Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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Personalnachrichten. - Wettbewerbe. - Denkmäler. - Sammlungen und Ausstellungen.

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PERSONALNACHRICHTEN.

* „ * Von der Berliner Kunstakademie. Der Maler Pro-
fessor Arthur Kampf, bisher Lehrer an der Kunstakademie
in Düsseldorf, ist als Nachfolger von Otto Knille zum Vor-
steher eines Meisterateliers an der Kgl. Akademie ernannt
worden.

*,* Den Malern Willy Spatz, Lehrer an der Düssel-
dorfer Kunstakademie, und Adolf Männchen in Danzig ist
das Prädikat „Professor" beigelegt worden.

G Adolf Menzel ist am Schlüsse des alten Jahres von
Kaiser Wilhelm II. durch die Verleihung des höchsten
preussischen Ordens, des Ordens vom schwarzen Adler, mit
dem der persönliche Adel verbunden ist, ausgezeichnet
worden. Dieser Orden ist bisher noch keinem Künstler ver-
liehen worden. In welchem Sinne der Kaiser diese Aus-
zeichnung aufgefasst wissen will, geht aus folgendem, an den
Direktor der Hochschule für die bildenden Künste, A. v.
Werner, gerichteten Schreiben des Kaisers hervor: „Ich habe
Sr. Excellenz dem Professor Dr. von Menzel meinen hohen
Orden vom Schwarzen Adler verliehen; es soll diese höchste
Ehrung, die einem Künstler je zu teil geworden, ein Zeichen
meiner Dankbarkeit sein für die durch seine Kunst meinem
Hause geleisteten Dienste, sowie ein Sporn werden für die
jünger der Kunst der Malerei, auch auf den von Menzel so
erfolgreich betretenen Bahnen zu folgen und zu streben, es
ihm gleichzuthun. Wilhelm R."

G. Paris. — An Stelle des verstorbenen Malers Lenepveu
wurde Fernand Cormon mit achtzehn gegen siebzehn
Stimmen, die auf Dagnan-Bouveret fielen, zum Mitglied des
Instituts gewählt. Cormon, der 1845 in Paris geboren ist,
errang seine erste Medaille 1870, die Ehrenmedaille 1887
und ist Offizier der Ehrenlegion. Sein letztes grosses Werk
sind die Scenen aus der Urgeschichte der Menschheit für
das Museum für Naturgeschichte, denen im letzten Salon ein
ganzer Saal eingeräumt worden war.

WETTBEWERBE.

* t * Berlin. Der Preis der Ginsberg-Stiftung im Betrage
von 1700 M. ist dem Maler Sigmund Lipinsky, einem Schüler
des Meisterateliers von A. v. Werner, zuerkannt worden.

Ein engerer Wettbewerb für das Bismarck-Denkmal in
Breslau ist unter den fünf Künstlern Professor Fritz Schaper,
Professor Adolf Brütt, Professor Joh. Uphues, Professor Dr.
R. Siemering und Fritz Schneider ausgeschrieben worden.
Jedem der Künstler ist eine Prämie von 2000 M. für die
Herstellung einer Modellskizze von 70 cm Figurenhöhe zu-
gesichert worden. Sie sollen bis zum 31. Dezember 1898
sich über ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit äussern. Die
Wettarbeiten selbst sind bis zum 15. Mai 189g an das
Schlesische Museum der bildenden Künste zu Breslau ein-
zuliefern. -11-

DENKMÄLER.

O Das Comite für das Bismarck-Denkmal in Frank-
furt a. M. hat beschlossen, dem Denkmal einen Entwurf zu
Grunde zu legen, den Prof. Rudolf Siemering in Berlin für
die erste Konkurrenz um das Bismarck-Denkmal in Berlin
geschaffen hat. Im Anschluss an ein bekanntes Wort Bis-
marck's ist der erste Kanzler des Deutschen Reiches dargestellt,
wie er das Ross, auf dem Germania reitet, am Zügel führt.
Als Sockelschmuck war jenes Relief gedacht, welches Sieme-
ring 1871 für eine Dekoration der Siegesstrasse beim Einzugder
Truppen in Berlin modelliert hat unddessen monumentale Aus-

führung damals vergeblich angestrebt wurde. Hoffentlich
wird auch dieses Relief, das den Auszug der Krieger und
die Heimkehr der Sieger in höchst charaktervollen Gruppen
darstellt, dem Frankfurter Denkmal beigegeben werden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

t Venedig. — Die Sammlung der Akademie ist um einen
Oma da Conegliano bereichert worden, der in Zernien bei
Feltre kürzlich aufgefunden worden ist. Das Bild stellt
Maria mit dem Kinde und zwei Heiligen dar, darüber in
Halbrund Christus und zwei Heilige.

t Reichenberg. — Am 18. Dezember ist der neue Pracht-
bau des Nordböhmischen Gewerbemuseums an der Kaiser-
Joseph-Strasse feierlich eröffnet worden. Das Museum ist
nach den Entwürfen des Professors Ohmann in Prag erbaut
worden und gleicht einem Kloster, an dessen südlicher Ecke,
anschliessend an einen mit Skulpturen reich verzierten
Pavillon, sich eine Nachbildung des früheren, im 17. Jahr-
hundert erbauten Reichenberger Rathauses, erhebt.

Berlin. — Das Königliche Kunstgewerbe-Museum, Prinz
Albrecht-Strasse 7, veranstaltet in den Monaten Januar bis
März 1899 die nachstehenden Vorträge: a. Grundzüge einer
Formenlehre für Buchdrucker. Direktor Dr. Jessen, 10 Vor-
träge, Montag abends 8% - gl/2 Uhr. Beginn: Montag den
9. Februar 189g. b. Die Goldschmiedekunst vom Mittelalter
bis zur Neuzeit. Dr. Ernst Schwedler-Meyer, 10 Vorträge,
Donnerstag abends 8'/2—9V2 Uhr. Beginn: Donnerstag
den 12. Januar 1899. c. Entwicklung und Verwendung der
dekorativen Formen im Altertum. Dr. Botho Graef 10 Vor-
träge, Freitag abends 8'/2—9V2 Uhr. Beginn: Freitag den
13. Januar 189g. Die Vorträge, deren Besuch ohne Entgelt
gestattet ist, finden im Hörsaal des Museums statt und
werden durch ausgestellte Gegenstände und Abbildungen,
sowie durch Lichtbilder mittels des elektrischen Bildwerfers
erläutert.

London. — Als ein Ereignis in gewissem Sinne wird
hier die Grundsteinlegung einer neuen Galerie in Whitechapel
betrachtet. Dieser Stadtteil Londons ist bekanntlich der
ärmste, elendeste und verrufenste im ganzen Lande. Am
g. Dezember d. J. fand die feierliche Ceremonie an Ort und
Stelle unter Vorsitz des Viscount Peel und unter Beteiligung
aller Notabilitäten von Kunst und Wissenschaft statt. Ge-
schaffen wird das betreffende Kunstinstitut jedenfalls, da Mr.
Passmore Edwards seinen Beistand, wie gewöhnlich in
generösester Weise, zugesagt hat. Ob die Gemäldegalerie
besucht werden wird, kann nur die Zeit lehren.

G. Paris. — Das in der vorletzten Nummer der Kunst-
chronik (Sp. 13g) besprochene Bild „Ein Tanzsaal auf der
Insel Tudy" von Luden Simon wurde für den Luxembourg
angekauft.

t Der Liegnitzer Kunstverein veranstaltet in der Zeit
vom ig. Februar bis ca. 20. März i8gg eine grössere Aus-
stellung von Werken der Malerei, der Griffelkunst und des
modernen Kunstgewerbes und fordert durch Cirkular zur
Beteiligung daran auf.

Düsseldorf. — Ausstellung des Lukas-Klubs. Die, wie
alljährlich, in der zweiten Hälfte des Dezembers eröffnete
Ausstellung des Künstlervereins Lukas steht nicht ganz auf
der Höhe der früheren. Es liegt das weniger an der Güte
der einzelnen Bilder, als an einer gewissen Gleichartigkeit,
die das Interesse nicht in dem Masse erregt, wie das früher
der Fall war, und darin zeigte sich die Gefahr der nur
von einer kleinen Zahl immer derselben Mitglieder be-
schickten Ausstellungen. An der Spitze steht diesmal Pro-
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