Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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Vom Kunstmarkt.

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Palmas, 730 M. Von den Aquarellen anderer Meister
(Nr. 44—50), die mit versteigert wurden, erzielte Nr. 44 A.
O. Descamps' Hundefamilie einen höheren Preis, 850 M.

— Dem Kunsthändler Hermann Holst, Inhaber der Firma
Emil Richter, Dresden, ist vom König von Sachsen das
Prädikat «Königlicher Hofkunsthändler" verliehen worden.

Auktion Foucart. (Schluss.) Valenciennes, 12—14.0kt. 1898.
Nr. 46. Echter bez. B. Fabritius 1662; die Himmelfahrt Mariä,
mit zahlreichen Figuren. Er lehnt sich an vlämische Vorbilder
an, aber verleugnet auch hier nicht seine Rembrandt-Schüler-
schaft, 450 Frks. Nr. 47. Kein Flinck, eher W. Bartsius,
unter früh-Rembrandt'schem Einfluss. Kopf eines jungen
Mannes mit roter befederter Mütze, tadellos erhalten, kräftig
gemalt, 310 Frks. Nr. 50. Schlechte Kopie nach dem Stiche
von Goltzius (Junge mit dem Hund) NB. 300 Frks.! Nr. 51.
Schien mir eine alte Kopie nach einer Madonna von Mein-
ung, 740 Frks. Nr. 52. Auch kein Mabusc, aber gutes
Triptychon mit Gouache-Farben auf Pergament, 1375 Frks.
Nr. 53. Ein heil. Martin seinen Mantel zerschneidend, Art
des 5. Marmion, 770 Frks. Nr. 56. Feines Stillleben, kein
Heda, sondern Art des Pieter Steenwyck, 130 Frks. Nr. 57.
Kein Memling! sondern eher Niederrheinische Schule um
1500; sehr verdorben, 3400 Frks. Nr. 58. Verdorbenes
Durchschnittsbild von D. Hals, 1300 Frks. Nr. 59. C.Huys-
mans, 800 Frks. Nr. 60. Netter Jungenkopf von Jordaens,
310 Frks. Nr. 64. Kein Ph. Köninck, modernes Bild, 140 Frks.
Nr. 65. Gemeine, bunte Kopie nach Rembrandt's früher
Radierung des barmherzigen Samariters, 450 Frks.!!! Nr. 66.
Eher Codde, nicht Duck, 360 Frks. Nr. 67. Kein Lievens,
eher vlätnisch, sonderbare Grablegung, 460 Frks. Nr. 68.
Ein imposanter Bischof, älter und besser als Lambert Lom-
bard, dem es zugeschrieben, 510 Frks. Nr. 69. Bezeichneter
Nellius (von welchem sonst sehr schwarzen und unbedeuten-
den Leydener Stilllebenmaler die Brüsseler Galerie jetzt das
Chef-d'oeuvre besitzt), 85 Frks.! Das Maes zugeschriebene
Bild eines Mannes an seinem Schreibtisch (Nr. 70) war wohl
ein Com. Busschop, ganz in der Art des Kasseler Bildes,
Kopf gut, Hände schwach, 480 Frks. Nr. 71. Heeremans
von 1672, in Kl. Molenaer's Art, 220 Frks. Nr. 72. Geringer
Kl- Molenaer, 180 Frks. Nr. 73. Ders., 270 Frks. Nr. 75.
War kein Metsu; die Malweise, der rötliche Ton, die etwas
an Ostade erinnernde Beleuchtung zeigt uns den Weg: ein
sehr guter Thomas Wyck, war es — 1020 Frks. Nr. 78. Ein
Em. Meurant, 290 Frks. Nr. 79. Kein Naiveu, 215 Frks.
Nr. 80. Unbedeutender P. Neefs IL, 1300 Frks.! Nr. 81.
Ders., 350 Frks. Nr. 82. Kein Ochterveld, Croüte, 190 Frks.
Nr. 85. Herride Bles? 930 Frks. Nr. 86/87. Hässliche bunte
Dinger, wohl nach Watteau, 1760 Frks.! Nr. 91. Echter,
urkundlich 1610 gemalter Rubens, ganz eigenhändig; die
hl. Katharina, eben enthauptet, wird von zwei Engeln in
zwei Stücken weggetragen. Unerfreulicher Gegenstand! aber
interessant für das Studium des Meisters. Oben ein Streifen
angesetzt, 7000 Frks. Nr. 92. Ganz echter, noch sehr früher
Rubens, Kreuzabnahme. Das Bild leuchtet in den von
Rubens immer so geliebten Farben: ein brillantes Rot neben
einem bräunlichen Gelb, mit dunklem Grün; zum Teil der
Ausdruck in den Figuren gelungen, manches aber noch über-
trieben, so z. B. der Kopf des Heilandes, 3800 Frks. Nr. 93.
Echte Rubens-Skizze für den obersten Teil des Hauptaltares
der Jesuitenkirche in Antwerpen, 720 Frks. Nr. 94. Echte
Skizze dess., nach einer römischen Porträtbüste (von Pontius
gestochen), 260 Frks. Nr. 96. Jac. v. Ruisdael, war einmal
ein gutes Bild, aber ist etwas zu stark abgerieben, 1650 Frks.

Nr. 97. Jacob van Ruisdael, frühe Landschaft, links ein kleiner
Bauernhof, anspruchsloses echtes Bildchen, unerkennbar
durch dicken Firniss, 530 Frks. Nr. 98. Verputzter 5a/. v.
Ruysdael, 1425 Frks. Nr. 103. Guter Jan Steen, aber un-
erfreulicher Gegenstand: ein Bauer wird am Bein operiert.
Ausdruck in den Köpfen meisterhaft, 1950 Frks. Nr. 104.
Grosse Grotte von Ch. de Hooch (dem Utrechter Meister),
mit zahlreichen guten Figuren von D. Stoop, der es be-
zeichnete, 165 Frks. Nr. 105. Kein Storck, 155 Frks. Nr. 106.
Gute Landschaft von D. Teniers, staffiert mit Fischern u.s.w.,
600 Frks. Nr. 107. Teniers, Madonna mit dem Kinde in
einer Grotte, 600 Frks. Nr. 108. Atelierwiederholung des
berühmten fünf Sinnenbildes von Teniers im Brüsseler
Museum, 1600 Frks. Nr. 111. Ob dies Bild je ein Ter Borch
war? Ganz verdorben und übermalt galt dieses männliche
Porträt noch 2450 Frks. Nr. 113. Nur in der Art des
Toorenvliet, ein grosses Schweineschlachten, 270Frks. Nr. 114.
Kein Cappellc, ein später geringerer Marinemaler, in Bak-
huizen-kxi, Marine mit einem Eisbären auf einer Eisscholle
und Wallfischfängern, 400 Frks. Nr. 115. Gute alte Kopie
nach dem Astronomen des Delfter Vermeer in Frankfurt,
2500 Frks. Nr. 116. Kurioses feines Bildchen, leider mit
zum Teil falscher Signatur, ein Bettler am Agatha-Kloster
zu Delft. Das Datuni 1639 ist echt, von der Signatur nur
das J. Es hat etwas von J. Micker; die Figur links de Bloot-
artig, 360 Frks. Nr. 117 war einmal ein schöner van der
Neer, jetzt hatte durch Verputzen dieses Werk allen Reiz
verloren, 2100 Frks. Nr. 118. Echter kleiner E. van der Poel,
Scheune, Exterieur, mit kleinem Stillleben von Töpfen und
Geschirr, 210 Frks. Nr. 119. Kein van der Venne, 80 Frks.
Nr. 120. Später Adr. v. d. Velde, eine Kuh, die gemolken
wird u. s. w., dunkel, 1600 Frks. Nr. 121. Frühes, einst
feines, zartes Bildchen aus Adr. v. d. Velde's bester Zeit,
etwas verputzt, Wald, kleine Figürchen, 350 Frks. Nr. 122.
Verputzter W. v. d. Velde, Kleine Marine, 400 Frks. Nr. 123.
Flarte Federzeichnung des alten W. v. d. Velde, schlecht,
520 Frks. Nr. 125. Kopie nach A. van Dyck, Grisaille,
725 Frks. Nr. 130. Sehr zweifelhafter van Ooyen, 850 Frks.
Nr. 131. Ders., vielleicht schlechter W. Knyff, 490 Frks.
Nr. 133. Egb. v. Heemskerck, Wirtshausscene, 500 Frks.
Nr. 136. Tüchtiges Bildnis eines aufschauenden Mannes,
gut erhalten. Vlämisch, um 1650—1660, nur 250 Frks.
Nr. 140. Netter Isaack v. Ostade, ein Bänkelsänger, aus der
Vente Kouscheleff-Besborodko, 1900 Frks. Nr. 141. Schlechte
Kopie nach dem Geschlachteten Ochsen von Rembrandt im
Museum zu Glasgow, 60 Frks. Nr. 146. Dekorative Landschaft
von A. Verboorn, bez., 375 Frks. Nr. 148. Dem Victors zuge-
schriebene Vertumnusund Pomona,besser,kräftiginderFarbe,
die Alte vortrefflich unter starkem Einflüsse Rembrandt's, viel-
leichtyoA. vanNoordt? Gutes Bild, 1000 Frks. Nr. 151 — 155.
Die fünf Sinne von Michaelina Wautier, 1650. bez., sehr
gut in Zeichnung und Ausdruck, etwas unangenehm braun
in der Farbe, aber amüsante Bilder, nur 625 Frks. Nr. 15g.
Besonders feiner Pieter Wouwerman, kräftig gemalt und
von schönem tiefen Kolorit, eins seiner besten Bilder, bez.,
790 Frks. Nr. 160. Wyntrack (ohne Wynants), kleine Enten
in einer grossen, etwas öden Landschaft, 255 Frks. Das
Ganze erzielte noch ca. 120000 Frks. Die zum Teil ganz
schlechten Sachen brachten noch erstaunliche Preise. Ein
Inkunabel: La somme rural von Jehan Boutillier, in Brügge
M7Q gedruckt, eins von fünf bekannten Exemplaren ging
für 3250 Frks. fort. A. BRED1US.
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