Kunstwart und Kulturwart — 32,4.1919

Page: 223
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Friedensschlusses hinsichtlich der Ver--
sorgung Deutschlands init Rohstoffen
als sehr günstig«. »Schon jetzt ist
massenhaftes Angebot in einer ganzen
Neihe wichtigster Artikel zu verzeich-
nen«. Der Leser ist verblüfft. Er blät-
tert die Zeitung noch weiter durch und
kommt auf den Anzeigenteil. Eine
Fülle von offenen Stellen ist zu be-
setzen. Zahlreiche Vertretungen werden
angeboten. Sehr viele Angebote über
Warenlieferung springen in die Augen.
Die Preise, die dabei genannt werden,
fangen schon wieder an, als leidlich
angesehen werden zu können. Aber viele
Seiten setzt sich dieses Spiel von An-
gebot und Nachfrage fort."

So schreiben nicht wir, so schreibt
die „Zeitungskunde".

Wozu?

iner ging aus am frühen Morgen,
seinen Acker umzupflügen. Da stach
ihn die Tarantel. Die Hand sank ihm
vom Pflug, Fieber warf ihn in die
Furchen, um sich schlug er, mit bösen
Gewalten rang er und Schaum trat ihm
aus dem Munde. Der Pflug ging über
ihn selber hinüber und herüber. Ber-
serkerträume kämpfte er aus, gegcn seine
eignen Rippen schlugen seine Fäuste.
Und weiter hinüber und herüber ging
der Pflug.

Gcgen Abend erst, als die Sonne
schon tief stand, kam er zu sich. Abers
Feld scholl eine Stimme: „Zeig auf dein
Tagwerk!" Da erschrak er. „Herr, ich
glaubte Heldenkämpfe zu bestehen —
nun bin ich zerschunden und zerschla-
gen — ach, wie dünn wird diese Ernte
werden — wozu nuu alles, was ich
litt, wozu...?"

„Wozu", wehte es, „wozu, Klein-
gläubiger? — weißt du, ob du nicht selbst
auserwählt warst, Acker zu wcrden?"

And der Herrgott Pflügte ihn hinein
in seinen heiligen Grund. Sehr spät
kam die Ernte diesmal. Aber auch
schwer wie nie zuvor stand diesmal der
Menschenernte Korn. Fritz Züricher

Von der Liebe

an kann ohne Liebe Holz spalten,
Ziegel formen, Eisen schmieden, aber
mit Menschen darf man nicht ohne
Liebe umgehen. Zwar kann man sich
nicht zur Liebe zwingen, wie man sich
zur Arbeit zwingen kann, aber daraus
folgt nicht, daß man mit den Men-
schen ohne Liebe umgehen darf. Wenn
du keine Liebe zu den Menschen emp-
findest, so halte dich fern. Beschäf-
tige dich mit dir selbst oder mit irgend-
welchen Sachen, aber nicht mit Men-
schen. Tolstoj

Unsre Bilder und Noten

^^k^-on Robcrt Budzinski wußten wir alle noch nichts, als er bei
Hdem Dürerbund-Wettbewerb um Gedenkblätter für Gefallene einen der
Prcise errang. Ietzt hat der Verlag Erich Matthes in Leipzig
schon eine Anzahl von Sachen und Sächelchen herausgegeben, die besonders
die Wandervögel und andre Freideutsche mit Schnitten von Budzinskis Mcsser
bekannt machen werdcn. Was uns bei ihnen am meisten gefällt, ist ihre un-
bekümmerte Ursprünglichkeit, die sich von aller Kunstmode ganz abseit hält.
Wir geben heut drei Blätter aus dem Zyklus „V o l k s l i e d e r" nach vorzüg-
lichen Handdrucken wieder, indem wir zur weiteren Vervielfältigung absichtlich
ein ganz einfaches Vcrfahren wählen. Gilt es doch, eines zu finden, das auch
die Feinheiten der halben Töne vermittelt, die nicht schon der Schnitt, die
erst der Druck erzeugt und mit denen gerade Budzinski vortrefflich umzu-
gehen versteht, das aber doch ohne das entstellende Glanzpapier im Textdruck
großer Auflagen arbeiten kann. Daß nicht bloß die „Kräftigkeiten", daß auch
die Feinheiten schlichter Schwarzweißdrucke allgemein verbreitet werden
können, das ist vielleicht eine Vorbedingung, wenn wir vom Buntrummel los-
kommen sollen. Wie unser Versuch glückt, kann freilich erst das fertige Hcft
zeigen.

Die Kopfleiste über der ersten Seite und das Schlußstück sind zwei Spiel-
mannsbilder von Rudolf Schiestl.

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