Schön, Theodor von
Aus den Papieren des Ministers und Burggrafen von Marienburg Theodor von Schön (Band 4): Anlagen zum 2. Theil, Scharnhorst — Berlin, 1876

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Es handelt sich um die Ansicht des Schulnnterrichts,
„daß er durch Bildung des Geistes das innere Glnck ver-
mehren soll". Daß auch Ew. Exeellenz von dieser Seite
wirken, darnber bleibt mir kein Zweisel, denn ich glaube nicht
zn irren, wenn ich auch diejenigen Maaßregeln, welche
unmittelbar das äußere Wohl bernhren, als aus einen höheren,
nnzweidentigeren Zweck gerichtet ansehe.

Diese Bildnng des Geistes kann durch jedes ernstliche,
wissenschastliche Studium erlangt werden. Die Philologen,
insofern sie es wirklich sind, besitzen sie; allein der Grund
der Behauptung, daß sie nnr auf dem von ihnen betretenen
Wege, d. i. durch das Studium der griechischen nnd latei-
nischen Sprache, gefunden werden könne, ist nicht erwiesen
und kann stark bezweiselt werden. Sie behanpten mit der
Ueberzeugung der Wahrheit, und die Schulmänner mit ihnen,
daß wir unsere Bildung den-Alten verdanken; allein so wahr
dieses sür die Philologen ist, so unwahr ist es für Andere,
denn die Griechen könnten in den Dingen, welche sie lernten
und jetzt lehren, insofern dieselben einer Fortbildnng fähig
sind, hundertmal mehr von uns lernen, als wir von ihnen.
Jch meine im großen Reiche der Wahrheit — der Mathe-
matik, und im eben so großen Reiche der Beobachtung —
der Natnr.

Wollen die Vertheidiger der jetzt üblichen Art des Schul-
unterrichts sich ihrem Borbilde g anz anschließen, so müssen
sie nicht die Sprache, sondern die Sachen lehren, womit die
Griechen sich beschäftigten; sie werdeü dann selbst sich nicht
an die von den Griechen erreichte Grenze binden wollen.
Dieses würde sie aber gerade zu dem sühren, was sie nicht
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