Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

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Das Pariser Runsthandwerk und die Ausstellung „München ;908".

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837. (Stockholmer K.-JJ. ^909): „Rinnende Wasser", Wandteppich (Gobelin); von Fjaestadt.
Im Besitz des Museums zu Göteborg.

(Das Pariser Uunsißan-werK

und die

(Ausskeöbunz „München 1908".

eit Rotte Juli vorigen Jahres ver-
öffentlichte der pariser „Figaro" eine
Artikelserie über Deutschland von Jules
pur et, von denen sich eine Reihe
speziell mit der Ausstellung „Mün-
chen ssi08" befaßte. Findet sich darin auch manche
aus Konkurrenz-Besorgnis hervorgegangene Über-
treibung und kommt der Verfasser auch dann und
wann zu Trugschlüssen und schiefen Urteilen, so bieten
doch seine Ausführungen so viel des Interessanten —
namentlich auch über Zustand und Betrieb des fran-
zösischen Kunstgewerbes —, daß es wohl berechtigt
ist, durch einen Auszug daraus den deutschen Inte-
ressenten zu zeigen, wie sich das kunstgewerbliche
Triebleben Deutschlands, insbesondere Münchens, in
den Anschauungen eines Franzosen darstellt.

Nach einer allgemeineren Einleitung, in der die
Vorgänge der neunziger Jahre, die Ausschreitungen

des »style macaronique«, einige der führenden
Künstler genannt werden, beginnt purst seine Be-
trachtung der Münchener Ausstellung, die nichts
weniger als ein Jahrmarkt fei, mit einer unein-
geschränkten Bewunderung für diese Kraftäußerung
einer einzigen Staöt von 500000 Einwohnern. Er
findet zwar in (den etwa 70 (?) Zimmern der Ab-
teilung Raumkunst kaum einige, die ihn völlig be-
friedigten, viele von anfechtbarem Geschmack usw.,
aber es erregt fein höchstes Erstaunen, daß eine
einzige deutsche Stabt einen solchen Vorstoß in der
Richtung der Neuheit und Unabhängigkeit unter-
nehmen konnte. Freilich meint er, die deutsche Kunst
ini allgemeinen, die Münchener im besonderen, taste
noch und den Deutschen fehle die jahrhundertelange
Erziehung. „Sie suchen, manche sogar zu viel; um
jeden Preis Neues zu wollen, ist aber ein Fehler,
dem viele zum Vpfer fallen."

„Die Neuheit ihrer dekorativen Ausstattung und
ihres Mobiliars z. B. liegt weniger im Suchen nach
Formen, Linien, nach unbekannten Parinonien, als
vielmehr in der Mannigfaltigkeit des verwendeten
Materials. Gewichstes, poliertes, gefärbtes polz gibt
ein unendlich abwechslungsreiches und verschieden-

es

Kunst und Handwerk. 59. Iahrg. Heft \2.

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