Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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Nr. 1-3 ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. 21

Gattung ist diese Madonna das einzige Stück, das statt eines Ledergurtes einen
faltigen Tuchstreifen als Gurt um die Hüften trägt.

3. Die Standmadonna Abb. 3 ist 93 cm hoch und aus Nußbaumholz. Sie ist,
abgesehen von einer etwas verwaschenen silbernen und geblümten Polychromie,
sehr gut erhalten. Trotzdem sie aus Holz besteht, macht sie den Eindruck einer
Steinplastik. Sie ist ein etwas derbes Werk, das offenbar auf Fernwirkung berechnet
war. Haltung, Tracht und Faltenwurf stecken noch stark in der Tradition des
XIV. Jahrh. In Wirklichkeit ist sie aber ein etwas grober Ausklang dieser Zeit.
Sie gehört schon dem Anfang des XV. Jahrh. an. Dahin weisen sie das unbekleidete
Kind und der Gesichtstyp. Diesbezüglich ist eine Verwandtschaft mit der Ma-
donna des Palanter Altares unverkennbar. Die früher ungewöhnliche zackige Be-
handlung des Schleiersaumes kommt auch dort vor. Diese findet sich u.a.auch
bei der ebenfalls dem Anfang des XV. Jahrh. angehörigen großen Madonna von
St. Gereon, deren Kind auch in ähnlicher Weise in den Schleier der Mutter faßt.
Bensberg. Egid Beitz.

MITTELALTERLICHE KRUZIFIXE.

(Mit 3 Abbildungen.)
Holzkruzifixus aus St. Jakob, Köln. 1. Hälfte des XII. Jahrh.
.ie hier wiedergegebenen und besprochenen Kreuzbilder geben neben

D

den hier ebenfalls heranzuziehenden Vortragekreuzen den starken Ton

an in der Ausstellung. Es sind die Typen der Typen in der Entwicklung

des Kreuzbildes wie auch gleichzeitig der Geschichte der Plastik im Rheinlande.

Der Riesentorso aus St. Jakob, Köln (Abb. 1), hat ohne Füße eine Länge
von 190 cm; er ist aus Nußbaumholz geschnitten; einzelne Reste einer primitiven
Bemalung finden sich vor allem am Kopfe. Die Rückseite des Rumpfes ist hohl,
im Kopf und im Rücken sind große viereckige Reliquienbehältnisse ausgehoben.
Die Füße von den Knöcheln an, der ganze rechte und der größte Teil des linken
Armes fehlen. Der Gesamtzustand des Holzes ist ein überaus trostloser.

Bei dem für die rheinische Plastik bedeutsamen Stücke sind zwei Dinge in
die Augen springend: einmal die starke elastische Ausbiegung des ganzen Körpers
unter starkem Ausbiegen der linken Hüfte, sodann die auffällig weiche Behand-
lung des Rumpfes unter Fortlassung jedes Details. Manche andere Merkmale
passen da hinein, so besonders die starkflächige Ausarbeitung des Kopfes, die
präzise Betonung von Mund und Nase und eine sonderbar verschleiernde Be-
handlung der Augen. Die Haare sind glatt und dünnsträhnig gekämmt. Das
alles sind Charakteristika der romanischen Metalltreibarbeiten. Selbst das Lenden-
tuch wehrt sich gegen das Schnitzmesser und scheint viel eher aus Metallblech
herausgetrieben zu sein. Lippen-, Nasenschnitt und Nasenfalte arbeiten völlig
mit den scharfen Reflexen und Schatten des blinkenden Metalles.

Wir wissen von rheinischen Plastiken des XI. Jahrh. gar wenig, wohl aber
weisen die Kirchenschätze des Westens noch eine stattliche Anzahl Metallkreuze
auf, die wir recht wohl in Parallele setzen können zu dem schönen Holzkruzifixe
aus St. Jakob. Zu denken ist hier an die Kreuze I und II des Stiftsschatzes zu
Essen aus dem X. bzw. Anfange des XI. Jahrh. und an ein dem XII. Jahrh.
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