Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

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Kleine Nachrichten.

(Meine (Nachrichten.

(Vereine. Museen. Schuten. -Auesiettungen,
Mettkewerke @c.

er Deutsche Werkbund hat einen Abdruck seiner
in München gepflogenen Verhandlungen samt
Mitgliederverzeichnis und Satzungen dem Reichs-
kanzler vorgelegt, welcher mit einem Schreiben fol-
genden Inhalts dankte: „In den Bestrebungen, das
deutsche Kunstgewerbe durch die innige Verbindung
zwischen selbständig schaffenden Künstlern und tech-
nisch auf der Höhe stehenden Werkstätten zu neuer
Blüte zu bringen und eine auf nationaler Grundlage
aufgebaute Werkkunst zu schaffen, nehnie ich regen
Anteil. Diese Veredelung der gewerblichen Arbeit
im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und
Handwerk, die Ihr Werkbund sich zum Ziele gesetzt
hat, besitzt eine über Deutschland hinausreichende
Bedeutung und ist geeignet, unseren Erzeugnissen
neben denen der anderen Nationen, die auf kunst-
gewerblichem Gebiet auf eine eigene große Tradition
sich stützen können, Geltung und Ansehen zu erringen."

er wiener Runstgewerbeverein, der unter dem
Protektorat des Erzherzogs Rainer steht, zählte
am Schluß seines letzten Vereinsjahres (3\. (Oktober)
278 Mitglieder. Im Laufe dieses Jahres hatte er
eine Weihnachts-, eine Frühjahrs- und eine Sommer-
ausstellung veranstaltet, bei denen insgesamt eine
Einnahme von über 20000 Kronen erzielt wurde.
Die Frage des Erwerbes eines eigenen Heims be-
schäftigte den Verein wieder lebhaft, ohne jedoch
zu einer endgültigen Lösung zu gelangen. Der
Rechnungsabschluß bilanzierte mit 67 ^25 Kronen;
die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf 5si30 Kronen,
die Subventionen — vom Handelsministerium, nieder-
österr. Landesausschuß, Stadt Wien und Handels-
und Gewerbekammer — auf 7500 Kronen. Das
Vereinsvermögen beträgt 78 ^87 Kronen; wozu noch
ein Legat von l 00 000 Kronen zum Zweck des
Erwerbs oder der Erbauung eines Vereinshauses
kommt.

Praktische Versuche macht der 'Magdeburger
Runstgewerbeverein, um das Geschmacksniveau
seiner Mitglieder und der Stadt überhaupt zu heben.
Ein Vortrag über Schaufensterdekoration, dessen
praktische Winke in der Presse weiter verarbeitet
wurden, scheint in der Tat einiges auf diesen: ver-
nachlässigtem Gebiete gebessert zu haben; die Kauf-
leute sehen es selber ein, wie vorteilhaft eine künst-
lerisch geordnete Auslage ihnen ist, und man bemerkte

während des Winters ein erfreuliches Anwachsen
schöner Schaufenster in den Verkehrsstraßen. Die
Ausstellungen einheimischen Kunstgewerbes, die unter
Leitung einer Jury stattfinden, werden, wo es an-
geht, zu anregenden Diskussionen für die Mitglieder
des Vereins benutzt. So waren Beispiel und Gegen-
beispiel der Anlaß zu klärenden und im ganzen er-
freulichen Aussprachen; Beispiele guter moderner
Möbel (von Encke, entworfen von Dobert) standen
den Gegenbeispielen der imitierten Renaissance um
s880 gegenüber, die das Kaiser Friedrich-Museum
soeben zur Ergänzung seiner kulturhistorischen Zimmer-
folge angekaust hatte. Der Ausstellungsraum des
Kunstgewerbevereins befindet sich im Museum, und
zwar in dem Raume, der für ein Zimmer aus
„unserer Väter Zeit" für später bestimmt ist. Das
Museum hat für alle kunstgewerblich bedeutsamen
Epochen abgeschlossene Räume von großer geschicht-
licher Treue und Stimmungskraft eingerichtet; die
letzten waren ein Biedermeier- und ein modernes
Zimmer (von Albin Müller), dazwischen ist nun der
platz gelassen für die eklektische Zeit nach s850 und
für die deutsche Neurenaissance von J880. (gs ist
das erste Mal, daß eine objektive Wertung jüngst
verflossener Epochen in einem Museum in dieser
Weise versucht wird. Der Erfolg ist freilich vorder-
hand, da in demselben Raume das moderne Kunst-
gewerbe ausstellt, der, daß die Erzeugnisse jener
Epoche dem Neuen gegenüber als — Gegenbeispiele
verwertet werden. Vr. Schmidt.

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aö Rarlsruher Runstgewerbeniuseum, das in

organischer Verbindung mit der Kunstgewerbe-
schule steht, hat eine durchgreifende Amgestaltung er-
fahren. Einerseits hat man der modernen Kunst
mehr Recht eingeräumt, anderseits ist bei der histo-
rischen Abteilung der Schwerpunkt auf einheitliche
Gesamtbilder der Raumkunst verlegt worden, und
zwar unter Zurückdrängung der Repräsentationskunst
und besonderer Betonung der Wohnkunst, über-
wiegend Bürger- und Bauernstuben. Das Material
dafür haben die Schweiz, Nürnberg, Tirol und
namentlich Baden selbst geliefert.

Runstgewerbeschule zu Aachen hat ein neues
Gebäude bekommen. Es ist ein Shedbau mit
reinem Nordlicht, welcher ursprünglich eine Spinnerei
enthielt und zur Schule umgebaut wurde. Diese
Anlage ist in ihrer Art einzig und die erste in
Deutschland und bietet in ihrer horizontalen Aus-
dehnung große Vorteile gegenüber dem bisher üb-
lichen Stockwerksbau. Die Grundrißlösung ist der-

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