Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0011
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
>br

chewiS-oh-
enier,. '>t
ehr sung

'U MehxU ^n

'e von ^ur

->°> L°

"^lge iix^

^ die

An-

^itlch n«
>°m„
nich,

Lruppen Zu-

Dienstag, den 2. September 1919

Vadische post — Nr. 203

Veilage


cg

its ausfükr-
''Z OOO Marh
sol-

werden

s schon ver-
:r Demokra-
on den De-
Matznahmen
r Kohlennot
Au antwor-
us dSin An-
en lassen. -
itzcnde noch-
uch Notwen-
ögcrung Te-
rshr den An-

Borlaae noch
Der Vertrag
und anderen
.uf 20 Iahre
:r an.

die Vorlage
ies auf 28
eckars fortan
xar nicht ab»
nchiet würde,
delbergs in

r Aenderung
onach in der
Rechenfolge
:ln, zunä^''
rrte Angaben
wie er selift
, wonach dte
hen länn gtz
ohungen der
en nur als
its müsse al-
idustrie herzu-
im Murgwer!
on naher tre-
s fo rasch wie

nttet M.. ver-
n Aufklarung,

im F-ll°

?r-7mr.A

-r Zähl-nn>-«

LkT

liebe alte ^
«rSrierun« ^
bender
, ,, L-rulls«ii°

LkL-Z

-k>i°d"!°

Interesie

v-ib-tr«!^

rF-'T'-ZAi

^atzre -F

<rzberger unö -ie wahrheit

7s. Eine notwendige Erinnerung

24. 9. wird abgelehnt, eine Erklärung abzugeben.
Damtt war der von England über den hriligen
Sliuhl eingeleitete Versuch erledigt. (Erzberger in
der Rche vom 25. 7. 19).

Zn der Antwort Englands an den Papst
wird ferner gesagt. dast die Kriegsziele der
Alliierten enthalten seien in einer Note der
Alliierten an Wilson. Es ist die Note, die der
Lielverband am 12.1.17 an Wilson richtete als
Antwort aufWilsonsAnfrage über die Kriegs-
ziele der Mächtegruppen. Wir führen
hier die entscheidenden Stellen dieser Rote ber
Alliierten an, weil auch sie einwandfret be-
weisen, daß unsere Feinde damals nur elnen
Frieden wollten, der die vollige Vcrnichtung
Dcutschlands und seiner sämtlichen Verbün-
deten bedeutete. Eleichzeitig geben wir wlc-
.der, was damals Blätter wie der 1,Vorwärks"
und die „Frankfurter Zeitung" zu den feind-
lichcn Vernichtungsplänen sagten. Es heißt
wörtlich in der Note:

„Die Alliierten sinb dcr Ansicht,- datz es un-
Möglich ist, heute einen Frieden zu erzielen, der
ihnen die. W'.edergutmachungen, Rückerstattungen
und Vürgschaften sicherr^ auf die sie ein Recht ha-
ben... Dio zioilisierte Welt weiß, daß ,die Kriegs-
ziele dor All'.ierten alles Notwendige einschlictzen.
in erster Linie die Wiedcrherstellung Belgiens.
Serbiens und Montenegros, dte ihncn geschuldeten
Entschädigungcn, die Näumung der besctzten Ge-
Ibiete von Frankreich. Nußland und Numänien mit
den gerechten Wiedergutmachungen, des Wieder-
>aufbaues Europas. Bürgschaft für cinen dauerhaf-
ten Zustand, der sowohl auf die Achtung der NL-
tionalität und die Rechte aller kleinen und großen
Bölker gegründet ist, sowie räumliche Ab-
kommen und internationale RegelungoL. welche.
,geeignet sind. die Land- rM Seegrenzen gegen
sungercchtfertigte Angriffe zu schützen. die Zurück-
>gabe der Provinzen un,d Gebiete. die früher den
"Verbündeten durch Gewalt oder den Willen ihrer
Bevölkerung entrissen worden sind. die Befreiung
ider Jtaliener. Slawen, Rumänen, Tschechen und
Slowaken von der Fremdherrschaft. die Befreiung
der Vevölkerungcii. die der blutisen Tyrannei
der Türken unterworfen sind. und die Entfernung
des Osmanischcn Reiches aus Europa, weil es
zweifellos der westlichen Zivilisation fremd ist."

Der „Vorwärts" nannte am 14. Januctr
1917 die Note an Wilson eine neue Kriegser-
rlärung mit uferlosen Eroberungszielen, die
bestimmt sei, Deutschland und seine Verbün-
deten einzuschüchtern. Diese Taktik werde zwar
ihr Ziel verfehlen, aber eine schwere und bit-
tere Zeit werde Europa durchleben miissen,
bis die Feinde die Aussichtslosigkeit ihres Be-
mühens erkannt hätten. >Nur stückweise, mit
jedem Mißerfolg ihrer Waffen, würden die
Gegner ihr Programm der Eroberungen ab-
tragen können. Ihre jetzt im Amte befind-

lichen Regierungen müßten verschwinden und
ihr Amt an Nachfolger abtreten, die nicht mit
unerfüllbaren Versprechungen belastet seien.
Erst dann kann Europa deu Frieden bekom-
men! Der „Vorwärts" stellt sodann die Frage,
wie die Sozialisten des feindlichen Auslandes
diese Proklamation des Eroberungskrieges
durch ihre Regierungen aufnehmen würden:

„Werden sie fortfahren, die deutschen Sozia-
listen der Unterstützung des Milttarismus zu be-
schuldigen, weil sie ihr Land vor Zerstückelung
bewahren wollen? Werden sie geduldig zusehen,
wie die Bliite ihrer Völkcr den unerfüllbarcn
Träumen eines- raffgierigen Jmperialismus ge-
opslrt wird? Uud in Deutschland? Wird hier stch
noch jemand der Erkenntnis entziehen, datz wir
wirklich einen Vorteidigungskricig führen, deu
wir weiter durchkümpsen müsien. so lange, bis die
Gegner zu einem Frxden ohne ein besiegtes
Deutschland bereit sind? Jn dem Manifest der
Minderheitsgruppen wird gesagt, daß wir nicht
Frieden um jeden Preis, sondern Frte-
den „ohne Sicger und Besiegte" haben wol-
len. Nun ist es !!ar, datz uns die Eegner eiuen
solchen Frieden jetzt noch nicht geben wollen. Jetzt
wäre jede Tat, jedes Wort, das in seiner Wir-
kung darauf hiuausläuft, d:u Verteidigungswil-
len des deutschen Volkes zü erschüttern, ein Ver-
brcchen am deutschen Volke!"

Scharfe Kritik übte auch die „Frankf. Ztg."

„Die Antwortnoie bersichert, -datz sie nienials
daran gedacht habe, die deutschen Völker auszu-
rotten. Diese Versicherung ist für uns Deutscho
von allem Erstaunlichen, daß -diese Note in so
reichem Maße bringt, wohl dis schimpflichste Her-
ausforderung, die man uns zu bieten wagt. Etne
lediglich durch Eicr nach unserem Gut bunt zu-
sammengewürfelte Vereinigung, die unsere Heere
im Westen, Ost.n, Südsn und Südosten Dutzende
Male geschlagen haben, die nichts von dem be-
sitzt, was sie brgehrt. wagt unsere nationale Ein-
heit zu. bestreiteu, indem sie vois deutschen „Völ-
kern" spricht, und versichcrt uns gnädtg. ste wolle
uns nicht ausrotlen. Es ist schwer, sich vorzustel-
len, daß Staatsmänner mit einiger Besonnen-
heit .diese Note entworfen haben. Haben die
Leiter Englands, Frankroichs und Jtaliens wirk-
lich allen Vorstand verloren, daß sie glauben
können. mit einem solchen Kriegszielprogramm
könnten sie die Meinung der neutralen Völker
für sich gewinn'en? Fotderungcn. .die hier aufge-
stellt werden, sind eine wilde Verhöhnung aller
Mahnungen zur Mäßigung. die von drn Friedens-
freunden der neutralen Staaten ausgingen."

Natürlich hat auch Erzberger mit dem ge-
samten Zentrum damals denselben Stand-
punkt vertreten. („Die kompromittierten '
litiker" von Ian Eysien, Staatspolttischer
Verlag, Berlin, Wilhelmstr. 46-47. S. 30 32.)

serner Zeit in der Lage zu stin, über die Absich-
ten und nötigen Forderungen der Kaiserlichen Re-
gierung insbesondere in bezug auf Belgien ge-
nauer unterrichten zu können." (Retchskanzler Mi-
chaelis in seiner Antwort vom 24. 9. 17 an den
Papst.)

Die Entscheidung erfolgte dann in dem er«
wähnten Kronrat vom 11. September (S. Punkt
8). „Auf dicser Erundlage habe ich den Staats-
sekretär Kühlmann beauftragt, seinen neutralen
Vertrauensmann zu instruieren. Die Aktion d-ss
neutralen Vertrauensmannes führte jedoch
schlietzlich zu einem durchaus negativen Ergebnis:
Es stellte sich heraus, datz auf der von der deut-
schc.n politisch'.n Leitung umschriebenen Erund-
lage (Erhaltung -es deutschen Besitzstandes vor
dsm Kriege, keine Entschädigungen, keinen Wirt-
schaftskrieg), die durchaus der Neichstagsresolution
vom 19. Juli 1917 entsprach, bet der britischen
Negierung keinerlei Eeneigtheit zur Friedensver-
handlung bestand. (Erklärung des frühexen
Neichskanzlers Michaetts am 7. August). .

10. Die Oberste Heeresleitung ist schuldig

und die Wahrheit! ^

„Jch habe erst heute früh (am 26. 7. 19) aus
hen Zeitungen von dem Schreiben des Nuntius
Pacelli, sowohl von dem Antwortbrief des Reichs-
kanzlers Michaelis Kenntnis erhalten." (Erklä-
rungen Ludendorffs am 26. 7. 19).

„Ich weise die gegen den Fcldmarschall von
Hindcnburg und den Eeneral Ludendorff und den
damaligen Stellvertreter des Retchskanzlers Dr.
Helfferich erhobenen Anschuldigungen zurück. Diese
Herren waren sämtlich an der .diplomatischen Ak-
tion in keiner Weise beteiligt." (Erklärungen des
früheren Reichskanzlers Michaelis am 7. 8. 1919).

11. Deutschland ist schuldig

Erzbergers Behauptungen

„Die Rcchte mit drmi Militär zusammen hat
das Zustandekommcn eines Friedens verhindert."

„Wir müssen dem deutschen Volke sagen, wiie
es zwei Iahre gewisienlos irre geführt ist." (Erz-
be'rger in seimr Rede vom 25. Juli 1919).

8. Belgien war das schlimmste Schicksal zugedacht

Erzbergers Behauptungen

„Man mutete Velgien noch vtql Schlimmeres
zu, als nur eine Annexion. Diese wäre für Bel-
gien mit Rechten hinsichtlich der Vertretung im
Reichstage und der Verwaltung verbunden gewe-
sen. Diejes wollte man Belaien aber nicht einmal
zugestehen."

und die Wahrheit!

„Jm Kronrat vom 11. September beantragbe
ich mit Unterstützung des Staatssekretärs des
Auswärtigen die kaiserlicho-Ermächtigung. gcge-
Lenenfalls erklären zu dürfen, datz Deutschland
zur Wiederherstellung der territorialen Jnto^ri-
tät und der Souveränität Belgtens bereit set.
Der Kaiser entschted im Sinne nreines Antrages
mit dem Vorbehalt einer erneuten Prüfung.
salls der Verzicht auf Belgien nicht bis zum Iah-
resende den Frieden sichern und so einen neuen
Kriegswinter ersparen sollle." (Erklärung des
Relchskanzlers Michaelis am 7. August 1917. Die
Wahrheit dicser Erklärung wird von Hindenburg.
Ludendorff und Helfferich bestätigt).

9. Der frühere Reichskanzler Michaelis ist schuldig

Erzbergers Vehauptungen und die Wahrheit!

„In einem Schreiben des Neichskanzler vom „Die kaiserliche Negierung hofft in nicht allzu

Erzbergers Behauptungen
„Die Frtedensmögltchkoit ist vereitelt worden
durch die Schuld Deutschlands." (Erzberger am
28. Juli 1919 in Weimar).

' und die Wahrheit!

„Ia, aber meine Damen und Herren, wer hat
denn auf Fortdauer des Krieges bestanden und
diese Schäden direkt und indirekt vorursacht? Am
12. Dezember 1916 hat die damalige deutsche Re-
gierurrg den Frieden angcboten. Am 19. Juli
1917 hat der deutsche Reichstag den Frieden de^
Versöhnung und der Verständigung angeboten,
am 1. August desselben Iahres hat ,der Papst
noch einmal einen Versuch geinacht, dem Morben
Einhalt zu tun. Alle diese Angebote und Ver-
suche sind mit Hohn und Spott abgewiesen wor-
den. Nicht wir sind daher verantwortlich. für
die Schäden, dre danach eittstanden sind. sondern
die Alliierten. Das deutsche Volk ist zur Fort«
setzung des Krieges gezwungen worden. Es tst
dahcr sein gutes Recht, alle Forderungen, die siw
auf die Zett nach dem ersten Friedensangebot be-
ziehen, rundweg abzulehnen."

Derselbe Erzberger am 17. März dieses Jah-
rgs. (Deutsche Al^emeino Zettung, Nr. 128 o. 17.
3. 1919). !

Um vier Monate später dte nebenstehende
fürchterlicho Veschuldigung erheben zu können,.
unterschlägt Erzberger jetzt die wichtigsten Akten-
. stücke.

12. Erzberger ist unschuldig

.Ende

Erzbergers Behauptungen

September 1917 war ich in München.
De'r Nuntius kam mir mit Tränen entgegen: „Die
armen Völker. man kämpft für den Frieden und
dann komntt es so." (Erzberger am 25. Juli in
Weimar.)

und die Wahrhelt!

ü) Er hat allen Maßncchmen der Regierung'
in der belgtschen Frage und der päpstlichen Note
zugestimmt. Am 28. September 1917. also Ende
dessMen Septembers, in dem ihn' der Nuntius
tränenden Auges empfangen hat, erklärte er im
Hauptausschutz des Reichstages: „Die (unter met-
ner Mitwirkung entstandene) Ant-wortnote an den
Papst enthält alle,s. Wer sie nicht versteht. jdem
fe?-lt das ABC der Politik. Auch die heutige Er-
tlärung des Reichskanzlers ist völlig klar und in
allen Dingen einwandfrei. Nach dieser Klarstel-
lung stellen wir uns ganz hinter die Negierung
und überlasien ihr die Führung in den Einzel-
heiten."

l.) Er hat durch die Bekanntgabe des Czernin-
schcu Eeheimberichts die einzig bcstehende Frte-
densmöglichkeit zerstört. (S. Punkt 1—4).

(Schluß folgt.)

Wie ihr m'üget die Karten mischen, ordnen
uud wägen, gebet acht,

Leise tritt ein Ereignis dazwischen, bas eure
Weisheit zuschanden macht. Rückert

,dt-

^ deü

meten
.d nnt

lbst


tan

lvird



UW

>anvel grl

'uftlörend

Oie blape Spur

Roman von Julius Regis
Aus dem Schwedischen übersetzt von E. v. Kraatz
^op^riLtit 1917 b/Oretiilein^Lo. 0.m.b.tl.

(52. Fortsetzung)

41.

Aus leichten Dunstschleiern hsrvor stahl sich ein
vleicher Sonirenstrahl in das Wohnzimmer der
Hesselmanschen Villa herein.

„ »Es wivd Zeit, datz ich Ihnen eiiro wichtige A-uf-
klarung ge-be, Frckulein Pauline". s-agte der DeteL-
tivreporter, der geidankenvoll auf dem weichen Tep-
pich hin und lher wanderte.

Das junse Akädchen lsatz matt vornübevgebeugt.
schmächtig und schlaff in einem Lshnstuh-l und
vlickte ermartungsvoll zu ihm auf.

„Handelt es sich uiin meinen Vater?" sragto die
weiche, traurige Stimme.

„Auf gewisse Weise, sa". erwiderte Wkllio>n.
,<Ich bin jetzt in der Lage, Jhnen den Namen
dessenigen zlu nennen, den -wir bisiher „don an-
dern" genannt haben.

„Heckels Namen?" u>avf Beyler ekn.

„^a, Heckels wirklichen- Namon. den ich seit
ieinigcr Zeit ahnte und nun befftätigt eühislt."

Wallion fuchte offenbar nach Worteir.

"'Ich habe mich sa von Anfang an darüber ge-
Mnoert, datz ein so f^tes Vand zwischen dem
^oktor und jenem andern bestand. Ohne Zweifol
«at der Doktor den Flüchtlins^alöichl Ms seine erstie
pweifelhafte Bitte,um Hilfe Hin -auisgenonrmen und
. ihn versteckt pnd beschützt. Ich etkuniddgte mich irach
leiiien Freunden, Kollegen und nahestohenlden Be-
rulsgenossen, fand aber keinen, der zu dem andern
Mtzte. 'Fck) vertiefte mich in Doktor Hesielmans
vNPiere, in ^ein Archiv, nnd da entdeckte ich schlietz-
"ch ein paar knappe, längst vArgesieM Aulszeich-


nungen, die mir einen Anhaltspunkt zu geben
schienen. Durch sie erfuhr ich den Namen des ein-
zigen Menschen, der meiner Anstcht das Verbawgen
on den Doltor stelle'n konnte. ohne RüMcht <ruff die
Verfolser alles — ja, selbst das Loben sür ihni aiuifs
Spiel z,u setzen."

Er setzte sich zu Paulin-e und sagte ernst:

«Dieser Mann heitzt GdvMd Hesielman und ist
der Bruder Jhres Vaters."

Pauliwe blickte ihn mit grotzen, frageniden Mgen
ain, als ob sie ihn nicht vevstände.

„Vaters Vruder?" wiederholte sie in zweifeln-
deni Ton

Ihr Gedächtnis besann sich allmählich zu rügen.

»Sein Zwillingsbruderl" rlef sie plötzlich aus.
»Den ich nie üesehen habel"

„Er verlietz Schwoden l-ange vor threr Geburt",
saste Wullion.

„Ia, ich weitz", entgegnete das sunige AUdchsib
„Väter hat htn und wieder von thm seffprochen.
Und Sie swgen, er sei wieder da?"

„Aber das ist ia unmöglich, Plauline", fiel Steivo
ihr ungeduldig ins Wort „Ich erinneve mich, datz
Dein Äater einina'l erwähnte, er hätte einen Bru-
der gehabt, von dem er sehr viel gehalten hube,
aber der wäre vor Jahren gestorben."

„Das ist. imr ein Eerücht", mischte Wallton sich
wieder ein' „Es hietz, Edvard Hesieliuain set in
DuLa un'. Fieber gestorben, nber das Eerücht w'ar
falsch. Sc-dald ich erfuhr, datz der Doktor einen
Bruder im Ausland habe, ahnte ich, datz ich auif dis
Fährte >gestc»tzen sei und ersucht» ein Detektiobursau
in AiNerika um Aufklärung darülber, ob sich irgenld-
eine Perffönlichkeit namons Edbavd Hessekm-an ie-
mals in Costazuela aufaehalten habe. von wo ich
aius Dhnen bekannten Gründen den llrffpmug, der
geheimnisoollen blauem Spur herleffete. M>an er-
widerto miir, datz Edvard Hesiolinan voai 1608 Lis
1911 tn EosttMela gelübt, ffich mit Jnez Roibeira
vermählt iund <vuf Quivevas Soite am'Burgerkrtos
tetl>genominen hwbe. Diese Mitteilungen stnd mir
ffeither von — von andrer Seite beffdätigt worden."

Seine be'iden.Zuhörer siatzem stunrm da und hör-
ten ihm mit angchaltenem Atein zu, währond er
Frwu Nobeivas Erzähl.ung mit kurzen Worten ffo,
welt wledevgaib, wie sie Edvard Hesselistans Aben-
touer in Costaguelai und seine Flucht durch Europa
betraf.

„'Man tann sich vorstellen, in wolcher unheiin-
lichen Lage er sich irach Ramon Puertas mit den
vevhäugnisvolbon Schriftstücken in seiner Hand be-
funden halben mutz", schlotz er seinem Bericht. „Sei-
uoin Bruder wird er sich schon früher zu erkenmen
gogeben und ibmr für alle Fälle den Schlüsiel ->u der
Gäheimschrift der Freiheitsfrsunide gcffchickt haben.
Aus foiirem Versteck in Hambuvg schrieb er damn
jenen Ghilffrelbriof mit der Bitte um Hilise, den
der Doktor alm 2. Ianuar erhielt. Främlein Päu-
lins, Sie wisiest welchen mutigem Enlffchlutz Ihr
Vater faßte, sobäld er von der EeMr erfuhr, in
der sein Bvuder schwebte. Ich btn ffest überzougt,
daß Edvard Hesselman vom 23. Mävz lbis zum 25.
Mat tm östlichon Flügel der Villä versteckt gehälten
wurde."

Das iunge Mädchi-m in dÄm ffchwarzen Trauer-
kleid hatte ihn mit gospanntqster AusmreriLsämkeit
angehbrt. Ietzt stcmd ste uuf.

»Ich glaube sticbt, datz Jhre Mitteilung mich
sehr überrascht hat", ffagte ste leiffo. „Mch allom
was ich schon weitz, kommt es mir ganiz matürlich
vor. Es ist klar, oatz Vater alles tun inmtzto, um
seisten geliebton Bruder M retten."

Sis trat ans iFenster und blickte! in den Earten
himrus. Nach einem WeilHen fvaato sie: „Sagen
Sie, Herr Wallion: gbauben Sie, datz moin Onkel
mjom iimner tn Gefahr ffchmebt?"

Wallion feuchteto nervös die Lippen.

„Es kann ffein", erwiderte, er undeutlich, „es
kanm seän."

Die Sonste ffchien ihm ins Gesicht, ials er den
Kopf -aeaon die Stuh.!lehne zurücksinkem lietz. Drin-
nlen ffowoihl wie drcrutzem hervschte ein sondevbares,
ahnungsvolles Schweigen. Die Stimmen klanasn
dünn ststd schwstch in dieffem Meer von Stille, aber
in diesser tiefrn Stiste wiar es Mallton. als hörte
er wiedsr die Worte: „Edvard Hesiokman ist es ge-
wcffen, der stinen Brulder exschotz."

Er Ab sich nach den andevn mm. als ob er eben
evwacht sei.

Stesto Beyler satz da und blickto thst mit star-
rein, fvcrgendon Auae-n an. Wallion wandte sich ab.

„Menn Ostkel Edvard in Gosahr schwclbt", fichr
das funge Mädchsn wie imi Selbstgeffpräch fort, „so
begreife ich, weshalb Ioihn Andersffon M rhm hin-
aevelst ist! Ich wüvdle es selbst setan habeii^ wenn
ich es gewutzt hätte."

Jhve Auaen glänzten feucht im Sonnenffchein,
und sie füste bekümmert hinzu: „Wenn Papa sich
mir ooch anvertraut hätte!"

Mäurice Wallion hlatte sich wieder in dest
einen Eodankcn versenkt, der ihn ganz beheriffchte.
hörte sich jedoch erwidern: „Wenn er ffchwiea, so
könnsn wir überzeugt sein, dcrtz es nicht aus Man-
gol an Vertrcmen zu IHnen ge chähl"

„Warum denn aber?" riof Pauline rasch.

„Nur deshalb, weil er die Gofahr Lannte. Er
kannte sie, und das traurige Ende boweifft, datz er
recht hatte."

Es istag sein, dcrtz etwas in Wattions Ton laa.
istas er nicht bsabstchtigt hatte. donn der blemde
Kapf fuhr hastig herum, und er fiihlte. datz Paulin^
ihn mit wsitgeöffneten Augvn betrachtete.

„Wissen Sie irgendstwas Neiues über — Papas
Tod?"

Aus ihron Augen st. dem blasien Geslchtchen spra-
chön sooiel instinktives Evcruen und plötzlich orwach-
tes Bangen, datz Mallion evbobte.

Es douerte ein paar Sokunden. bis er seine
Stimme in ffeiner Gowalt hatto. Daim ovividerte
er fest.

„Nein, ich woitz mchts Neiues."

Als die beidest 'Journalisten die Villcr oerlio-
trat Beyler oor seinen Kollogen hin uud
lMte ihm in die Augen.

„Antworte inir!" ffagt er. «Hlast Du da drin-
nen die Wahrheit goffaat?"

„Nein", erwiderte Wallion ohne Zögern.

Benler logte Vride Häude amf ffein» Schultcrn.

«Aoer ffo sprich doch!" rief er aus. „Du siohfft
aus, mls^ob Du Gospestster ge-ffehen hättüst."

„Vielleicht häbe ich rvelche aoschen". entgegiicto
Wallion und vepuchte zu lächoln.

Stenos Blick w>ar schavf und forffchend.

„Jn der Redaktion behaupten sie, Inez Nobcir<r
hätte dich boffucht. Ist das wahr?"

»Ia, es ist wcrhr."

..!lud von ihr hast Du das. rvas Du über
Gdvard Hessclnmn erzähltvst, in der i-auptzaclw er-
faihron?"

/Ia."

«Sagte sie iraondetwas INähores über — über
— den Mord?"

„Ia."

L.-
 
Annotationen