Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

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vom Büchermarkt.

654,-656. Neue Versalien; von Max Lieber mann. Berlin.

Im Verlag von Koitrab !v. Mecklenburg, vorm. Richterscher Verlag. Berlin.

tigste, nämlich zu wissen, worauf es bei jeder Art
Sachkunst ankommt, auf die Anpassung der Aunst
an die gegebene Sache, — an den in der Sache selbst
wurzelnden Stil. Initialen treten immer in Ver-
bindung mit Lettern irgendwelcher Schriftgattung
auf. die meist aus senkrechten und wagrechten Form-
elementen bestehen; um mit diesen in Abereinstim-
mung zu kommen, muß das Initial sich vor allem
den Gestaltungsgesetzen der zugehörigen Schriftgattung
fügen, damit es als ein Wesen gleicher Art — wenn
auch höheren Ranges — erkannt wird. Würde
jemand die Wax Liebermannschen Initialen be-
nutzen, um den zugehörigen sonstigen Text hand-
schriftlich in der gleichen flüchtigen Art dieser
Initialen hinzuzufügen, dann würden letztere zwar
an sich nicht besser, aber es könnte dann wenigstens
eine gewisse Übereinstimmung zwischen Initial und
Textzeilen versöhnend wirken. Von den Wax Lieber-
mannschen Initialen wird sich aber jede einzelneneben
irgendeiner mit Drucklettern hergestellten Schristzeile,
mit deren Wesen Sauberkeit und Gleichmäßig-
keit untrennbar verbunden sind, ausnehmen wie ein
hergelaufener Fremdling, der in seiner abgerissenen
Aleidung nicht zu der übrigen gesitteten Gesellschaft
paßt. Ob es überhaupt zweckmäßig ist, das Initial
zur Unterbringung landschaftlicher und anderer Bilder
zu benutzen, ist eine Frage für sich; gewiß ist aber,
daß die ruhige Einheitlichkeit der bedruckten Buchseite
durch derartige Initialen gestört wird. Das trifft zwar
bei sonstigen Buchillustrationen auch zu; aber beim
Initial ist der Buchstabe die Hauptsache, nicht das
Bild, und eine vernünftige Sachkunst ordnet das Bild
dein Buchstaben unter und läßt nicht diesen einsam
und verlassen gleich einer Vogelscheuche auf dem Felde
stehen. Zum besseren Verständnis des Gesagten
bringen wir einige dieser Initialen zum Abdrucke.
Von dem Geschmack unserer Buchdrucker aber hoffen
wir, daß diese gegen die Sirenensänge des Verlegers
ihre Ohren verschließen. O.

Mom (KücherinarKL.

eursche Malerei des 19. Jahrhunderts; hundert
farbige Reproduktionen nach Gemälden; mit
einer historischen Abersicht von Dr. F. Dülberg.
20 Hefte zu je 5 Blatt auf Aarton, samt Begleit-
text, alle 2 bis 3 Wochen ein Heft, vollendet zu
Weihnachten sß08. Das Heft im Abonnement 2 W.,
einzeln 3 W. Verlag E. A. Seemann, Leipzig,
Heft 3.

Die Verdienste Seemanns um die Verbreitung
von Aunstwiffen und Aunstverstehen sind längst an-
erkannt; der Verlag hat es von jeher verstanden,
alle Fortschritte der Forschung und der Technik in
seine Dienste zu stellen, uud was er in diesem neuen
Unternehmen, dessen einzelne Blätter eigens für
dieses hergestellt und noch in keiner der übrigen
Seemannschen Sammlungen erschienen sind, bietet, das
gibt wieder einen neuen Beweis dafür. Da sind die
verschiedenartigsten Werke von Lenbach, Leibl, Dill,
Alinger, Baisch, Schönleber, Lessing, Aalckreuth,
Bartels, Feuerbach rc., alle in ganz unvergleichlich
treuem Wehrfarbendruck wiedergegeben; man be-
dauert nur, daß eben manche Bilder durch die un-
vermeidliche starke Verkleinerung etwas von der Ur-
sprünglichkeit ihrer Wache verloren haben. Die
Bilder von Lenbach, Leibl, Hasemann, Dill, Schön-
leber, Schuch — um nur einige zu nennen — sind
von einer geradezu verblüffenden Treue; man kann
den Verlag und das um Aunst interessierte Publikum
zu diesen vollendeten Blättern (die auch einzeln in
Rahmen zum Preis von 3 W. zu beziehen sind)
nur beglückwünschen. Jedes Blatt ist von einem
kurzen, den betreffenden Aünstler und sein Werk
charakterisierenden Text begleitet, in den sich mehrere
Aunsthistoriker geteilt haben. Wenn es gestattet ist,
einen Wunsch zu äußern, so ist es der, daß auf dem
Textblatt die Originalgröße des Bildes angegeben
werde; denn es ist für das Verständnis eines Bildes

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