Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

Page: 333
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Kleine Nachrichten.

(Meine (Nachrichten.

(Vereine, Museen, Schuten, Ausweitungen,
Mettkeweröe <tc.

792. Buchschmuck;

von Aug. Geige nbergersi, München.

>'-y’v Röli'er Runstgewerbeverein hat seine Nlit-
gliederzahl im letzten Jahr um etwa 25 °/0 er-
höht, so daß sie jetzt rund sOOO beträgt. Die Ein-
nahmen haben 9900 XH., die Ausgaben 7200 XH.
betragen. Die Bibliothek weist 20000 Besuche auf.
Das XUuseum hat 32 Ausstellungen veranstaltet und
eine Besucherzahl von 60000 erreicht. Der Voran-
schlag pro \909 ist aus s sstOOO XU. angesetzt.

und unvergleichlicher physiognomischer Simplizität
schildert er das Entsetzen eines Bauernehepaares,
dem zur Strafe dafür, daß es gegen die Gesetze der
Menschlichkeit sich verging, die absurdesten Dinge
widerfahren. Xiaum hat das vom Hofe gejagte
Bettlerweib seine Verwünschungen gegen die Bauers-
leute ausgestoßen, als auch schon die Xiinder, in
Eichkätzchen verwandelt, durchs Fenster das XVeite
suchen. Ähnliche Metamorphosen vollziehen sich im
Stalle, auf dem Felde usw. Als ein Eigener und
Unvergleichlicher zeigt sich Geigenberger hier. Reiz-
voll war auch die farbige Behandlung gedacht, wie
aus den erhaltenen kleinen Skizzen noch zu ersehen ist
(Xlbb. 79-s—797).

Einige Tage vor seinem Tode hat August
Geigenberger sein zeichnerisches XUeisterwerk voll-
endet, die Illustrationen zu dem noch nicht ver-
öffentlichten, aber vermutlich noch in diesem Jahre
im Verlag der Ingendblätter in XUünchen erscheinen-
den „Till Enlcnspiegel". Sein Stil zeigt hier eine
Reife und eine XUännlichkeit — namentlich in
dem famosen Titelblatt —, die gegen frühere Arbeiten
überraschend absticht. Dabei ist der Darstellung des
XUiliens, der Geräte usw., eine zeichnerische Sorg-
falt zugewendet, die auf der gleichen Höhe steht
wie die vornehme Umrahmung des Titelbildes und
die Vergnüglichkeit der XUotive in den Zierleisten
(Abb. 798—805).

Die Enlenspiegel-Zeichnnngen sind bedeutungs-
voll für die innere Entwicklung des Künstlers. Sie
zeigen in welchen: XUaße das künstlerische Ver-
mögen Geigenbergers entwicklungsfähig war. Zu-
gleich aber lasten sie fühlen, daß die Kunst mit
August Geigenberger einen ihrer Besten verloren hat.

Eugen Rentsch.

m 5. Juli wurde das neue Gewerbemuseum
und die Rgl. Fachschule für Goldschmiede in
Schwäbisch Ginünd eröffnet; die „Deutsche Gold-
schmiedezeitung" hat aus diesem Anlaß der neuen
Anstalt eine besondere Nummer gewidmet, die be-
sonders reich mit Xlbbildungen ausgestattet ist. Be-
fremden erregt es indessen, daß der Name des Archi-
tekten weder bei den Einzelabbildungen aus dem
Bau, noch bei „Unseren Abbildungen" oder sonst-
wo genannt ist; der Hinweis auf eine drei XUonate
vorher erschienene Besprechung des Baues ge-
nügt nicht!

as Bayerische Gewerbemuseum iu Nürnberg

wird — infolge Satzungsänderung — von nun
an den Namen: Bayerische Landesgewerbe-
anstalt Nürnberg führen. Die Satzungsänderung
steht im engsten Zusam-
menhang mit der erweiterten
Tätigkeit des XNuseums z. B.
durch Errichtung von Neben-
stellen; es soll daher auch der
Staatszuschuß um s00000 XU.
erhöht und eine eigene Zeit-
schrift herausgegeben werden.

Laut Jahresbericht hat im
Frühjahr der 7. kunstgewerb-
liche XUeisterknrs (Leiter Prof.

Paul X) au st ein, Stuttgart)
stattgefunden, an dem sich
s3 XUeister beteiligt haben.

um zweiten Direktor des
Germanischen Narional-
museUMS in Nürnberg wurde ^ Buchschmuck; von
der bisherige Konservator und Aug. Geigenberger f,
Bibliothekar, vr. Theodor München.

Kunst und Handwerk. 59. )ahrg. Heft U.

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