Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. Nr. 6/7

darüber weiterhin das Wort ergreifen11. Uns kommt es hier nur darauf an,
die Wickenblüte als Werk des Konrad von Soest zur Diskussion zu stellen.
Aus den Schulbildern, auch aus dem Bannkreise des sogenannten Veronika-
meisters sehe ich sie herauszustellen mich gezwungen, angesichts der äußeren
wie inneren Kongruenz mit der Kunst des Meisters Konrad von Soest.

Witte.

VERSCHWUNDENE EHRUNGEN

FÜR BISCHOF WICBOLD VON KULM

IM ALTENBERGER DOM.

(Mit I 2 Abbildungen.) (SAluß.)

In diesen traurigen Tagen, wo so vieles an der Gnsailleverglasung der
Fenster, an Geschichtstafeln, Bildern, Leuchtern, Wappenschildern der
Habgier zum Opfer fielen, ist auch Wicbolds Hochgrab seines künst-
lerischen Schmuckes aus Erz entkleidet worden, den man mit anderem
geraubten Gut als Altmetall gegen geringes Entgelt nach Solingen ver-
äußerte. Von dem Denkmal sagt Jongelinus (1640) a. a. O. II p. 24: sepul-
chrum satis sumptuosum ad tres circiter pedes integraliter coopertum lamina
aurea; per circuitum sepulchri artificiose depicta habentur mysteria passi-
onis salvatoris nostris. Die Darstellungen aus dem Leiden des Herrn, die
nach Montanus die 1V« Fuß hohen Seitenwände des Sarkophages geziert
haben, sind spurlos verschwunden, dagegen ist uns glücklicherweise die
getreue Abbildung der oberen Deckplatte in dem schon erwähnten Abdruck
überkommen; äußerste Sorgfalt, unter Beachtung auch der kleinten Schmuck-
formen, hat bei dessen Herstellung obgewaltet. Diese Wiedergabe des ver-
schwundenen Kunstwerks mit einer gleichartigen, in der Kirche noch vor-
handenen Grabplatte Herzog Gerhards II. gelangte in den Besitz des städtischen
Museums in Köln, dessen erster Konservator De Noel war, von da in das
Museum Wallraf-Richartz und schließlich in das Kölner Kunstgewerbemuseum.
Achtlos sind seit mehr als einem halben Jahrhundert seine Besucher an
dem großen Abdruck vorbeigegangen, ohne seinen Wert für die Kunst zu
erkennen und seine Bedeutung für den Altenberger Dom zu ermessen.
Das neuerdings erfreulicherweise wiedererwachte lebhafte Interesse für dieses
Bauwerk lenkte auch die Aufmerksamkeit auf die Platte, und bei dem
Domverein fand mein Vorschlag, eine Veröffentlichung in verkleinertem Maß-
stab, willige Annahme. Ihr stellten sich aber nicht unbedeutende Schwierig-
keiten bis dahin in den Weg. Handelte es sich doch um die Übersetzung des
Negativs, als welches der Plattenabzug gefertigt ist, in das Positiv, das die
wirkliche Erscheinung der eingravierten Darstellungen vor Augen zu führen
vermochte. Es hat sich das ermöglichen lassen durch photomechanische
Übertragung und Druck, ein Verfahren, das die Buch- und Steindruckerei
Th. Fuhrmann in Köln zur Anwendung brachte, hiermit ein getreues Bild

14 Verzeichnis der Gemälde des großherzogl.-hessisch. Landesmuseums in Darmstadt
von Friedr. Back. 1914. Nr. 3. — Ders., Mittelrheinische Kunst. Frankfurt 1910.
Tafel LIII. Auch Meier macht aufmerksam auf dieses Bild.
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