Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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Bücherschau.

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herum, von kräftigem Fange des Windes gebogen.
Auf einer anderen giesst der Regen in schrägen
Strömen hinunter und breitet einen Schleier über eine
kleine Gebirgsstadt im Hintergrunde. Dann kommt
eine Winterlandschaft, wo Herren und Damen im
Schlittschuhlaufen sich auf einem eisgedeckten Kanal
tummeln. Vergoldete Schlitten in bizarYen Formen
(einer in Drachenform) von Pferden gezogen, deren
Geschirre mit Klingeln besetzt sind, gleiten lustig
schmetternd über das Eis. In einem fünften Bilde nimmt
eine bunte Gesellschaft von Herren und Damen eine
ländliche Kollation ein. Dann befindet man sich in
einer Nachmittagsstunde am Ufer des Meeres. Eine
Bucht schneidet sich weich in den Sand hinein. Ruinen
eines alten Palastes, von Laubwerk bekränzt, liegen
dabei. Unser Künstler wiederholt sich nie. Ein
anderes Bild bietet einen Stadtanblick mit einem offenen
Platze, wo phantastisch gekleidete Personen ä la Callot
einen grotesken Tanz aufführen. Und zuletzt als
Gegenstück hierzu: Ober einer weitausgedehnten,
fruchtbaren Ebene erblickt man die Sonne matt golden
durch Nebel hervorleuchten. Man fühlt die üppige
Kraft des feuchten Bodens. Im Vordergrunde zieht
eine kleine Schar Schnitter heimwärts.

EMIL JACOBS EN.

BÜCHERSCHAU.

Denkmäler der Baukunst. Zusammengestellt, gezeichnet
und herausgegeben vom Zeichenausschuss der Studierenden
der Königl. Technischen Hochschule zu Berlin, Liefe-
rung XXVII. Deutsche Renaissance. Für den Buchhandel
und Vertrieb Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin W.
Die vorliegende Lieferung beginnt mit einer eingehenden
Bearbeitung der bedeutenderen Schlossbauten deutscher
Renaissance. Bei der Fülle des Stoffes findet nur ein Teil
des vorhandenen Materials seine Erledigung in dieser Nummer,
so dass auch die nächstfolgende Lieferung zum grösseren
Teil noch in Anspruch genommen werden dürfte. Die
Lieferung 27 enthält auf zwölf Blatt in Qrossfolio (Preis
5 M.) folgende Schlossbauten: Schloss Gottesau in Baden,
Schloss Baden, Dagobertsturm, Heidelberger Schloss, Schloss
zu Heiligenberg, Schlosskapelle zu Liebenstein, ehemaliges
Lusthaus zu Stuttgart, Altes Schloss daselbst, Schloss zu
Tübingen (Thorbauten), Schloss Aschaffenburg, Schloss Isen-
burg zu Offenbach, Plassenburg bei Bamberg, Deutsch-
ordensschloss zu Mergentheim (Treppenhäuser), Alte bischöf-
liche Residenz zu Bamberg, Schloss Stern bei Prag, Belvedere
und Waldsteinhalle in Prag, die ehemaligen Piastenschlösser
zu Liegnitz, Brieg und Öls, Schloss Hartenfels zu Torgau,
Schloss Leitzkau, Schloss zu Merseburg (Erker und Portal),
Königl. Schloss zu Dresden (Treppenturm und Arkaden),
Hamelsche Burg bei Hameln, Schloss zu Detmold und
Schloss Brake bei Lemgo. Der Vorzug der vorliegenden
Sammlung gegenüber ähnlichen Werken besteht in der
Durchführung eines einheitlichen Massstabes für sämtliche
zur Darstellung gebrachten Bauwerke, so dass eine ver-
gleichende Übersicht ermöglicht wird, wie sie kein anderes
Werk bietet. Hier erst bekommt man einen Begriff von
den bedeutenden Orössenverhältnissen mancher Schlösser,
wie beispielsweise der Schiossbauten von Aschaffenburg und

Stuttgart gegenüber kleineren Bauwerken dieser Art. Die
geometrischen Aufrisse und Schnitte sind im Massstabe von
1:200, die Grundrisse im Massstabe von 1:400, die Einzel-
heiten im Massstabe von 1:100 und 1:50 gezeichnet. Nur
ausnahmsweise ist die perspektivische Darstellung gewählt,
wie bei Schloss Stern, bei der Nordostecke des Heidelberger
Schlosshofes, der Brunnenhalle im Schlosshof zu Heiligen-
berg, einer Ecke des Aschaffenburger Schlosshofes und einer
Südansicht dieses Schlosses, der Rittertreppe und Komthur-
treppe im Deutschordensschloss zu Mergentheim und der
Alten bischöflichen Residenz zu Bamberg. Letztere möchte
man gern etwas ausführlicher behandelt sehen, insbesondere
wäre hier die Detailzeichnung des Erkers und Portales wegen
des eleganten ornamentalen und figürlichen Schmuckes er-
wünscht. Für die Darstellung ist alles bekannte Quellen-
material, wie auch neuere Aufnahmen und Photographien
herangezogen worden, das Baumaterial ist bei jedem Objekt
angegeben, und bei umfangreichen Gebäudekomplexen sind
auch Situationspläne beigefügt, so dass das Werk sowohl
für das Studium der Kunstdenkmäler als auch für den
praktischen Architekten vorzüglich geeignet erscheint.

pohlio.

Handzeichnungen alter Meister der holländischen
Schule. 1. Lieferung. Haarlem, H. Kleinmann & Comp.
Die vorliegende Lieferung eröffnet eine Publikation, die
in acht in Grossfolio erscheinenden Lieferungen (ä 4 M.) mit
je acht Blättern eine Reihe der seltensten meist unbekannten
Handzeichnungen alter holländischer Meister aus nieder-
ländischen Privatsammlungen und Museen bekannt machen
soll. Die erste vorzüglich ausgestattete Lieferung enthält
in musterhafter Wiedergabe sechs hervorragend gute Hand-
zeichnungen aus der Teyler Stiftung in Haarlem — drei von
Rembrandt und je eine von Cuijp, Hobbema und Goltzius —.
sowie zwei ausgezeichnete Blätter von Metzu und Steen aus
dem Amsterdamer Kupferstichkabinet. u. th.

C. Kampmann, Die Graphischen Künste. Leipzig, G. J.
Göschen'sche Verlagshandlung, 1898.
Dass das moderne Reproduktionsverfahren auf einer
hohen Stufe der Vollkommenheit steht, ist wohl allgemein
bekannt, aber die wenigsten Menschen, die ein schön illu-
striertes Buch irgend welcher Art betrachten, können sich auch
nur annähernd ein Bild davon machen, wie diese Illustra-
tionen entstanden sind, geschweige denn, welche Art des
Verfahrens dieselben hervorgebracht hat. Das vorliegende
Bändchen, das für den geringen Preis von 0,80 M. zu erstehen
ist, soll dem Wissbegierigen zu Hilfe kommen. In knapper,
sachlicher und allgemein verständlicher Form giebt es eine
Übersicht, Erklärung und Schilderung der verschiedenen
Reproduktionsverfahren aller Zeiten, von den primitiven An-
fängen bis in unsere moderne, hochentwickelte und äusserst
komplizierte Technik, die sich alle wissenschaftlichen Er-
rungenschaften der Chemie und Physik zu Diensten gemacht
hat. Zahlreiche Abbildungen erläutern den Text und er-
leichtern das Verständnis, so dass der kleine Leitfaden als
ein wirklich praktisches und lehrreiches Buch allgemein zu
empfehlen ist. u. th.

Schider, Dr. Fritz, Plastisch-anatomischer Handatlas;
zum. Gebrauche an Akademien, Kunstschulen und zum
Selbstunterricht. 100 Tafeln und Text. 40. Preis 10 M.,
gebunden 12 M. Leipzig 1898, Seemann & Co.
Der Verfasser, der als Zeichenlehrer an der Gewerbe-
schule in Basel wirkt, hat in den Jahren 1891 bis 1893 im
Verlage von E. A. Seemann, Leipzig, plastisch-anatomische
Studien veröffentlicht, die ihm den Doctor medicinae honoris
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