Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 59.1908-1909

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Lhronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

2((. („München (908".)

Geschnittener und teilweise vergoldeter Ledereinband; nach
Skizze von Gg. Vogt ausgeführt von F. X. Weinzierl,
Neu-Pasing. (V< d. wirkl. Größe.)

geht, so geht es auch mit ganzen Perioden. Mag man heute
auch über die Aufnahme der deutschen Renaistanee in den 70 er
Jahren die Nase rümpfen, im ganzen war das frische Er-
fassen des Stilcharakters doch ein Fortschritt im Erkennen des
Wertes — auch der folgenden Perioden. Nicht die Dinge

ändern sich, sondern unsere Auffassung von den Dingen.-

Der Vortrag hatte das größte Interesse geweckt, und die zahl-
reichen, die Wände bedeckenden Bildbeispiele fesselten noch lange
die Zuhörerschaft. _

vorläufiges Programm für die Monate Ianuar bis März.

Die Zusammenkünfte finden jeden Dienstag (ausgenommen
Feiertage) abends 8 Ahr im vereinslokale statt und bieten bald
Vorträge, bald Ausstellungen und Lichtbilder-Vorführungen,
bald gesellige Unterhaltung.

5. Januar: Dr. Weigmann: „Sion Wenban, ein ver-
schollener Münchener Radierer".

(2. Januar: Architekt Fuchs aus Darmstadt: über „Garten-
anlagen".

(9. Januar: Konservator vr. ks a l m: Thema noch unbestimmt.
26. Januar: Geselliger Abend.

9. Februar: Prof. Friedr v. Thiersch: „Die Augustiner-
kirche in München".

(6. Februar: Prof. vr. Doehlemann: „Die Malereien der
Gebrüder Asam".

2. März: vr. Rietzler: Thema noch unbestimmt.

9. März: Prof. vr. Scher mann über ein Thema aus der
Ethnographie.

(6. März: vr. Schmid: „Der Bamberger Dom".

22. März: Stephan Stei n l ei n: „Modernes Buchgewerbe".

sichtslos man gegen den Schmutz auf der Gaste Vorgehen soll, in
Zweifelsfällen fei unser Urteil nnlde. Ls kommt nur auf den
Betrachter an; eine Kritik der Werke und Betrachter von einst
und heute fällt immer zu ungunsten der Gegenwart ans —

und doch bilden wir uns ein, sittlicher geworden zu sein.-

Der von zahlreichen, oft sehr drastischen Lichtbildern begleitete
Vortrag fand überaus lebhaften Beifall.

Dritter Abend — den (7. November — Vortrag von
Prof. vr. Berth. Riehl über „Kunst und Mode". Der Vor-
tragende, der sein Thema von der historischen Seite in Angriff
nahm, eröffnete seine Ausführungen mit der Frage: „Gibt es
Gesetze, die bleibend sind?" und führte dann an ksand zahl-
reicher schlagender Abbilduugeu den Nachweis, daß die Menschen
selbst sich in ihren Anschauungen der Kunst gegenüber ändern;
solche Änderungen und Wandlungen lassen sich unschwer bei
einzelnen Künstlern Nachweise», z. B. bei Albrecht Dürer, dessen
beide Selbstporträts aus dem Jahre (-(98 und (500 große
Verschiedenheit aufweisen; der Mensch wird nicht fertig in sich,
ebensowenig ein Jahrhundert. So groß auch die Verschiedenheit
in der Darstellung des Menschen im (5. und im (7. Jahr-
hundert ist, die Menschen selbst sind sich gleich geblieben, —
aber die Künstler haben zu verschiedenen Zeiten ver-
schiedenes herausgegriffen, sie haben anders stilisiert. Zur
gotischen Zeit bevorzugte man die schlanken, mageren Gestalten;
im (6. Jahrhundert fangen die Figuren an, mehr Fülle zu
bekommen, und im (7. Jahrhundert gilt das Dicksein als schön,
erstrebenswert. In gleicher Weise haben sich auch unsere An-
schauungen über die künstlerische Bedeutung mancher Meister
geändert; Franz ksals z. B. wird in der älteren Literatur kaum
erwähnt. Wenn heute die Anschauung eine andere ist, so be-
deutet das keine Umwertung, sondern ein Wachsen der Er-
kenntnis, ein Fortschreiten; wie es mit einzelnen Künstlern

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ZUM 25 JArtRIOEn JUBILÄUM

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Ih VEREHRUMG U DANKBARKEIT
ÜEWIOMET VON DEN ARBEITERN
SBOERfARBEN-FABRIKEN S3
SS 1883 I FEBRUAR 1308Sa

2(5. („München (908".) „Ehrentafel" ;

Lederschuitt mit Vergoldung in Ulmenholzrahmen mit silbernen
Knöpfen. Entwurf und Ausführung von F. X. Weinzierl,
Neu-Pasing. (V6 d. wirkl. Größe.)

Verantrv. Red.: Prof. £. Gmelin. — Herausgegeben vom Bayer. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag von R. Vldenbourg, München.
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