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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0325
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61. Zsahrgang - Nr. 253

Donnerstag, 30. Oktober 1919




kreidelberger Seitung

r Knzeigenpreis: die 35mm breitepettt zeile oder deren Naum40 pfg.,imNeklamen
l teil die75mmbreitet>etitzeile l40pjg.,mitplatzvorschriftis,pfg.veiwiederholuiige,
^oeArUl^oer Ivov Nachlak nach Tarif. Im Linzelverkaus rostet bie „vadischepost" in heidelberg lOpfg.

L - » - aurwärts lbpsg.



vabiseve Vost

wochenbeilage: Oer voru ^

Landesorgan öer Deutschen liberalen Volkspartei Vadens

Hauptschristleiter und verantwortlich silr den .

Feuilleton, liunst und Wissenschaft, Theater und Musik, Neucs äus äller Ätelt und die Unterhaltungsbeilage
Inl:us Nraemer, fur Baden, Oertlichcs und Literatur Fritz Gandenberger vonMoisy, für Turnen

en und volkswirischaftlichvn Teil Kurt Fischer, für das
" rltur

Spiel und Sport Alfred S ch mitz, sämtlich inHeidelberg. Fernruf 182. - BerlinevDertretung: Berlin VV 50»

Bambergerstr. 3. Fernruf Amt Kurfürst 918. - FÜr den Anzeigenteil verantwortlich Alfred Schmitzin Heidelberg,
Fernruf82. - Druckund Verlag: Heidelberger Berlagsanstalt ünd Drückeret G.m.b.H. Heidelberg, tzauptstr..23,

Das Wichtigste vom Tage

In der Nationalversarnmlung kam es kiesteru
bci der Veratung des Etats der Reichswehr zu
heftigen Zusanrntrnftiitzen zwr-chen dem Abg. von
Eräfe und Noskc.

Dre Kostüu sür die Heimbesörderung dex noch
in Feindeslond befindlichen 538 000 Gefan-
geuen belariks» ssch anf 3 Mittiarden Mark.

Schwere Schncestürme toben seit 48 Stun-
den im ganzcn Schwarzwald. S it gesteru
sällt bis in die Täler hinab Neuschnee. höheren
Berglagen crreicht die Schneedccke cinen Diertel-
met:r. Die Temperatur ist bi§ auf 7 Erad unter
Null gesunken.

*

Die Sorvjetvegierung hat „angesichts
der Not.des Vaterlandcs" den zwölfstündi-
gen Arbektstag eingefiihrt.

'Die jopanische Reqieruug gibt b:-
kanut. da» sie niit England in Berhandlungen
zwecks Erneuerung des englisch - japa-
nischen Bündnisvertrages eintreten
U«ird.

Aus Badcn

Dcr Landtag nahm gcstrru die Beschaf-
fungszulage in der vom Ausschu« vorgeschla-
-enen Kempromistform mit 78 gesen 13 Ltim-
mcn an.

Zn der gestriqen Sitzung des Landtags
teilte Finanzministec Dr. Wirtst mit, das; dis
Kohlenknappheit bei den Staatocisenbahnen der-
art ist, dah schon Lonnerstag abend ganz
bedcutende Enschrcknlungen. insbesondrre im
Personenznqsverkehr nötig sein werden.

In Karlsruhe fnnd ein Parteitag des b a-
dischen Zentrums statt.

Die Lage im Gften

Nrue deutsche „Dergehen"

Cigener Drahtboricht der Babi'chen Post
. :: Bern, 30 Okt. Der Oberste Nai liat stch am

Dienstag versaimnelt und einen Bericht über die
von Deutschland verl/etztcn Kl-auseln des
Wa'fenstillstaiidsm.'rtragc:> in militärischer Hinstcht
in Schiffahrtsange1i.'ac,iheitLn >und in sinanziellen
Beziehungen enlgege:'. genominen. Ueber die Ver-
letzung der Flottenllausaln berichtel' Kapitän
Fullcr von der brüijchen Adiniralität. Der Oberste
Rat ftiimnt,» ferner dc;n Wortlaut der an Drntsch-
land q!n:ichteten Rote bsi. >die dazn auffordert. dast
die Gsmeindemahien in Oberschlesten nicht vor
Eintreffen der Abstini'.nune.^komniissionen stattsin-
-den dürfe

Die verkauften Schiffe

Berlin 20. Okt. Das Kabinett hat sich mit der
Note des Verbaiides weg'-n der Auslieferung der
'ron Dnitschland aa Holland verkauften
Schiffe beschäfrig: Es ist -anzunehmen, datz die
R' ichsregierung sjch den Restausftihrungen des
Verbandes nicht wird anschkiestcn können Die
-Absendung der dentsch'i Antworlnole dürfte nach
der Deutschen Allgemcinen Zeitung bevorstehsn.

Die Verteiiirng der Zeppeline

Etgener Drahtbe.stcht der .Vadischen Pcst"

-H) Rotterdam 30. Okt. 'Die „Dewokratie No-
velt" berichtet a„s guter Onelle. dag die Ver-
teilunq d:r Z^ppcline binnen kurzem voll-
zogen wird. Frankreich wird zwei dieser
Luftschisfe und einen Schü/ipcn erhalten. Es han
delt stch im ganicn um etwa 12 Zeppeline ,nit ei-
ncm Rauminhall von 55—00 0IM 5rbm.

Mangin Napoleon?

Dis „ChicaLv Tr'i>bu.ie" will wissen, datz die
eig-'ntliche Ursachr für die Abüerufung Manains
in> seiner grok-en Povularität in der Ar-
m e e und bei den D e m o b i l ifi-e r t e n liege.
Sehr mächtige palitisch: Einsliisse hättcii bei Cle-
mencoau eingewirkt, u>n 'diesen sn bow.-gc i. Man-
gin jenes hewonragenden PosteNA zu enU-eben.

Die Quelle, der dieso M.ldung entstammt,
mahnt zur.Vorsicht. Miang'm iist.dcr Schw'egersabn
des Mlarschalls Foch und seine Äbberusung bei sol-
chcn Beziehuiigen hat begründetes Aussrhen crrogt.
Es ist bckamit, da» durch die Abberufuna Mangins
keine prinzipielle Aenderung dsr frairzösischen Po-
litik in den Rheinlanden erfolgt ist: also wird dcr
Cruird für die Abhalfterung des Eenerals wol>l
auf anh-eiem E-ebiete zu suchen sein. Die grons
Popularität bci Heer uNd Demobilisierten erinnert
sast an jene Verc-Hrung, di.' Bonaparte von seiniAi

Kritische Lage Iudenitschs?

Eigencr Drohtberickt der ^8ad schcn Post"
Hctsingfors, 29. Okt. Die La.gs der russi-
sch:n Nvrdwest-AvmSe uirter Iudenitsch wiüd trotz
a-.i'geblichcr Trsolge bcdrohlich. Die Nachrich-
ten über gehabte Erfolge und dre bevorsteihende
Eroberung Petsrsburgs bcstätigen sich nicht. Nach
z>'oerlässigen Melduiigen sind die Bolschewi-
st<'n nach wie vor in und um Petersburg HLrren
dcr Lage. Sie ziehen ünter der persönltschsn Lel-
tvng Trotzkys Elitetrupprn nach Petersburg,
was beweist, dair die' Boljchewisten Petersburg nicht
nür bis zmn äutzersten vertcidigen wollen, sondern
auch dic Abs'cht lmbrn. zuin Schlag auszüholcn.
Dic Petercburacr Menschewiki babcn ihre Kräfte
»ur Vertcrdigung der,2tadt angeboten.

Dle Vlockade

(.) Berlin, 29. Okt. Di* deutsche Ant-
w o r t -aus die Auftoi'c-.rung -xr Eniente zur Teil-
nahine an der Bloikade gegen Sowiut-Ruhland »st
am Mittwoch Nackmittag von Berlin -abge-
6 i. nge n. C'e wird, wi-e die' deulsche Allgemcine
? itung mitieilt, vorösfentlicht werden, sübald sie
übergsben ist. ,

(:) Bern. 30. Okt. Der Blindesrat wei.st
in seiner Attwort auf die. Einlalcung der Enftnt-o

Tri'vven zutcil ivurde. Es sind sicherlich nur Ver-
mutungcn. Zweifellos hat aber die -amEani che
Presse schon Unwahr ch:iiil'ch'.'res bcbauptet.

a

Deuischsreundliches aus Elsatz-
Lothringen

Stratzburg. 29. Ott. Wie vcrlautct, haibsn in
den letzien Tagen in rerschicden-rn oherelsäszischsn
und lothriiigischen Ort chnften de u t s ch fre u wd -
lrche Kundaebungen stattgsfnnden. Jn
M ülbausen und Colmar haben KundsLbun-
6-'n iür die Autonomie stattgefundei'.. Nach Metz
und Diedcnhofen sinr Truvire.'l.verstärkungen
abgegang n. da dort .A'.isschrcituiigen gegen dre
Franrosen stattfanden. D:e Zeitungen dürfen übdr
dm Umiang der Erzesse nicksts berichten: die fran-
zösilchs Pouzei l'ttt viele Verhast'.'Ngen in Lothrin-
gen mrd Obcrelscm vorgenommen.

Metz, 29. Okt. Dre sranzösische Regierung hat
/S.hritte unternommen, um die Herausforderung
di'tch dei-tsche und deutsthgcsinnte Elemsnte an der
W.rrzel zü trefscn. De. „Lothr. Volksztg." zu-
sclge w-ar in der HagLndinger E-egend in dsn letz-
len Tagcn hänfig in dcr Ocsfentlicht.'it der Grjsang
„Doutschland übxr alles" zu Löron; dte
Nttiszöstlch jprechcndoir Personen wurden vielfach
b:'schmpst. Am Freitog bat dis französLsche Een-
d.irmerie n.ehier. hund.rt V-erhaftungen von Deut-
scheii in Kozbach, Hagcndi:igc,i, Stahlheim usw. vor-
g nommen. Dis Arrdstanten wurden mr Autos
:'cch Aketz gc-bracht ui/d verbrachten die Nacht in
der Zstttküsle, vön w. sie aüc-erntag? nach der K lh-
l«.r Briicke tto/rttiispo tiert wnrden.

..Siegreich uroll'n wir Frantreich schlagen!"

Eigener Drähtbsricht der „Vttdischen Püst"

.» Dsrmstadt, 30. Qkt. Fn Mainz ist wieder
ein T r a n.o p o r t z u a veriv-undeter Fran-
zose n im Hauprbs'b.'ihof angekomiiien. Wie be-
richl t wird. stamineii sie aus dem Saa.r-gebiet
iind dem Elsa tz. Zu den Kärnpfe'n im Saarge^
biet wird noch berichtet, das, die Aufständischsn
beim Um'ng naterländische Lieder sangen, wie
.Siegroich wolln wi.- Frankreich schlcvgen", u. a.
Die M u s i l t a p e l l e, die die ..Wncht am Nhein"
und ..Deutsch'and. Deutschland über alles" spielte,
war von den Franzchcn mit schwerer Eeld-
straie ch.'legt worden. Die Eeldstrafe wurde um-
gehend von einlgen ErotzindusstrteHen.be-
zablt. Dcr Kommandant war deschalb seines
Amtes enthoben worden, weil er zu spät habs
A-nrm schlagen lasstn.

sich an einer Blockade gcgen Sowiot-Rußland ru
beteiliaen davaus hin, datz, nachdrm Ruhlcrnd sich
propogandistisch in die schweizerichen Verhältnisse
'cingennscht habe und die Schweizor in Rutzland
Verfolgungen schlimmster Art -ausgesetzt rvorLien
seien, die di p l o m at i fch en Beziehungen
absebrochen wnrden. Damit st"i auch der Han-
delsverkehr ernlgüstcllt worden und die Schweiz bc>-
ftndc sich demnach praktisch bereits in der Lage,
die ihr von der Eutente «npfchlen wcrde.

Kopenhagen, 29. Okt. Von framöst.cher Seite
sin'o n-eitere 3 .Scgcilschiffe aufgebracht und 'm die
Kcegebucht seschlevvt worden.

- England für Koltschak

Amsterdam, 29. Okt. Lant Meldung des Presse-
büro Radio mcld t die Newyork Tribune aus Lon-
don, -datz England Kältschak se.inc Un-
terstützung entzieht.

Deutsches Heeresgut für die lettische Armee?

Nach der Dc'iftch:-n Tagcsztg. bai die leitksche
Ncgrerung in d'uffen Tagen für über 2 0 Mill.
Mark LVslldockcn. ^tieftl, Brotbeutcl, F ldflaschen
usw. in D^utschlttnd angekauft.

Angesichts dcr Tatsache. datz die lettrsche Arinee-
sich den deutschrn Truppen feiüclich gegenüberge-
stellt bat, ist Li.st Mcldung jedenfalls zweftclhaft.

^ Der geplante. Berkaus Vcr Stephanskrone. Ein
in Budapest vcrhafteter amerikanischer SLaatsbür-
l?.'r nam-'ns Leander Vattik har belm Der-
hör erzählt, datz Bela Kun thn danftt bemvf-
Iragt hatte, die S t e p h a n sk r o n e und die übri-
oen Krönungsreliguien nttch Amerika zu schaffen
und ste dort für Golddollars zu verkaufen.

Was wir zahlen sollen

Das liberale Parlamentsmitglicd Houston hat
im enqlischen Unterhause angefragt. welchen Ec-
lamtdetrag Deut'chland als Schadenersatz zu zahlen
hat und wann die erste Zahlung stattfindet. Schatz-,
meister Chamberlain antwortet. datz d'-e Tarife
für 1919—20 von der Kommission für Wiedcrher-
stellung festgesetzt werden ^md'datz Deutschland je-
denfalls in den ccsten vicr Monaten von 1920 20
Milliardcn Mark in Gold zahlen mutz. Houston
sragte wciter. ob es bekannt sei. datz Lloyd Ge-
orge und seder Koalitionskand'dät bei den allge-
meinen Wahlen den Wählern die Versicherung ge-
geben haben, datz Deutschland die gesamten Kriegs-
kosten zahlen müsse Der Schatzkanzler sagte, datz
ihm hiervon nichts bekannt sei.

3Milliarden für die heimkehrenden
Kriegsgefangenen

Der Nntionalversammlung ist ein Er-
gänzungsetat der allgemeinen Finanz-
verwaltung zugegangen. der aus Anlaß des
Krieges und der Demobilmachung 13 Milliar-
den for^ert, für Leistungen aus dem Friedens-
vertrag, insbesonders für den Wiederaufbau,
17 Milliarden, zur Abwicklung der Angelegen-
heiten des alten Heer5s 3 Milliarden. Diese
letztgenannte Summe wird zum allergrößten
Teil zur Rückführung der Kriegsge-
fangenen nach Deutschland, einschließlich
der dasür getroffenen Einrichtungen nebst Per-
sonal, Abfindung der Kriegsgefangenen usw.
verwendet. Man erfährt hieraus, daß vom
1. Oktober ab noch rund 538 000 Kriegs-
gefangene zurückzuführen smd, und
zwar 411000 aus dem europäischen Festland,
ausschließlich Nußland, 84 000 ans England,
43 000 aus Uebersee u. aus dem Osten: Eleich-
zeitig sind in dieser Position ,die für die Zu-
rückführung der noch in Deutschland befindli-
chcn 210 000 russischen Kriegsgefangenen not-
wendigen Unkosten, insgesamt 101 700 000 Mk.
enthalten.

Graf Tisza über den Kaiser

Jm Pester Lloyd wird ein Eeheimbe-
richt des Erafen Tisza über seinen Be-
such bei Kaiiser Wilhelm am 4. Dezember 1915
veröffentlicht. Er hatte vergeblich d'en Versuch
gemacht, die allzu optimistischen Anschauun-
gen Wilhelms 2. der die Kräfte der Eegner
beträchtlich unterschätzte und über den Aus-
gang des Krieges allzugünstige Erwartungen
hegte, auf den Boden realistischer Tatsachen
zurückzufllhren. Durch den verantwortlichen
Lenker der deutschen Politik müsse dauerud ein
mäßigender Einfluß auf den Kaiser ausge-
übt werden.

Der Jusammenbruch

Von unserem Berliner Vertreter wird uns
geschrieben: Vor wenigen Wochen noch mal«
ten amtliche Stellen die Kohlennot an die
Wand und der Eisenbahnminister des Frei-
staats Preußen machte in nicht. mißverständli-
cher Weise darauf aufmerksam, daß, wenn kein
Wunder eintreten solltc, die Berkehrsnot unr.
Transportkrise zur Katastrophe führen müffe.
Man hat nach diesen unangenehmen Offon-
barungen der Verantwortlichen dann und
wann von Plänen gehört, die geschehen wür-
den, um der Katastrophe auf diesem und jenem
Cebiet zu begegnen, man konnte lesen, daß die
maßgebenden Leute bemüht seien, alles daran
zu setzen, um uns vor dem Schwersten zu be-
wahren. Die Bemühungen scheinen, was man
heute schon feststellen kann, indessen nicht der-
art gewesen zu sein, daß sie wirklich wirksam
wurden. Auch'das erhoffte Wunder, das
unsere Staatsweisen seit dem d. November
fchon über manche Klippe geholfen, trat
nicht -ein. So kommt es, wve erkennen.de
lAngen es schon lange genng vorherfahen. Heute
können wir eigentlich schon von dem Beginn
der Kohlenkatastrophe sprechen. Erne Kata-
strophe pflegt gewöhnlich wohl plötzlich herein-
zu brechen, die Kohlenkatastrophe ist umso ge-
fährlicher, als wir sie tagtäglich näher rücken
sehen, wis ein anschwellendes Hochwasser. Die
Eacqrbgabe ist derart üe','chränkt, datz mcm nnr
noch mit Mühe sich ein warmes Süpplein be-
reiten kann. Die Beleuchtnng ist verschwun-
dcn. Alle gehen früher ins Vett, die Arbeit
ruht, weil es vielfach an Kraft und Licht und
an Wärme mangelt. Und dazu sind keine Aus-
sichten vorhanden, daß es beffer werden könnte.
Der Notschrei wird vom Draht nach Verlin,
nach den Kohlengruben gesandt. Die Kohlen
aber bleiben aus.. Es gibt keine Kohlen, heißt
-es heute und sind welche da, so gibts keine be-
Lriebsfnhige Lokomotiven und keine Eüterwa-
gen, dis die Kohlen abfahren können. Trifft
ober so viel Elück zusammen, daß beides ein-
mal wirklich den Abtransport ermöglicht, so
streiken gerade 'die Arbeiter, und sinds nur die
Rollkutscher.

Und wie im Süden, so Hchauts im Osten
aus. Dort hat die Ostseesperre noch erschwe-
rend gewirkt, da sie den Wasserweg für die
Kohlentransporte verbot. Man kennt in den
ostpreußischen Städten eigentlich nur noch
Eassperrstundeu und kann nur an zwei Stun-
deu täglich durchschnittlich noch Eas benutzen.
T)as gelst fäst in allen Städt-en sc>. So selten bildct
eine Siadt hier eine Ausnahme, daß sie über
einen größeren Kohlenvorrat verfügt. Dane-
ben wird gemeldet, daß die Straßenbahnen ih-
ren Betrieb teilweise eingestellt haben und die
elektrische Kraft gesperrt wird. Zn Königs-
berg hat die Eisenbahn dem Elektrizitätswerk
aushelfen müffen. Ein Zustand, wie er nie ge-
ahnt wurde, Dinge, wie sie ebeu nur in cinem
Ctaate paffieren konnten, in dem die Energie
fehlt, die rechtzeitig eingreift. um Unheil zu
vevhiildcrn, inbem man durch KonzessioMn und
schöne Worte Schwerer: zu verhüten sucht und
höchstlichst überrascht ist, wenn die herrlichen
Worte nutzlos gesprochen wurden. Ilnd es
wird noch schlimmer werden. Wie sollte mit
einem Mal die Lage besser werden. Die Eisen-
bahn ist bis aufs äußerste in ihrem Betriebe
beschränkt. Zahlreiche Züge sind ausgefällen,
Svnntags fahren nur die allernotwendigsten.
Die Zeit ist herrlich. Sie wird uoch schöner
werden.

Fragend muß man in die Zukunft blicken.
Ilnd jetzt finden auch schon die Nerantwortli-
chen den Mut, in Reden auf die kommende Not
des Winters Hinzuweisen. Man fordert Ein-
schränknna. . Als o>b der Kohlenverbrauch
noch weiter einzuschränken ginge. Ob wirklich
die Not vermindert werden soll allein durch
Ersparung von Kohlen, nur durch weitere Ein-
schr-änEung und gar gänzliche Stillegnng des
Vcrkehrs? Fast scheint es so. als ob dieser
Ausweg den Weisen oben allein übrig geblle*
 
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