Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

Nr. 6/7

hat. Vor Jahren bestand diese Absicht, aber die Ungunst der schweren
Zeiten, die wir durchleben, und das Versagen geldlicher Quellen rücken
ihre Verwirklichung leider in weite Ferne. So mögen denn zur Stunde
bildliche Wiedergabe und Beschreibung der verschwundenen Grabplatte des
Bischofs Wicbold von Kulm das Andenken an den kunstsinnigen Kirchen-
fürsten hochhalten!

Benutzte Literatur: Akten Mülheim VII, Regierung Köln. — Kölner Domblatt 1843. —
Montanus, Kloster Altenberg im Dhüntale und vom Mönchswesen 1835. — L. Schwoerbel,
Die ehemalige Zisterzienserabtei Altenberg im Dhüntale 1895. — W. Brehmer, Lübecks
messingene Grabplatten aus dem XIV. Jahrh. Hansische Geschichtsblätter 1 883. — Th. Hach,
Der Dom zu Lübeck. — Die Bau- und Kunstdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-
Schwerin, der Provinzen Westpreußen und Posen, der Rheinprovinz und der freien Stadt
Lübeck. — C. Steinbrecht, Thorn im Mittelalter. — Mitteilungen des Kopernikusvereins
in Thorn. — Lübkes Grundriß der Kunstgeschichte. — Georg Graf Vitzthum, Die
Pariser Miniaturmalerei von der Zeit des hl. Ludwig bis zu Philipp von Valois. Leipzig 1907.

Köln.

H e i man n t-

DAS KREUZIGUNGSBILD VON
UNTERALPFEN.

(Mit 2 Abbildungen.)

Die Pfarrkirche des badischen Dorfes Unteralpfen (Kreis Waldshut) birgt
auf ihrem rechten Seitenaltar ein ansehnliches Gemälde, das von der
Forschung bisher noch kaum beachtet wurde. Die Badischen Kunst-
denkmäler erwähnen es überhaupt nicht, da — seltsam genug — Unteralpfen bei
der Inventarisierung unberücksichtigt blieb. Nur Sauer gibt einen kurzen
Hinweis in seinem interessanten Aufsatz Reformation und Kunst im Bereich
des heutigen Baden1, über die Herkunft des Gemäldes ließen sich weder
aus dem Pfarrarchiv noch aus den Akten des Generallandesarchivs in Karlsruhe
irgendwelche Anhaltspunkte gewinnen.

Das Altarbild, im Format von 80 auf 137 cm auf Holz gemalt, stellt
den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes vor einer Landschaft dar
(Abb. 1). In der Gesamtdisposition wie in den Einzelmotiven schloß sich
der Maler eng an Dürers Kreuzigung von 1511 aus der Kupferstichpassion
(B. 13) an. Hinsichtlich der Durchführung der Gruppe und der stilistischen
Formulierung des Themas geht er jedoch seine eigenen Wege. Er überhöht
den Bildausschnitt, beschränkt die Szene auf die drei Hauptgestalten, rückt
den Gekreuzigten in die Mitte zu reiner Frontansicht und Johannes an den
Bildrand. So lockert sich das Kompositionsgefüge, und die Mitte wird für die
Landschaft frei. Durch streng symmetrischen Aufbau der Gruppe, energisches
Betonen ihrer Senkrechten und weitgehende Vereinfachung der Formkomplexe
und Linienzüge suchte der Meister seinem Werk eine gewisse Monumentalität
und dekorative Fernwirkung zu geben. Eine wesentliche Umänderung erfuhr
die Gestalt des Johannes. Ihre bei Dürer sehnsüchtig nach Christus hin-
drängende Diagonale gab der Maler preis. In aufrechter, gelassener Haltung

1 Freiburger Diözesan-Archiv, N. F. B. XIX, S. 420.
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