
ersten Blick, daß er der geeignete
wann wäre, um eine Dichtung wie
etwa Spittelers „Olympischen Früh-
ling" unübertrefflich zu illustrieren.

Um es zu wiederholen: Bek-
Gran ist eine typische Aünstler-
gestalt im Zeitalter der Sachkunst.
Und zwar hat er sich hier ein Ar-
beitsseid geschaffen, das — keines-
wegs so aussichtsreich uud verlockend
wie Innenarchitektur und Aaum-
ausstattung, Gartenbau usw. — der
Geschmacklosigkeit rettungslos aus-
geliefert erschien; denn wenn auch
für Buchschmuck, Illustration u. dgl.
viele pände sich regten, die ungeheure
Ulenge anderer „Sachen", die aus
oder auf Papier hergestellt, sonst
noch unser ästhetisches UUßbehagen
Hervorrufen, schien man als not-
wendiges Übel ruhig hinnehmen
zu wollen. Die Abneigung gegen
das Zeug muß aber doch vorhanden
gewesen sein, denn mehr und mehr
vergrößerte sich der AreisBek-Gran-
scher Tätigkeit, für die es sozusagen
kein Fleckchen Papier oder Aarton
so klein und unbedeutend gibt, daß
seine Aünstlerhand es nicht in aller Bescheidenheit
und unbeschadet aller Zweckmäßigkeit anmutig und
ästhetisch einwandfrei gestalten könnte. Die „große
Aunst" tritt da wohl oder übel zurück. Zwar hängen
noch heute in Becks Atelier vorzügliche Aktstudien,
wohl hat er sich bis auf diesen Tag eine stille Liebe
für die Landschaft bewahrt, für sonnengrelle
Pleinairstudien wie für „stille Winkel" in alten,
verträumten Nestern (f. seine Arbeiten im diesjähri-
gen Glaspalast), eine Neigung, der er als „Sach-
künstler" übrigens ausgiebig genug frönen konnte

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