Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

Page: 114
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zchk1921/0126
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
114

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

Nr. 8

einige Anklänge auf. Beachtenswert ist bei den gesamten Bildern wie bei
den Rosetten das bewußte Abweichen von der älteren strengen Stilisierung.
Ein verblüffender Wahrheitssinn tritt zutage und eine gewisse Freude an
der Natur. Dadurch kommt eine frühlinghafte Frische in das Ganze hinein,
die besonders durch die lebendige Polychromie mit trockenen Erdfarben
unterstrichen wird. Grün und Gelb geben den Hauptakkord, Weiß, Blau,
Rot treten spärlicher auf. Die Freude an der Natur wird besonders offenbar
bei der Figur des Stieres; am Halse schieben sich die Fettpolster zu starken
Falten zusammen, unter dem Halse hängt die Hautmasse direkt natura-
listisch nieder. Naturbeobachtung und der Wille der Wiedergabe des Ge-
sehenen stecken auch in den Zwickelornamenten: knospend keimen sich
abrollende Jungblätter aus den Winkeln und erbreitern sich raumfüllend.
Eine Rosette fällt aus der Reihe der anderen heraus; sie wird gebildet
durch vier geschickt ineinander geschobene Dreipässe; die Figur läßt an
orientalische Fliesen und Buchmalereien denken.

Der Balken dürfte zu Beginn des XIII. Jahrh. entstanden sein in einer
benediktinischen Werkstatt. Witte.

t~

NEUES
ZUR BRABENDER=BELDENSNIDER=FRAGE.

(Mit 3 Abbildungen.)

Karl Döhmann hat sich das große Verdienst erworben, in der wich-
tigen Frage der Scheidung zwischen den münsterländischen Bild-
hauern der ersten Hälfte des XVI. Jahrh. überaus wichtiges Material
beigebracht und eine Klärung herbeigeführt zu haben. Ich hatte seinerzeit
im Jahre 1904 bereits an Friedrich Born einiges urkundliches Material in
der Angelegenheit abgegeben.

Bevor ich an anderer Stelle der Bildhauerkunst der ersten vier Jahrzehnte
des XVI. Jahrh. in und um Münster in einer umfassenderen Monographie
eine möglichst erschöpfende Behandlung zuteil werden lasse, die sich zu
gruppieren hat um den sogenannten Meister von Osnabrück, will ich an
dieser Stelle im Anschluß an hier abgebildete Steinplastiken einen vielleicht
nicht unwichtigen Beitrag zur Beldensnider-Frage liefern1.

Die Streitfrage, ob Bunikmann, Beldensnider, Hilgensnider identisch
seien oder nicht, fernerhin, ob die „Beldensnider" den Hausnamen Bra-
bender führten, ist m.E.von Döhmann ebenso gründlich wie selbstverständlich
beantwortet worden. Er kommt zu der Genealogie:

1 Zur Beldensnider-Frage siehe: Fr. Born, Die Beldensnyder. Ein Beitrag zur Kenntnis
der westfälischen Steinplastik im XVI. Jahrh., Münster 1905. — Hartlaub, Die Belden-
snyder in Bremen. Jahrbücher der Bremischen Sammlungen 1912. —■ K. Döhmann,
Bunickmann und Brabender, genannt Beldensnider, in Zeitschrift „Westfalen", 1915, 33 ff.
— Herrn. Schmitz in „Berühmte Kunststätten", Band „Münster", Leipzig 1911. —
Brüning in „Westfalen" 1909. — G. Dehio, Handbuch IV. — A. Leiss, Die Meister
des Corbacher Sakramentshäuschens in Geschichtsblätter für Waldeck-Pyrmont. Bd. 13.
loading ...