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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0048
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ausgekauften und gestapelten Waren mit recht gu-
tem Eewinn im Spätherbst und Winter verkaufen
zu konnen.

Daher die grohe Eeschäftigkeit, dre der engli-
sche Grosthandel an dem Weltmarkte entwickclte
und bereits seit geraumer Zeit die Waren kauft,
die er nur erhalten kann. Er ist von seinen Be-
hörden in keincr Weise behindert. im Eegentetl,
wirkliche Unterstützung findet er, wie sich dies ganz
besonders auf dem Eebiete der Kreditbeschaffung
zeigt. Der englische Handel ist wieder srei auf
der ganzen Welt. Dies erfährt mit besonderem
Schmerz der deutsche Kaufmann, der drauhen nichts
unternehmen kann, weil die unkeheuerlickM Be-
schränkungen der Auhenhandelsstellen, der Kriegs-
wirtschaftsämter und der verschiedensten Kontroll-
stcllen ihn behindern^ seine Ware auf deutschem
Eebict beschlagnahmen und ste dann zu hochbemes-
senen Preisen dem Verürauche zuführen.

Jn Weimar hat man aus dem Munde des
Reichskanzlers Vauer vernommen, daf; .die Negie-
rung die unerträglich gewordene Zwangsjacke der
Kr 'egsgescllschaften nicht gegen eine neue für den
Fr-^den zugeschnittene vertauschen wolle. Frciheit
der Wirtschaft. Heranziehung jeder Jnitiative und
jeden Kredits. das soll von nun ab die Parole sern,
unter der man stch i.n Handel mü) Industrie an
den Wiederaufbau des Reiches machen könnte.
Neich^finanzministcr Erzberger hieb in die gleiche
Kerbe. Er betonte. dah dio Negierung m einem
Tempo abbaue, das den Beamten sehr unangenehm
sci. Darauf können Handel und Jndustrie nur er-
widern, dast bcidauerlicherweife noch garnichts an
Taten zu bemerken sei. die nach einer Derwirklcch-
ung dieser und ähnlicher schönen Worte ausschauen.
Die einz'elnen ausländischen Aufkaufer und Nevi-
sionsbeamten. die Leiter und Dertreter der verschv'-
denen Reichsstellen und Kriegsgesellschaften arbei-
ten immer noch mit Spesen, die geradezu den blas-
sen Nei- der Schieber herausfordern und diese an-
treiben. immer noch mehr ins Geschaft zu gehen.
um so den amtlichen AufkLufern gleichzutun. Es
grenzt ans Märchenhafte. was man da ttber Spe-
sen hört, als wenn das Neichsgeld garnicht erst von
den Steuerzahlern aufgebracht zu werden brauchte.
Die europaische Lebensmittelverteuerung mird
durch unser System noch wesentlich verschärft und
dies ist fehr bedauerlich. da wir infolge unserer
Valuta fchon ohnehin übel daran sind.

Eine technische tzilfstruppe

gegen Eeneralstreiksabsichten wird. wie aus einem
von der „Freiheit" veröffentlichten Schreiben des
Reichswehrtruppen-Kommandos hcrvorgeht, von
der Negierung geplant. Jm Falle eines Streiks
soll die Stillegung lebenswichtjger Betriebe mit
allen Mitteln verhindert werden und der Ersatz
voil Arbc'itskräften erscheint darunter noch als das
Mindeste. Aehnliche Organisationen sind auch an
anderen Stellen im Ausbau und es ist der Wu.lsch
der leitenden Stellen. dast fachlich ausgebildste
Herren sich fur solche Zwecke zur Vcrfügung stellen.

Um Helsferich

:: Berlln, 9. Sept. Stwatsminister Dr. Hel 7 -
ser i ch foll fpäter außerhalb des gogen ilm einge-
leitctew Str lrsr> er fa hrens vor den
Staatsgerichtshof gestellt werden. Der
Antvas hiersu wird gegenwärtig von oolitisch in-
leresiierton Kreisen ausgearbeitet. Wie oerlautet,
liogt ausführliches Material über die frühere Tä-
tigkeit Holfferichs in der Neichsregierung vor.

Neue Putschpläne

Nach dem Berliner „8 Uhr-Abendblatt" beab-
sichtigt die Leitung der Kommunistischen Partei
ihre Mitglieder aus den Gewerkschaften herauszu-
ziehen und besondere revolutionäre Vetriebsorgani-
sationen zu bilden, die nach Art der Bergarbeiter-
und Transportarbeiterorganisationen geschaffen
werden ulld die Erundlage einer für den Novem-
ber vorbereiteten Aktion fein follen. Auch die U.l-
abhängigen wollen zu diesem Zeitpunkt vorgehen,
indesien sei ein einheitlicher Wille nicht vorhan-
den, da man stch über den Zeitpunkt des neuen
Putsches nicht klar sei und ebensowenig alle masi-
gebenden Parteiführer den Plan der revolutionä-
ren Betriebsorganisationen billigen.

Neue polnische Putsche in Aussicht

(!) Bevlin, 9. Sept. Wis ich oon guistänldiger
Stelle erfahre, ist in absch>bcvr<r Zeit Mih mnlen
Unvuhen in OVerschlesien zu rechnen. Auf
Grunv suverläsiiger Znformationen ist folgendes
Wgestellt worden:

Jm Besirkstc-il des Kreises Ralwitsch wirL» e-in>e
löbhafte Algitation zur Entsendüng von Freiwilli-
gen nach OkbcwMssien betrieben. Es ist bereits
eine gröheve An-a'hl vou Freischärlern nach Oibeir-
schlesien abgegaugen. Die polnischo Regterung
lehnt zwar eine offiztello Teilnahme und Unter-
stützung der AnwerLung ab, wünscht jodoch oine
v-'N Posen ausgehende Volksevhsbung sur Los-
trsnnung Obevfchlesiens von Döutschlcmd. Mich
Mitteilungen gefangener polnischer Mivlitärperso-
n«n werden in den Kasernen Ausruse vevbveitet,
die zur Terlncchme an den Bandenkäinpfen in
Oberschlesien cmffordern.

Der Münchener Geiselmord-
Prozetz

Jn der Fortsetzung des Prozesies wurde dsr
Hauptlehrer Vulid, der auch als Geisel verhastet
war, -vernoimnen. Er aab an. unter den Bsrhaf-
teten habe sich auch ein alter Herr befunden, der
auf KrückSn gegangen sei. Auf der Pol!i,;ei wurds
ihm erklärt: „Zhr Vande seit nicht möhr wert, als
datz man euch das Seitengewehr durch den Ranzen
ftötzt. .Schcvde, datz es so kurz ist, datz es nicht hin-
ten mieder hercruskommt". Ueber die Erschietzung
der beiden proutziischen Husaren erzählte Bund. datz
auf einen Ruf Hin 10 rote Soldaten bsvausgöstiürzt
seien und sofort zu schietzen begon-nen hcütten. Schr
rnteresiant ist eine Feststellung, datz Vrofessor
Bevger sich selW, wen-n <ruch unbewutzt, in oen Tod
gedrängt halbe. Er habe als die Truppsn für die
zu erfchietzenden Eeiseln zusaminengestellt wuvden,
ggglcmot, Lie Geiieln würden zur Vernehmung ge-
führt. Akan baibe ihn wiederholt woggöwiesen und
ihm gesagt, oatz er nicht dazu gehöre. Äber er
habe sich nichts sagen lüsien. So ist es gekommen,
d«atz !der Hreiise Profesior Berger mit erschossen
wurdo.

Der Unteroffizier DonauLauer -erklär'te, datz
der Artist Hesielmann auif die Geiiselliste den Ver-
merk geschrieben hat: zu erschietzen! Seidl hat

boLcmntlich bostritten, datz er pon Hesielmann ge-
fmat werden mutzte.

Dann wurde der Vorsitzende des Revolutionstri-
bunal Kronauer vcrnommen. Er erzählte,
Mrst T-axis sei als Pvolelarierprinz verschrien ge-
wessn, wsil er viel init ArLeiterLrstsen verkshrte.
Politvsch sei -er ein Kind gcwssen. Kronauer er-
zcrhlte dann, wie die Eenossen in ihn gedrunmn
feien, datz er

unbedingt ein Todesurteil

fällen müsie. Er habe das den Leuten auszureden
verisucht. Schltehlich hätten sie >dies cvuch einse-
sehen. Als er dann darum gebeten habe, datz man
oie Eeiseln vor das Nevolutionstribunal stellei.
habe man ihm entgegnet, das geoe nich't, weil es
zu human urteile. Kron'auer erklärte dem Vor-
sitzenden auf Dorhalten weiter, datz mcvn damals
böstimmt Seidel und Hausmann als diesenigien be-
zkichnet habe, die den Befehl zum Erschie-
tzen d-er Eeiseln gcgeben haben. Den Seidel schil

dcrte Kronauer als eine autzerordenffich jähzor-

LÄn-blick

nigen Menschen, der aber im nächsten AugSü
wieder dev Iboste Mensch sein könnie. Es sei daUrals
das Bestre.ben gsVesen, alle Prin^en festzunÄ>men,
weil -man diese als trsibenlde Kräfte der Reaktion
betrachtet hätte. Die! Thule-Gesellschaft
bosteho eigentlich aus zwei Gesellschaften, einer
durchaus unpolitischen, der auch er (Kronauer) an-
gehört habe und eineni Zweig. der nwnarchWe
BestvMmigen verfolgt hätte.

Es wurde dann eine Erklävung de§ Zeugen
von der Heyde verlsssn. in der cibenfalls be-
lunldet wird, datz am Tode der Eeiseln Seidel
und Hausmann schuld Lowösen seien.

Der Postlbote Paulus sagte. datz einnml in
der dLacht hei einer Sitzung, die gogen 6 Uhr mor-
gens zu Ende war, viel getrunken worden seii. Er
fei Zeuge gowssen, wie der Fürst von Thurn und
Taxis verhört worden sei. D?r Fürst hcübe forit-
während seine llnischuld beteuert.

Ein Matrose, der im Eeiseilmordprozetz vernom-
inen werden follte, ist am Damstaa Nacht aus dem
JustizpalaffL geflüchtet. Er konnte bis jetzt noch
nicht wieider ergöifsen worden.

-Zn der letzten Versammlung des Landesver-
banoes der bayrischen Presse wurde ,gogen die ten-
doluiöse Berichterstattung eines Berliner Vlattes
im lZntoresse dcs Ansehens des Standes Einspvuch
erho-en. Man beschlotz, die Angelegvnhei.t auf
dem Delegiortentag oes Reichsvevbandes der deut-
schen Presie zur Sprache zu bringen.

Sozialdemokratischer
Parteitag Badens

Der 2. Tag am Sonntag, dessen Derhandlungen
öffentlich stnd, wird eingeloitet durch eine Begrü-
tzung des Karlsruher Parteivorsitzenden Schwer.
Nach kurzer Diskussion wird der mit Aenderungen
vorgel-vglte Entwurf des neuen Organisationsstatuls
einstimmig angsnommen. Zum 4. Tag.-Ord.-Punkt
evgveift M a i e r-Heidelberg das Wort. Nach einein
Rückülick über die Entwicklun« der Rovolution
vevbreitet er sich über die zukünftigen Aufglaben
der Partei; deren Ziel mutz sein, eine klare, ein-
wandfröis willensstarke sozialdem. Politi; unter
voller Berücksichtigung der ökonomrsch politischen
Vephällnisfs, die unseren Avbeitswlllen aber nicht
lähmen dürfen. Jn Punkt 5 der Tagesardnung
werden die Parlamentsberichte gegeben. Ma-
rum roferierte über die Arberten des bad. Lcmd-
taas. Jnsbesondere geht er auf die Verfassung
ein, das Sperrgesetz, die Kteuevoorlage usw. Man
müsse anerkonnen, datz in gruudsätzlichen Kultur-
fvasen die bcvd. Verfassung rveitaus frerheitlicher
sei, als die meisten Vevsasiungen der anderen
deutlchün Bundesstaaten. — Den Reichstagsfrak-
tionsberlicht gibt S t o ck - Heidelberg. Trotzdem sie
die ganze Schwere der Friedensbedingungen und
ihva Tragweite für unser Würtschaftsleben aner-
kermen, -habo die Partei unterzeichnet, weil es
keinen anderen Weg g-ab, das deuffche Volk vor
weiterem Kriegtzelsnd zu bewiahren. Weiter behan-
delt Stock die noue Reichsverfassung. Man mutz
bedenLen, datz die Sazialdemvkratie eine bürgerliche
Mehrheit sich gegenüber habe, da bedsutet die Ver-
faffung doch einen grotzen Fortschritt aiwf der Bahn
zur Soz'ialrsierung. Aber zu bedenken sei, datz dio
U.S.P. gemeiinsam mit den Doutschnationalen ge-
gen die Derfasiung gestiimlnt habe. Zum Scksiutz
dehandelt der Neferent die deutsche Finauzrsform.

mützten wir alles für die Frauen tun. Schlietzljch
wurden noch zwe' Anträse einstimmig angenom-
men. 1. Der Landesvorstand hat mit allen Mit-
teln für die besondere Schulung der Frauen zu sor^

gen. 2. den höheren Klassen der Mädchenschu-
len ist der Aufklärungsunterricht über das Ee-

.... ... —> Aufklärung^
schlechtsleben -auszubauen

Deutsches Reich

Artikel 177 des Friedensvertragcs

Jn der Nachmittagssitzung entwickelte sich eine
rbhak' ---- - .

lebhafte Dislussion über die Reserate zu Punkt 4
und 5. Jm Erotzen unv Ganzen erkennen die Dis-
kuKonsredner das Eeleiistete an. und fordern für
die Zuikunft ldie unermüdliche Arbeit sür die Ueiber-
fWruirg der zusammelrgobrochenen kapitalistiijchen
imo eine bessere sozialistische E-eisellschastsordniung.
An der Diskusiion beteiligten stch Remmele und
Rückert, die den Slandpunkt der Negierungsmit-
glieder klar legen, gesenüber der Kritix seübt
worden ist.

Die sozialdemokratische Frauenkonferenz

wurde Montag vormitta-g -um 10 Uhr von Fraiu
Blais-e-Aiannheim eröffnet mit einem kurzen
Rückblick auf die sozialdemokratischo Fraiuenibenve-
ming in Vaden. Jns Vüro werden gewählt Frau
Bkas« zur 1. Vorsitzenden und Frau Filscher-Karls-
ruhe zur zweiten Vorsitzrnden. Letztere richtet Be-
grützungsworte an die Konferenz im Namen der
Kwrlsvuher Genossinnen. Zm Namcn der soziald.
Landtagsfraktion richtete Staatsrat Marum er-
munternde Worte an die Erschienenen.

Als erste Referontin spricht Frau Blase über
Agikation nnd OrMnMlion. Bcffonders beleuch-
tet Fvau Blase dias Verhältnis der so-
zialistischen Frau zur Neligion, die für
sie genau so gut wie jeder Fvau unid Mutter Her-
zenSsache ist, die absr nicht Mittel im Dienste des
Kapitalismus werden darf. Die DiskMon för-
dert -eine Reihe posttiver Vorschläse zur Agitatlon
zutage, sowie zur praktischvn Orgianisierung der
Fvauonbewegiun-g. Äm Nlachmitt-ma hielt Frau
Fische r-Karls.ruhe ein Resevat über Fvauienarb-eit
nnd Frauenschutz. Jn grotzen Zügen sibt Referen-
tin elinen lleherblick über die soziale Lage der Ar-
beiterin im Dienste des Kapitalismus. besonders
der Dextil- und Spielwärenindustrie. All dem
gegenüber gebe es nur einen Schutz: Organisa'tiv.n
der Frauen und Partei, E-ewerk.sck)af1en und Ge-
uosienschaiften. Soll Deutschlcmd wieder hoch kom-
m«n, soll ein tiichtiges Eeschlecht her-amvachsen, so

Zu dem Artikel 177 des Friedensvcrtraczes
der über llnterrichtsanstalten, Kriegervereine
Schützengilden, SportvereiniguNgen usw. handelt'
gibt Prof. Dr. Paul Rühlmann in seinem bei
K. F. Köhler erschienenen Vuche „Europa am Ab-
grunde" folgende Erläuterung:

. Als 1914 das Ultimatum der österreichisch-ungcn
rüschen Regierung von den Serben eine scharfe
Kontrolle der nationalistischen Vereine verlangte
da erklärte die Entente dies als unerträglichen
Eingriff in die Selbstbestimmungsrechte eines sou-
veränen S:«ates. Ärtitel tt77 verlangt ungleich
Schwereres jetzt von Deutschland. er stellt einen
Emgrifs in die inneren Verhältnisse eines grogen
Landes dar, wie er in der Geschichte einz'.g da-
stehend ist und das nationale Ehrgefühl aufs
tiefste verletzen mutz. Dabei ist die Bestimmung
politisch dumm. Denn wenn die Entente wirklich
begründete Besorgnis haben mützte vor einem Wie-
deraufflackern des zur Zeit sicherlich völlig toten
militaristischen Geistes in Deutschland, dann wäre
e'mo solche demiitigende, ein grotzes Volk vcrskla.
vende. fremde Kontrolle gewitz das geeignetste Mit-
tel, dieses Wiederaufleben zu begünstigen.. Denn
sie mützte im höchsten Erade aufreizend wirken.
und wer die Eeschrchte nur einigermahen mit Nut-
zen gelesen hat, weih, datz sich geistige Bewegun-
gen mit der Polizei nicht unterdrücken lasien.

Die Veteranen von 1870—71

Die Abgeordneten Dr. Mittelmann und Eraf zu
Dohna haben folgende Anfrage im Jnteresse der
Veteranen von 1870—71 an die Nationalversamm-
lung gerichtet: „Die Deteranen von 1870-^-71. die
eine Versorgung beziehen. die in keiner Weise dazu
ausreicht, ein auch nur einigermatzen.ertrLgllches
Leben zu führen, leiden bitterste Not. Sr-e verbnn-
gc-n den Rest ihrer Tage in Siechenhäusern oder
fallen der allgemeinen Armenpflege zur Last. Wenn
57ilfe überhaupt noch nützen soll. dann mutz sie un;
öerzüglich erfolgen. Zst die Reichsregierunazu sok-
cher umgehenden Hilfe bereit, und welche Matznah-
men gedenkt sie zu dem Zweck zu ergreisen? Dje
finanzielle Not des Reiches dürste in dresem Falls,
zumal angesichts der geringen Zahl der noch leben-
den Veteranen. kein Hindernis bilden. — W»r
sreuen uns, endlich in der Nationalversammlung
vertreten zu sehen. wofür der Deutsche Kriegerbund
seit langem in Eingaben an die Behörden und in
der Oeffentlichkeiit kämpft. ANerdings erhebt der
Deutsche Kriegerbund selbstverständlich auch die
gleichci» Ansprüche für die Veteranen 1864—66.
Der Deutsche Kriegerbund wird nicht ermüden. im-
mer wieder auf die völlige Unzulänglichkeit in der
Versorgung dieser alten Veteranen hinzl^oeisest.Mld
ffir erhebliche Aufbcsierung zu kampfen.

Streit im Lage der Unabhängigcn ^
A,n Sonntag fand eine Eeneralversammlün^
des Brandenburgischen Bezirksverbastdes der llM
abhängigen statt, wo Haase und Däumig über PaE.
lamentarismus und Rätesystem sprachen. WArenL
Haase mit grotzer Schärfe gegen die radikal« Phrasff
und gegen die Fetischverehrung des RätesystemS
sprach und die weitere Benutzung des ParlamentL-
rismus als eine Waffe des revolutionären Kamp-
fes verteidigte, warf Däumig dem Vorredner
vor, datz auch dieser stch im Erunsde genommen nur
wen-ig von den Rechtssozialen unterscheide. Äuch
Haase wolle, wie die Rechtssozialisten, durch De-
mokratie zum Sozialismus gelangen. Zn W'rk-
lichkeit müsie der Weg umgekehrt durch den So-
zialismus zur Demokratie führen. Der Parlamen-
tarismus bedeute im etzigen Augenblick, wo es ums
Eanze gehe, eine ungeheuere Eefahr. Eine Samni-
lung des revolutionären Proletariats sei nur auf
dem Boden öes revolutionären Rätesystems mög-

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Zirgkr

A Wenn das Vaterland auf dem Spicle steht, T
X gibt es für Niemanden Rechte, dann hat ein K
H jeder nur Pflichten. §

A ErnstvonWildenbruch <v


Oie blaue Zpur

Roman von Julius Regis
Aus dem Schwedischen übersetzt von E. v. Kraatz
Qop^ri8dt1917b^QretbIeiaür,Qo. Q.m.h.tt. ^eiprlg
(57. Fortsetzung) , -

46.

iMaurice Wallion blickte mit ruhisen, inter-
essierten Au.gen zu ihnen auf.

»Bu-enos dias, capitan Nobeira!" sagte er auf
fpani!,ch. «Sie müssen verzeihen, dah ich Zhuen
nicht die Hand drücken kann. Wie Sie sehen, hat
das seinc ErünL-e."

, Robeira antwortete nichts, sondern wechselle
emen ra! chen Blick mit seiner Schwester. die finster
die Stirn runzelte. Sie stemmte eine Hand in die
Sott^und bückte sich über den Detoktivreporter.

„^,ch '.-che, datz Sie Spcmisch sprechen", sagte sie.
chne lrgendwelche Ueberraschung an den Dav zu
legen. „Das erklärt manches."

.. erklärt u. a. die Entzifferung der Eeheim-
Urttt Vundesbrüder. der Amigos de la

Lkberdcrd , entgegnete Mttlion kcttt.
r r Sie die Ehiffre gelöst?" fvaÄle sie zwei-

felnd. „Beweisen Sie es mir!"

Wcvllion lächelte.

„Mein bostier Eonzales". erwiderte Wallion,
,/es ist zu-spät. Sie hätten Zhre Eelvgeicheit besser
benutzen isoll-en, als sie in der Mlcht vom 2. <mf
den 3. Zuni in der Rolle des schwarzen Mannes
in der Willa rMstraten. Auch am 12. Zuni, als
Sie mich am Nytroplan so uuseischickt übersuhreiv,
lietzen Sie die Eelegeichsit vorülbergchen. Und jetzt
— jetzit ist es un-widerruflich zu spät."

„Man kann doch weniMens <veckhindern, datz

' „Könn-en Sie nicht bis morgen warten? Mor-
gen wird der „Dagscurir" nicht nmr dic rätselhaste
Echeimschriff entschleiern, sondern auch manches
anLre, — ich brauche wohl nicht zu sagen, was.
Nur ein-e Andsutung: remerdas Namon Puertä!"

Die dvei Männer trcttcu in drohender Haltung
nä-her.

„Er weitz zuviel", murmelte der Hauptmann
seiner Schwostcr ins Ohr. ,Mir werden ihn töten
müsien."

r. nicht gleich jetzt?" fraate Eomzalec

r,art unv ?uhr mit Ler Hand in die Tasck)e.

Sie in der Zsibung aus der Schuile plaudern!
Eönzales autzer sich.

„Darin irren Sie. Meine ganzen Aulsszeichuun-
-gen lieaen in ver Rsdaittion, sodatz jedweder sie be-
nutzen kann. Selibist dieise Freude kami ich Zihnen
cttlso nicht bereiten."

Eonzales ffchr müt der Ha-nd in die Taische und
stürzte mit einem halb erstickten Schrei aiuf Wal-
lion zu. Aber Frcru Roibeipa trat dcrMischen.

«Keine Dummhsiten!" -fagte sie ungeduldig.
„Zch verbiete Zhuen, chn zu tötein."

„Warum?" knurrte Eonzales eigensimng.

„Wavum? Es ist unnötig, das mag Zhnen ge-
nügen. Menn sis ihn lhier au'ch nrorgen finden, —
was tut das? Dann sind uir längst über alle
Berse . . . ."

Sie beugte sich wieder über den Zournalisten
und fuhr fort:

„Sie sind jetzt aus dem Spiel, Wallion. Ich
h-atte sie aewarnt: zum ersten Male telepihonisch,
ttitd zuim zweiten Aiale im Strandhotel. Das dritte
Mal Vaim ich selbst zu Zhnen. Warum lietzen Sie
stch nicht warnen? Mvn sehen Sie. datz es ein
bosffiunssloises Besinnen ist, die Ainigos de la
Liberdald zu bekämpfen. Nun köun-en Sie daliegen
und M bosinnei', während wir . .

Sie fuhr ganz langslam fort:

„Während wir wn,se«c> Rechmmg mit Edvard
Hesselnran begleichen."

Mallion machte eine Bewegung und lachte.

„Um die Polizei kiimmern wir uns nicht", setzte
sie hinzu, „Nuc sie alliein waren uns iin Wege
und mutzten beseitigt werden. Mn das geschohen
ist, Haibeii wir freis Bahn ..."

„Voraiusg<-etzt. datz Sie deu Weg kennen."

„Den haibeil Zhre arglosen Freundv uns gezeigt."

„Sie scherzen. Frau Robeira!"

„Scherzen? So lachsn Sie doch. wenn lch Zhnen
das Mort Oodeiö ins Ohr ffüstre! Oedeö — wärum
lachen Sie denn nicht. Zst es nicht lachhaft, datz

ries Wallion aus.
sich nicht auf der

fvagte ste. „Ver-

wir jenen Stümpern auf der Elektra seduldig

fölgton, bis ste uns den Verrater aufgvsundon
hatten? Hören Sie wohl zu: auch wir -haben Ed-
vard Hesielman gefunden!"

Mcvurice Mcttlion hob den Kopf. An seinen
gvauen Au-gen lag -etwas gespannt Fovschendes,
während er seine Eegmer der Reihe nach ansah.
Zhre Eesichter waren starr und hart wie
«Maskon, und aus ihren hatzerfüllten Vlicken sprühte
Entschlosieilrheit . . .

Er macht-e eine fie>berhaste Anstrensuns, um
sich z,u erheben. Die Ädern -cmiif seiner Stirn schwol-
len an. Znez Robeira betrachtete ihn mit halbge-
schlasivnen Angen.

Nach -einem Augeivblick san-k -er nmchtlos zurück.
Da wandte sie sich ab und fagte zu den andern:

„Vovwärts! Die Zeit vergeht, und wir haben
einen wettien Weg bis zu Gdvard Hesielmans Ver-
stLck."

„Sie stnd im Jrrtum!"

„Edvard Hesselman lbeffindet
Oedeö."

Fvau Ro-Heira bliebfftehen.

„Wo wollen Sie hinaus?
suchon Sie Zeit zu aewinnen?"

„Nein, ich werde Zhnen bewei en ..."

„Sie reden zuviel!" bemerkte Frau Robeira,
mit dem Futz söampfend.

Wis aus -ein segebenes Zeichen wwrf -sich Dvan-
ston plötzlich über den 'Zournalisten, zpg ein rot-
seidones Duch hervor und- knobelte h>'n damit. Wal-
lions Auaen hingen unverwanldt an Znoz Robeiva.
Der HcMptmann rollte sich nervös eine Zigarette.

„Zetzt ins Autol" kommandierte Frau Robeiria.

Eonzales und Evanston verlietzen gülwrsam das
Zimmer. Ant-onio Robeira rie.b ein Streichholz
an uud zündetv seine Zigarette >an. Einen Augeu-
blick hielt er das brennende Streichholz zwischen
den Fingern, um es dcrnn auff die Hobeffpäne neben
Wallion iherabfallen zu lassen, aber Frau Robeiva-
reckte ohne ein 'Wobt zu sagen den Futz vor und zer-
trat die kleine Flamme.

-Jhr Brulder Kuckte mrt den Achseln uind gins da-
von, ohne Wallron eines Blickes zu würdigen.

Frau Robeira bUeb noch einen Augoublick ste-
hen. Sie blicktsi Ms don Jounalisten herab. und
ihre dunkeln Augen leuchieten unter ihren Wim-
pern.

„Zch wollte, wir hätten in Freund ck?ast schei-

den' können", sagte ste. „Sie nennan mich vielleicht

eine Werbrecherin, aber bedenken Sie. Ltttz ich fiir
das kämwfe, was ich als Recht anWhe, — und datz
ich .Zhnen Äas Leben gerettet habe. Leben Sie
wohl, Maurice Wallion!"

Sie glitt hinaus, und er war allein.

Einen Augenblick später -0110 er Las leise Ee-
räufch eines abscchrenden Autos. Dann herrschte
tieife Stille nm ihn her. Er la« eine Zeitlang
regungslos crm Boden, aber es ereignete sich nichts.

Sein Eestcht war zur Hälfte von dom rötseide-
nen Tuch lhedeckt, aber seine Augen irrten suchend
umhor. Schlietzlich blieben sis am Fenlster hängen.

„Jn einer hakben Stun.de muk ich nrich befreit
hab-en", .sagte er stch, und rmmer wioder irrterr seirre
Blicke durchs Zimmer.

Jedesma-l machten sie am Fenster Halt.

Plötzlich wätjffe er sich Ef die Seite, rollte
herum üud wand stch so lange. bis er in Ler Ric^
rung nach dem Fenster lag. Nock einmal wäl.zte
er stch rundum, und nun lag er dicht unterm Fen-
ster. Er mah mit den Augen; das Fenster satz
etwa achtzig Zentimetcr über dem Boden.

Er versuchte erst das Bein zu heben, ab-er der
Strick macht-e es unmösl'ch. Er atmete auf uiw
dachte nach. Dann begann er noch.nals. stch tou-
chend vor Mühe zu drehea und zu. winden. ^iach
zehn Mimtten war es ihm aolungen. die zufam-
mensclschn-ürten Beine im rechton Wirttel Mm Kör-
;»er zu biegen -und gegen das Fensterbrett zu stem-
men. Mtt Hilffe der Ellbosen reckte er den Körper
mit unsäglicher Mühe an der Wttnd cmvor, bis er
-e-ndlich fühlte, dätz er die Scheibe mit den Fictzen
Areichen ffonnte. Ein kräftiger Sto.tz mit den
SticffelübsätzLN, ein Klingeir von zerbrechendem
Glias, eini E-erassel von Scherben, ein H-auch von
frrscher Luft. Ohne feine unbcaueme Lase zu än-
dern lietz er Lie Füsze in den Schcrben wühlen, dre
ouf dem Fenfterbrett klirrterr und inirschten. End-
lich gelchLh das was er wollte. Zwei odsr drer
grotze Scherben fi-olen zu Voden. Da lietz er dcn
Körper wieder siiiken und streckte sich ckeuchend aus.

Kurz darauf hielt er eine der Elasscherbeir in
derr gebundonen Härrden. Seine langeir Figer -ar-
beiteten .fiobeüyast. Zm-nrer wieder lietz er den
Strick über die scharfe Kante der gecz-eir deir Loiden
gefftemmteni Glasscherbe gleiten. Die, Handrv-nr-
zeln begannen zu bluten, aber daran kehrte er siw

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