Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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Ob die jetzige Bemalung absolut diejenige ihrer
Entstehung ist, mag noch weiterer Untersuchung
anheimfallen. Wenn eine Figur von 1250 oder 1300
an bis nach 1500 — die Zeit der plastischen Um-
arbeitung — in einer Kirche steht, so sind Auf-
frischungen des Anstriches nicht ausgeschlossen. So
möchte ich die Ornamentränder des blauen Unter-
gewandes dem 13., die Streublumen des roten Mantels
eher dem 15. Jahrhundert zuweisen.

Aber in allem wesentlichen ist die Figur vorzüg-
lich erhalten. Jüngeren Datums ist die rechte Hand
(der Stab ist erst jetzt hinzugefügt).

Sehr merkwürdig ist der Kopf mit seinen völlig
porträtartigen Zügen von grosser Feinheit. Jedenfalls
ist es ein Stück, das ernstliche Beachtung verdient.

JULIUS LESSING.

NEKROLOGE.

f In Stattgart starb am 5. März nach längerem Leiden
der Hofbaudirektor Joseph von Egle, der Altmeister der
württembergischen Architekten und einer der hervorragend-
sten Baumeister Deutschlands. Über seinen Lebensgang ist
kurz das folgende zu berichten. Joseph von Egle wurde am
23. November 1818 in Dellmensingen in Württemberg ge-
boren. Er besuchte die Polytechnischen Schulen in Stutt-
gart und Wien und 1839—1841 die Bauakademie in Berlin,
wo er Schüler H. Strack's und C. Bötticher's war. 1842 bis
1847 bereiste Egle als Korrespondent der Allgemeinen Bau-
zeitung Norddeutschland und England, 1848 Italien. 1850
wurde er Professor am Stuttgarter Polytechnikum, 1857 Hof-
baumeister, 1884 Hofbaudirektor und Vorstand der Kgl.
Bau- und Gartendirektion in Stuttgart. 46 Jahre lang leitete
er die Kgl. Baugewerkeschule, die ihm ihren hohen Ruf
verdankt. Seit 1855 gehörte Egle auch als Beirat der
Münsterrestauration in Ulm an, ausserdem war er Mitglied
und Ehrenmitglied zahlreicher einheimischer und auslän-
discher Akademien, und in einer grossen Zahl baulicher
Konkurrenzen in Deutschland wurde er als Preisrichter be-
rufen. Egle's bedeutendste Werke sind: das in italienischem
Renaissancestil erbaute Polytechnikum in Stuttgart (1860 bis
1865), der innere Umbau des Kgl. Schlosses (1864—1867),
die neue Baugewerkeschule (1867—1870), die frühgotische
Marienkirche in Stuttgart (1872—1879), ein Bau von ausser-
ordentlich harmonischer Gesamtwirkung, und die katholische
Kirche in Tübingen (1876—1878). Ausserdem restaurierte
Egle zahlreiche Kirchen, z. B. die Frauenkirche von Esslin-
gen, die Heilig-Kreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd, die Stadt-
kirche in Weil und den bischöflichen Domchor in Rottenburg.
Trotz dieser fruchtbringenden Thätigkeit als Architekt fand
der Verstorbene auch noch zu litterarischen Arbeiten Zeit.
Wir nennen nur seine Werke über „das Chorgestühl im
Münster zu Ulm", „das Kloster Hirsau" und „die Stifts-
kirche zu Wimpfen im Thal". Anlässlich seines 80. Geburts-
tages, den Egle im November vorigen Jahres feierte, wurden
dem ausgezeichneten Künstler zahlreiche Ehrungen von nah
und fern zu teil.

WETTBEWERBE.

Köln. — Zu dem Wettbewerb für ein Kaiser Friedrich-
Denkmal sind 21 Entwürfe eingegangen. Es erhielten den
ersten Preis (3000 M.) Wilhelm Albermann in Köln, den

zweiten Preis (2000 M.) die Bildhauer Stockmann und Dorren-
bach in Köln im Verein mit dem Bildhauer Kirsch in Köln-
Ehrenfeld, den dritten Preis (1000 M.) Professor lJeter Breuer
in Berlin. Das Preisgericht bildeten die Herren: Professor
Volz in Karlsruhe, Professor Janssen in Düsseldorf, Ge-
heimer Baurat Pflaume und Kgl- Baurat Heimann in Köln.
Das Urteil des Preisgerichts wird jedoch seitens der Teil-
nehmer an der Konkurrenz mit folgender Begründung für
ungültig erklärt: „Das Urteil der Jury ist nicht pro-
grammmässig zu stände gekommen, indem der im Programm
genannte Herr Geh. Baurat Stübben-Köln nicht an der
Beratung und der Abstimmung des Preisgerichts teil-
genommen hat. Dieser Ausfall ist für die Beteiligten um
so wichtiger, als gerade Herr Stübben als Schöpfer des
Denkmalplatzes und der ganzen Neustadt Köln als einer der
berufensten Preisrichter für den vorliegenden Wettbewerb
erscheint, dessen Mitwirkung in der Jury von einschneiden-
der Bedeutung hätte werden müssen. Die Interessen der
Beteiligten sind daher durch die stattgefundene unvollständige
und programmwidrige Tagung des Preisgerichts verletzt; sie
erheben nachdrücklichst gegen das ergangene Urteil Ein-
spruch." -u-

Köln. — Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für
ein Kaiserin Augusta-Denkmal, ausgeschrieben von dem
Ausschuss zur Errichtung des Denkmals. Der Kostenbetrag
ist auf 58000 M. angenommen; zur Beteiligung an dem
Wettbewerb sind nur Angehörige des Deutschen Reiches zu-
gelassen. Ausgesetzt sind drei Preise von 1500, 1000 und
500 M. Das Preisgericht bilden die Herren Professor Sieme-
ring in Berlin, Professor Moest in Karlsruhe, die Geheimen
Bauräte Pflaume und Stübben, sowie Stadtbaurat Heimann
in Köln. Einzuliefern bis zum 1. Juli d. J., abends 6 Uhr.
Die näheren Bedingungen sind zu erhalten durch das
Städtische Hochbauamt in Köln. -u-

Hildesheim. — Unter den Siegern in der Konkurrenz
um das Kaiser Wilhelm-Denkmal: Professor Otto Lessing-
Berlin, Fritz Heinemann-Berlin mit den Architekten Professor
J.Vollmer und Jassoy-Charlottenburg, Bildhauer Steffens und
Geiling-Düsseldorf ist ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben
worden. -u-

DENKMÄLER.

Potsdam. — Mit der Ausführung des Kaiser Wilhelm-
Denkmals für die Provinz Brandenburg, welches in Potsdam
errichtet werden soll, ist Professor Fritz Herter-Berlin be-
traut worden. An Stelle des Seitenreliefs „Einzug des Kur-
fürsten Friedrich I. in die Mark Brandenburg" soll der Ein-
zug Kaiser Wilhelms nach dem deutsch-französischen Kriege
in Berlin zur Darstellung gelangen. -u-

Dresden. — Mit der Herstellung des Bismarck-Denkmals
ist endgültig Robert Diez beauftragt worden. Sein zweiter
Entwurf, den jetzt die Preisrichter gutgeheissen haben, zeigt
den Fürsten im langen Uniformrock barhaupt, den Helm
in der Rechten, die Linke auf den vorgestellten Pallasch
gestützt, die ganze Gestalt in kraftvoller Haltung in ener-
gischem Vorschreiten begriffen. Der Entwurf zeichnet sich
durch lebendige und ausdrucksvolle Charakteristik aus. Alle
wirkungsvollen Äusserlichkeiten sind vermieden. Die Rück-
seite des Sockels weist nur eine Gruppe von zwei Putten
auf. Das Denkmal wird in Erz gegossen; der Sockel wird
aus schwedischem Granit bestehen. LU-

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

—r. Budapest. — In der Nationalgalerie finden vom
26. Februar bis zum 26. März jeden Sonntag um 12V2 Uhr
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