Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

Page: 17
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1921/0027
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Nr. 1-3

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

17

Der Ortenberger Altar1 zeigt in der Gruppe Maria im Kreise weiblicher Heiligen
eine gewisse Verwandtschaft in den vollen runden Kopf typen, dem seltsam ver-
zogenen Munde, doch ist hier der französisch-burgundische Einfluß reiner und
unmittelbarer. Unser Tafelbild rückt in seiner mehr heimischen Art auch von
diesem Kulturzentrum ab. Und hier ergibt sich eine weitere Verwandtschaft
mit dem bekannten sogenannten Kaiserfenster der Bopparder Karmeliterkirche
um 1420 im Kölner Kunstgewerbemuseum2, dessen Verwandtschaft mit dem
Ortenberger Altar unverkennbar ist. Hier finden sich ähnlich runde Kopftypen
und stark betonte Augenlider. Wenn diese Verwandtschaft auch nicht durchaus
überzeugt, so scheint doch ein anderer Kunstkreis nicht in Betracht zu kommen.
Bei der Seltenheit von wertvollen Werken dieser Zeit bildet dieses Tafelbild
eine glänzende unverhoffte Bereicherung der Epoche des Überganges zwischen
Hermann Wynrich und Stephan Lochner, eine Zeit, die auch in Westfalen die
kostbarsten Blüten deutscher Kunst entfaltet hat. M. Creutz.

Abb. 1.

Seitenstücke eines Traghimmels mit Engelchor.

NEUE STICKEREIEN.

(Mit 2 Abbildungen.)

Unter den modernen Paramenten der Ausstellung seien zwei Arbeiten des
Kölner Instituts für religiöse Kunst erwähnt, ein Traghimmel und eine
Standarte. Ersterer ist entworfen und gestickt von Erika Freund, Köln.
Daß Entwurf und Ausführung in einer Hand lagen, ist dem eigenartigen Stücke
besonders zugute gekommen. Was liegt eigentlich näher, als bei einem Trag-

1 Back, Mittelrheinische Kunst, Verlag J. Baer u. Co., Frankfurt a. M. Farbige Tafel.

2 Vgl. die zugehörige Gruppe bei H. Schmitz, Die Glasgemälde des Berliner Kunst-
gewerbemuseums. Abb. 67.
loading ...