Kunstwart und Kulturwart — 32,4.1919

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Staatskinder?

as würde man zu diesem Vor-
schlage zur „Bevölkerungspolitik"
sagen: man führe den napoleouischeu
Grundsatz, der die Ermittlung des un-
ehelichen Vaters untersagt, wieder ein
oder man verzichte doch auf die Ali-
mentationspflicht. Das jetzige Recht
hilft weder der Mutter noch dem Kind
w.irklich, bslastet die Gerichte und wirkt
geburteuvermindernd und kindermor-
dend. Die unehelichen Kinder sollcn
dafür als „Staatskinder" vom Staat
erzogcn werden, der in sämtliche Rechte
und Pflichten des Vaters tritt. Die
ersten sechs Monate hat die Mutter
gegen Entgelt als Amme zu fungieren.
Bei Verheiratung vor Ablauf dieser
Frist, aber nur dann, kann sie das
Kind auf Wunsch behalten, das dann
als ehelich gilt.

Wer diesen Vorwurf befürwortet,
würde als seine Folgen nennen: mehr
Kinder, wenn auch uneheliche, ge-
ringere Sterblichkeit dieser Kinder,
keine Alimentenprozesse mehr, keine
Beeinträchtigung der Ehe und der
Mutterschaft als Hauptberuf, dagegen
Beseitigung der Mutterschaft im Neben-
beruf, die kciu Segen ist.

Die Zukunft droht für ganz Europa
schwer genug, daß es sich mit solchen
Fragen in breiten Kreisen mitvollstem
Ernste beschäftigen muß. Schairer

Sprüche auf Notgeldscheinen

ie meisten entdeckt man zuerst in
Sammlungen. Sprüche auf Bank-

noten sind ja ein Anachronismus.
Leider: man liest zwar täglich ein paar
Zeitungen, aber man hat nie „Zeit",
ein Verslein nachdenklich vor sich hiu
zu lesen oder gar zu überdenken. Ein
paar Proben verdienen das Aufheben:

O ldeslo e:

Notgeld nennt man diesen Schein;
Immer soll's euch Mahnung sein,
Wenn ihr's nehmt in eure Hand,
Daß in Not das Vaterland.

Drum gebraircht's in Sparsamkeit,
Lindert mit ihm Andrer Leid,

Dann wird euch der kleine Schein
Lausendfach zum Segen sein.

Ansbach:

Wie kommen die Soldaten in den Him-
Auf einem weißen Schimmel, s^mel?
So reiten die Soldaten in den Himmel.
Wie kommen die Wucherer in die Hölle?
Auf einem schwarzen Fohlen
Soll sie der Teufel holen.

Buxtehude:

Süht dat ut ok noch so slecht,

Dat löppt sick allens wedder trecht.

Konfucius spricht:

-»»nd, um das ganze Vaterland
<-^-Zu ordnen, ging mau aus
Vom kleinen, und man ordnete
Zucrst das eigene Haus.

Doch ehe man das eigene Haus
Geordnet säuberlich,

Ging man erst von sich selber aus
Und ordnete bei sich.

Unsre BiLder

Blatt nach Fritz Boehles „Sonnengott" in diesem Heft soll eine
^Anschauung von den großeu Boehleschen Lithographien geben, die nnnmehr
zu erschwinglichen Preisen im Kunsthandel erschienen sind. Einiges dar-
über in einem ihnen gewidmeten Rundschauvermerk dieses Heftes.

Auch einc Lithographie, freilich eine ganz anderer Art, ist das Vlatt Hans
Volkerts „Schafe an der Tränke", das unsre zweite Beilage wiedergibt.

Das Motiv des Wechsels von Tag und Nacht behandelt dann auch die
Kopfleiste von Fritz Philipp Schmidt.

hcrausgeber: Or. d. e. Ferdtnand Avenarius in Drcsden-Blascwitz; vcrantwortlich: dcr
tzerausgcber. Mitleitcnde: Artur Vonus, Qr. E. Kurt Fischcr nnd Wolfgang Schnlnann —
In Ssterreich-Ungarn für tzerausgabc u. Schriftlcitung vcrantwortlich: vr. Nichard Batka in Wieu XII I/S —
Gcndungen für dcn Text ohne Ang ab c eines Pcrson e »n a mens an die „Kunstwart-L eitun g" i»
Dresden-Blasewitz — Manuskripte uur nach vorherigcr Vereinbarung, widrigcnfalls
kcine Verantwortung Lbcnlouimen wcrdcn kann — Berlag von Gcorg D. W. Lallwcy, Druck von
Kastner S Lallwey, Buchdruckerei in MLnchen — Gcschäftsstelle fiir Berlin: Gcorg Sicmens, XI'
Kurfürstenstr. 8 — Leschäftsstelle für Sstcrreich-Ungarn: Buchhandlnng Moritz Perlcs, Wien I, Scilcrgasse 4.
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