Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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Nr. 8

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

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grundes ist so rücksichtslos einheitlich, daß man sich des Eindruckes des
Massenartikels fast nicht erwehren kann. Das belebende Ornament ist ohne
jede Rücksicht auf die Figuralstickerei gearbeitet, bald decken die Bild-
stickereien den mit Blumen bestickten Untergrund, bald zeigt sich dem
Beschauer der in scharfer Linienführung, ohne jedes Ornament im einfachen
Plattstich ausgeführte grüne Rasengrund. Ein reiches in Silberfäden aus-
gesticktes Rahmen-
werk, das sich bei
sämtlichen Figuren
findet, ist nur bei der
Figur des Christus
ausgeführt, während
es bei allen anderen
Figuren jäh und un-
vermittelt abbricht.
Dieselbe Gleich-
mäßigkeit in der Be-
handlung zeigen die
um die Figur Christi
gruppierten Hei-
hgengestalten: der-
selbe grünliche mit
Gelb untersetzte
Ton des im verzo-
genen Plattstich aus-
geführten Unter-
gewandes, dieselbe
fast stereotype Be-
handlung im Stilstich
des in vollen Locken

herabwallenden
Haupthaares mit fei-
ner perlender Farb-
wirkung.

Und doch ist
nichts von Mono-
tonie in den Figu-
ren, ein prachtvolles
handwerkliches Können paart sich hier mit feinfühligem Schönheitssinn,
besonders für große Linienführung bei den Körpern, die in ihrer fast
wuchtigen Größe die reizvollen, stark durch die Silhouette wirkenden Köpf-
chen tragen. Den Ausgangspunkt der Figuren bildet das durch eine ebenso
originelle wie reiche Rahmung, sowie durch die Qualität des Materials
hervorgehobene Christusbild in der Mitte des Rückenstückes. Der Salvator
steht ganz in der typischen Haltung der niederländischen Gemälde und
Plastiken usf. des ausgehenden XV. Jahrh.: leicht geschürztes Gewand, in
prächtiger Goldlasurtechnik. Die Rechte ist segnend leicht erhoben, in der

Abb. 3.

Detail von Abb. 2.
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