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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0003
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Montag, den 1. September 1919

Vadische post — Nr. 202

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ErZberger unö öie wahrheit

1. Die Wiener Beschwichtigungsreise

Erzbcrgers Vehauptungen
„Zm April 1917 roar ein dringlicher Bericht
Czernins in Verlin ergangen, die Alonarchie
stände vor den ernstesten rnneren Zersetzung^n.
Ueber L-as Zahr hinaus sei an einen Widerstand
nicht zu denten. Darauf hin reiste Herr Erzber-
ger in Vethmanns Auftrag nach Wien und er-
reichte in Verhandlungen mit Kaiser Karl und
Czernin, daß überstürzte Friedensschritte unter-
blieben." (Erzberger als „bcsondere Seite" in
der Deutschen Allgemeinen Zeitung von 2. Juli
1919).

„Zch halte aufrecht, daß ich im amtlichen Auf-
trags in Wien gewescn bin." (Erzberger in Wei-
inar am 25. Zuli 19).

und die Wahrheit! .

„Der Ncichskanzler Bethmann Hollweg be-
streitet, Herrn Erzberger nach Wien gesandt zu
haben. Dazu lag auch kein Anlaß vor... Czer-
nin ist von Verhandlungen Herrn Erzbergers zur
Verhinderung versuchter Friedensschritte nichts be-
kannt. (Votschafter a. D. Eraf Wedel in „Ham-
burger Nachrichten" Dir. 369 voin 23. 7.)

Dcr ehemalige Ncichskanzler, von Bethmann
Hollweg, hat bis hcute diese Behauptung Lcs
Erafen Wedel nicht bestritten, wohl aber bestä-
tigt Graf Ezernin in der Correspondenz Wilhelm,
Wien '-3. 7. 19, diese und die folgenden Darlegun-
gen des Grasen Wedel als richtig.

2. Die Verwendung des Czernin'schen Geheimberichts

Erzbergcrs Vehauptungen

„Den Czerninschen Eeheimbericht hvbe ich nrei-
nen Parteifreunden in Frankfurt a. M. bekannt
gegeben... entsprechend den Bedingungen, daß ich
den Bericht so verwerten solle, daß er dem Friäden
dienen könne." (Erzberger in Weimar anr 25.
Juli 1919i.

und die Wahrheit!

„Mein Boricht war ausschließlich für die bei-
den Kaiser und den Reichskanzler bestimmt. Es
chcstand damals begründete Hoffnung, zu eine-m
Verständigungsfrieden. wenn auch mit Opfern, zu
gelangen. Von nicht vc-rantwortUcher.Seite wurde,
dieser Bericht ohne mein Wissen und hinter mei-
rem Nücken Erzberger übergeben, der ihn nicht
geheim hielt. So kanr sein Jnhalt durch das Vor-
gcchen Erzbergc'rs zur Kenntnis unserer Eegner,
und e n jeder, der den Vericht» liest, kann sich eine
Vorstellung von den Folgen machen." (Erklnrung
des Grafen Czernin in der Correspondenz Wil-
helm, Wien. 28. 7. 19).

3. Die Verösfentlichung des Berichts durch die Presse

Erzbergers Vehauptungen
„Der Bericht ist von der Rheinisch-Westfäli-
schen Zeitung veröffentlicht wordon. Glaubt denn
wirklich irgend jemand, daß diele Zeitung von
mir oder vom Zentrunr insormiert worden sei,
oder besteht nicht beispielsweise auch die Mög-
lichkeit, daß die Oberste Hcieresleitung. dte den
Bericht auch gehabt hat, ihn in diese Zeitung
plaziert hat?" (Erzbergcx in Weimar am 25. Zuli
1919).

Die Folgen

Nach der übereinstimmenden Ueberzeugung
des ehemaligen deutschen Botschafters in Wien,

Erafen Wedel, und des österreichischen Mini-
sters Eraf Lzernin, also des Versassers des in
Frage kommenden Eeheimberichts, ist dieser
Bericht durch das Vorgehen Erzbergers den
Feinden bekannt geworden und bat damit
„begründete Hoffnungen, zu einem Verstän-
digungsfrieden zu kommen, vernichtet". In
diesem Berichte des Erafen Czernin vom 12.

April 1917 behauptete nämlich Czernin, daß
die Zentralmächte unter keinen Umständen
einen Winterfeldzug 1917-18 führen könnten,
daß sie schon in den nächsten Monaten Frieden
schließen müßten, anderfalls die Revolut
bereits im Herbst 1917 alles vernichten
würde, wofür die Zentralmächte kämpften.

Der Jnhalt des Verichts wnr also derart, daß
er die Feinde der Zentralmächte

und Siegeszuversicht bis zum letzten erfüllen
mußte. Mit- Recht stellt deshalb auch Erak
Czernin in der erwähnten Korrespondenz
Wilhelm am 28. Juli fest, daß sich „jeder eine
Vorstellung von der Wirkung machen könne",
die das Bekanntwerden seines Berichts bei
unseren Feinden hervorrufen mußte. Der Jn-
halt des Berichts ist im Juli 1917 in London
bekannt geworden. Die „Times" meldet dar
über:

„Der Eeheimberlcht des Grafen Czernin über
die hoffnungslose Lage der Mittelmächte ist etwa
im Zuli 1917 dem englischen Ministerrat zugegan-
gcn und hat den Gqgenstand eingehender Bera-
tung gebildet. Danach noch mit Deutschland zu
verhandeln, wäre heller Wahnsinn gewesen."

Auch Nibot bestätigt, daß die französische
Politik des Jahres 1917 durch das Czerninsche
Dokument entscheidend beeinflußt ist.

mit Jube!

Wer hat also FriedenShoffnungen zerstört?
Erzberger!

Wer gehört vor den Staatsgerichtshof?
Erzberger!

5. Das angebliche englische Friedensangebot

und die Wahrhcit!

Es handelt sich gar nicht um einen englischen

und die Wahrheit!

Die „Oberste Heercsleitung hat keine Beziehun-
gen zur Nheinisch-Westfälischen Zeitung" gehabt.

Dte Darstellung, als ob die „Rheinisch-Westfä-
lische Zeitung" den Bericht des Grafen Czernin
an Kaiser Karl durch die Oberste Heeresleitung
zugestellt erhalten hätte, ist eine Jnsinuation, die
nicht scharf genug zurückgowiesen werden kann.
Die Oberste Heoresleitung tat ihrerseits alles, um
solche Aeußerungen nicht zur Kenntnis des Fein-
des kommen zu lassen. (Eeneral Ludendorff in
der V. Z. a. M. laut „D^utscher Allgemeiner Zei-
tung. Nr. 362 vom 30. 7. 19).

„Die Oberste Heeresleitung hat uns niemals
eine Andeutung von dcin Czerninschen Vrtef ge-
macht. Es ist an und für sich schon ganz ausge-
schlosst'N, daß die Oberste Heeresleitung zur Ver-
breitung dieses niederdrückenden Verichts verhol-
fen habo. Herr Erzberger hat seine sämtlichen Be-
hauptungen in dteser Sache von Anfang bis zu
Ende erfunden. Die Rhetnisch-Westfällsche Zettung
ha die erste Notiz über den verhängnisvollen Czer-
minbericht am 16. April 1918 gebracht. zu einer
Zelt also, als der Vericht schon längst dank der
Tätigkcit des Herrn Erzberger bei den FeinLen
bekannt war, und zwei Tage nachdem Czernin und
sein Einfluß in Wien beseitigt war. Jn der kri-
tischen Zeit des Jahres 1917 hat die Rheinisch-
Westfälische Zeitung nichts von bcm Czerninbrief
berichtet." (Crklärung der Nheinisch-Westfälischen
Zeitung nach der Deutschen Tageszeitung vom
1. 8.. Nr. 373).

4. Der Butzgang nach Wien

Erzbergers Vehauptungen

„Eraf Wedel behauptet, Czernin habe mich
veranlaßt, nach Wien zu komnvm. um mich zu
verantworten. Das ist unwahr! Es lst auch un-
wahr: ich hätte meine Fehler eingesehen. ,(Erz-
berger in Weimar am 28. Juli 1919). ,,_

und die Wahrheit!

„Herr Erzbergcr hat in Weimar bcstritten. daß
Eraf Czernin ih>n veranlaßt habe, nach Wien zu
kommen, um ihm Rechenschaft über die Verwer-
tung seines Berichtes zu geben. Zn dem in mei-
nem Vesitz befindlichen Briefe des Erafen Czer-
nin heißt es wörtlich: „Er kam nach Wien, von
mir zitiert. um mtr Rechenschaft über sein Vor-
gehen abzugeben. Er war damals ganz vernich-
tet und sah seine kolossalen Fchler ein." (Graf
Wedel in den Hamburger Nachrichten vom 28. 7.
19, Nr. 378).

Erzbergers Vehauptungen

„Es lag ein Angebot Englands oor. dein sich

hie frairzösische Negücrung angeschlossen hatte... Friedensschrttt. sond'e'rn um'die Antwort aüf'elne
Wir haben hicr den amtlichen Schritt etner neu- Anfrage des Papstes. Darin werden die päpst-
tralen Macht, hervorgegangen nicht aus eigener lichen Friedensvorschlägx rundweg abgelehnt.
Znitiative, sondern es ist ein ausdrücklicher Ver- Beweis: Der Text der Note: ,Mr haben noch
such der cnglischen Regierung mit ausdrücklicher keine Gelegenheit gehabt. unsere. VerbündXÄen
Ermächtigung der französischen." (Erzberger in iiber'die Note seiner Heiligkeit zu befragen uich
Weimar am 25. Juli 19). , ^ sind nicht in der Lage. uns über dvci Bsantwor-

tung der Vorschläge seiner Heiligkeit betreffend
VcLingungen. eines dauernden Friedens zu äu-
ßern." Amtliche deutsche Uebersetzung.

Veweis: Die Erklärung Painlevös. der am 29.
i Juli in der französijchen Kammer sagte, Frank-
reich habe niemals daran gedacht, einen Frieden
° ohno Lie Herausgabe Elsaß-Lochringens zu schlte-
ßen.

Bemeis: Die gleichlautende Erklärung, die
der französischo Minister Ribot einom Vertreter
des* Exzelsior gab.

Beweis: Die Erklärung des englischen Unter-
staatssekretärs Harmsworth, wonach der britische
Eesandte beim Vatikan am 2. August 1917 dahin
instruiert wurde, „den Kardinalstaatssekretär zu
unterrichten. daß dve britische Regierung nicht sa-
gen könne, welche Antwort im gegebenen Falle
auf die Friedensvorschläge des Papstes erteilt
würden, denn sie hätten ihre Alliierten noch nicht
bcsragen können."

Boweis: Die Erklärung der Kurie, daß Erz-
bexger .die Vorgänge vom September 1917 „un-
genau dargestellt und falsch interpretiert habe."

6. Das Angebot wurde vier Wochen lang nicht beantwortet

Erzbergers Behauptungen und die Wahrheit!

„Das durch den Nuntius übermittelte Frie- „Das Schreiben des Nuntius ist. wie wir in-
densangebot Englands wurde von der kaiserlichen zwischen festgcstellt haben, erst am 5. September
Regterung vier Wochen lang nicht beantwortet... tn Berlin eingetroffen und wukde nach neunzehn
Vter Wochen lang gibt man den Ministern keine Tagen beantwortet." Also nach stark zroei Wochen.
Antwort... Also ein amtlicher diplomatisch^r (Der.sozialdemokratische Minister des Auswärti-
Bericht für ein Volk, das in höchster Not ist. wird gqn Müller in Weimar am 28. Zuli 1919).
vier Wochen lang nicht beantwortet. Dann er-
klärt man ihn für ungenügend. (Erzberger in
Weimar am 25. Zuli 1919).

7. Es handelt sich

Erzbergers Vehauptungen
Zn dem Angebot Englands wurde die kaiser-
liche Regierung gebeten, „sich über die Unabhän-
gigkeit Belgiens zu erklären und Earantien für
die politische und wirtschaftliche und militärische
Unabhängigkeit des Landes zu geben. Es" wurde
vsriangt, lediglich eine präzise Erklärung über

nur um Belgien

und die Wahrheit!

Der englische Bericht an den' Papst erwähnt
Belgien nur nebenher. verlangt dagegen, daß
Deutschland sich als schuldiger Terl erkläre. seine
Kriegsziele nenne, Wieiderherstellungen und Ent-
schädigungen leiste und durch Abrüstung bereit sei,
die Wolt vor neuen Angriffen zu bcwahren.

3500»

leslau

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Dertretcr ^

CinegroßeEpochehatdas Jahrhundertgeboren
aber der große Moment sindet ein kleines
Geschlecht.

Goethe —Schiller, Tenien

Oie blaue Spur

Roman von Julius Regtg
Aus dem Schwedischen übersetzt van E. v. Kraatz
Oop^rigüt 1917 Oretkleiu k. Lo. O. m. b. tl. 1.elpri8

(51. Fortsetzung)

Mcmrlce Miallion verbeugte sickr'-

,,O danke, er ist vollkommen srisch und munter
und brennt var Tatend-urst."

»Wie nett! Grüßen Sie ihn von mir und bit-
ten Sio ihn, stch nicht zu überanstrengen. Es
könnte iibm gesährlich werden."

Mit diüsom Abschiedsstich drückte ste die Tür
htnter stch tns Schloß, und der DetektivrePorter
yörte rhr seidenes Klerd durch den Flur davon-
rascheln. '

Gleich bavcms Lam Becknran lhereinacstürzt.

„Mas tn aller Hervgottswelt fällt Dtr denn
ern?" riof er außer stch und schwonkte die Karte
in der Luft. »Soll die dunkle' Dame entwrschen?"

Maurioe Wallion blütterte in einenr. Kurs-
buch.

»Es ist unnötrg, ste noch Knger zst beobachten",
sagte er. Augenblicklich D ihr nicht beizrEo-mmen.
Zch habe keitie Zeit, mich jetzt eingehender cmszu-
sprechen."

Er sah nach Ler Uhr. ^

»Sag dem Redaktionssekretär, ich müßbe 1n Sa-
chen Hesselman niach Ostgotland ^reisen."

40.

»Allso bitte, Herr Pastorr Der ermordete Doik-
Arthur Hesselman batte einen Bruder nainens
^vard. War disser Bvuder älter oder jünger
als er?"

« ^reise Pfarrer beugte däs gvaus Haupt
»Udchtig stber das mächtige Buch und schriob dann
und wann etwas auf ein Stück Papier. Dws müh-
kame Eskritzel der Feder hatte in ienom swßen.

kcchlen Ramn etwas Feierliches. Maurioe Wal-
lion sah stch um, während er unseduldta wartete.

Eine Expedition nach dem Paswvat eines Land-
städtchsns. Was er sah. war ein frischaoscheuerter
Fustboden mit noch frischeren Spuren von erdigsn
Stiefbln, kcchls uild öde Fenster. bvaiune Wände
mit oen steifen Brustbildern verschiedoner Monar-
chen und Prälaten in schwarzgowordenen Eoldrah-
mon, ein einziger, wackliger Stuhl, ein SchrerbMt
auf schwerem Untergestell und dahinter die gMe-
terrsche, Gefftalt des Pfarrers.

„Zch hwbe einen kurzen AusMg aus dem Kir-
chenlbuch gemacht", bruinmte der Mrrver schließlich
und reichte ihm das Papier. „Davaus können Sie
die Antwort auf Jhre Frage evsehen."

Der Zounalist nähm den Zettol und l-as.

„Was Edoard betrifft", Puhr der Pfairrer lfvrt,
,so ist es lbekannt, daß er 1893 in Culba aim Fiober
verstorben tst."

Wallion salh von dem Zettel auis und ontgsg-
nete: „Wvlier stamint diese Nachricht?"

»Aus einsm Briof. wenn ich mlch recht er-
innere."

»Nun, jodenfalls kann icü Zhnen mittetlen, daß
er noch houte am Loben ist.

,,Sa?" kninrrte der Pfarrer. ,,Woher wissen Sie
daS? Zst er nach Schweden heimgeAHrt?"

„Man sagt es. Ich würde Zlmen sehr vevbün-
den sein, wonn Sie mich eingehender ülber Edvard
Hesselmans Schicksal aufklären wollten, Herr Pa-
stor."

Dor Pßarrer stommte die dicken Mngevspitzen
gogen etnaicher.

«Za, wenn ich das könnte!" erwrderte or. »Der
Bater; Nichard Hesselman, war beLanntlich Gvund-
bositzer und bescch einen ansehnstchen Teil dieses
Kirchpiels. Nach seinem Tode wurds das Evbe
geteilt und der Grundbesttz verkauft. Vormund
wurds ein Notar Veyler. desten Sohn stch später
-mit Maud verbeiratete. Ein Sobn aus dieser Ehe
ist noch am Loben, aber seine Eltern stnd tot. Nun
gut, Arthur, der Lust zum Studieren hatte, ging
nach Ups.ala. albor Edvard ging schon tm Todesjal>r
seines Vaters zur See und hat meines Wiffens nie
wieder von stch hören lassen. Wis gosagt, in einem
Brief wurde bohauvtet . . ."

"Zb, ia", fiel Wallton ihm lns Wort. »Was für
etne Art von Menisch war dieiser Edvard?"

»Hm", murmelte der Warrer,. „von Eharakter,

meinon Sie? Zch weiß ntchts Vöses über ihn. Ein
weni-g abenteuerlustig üielleicht, und als Kuabe
manchmal etwas rücksichtslos, wenn ich mich recht
erinuere .. . Aber Arthur hielt sohr viel von thm
uud beklagto stch mir gogeuüber östers darüber, daß
er nichts von ihm hörte."

„Vevzeihen Sie mir otue eigentüntliche Fragö",
fichr Wallion fort. «Wuvde Cdvard irgendwio als
schwarzes Schaf der Familie angesohen?"

„Durchaus nicht! rief der Pfarrer verdutzt.
«Er vevschwaud nur, das ist alles. Seit dem Zcchre
1893, a>ls jene Niachvtcht aus Culba eintraf, rvurde
er olls tot angeschen."

Wallion lws soinen Zettel ndch einmal durch
und zuckte zusammen.

„Herr Pastor!" riof er aus. ,-Was bodoutet das?
Hier ist ja für beide Brüder 1867 «ls Gchurtsjahr
augegeiben."

„Das tst schr einfach: ste röaren Zwilltirge."

„Z-willinge!"

„Za, ste waren Zwillingsbrüder und yatten sich
schr lich', orwiderte der Pfarrer ernst.

WaMon fühlte, das; es chm oiskalt über don
Rücken liof. Zwillingsbrüder, >und sie hatten stch
schr lichl

Fvcru Röbeiras tiefe, kalts Stimme klang chm
im Ohr wieder: „Edöard Hesselman rvar es, der
soinen Bruder erschoß . .

Er zag sein Taschentuch heraus uud fuhr sich dcr-
mit über die Stirn. Der Pfarver heöbachtete ihn
näulgierig durch seine Brille.

„Vielen Dank, Herr Pastor". sagte Wallion.
„Jhre A-uiMärungen sinld von bobam Wert für
lmch."

Er steckte das Papier oin nttd setzte hiuzu: „Noch
eine Fvwgo. Wissen Sio etwas Uber don Be-
dienten Doktor Hessolmans? Er heißt 'Zohn
Audersstm."

„Ein pvächtiger, tiof roligiöser Mensch", erwi-
derte der Vfarrer eifrig. „Anders'on tvat mit 19
Zahrcn tn den Dienst des alten Nichard Hesselman.
Warten Sie einmal, — sa. das war 1869, die Brii-
der müssen damals also ungefähr zwei Jahre ült
gowesen sein. Seitdem ist er irie von Dr. Hessel-
nvan getreunt goivesen. Uebrigens ist er in motner
Gemeinde geboren."

Der Jourualist dankto nochiuals und verahschie-
dete sich Als er auf der Straße stand, bltab er
eine Wetlo stehen und murmelte:

„Zwillingsbrüder! Wer konnte das ahuan?"
Noch im Eisenbahnkupee auf der Nücksahrt nach
Stockholim saß er wte hypnotisiert da uud starrte
den Zettel an, den der -greilse Pfarrer rhm gegaben
hatte. ' '

«Sie vevstohen mich, Herr Wallion. die Sache
ist mir nicht lobhaft genuü."

„Lolchast?"

„Ja, nicht lebhaft gonua. Es kcimmt ja nichts
in die Zeitung!" wiederholte der Rodaktionsisotre-,
tär ärgerlich

„Es wivd schon kommen."

„Wird kommen! Aber wann? Es ist sa oine ver-
tMfolte Dürre an Noulikkeitsstoff! Wir m üs-
sen mit dom Fall Hesseliuan vorwärts ko.mmen.
— müston, faa' ich Zhnen. Seion Sie io sut und
versprechen Sie mir für morgen früb zwei Spal-
tenl " Der Sekretäv verzog sein amertvLiilch.'s
Voxergestcht zu einem 'uicheisverkünd>end freund-
licheu Lämeln.

,/Jn einigen Dagen . . . vlelleicht übec-
moraen . .

Der Sekretär riß die Augen auf.

„PotztMssnd, Monsch Sie stnd wc,hl krank? Sie
stnd sa leicheublaß!"

Mauriee Wallion strich sich das Haar aus der
Stirn.

„Nein . . nicht krank . . nein . . ."

„Aber die Augen brennen Jhnon sa im Kopf.
-Mas ist denn mit Zhnen?"

„Jch deuke mir . . nicht aoschüasen . . ich
denke . ."

Wallions Stimmo erstarb in elnem Gemurmel.
und plötzlich giug er hiüaus, als ob er seinen Vor-
gcksetzten veraessen hätte. Dieser sah il>m nach und
zuckte die niächttgen Acheln. .

Der Detektivroporter beaab stch auf sein v>»i-
mer, Isctzte sich an den Tisch ili'-d stUtzte don Kmn
o!uf die Hände.

Er hatto die Wahvheit aesvroMen: er war inck.t
kvank, >abev seine Augon schmerzren por «ch^-
losrgkeit, und in seincm fieberhaft arbcitenden Ge-
hirn brannte ei»e einzige. alles verdranaonde

^Hat Zne.z Robeira die Wahrheit gaagt?"

Daß ihr kecker Besuch nur oin G.ied in dem
entschlossenen Kampf der „Freiheitssreuude" um
 
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