Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. Nr. 8

Zum zweiten Male tritt das Osnabrücker Diözesanmuseum mit
einem Sonderheft der Zeitschrift an die Öffentlichkeit. Die
Hoffnungen und Wünsche, welche das erste Heft begleiteten,
ob sie in Erfüllung gegangen sind, mögen der Leserkreis und die
Besucher des Museums entscheiden. Wenn man an der Vermeh-
rung nach Quantität und Qualität ermessen darf, ob ein Museum
seine Lebensberechtigung und Fähigkeit erwiesen hat, dann kann
der Osnabrücker Diözesan-Museumsverein ruhig sagen, daß sein
Kind zu den bestgepflegten unter allen zu zählen ist. Des Mu-
seums Gesicht hat sich wesentlich geändert. Dank dem groß-
zügigen Entgegenkommen und Verständnis, das ihm von selten des
Klerus und besonders von selten des Oberhirten entgegengebracht
wird, hat es sich zu einer Anstalt ausgewachsen, die nicht mehr
zu übersehen ist, die zu einer Bildungs- und Forschungsstätte von
Bedeutung geworden ist. Die Tendenz auch eines Diözesan-
museums kann niemals die sein, zu sammeln, um zu sammeln.
Das Sammeln muß Ziel und Zweck haben; es gilt zu retten, was
gefährdet, zusammenzustellen, was vorbildlich und erzieherisch,
was illustrierend ist für den, welcher sich dem Dienste Gottes fürs
Leben weiht, für den Theologen. In Osnabrück wird man des-
wegen auf eine Vervollständigung der Typenreihen in hturgie-
geschichthcher wie ikonograprnscher Hinsicht, sowie auf den Aus-
bau der bildmäßigen Darstellung der heimatlichen Kunstgeschichte
ganz besonderen Nachdruck legen müssen. Beides ist mit über-
raschendem Erfolge geschehen. Die Mitglieder des Diözesan-
Museumsvereines mögen daraus ihre Schlüsse ziehen und vorerst
das vielleicht hier und dort noch rein äußerliche Interesse für die
Bestrebungen des Vereines zu einem inneren Bedürfnis machen.
Der Geistliche kann heute ohne Pflege wahrer religiöser Kunst
und ohne Verständnis für alte historische Kunst nicht mehr aus-
kommen, er würde seine Pflicht nicht tun gegenüber der Gestal-
tung eines neuen Weltbildes, vor allem eines katholischen
Weltbildes. Wer heute zum Schönen, zur Kunst kein Verhält-
nis zu gewinnen sucht, verkennt die Zeichen der Zeit.
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