Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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Nr. 1-3 ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. j

je größer der Komplex der religiös gerichteten Menschen — nicht nur der
Künstler — wird.

Beide, die Alten wie die Jungen, wollen verstanden werden und bitten um
Verstehen wollen.

Wenn diese mit der Ausstellung sich befassenden Abhandlungen so reiches
Bildmaterial aufweisen, so kommen wir damit einem viel geäußerten Wunsche
entgegen, dienen der Kunstgeschichte wie der Kunst.

Eine angenehme Ehrenpflicht ist es, den Pfarrern und Kirchenvorständen an
dieser Stelle zu danken für das weitblickende Entgegenkommen bei der Hergabe
ihrer Schätze, den Domkapiteln zu Köln und Osnabrück, den Diözesanmuseen
dortselbst, vor allem den Pfarrern von Andernach, Königsfeld, Königswinter,
Bensberg und den Kölner Kirchen von St. Jakob, St. Andreas, St. Johann,
St. Alban, Kolumba, St. Peter, Maria Himmelfahrt, St. Severin, Maria Lys-
kirchen, Dom und der Elends-Kirche. Sie haben einer großen Sache gedient, der
Kunst der Kirche und der Wissenschaft.

Köln, I.Oktober 1921. Fritz Witte.

DIE SERIE DER
FRÜHROMANISCHEN VORTRAGEKREUZE.

(Mit 7 Abbildungen.)

Eine selten hervorragende Reihe früher Vortragekreuze aus Metall konnte
die Ausstellung zusammentragen, darunter einige Stücke, die fast un-
bekannt waren, oder doch niemals auf Ausstellungen erschienen. Es
sind die Kreuze von Maria Lyskirchen, das Henmankreuz des Kölner Diözesan-
museums, Borghorst 1. W., Osnabrück-Domschatz und ein schlichtes Bronze-
kreuz aus rheinischem Privatbesitz. Das Kreuz des Erzbischofs Henman und
seiner Schwester Ida ist von A. Steffens bereits veröffentlicht worden1. Hen-
man, der mit seiner Schwester Ida als Stifter dargestellt ist, lebte 1036—1056.
Die bekannte Äbtissin von Essen, Theuphanu, war ebenfalls seine Schwester,
und so erklärt sich die Verwandtschaft mit dem Theuphanukreuze im Stift Essen.
Der Korpus, ebenfalls dem Essener Kunstkreise angehörend, hat als Kopf einen
in Lapislazuli geschnittenen antiken Venuskopf, die Filgrandecke gehört dem
XII. Jahrh. an. Ich verweise im übrigen auf die Veröffentlichung von Steffens.
Das Lyskirchener Kreuz ist in den Bau- und Kunstdenkmälern Rheinlands be-
reits veröffentlicht und besprochen2. Es zeichnet sich aus durch wuchtige Gra-
vuren auf der Rückseite und einen selten groß aufgefaßten getriebenen, mit Tür-
kisen und Karneolen geschmückten Korpus in langer Ärmeltunika auf dünnem
^dberkreuz, der erst im XIII. Jahrh. auf das ursprüngliche Kreuz aufmontiert
wurde. Der Kruzifixus geht stilistisch zusammen mit einem thronenden Christus
aur einem Kodex im Kunstgewerbemuseum zu Köln, der als Aibeit der ent-
ickelten Maasschule zu betrachten ist, die im Viktorschrein zu Xanten ihre erste
Arbeit im Rheinland absetzt3.

o iCS lcnt ^es christlichen Kunstvereines der Erzdiözese Köln für das Jahr 1910.
3 £aJ?tgens a. a. O. Bd. II. 1. S. 310.
b. Creutz, Kunstgesch. d. edlen Metalle. Stuttgart 1909. Abb. S. 196.
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