Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. Nr. 1-5

Reichenauer Schule, vermittelt durch Essen, entstanden ist, und zwar in der
ersten Hälfte des Xl.Jahrh.12

Ein einfaches vergoldetes Kupferkreuz mit kräftigem, aufgenietetem Rande
ist das aus Privatbesitz (Abb. 7). Die Vorderseite hat ihren Schmuck, einen
plastischen Christuskorpus verloren; kenntlich sind nur noch die gravierten
Blutstrahlen an den Nagelstellen der Hände und der Kelch, der das aus
den Füßen Christi fließende Blut aufnimmt, sowie die Dextera Dei oben.
Die Rückseite ist geschmückt mit Reliefs der Evangehstensymbole und dem
Lamm Gottes im Schnittpunkte der Balken, sowie mit einer Majuskehnschnft:
omnes Uli quorum auxilio hec crux fabricata est aeterna vita donentur. rh(?)e
twinus. Das Kreuz wird von einem prächtig ziselierten Löwenkopfe im Rachen
getragen. Bedeutsam ist, daß die Balken des Kreuzes nach den Enden zu eine
leichte Schwingung nach außen zeigen, wie wir es nur auf älteren Stücken be-
obachten. Die Gesamtverfassung der Reliefs weist deutlich auch hier auf die
Reichenau bzw. auf Trier hin, in dessen künstlerischem Bannkreise das Kreuz
auch gefunden wurde. Von größter Bedeutung ist das Auftreten einer Namens-
inschrift im Gefolge des Bittgebetes für die Stifter des Kreuzes. Leider ist bei
einem Bruch des unteren Endes des Kreuzbalkens das abgebrochene Stück durch
dicke Eisennieten an dem oberen Ende wieder befestigt worden und dadurch
gerade der Anfang des Namens stark beschädigt; mit Sicherheit ist nur zu lesen
HETVIN); der letzte Buchstabe legt in seinen Resten als ein R sich nahe, so daß
wir die Lesung Rhetvinus bekämen, eine Schreibweise, die bis in den Anfang des
XII. Jahrh. keine ungewöhnliche wäre nach dem Analogon Hrabanus usf. Witte.

P. HECKERS FRESKEN IN ST. ALBAN, KÖLN.

(Mit 2 Abbildungen.)

Die Ausstellung der lebenden Künstler zeigt die Kartons zu den neuer-
lich enthüllten Fresken Heckers in St. Alban, Köln. Es galt hier, eine
Kriegergedächtnisstätte nicht schablonenhafter und darum wirkungs-
loser Art, sondern von dauerndem Werte zu schaffen. Pfarrer wie Kirchenvor-
stand hatten sich von vornherein weitblickend darauf eingestellt. Als Raum
wurde eine kapellenartige Halle mit Kreuzgewölbe, mächtigen Gurtbögen und
Nische vor dem eigentlichen Kirchemnnern gewählt, fast lichtlos, architektonisch
nach drei Seiten wirkungsvoll abgeschlossen, fast etwas gedrückt in den Raum-
proportionen.

Hecker hatte in St. Mechtern in lichtvolleren Hallen eine ähnliche Aufgabe
gelöst, war dort in tönenden Farbenakkorden mit dem Licht zusammengegangen.
In Alban beugte er sich ebenfalls den Verhältnissen und gab seinen Malereien
das Scheue, fast Ängstliche, Mysteriöse des Raumes und seiner wie in kaltem
Lichte des aufziehenden Mondes liegenden Beleuchtung. Diese Farbenstim-
mung ist weitschauend überall hingetragen und verleiht dem Ganzen eine seltene,
zwingende Einheitlichkeit. Wo der Künstler so von der Straße und ihrem Leben
abrückt in der Anrede der Farbe und des Lichtes, da kann er auch nicht der
Sklave nachgebildeter Natur sein, da muß er über sie hinaus und auch in der

12 Die Datierung bei Tibus a. a. O. auf 1040 ist durch nichts begründet.
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