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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0058
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man m -Prag unv Marscha». geloisse Unklarheiten
über Lio Nechte unb Vorteile Frankreichs onthat-
te,'. Tatsacho ble-kbt iedonsalls, bah die fransösiche
Resierung rhre Vovsähe in Budar»est und Wlen
sallen lieb. und dah i,n Laufe ver Bcrha'rdLungeir
die Friedensbevingungeni in Oesterreich die eigen-
artbge Härte evhielten, die viülen Wiencr Politi.
kern unerroartet kain. weil sie Lis vaHin aiuf das
Entgegenkoinmen und das Wohlwollen FvankrLiichs
sercchnet hatten.

Hd wäre sehr wohl möglich gowesen, dab Frank-
reich sich für die Wünsche der Wicner Negierung
llMcvftor eingclsetzt haben würde, wonn Englano
enicht seiNen Mpchtsprluch gegen die fvansösicheu
Absichten in Mtteleurova rum Ausdruck gebracht
bätte. Awf englischer Soite befand sich und befin-
dct sich auch hente noch Jtalien. das sein Mitz,
trauen gegen dre Parrser Pläne schlecht verhehlen
konnte. Pläne, die cine starke Bch»rohung Jtaliens
darstellen. Melloicht aber bätte die bvitischie Regie-
rung Frankreichs Wünschen noch e-her nachgegeLcn,
wenn inan rn Paris nicht auch noch gleich-eitig
die Loslösungs-büstrobungen in West- und Sü-d-
Leulschland gar zu stark LeMnstigt habon würds.
England gdbot dem Französen ein ziemlich encrgi-
ski)LS Halt crm Rhsin uNd an der Donan. um rhm
-däfür freies Spvel in Polen und dex TschechK gu
lassen, 'Jn Polen ist aber auch snr >den Fvamrosen
rvenig su holen, und ^ie Tschechei wird. wenn sie
waiter annektiert, unter thxen 13 Millionen Be-
wohnern 7 Millionen Deutsche, und zwar evbii-
terte Deutsche sählen. Das alles weiß mckn in
P-aris sehr wolhl und bereut bittsrlich, sich in das
Eeschäft mnt Englamd eingelasien su hcGen, zunurl
d>e Teibung der InteresieNsvbären in Kloin-Asien
nicht nach dem französischen Geschmack sein soll.

Mr haiben es erleben mirsieü, dah englische
Blättoo, dre die Stinrmung ibrer Regievung gc.
rau kennen, wäHrend des volmschm Äusruhrs in
Oberschlosien eino fiarke Parteinalhme fur die Sa-
chc dör Pvlen bekundeten. Das hängt, wie die Her-
re" tn Prag glaubhaft behcruvten, aUfs innisste
mit döm Päkt zwischen Frankreich und EnglcMd
snsammen. Dier Briie hat dem Fvanzosen üin
Pflästerchen au!f die Wunde gelegt: Oberschlesien.
soll -an Polen und damit mittelbar an Fvankreich
Lallen. Werden wir es verhindern könnöni?

Englicmd hcrt die Welt in Eurova und Msien
vrrteilt. Engländ über alles in der Wielt.

Noske und General Dupont

Nachdem die Entente wiederholt angezwei-
fel^ hat, dab dle Verkleinsrung des dentschen
Hecres in dem vorgesehenen Umfange durchgc-
führt wird, hat sich der Neichswehrmiirister Noske
veranlaht gesehen. dem Chef der französischen M-
litärmission in Verlin, Eeneral Dupont, seincn-
Bcsuch zu machen und ihm die Akten übev
die VcEeinerung des deutschm Heeres vorzu-
legen. Der Eeneral hat daraus die Ueberzeugung
gewonnen, dak die Neduzierung dcr Armee plam-
mäbig erfolgt.

Das schlafende A. A.

Srhöhung des franzöfischen Heeres-estandes

Paviser Mätter molden, bätz der neue f ra n-
zösische Heev-osetat eine Erhöhimg des
Hoereshostandes gegenüLer dom lSt-and vom Jahre
1914 um sweii! Armeekorps Lringen werde.
Die Erhöhung werde sich aus den wehrvflichiigen
Elsah-Äothringern und einer nöuen Diviston von
KoloErltrluVvöni zuscrmmensetzen.

Wer treibt nun eigentlich. Msilitarismus? Und
wer war es doch sleich, der gegen' den Militaris-
mus zu kämpfen oorgab?. ..

M«n schro'ibt uns:

Dle Wroderherfiellung unserev BesichWgen zu
den andoren Wölkern dqr Wolt ist die erske Vor-
aussetzung für einen göderhlichen lAufbäu unserer
Miltschaft. Die führende Neichtzstelle, Vie dichr
Aufgabe durchzusetzen hat, ist däs Auswärtige
>A m t. Man sollte daher glauben, dab es die zur-
zeit mersibeschäftigte Behörde des N-eiches wäre.
Llher i>a keinom Neichsministcrium herrschb jetzt so
vieil FriedlichLcit wie iin Auswärtigen Amt. Die
einzige Tat. nnt der sein Tatendrang in den letz-
ten Wochen LomerkLar wurde, war dle Note Her-
mann Müllers an die letbiliche Regierung.
Autzordom weib man nur, dah sein Minlifierrumr
in der letzton Zeit mit vielem Schweitz -diei Man-
hetmaffäre erlcdigt hat. Wi «> sich im oinzol-
non diose Erledigung vollzog, das wisicn wir Nichi.
Die mit dcr fvanzösischen Regieru-ug gewechselten
Noten blioben im Dunkel deo WrlheLmstvatzs —
trotzdüm wir ia ein demokratisches Negvme haben.
Ven ihm erwarteten wir, dab es keino Eehe!-m-
poliüik mehr treiben' würde. Wann endliich wvrd
dioso Erwartung erfüllt?

Es ifi fast ein Bierteliahv her, dah aine offi-
ziöse AMeülung zu meldien wußte, das Kabiuett
werde sich „in sciiner heutigen Svtzuing" mit
der Vortoilung der Posten bösasion. Ssitdom ist
es wioder still gewobden. Die Entöntc ist sich längist
darübor klär, wsn sie zu Botschaftsrn »lud Gesand-
ten erirennien wärd, — uns-eve Rog-iiörung har
brs heutenoch keine EntWretzungen darüber
trefson können. Monn wirkllich die Besiehungoi;
zvm feiNdlichen Ausl-and wieder regulär aufgo-
nonrimen wevdön, witd nvan dann in letzter Stuude
Hals über Kovf die Besötzungsfrage riegeln. Würde
sie rechtzörtig vorbereiLet. so hätte dafl> deutsch'
Volk Eolegen-Heit, sich zur Auswahl dec ViNtreter
ru äutzern und die Kandidatöu des Auswärtigen
Amtes hätten selbst Eelegenheit, sich auf
ihre künftige dlrbe'it v o vsub e re iten.. Es
komm-t dazu, datz rmseve Auslandsvertretungen in
Aukimft gantz- anders organisiert werde-n miisien
als -bisher. Sve sind in rhrem St-abe amders su-
sammenzusetzen, ihre Finansierung ist amdcrtg su
gestalteu, ihro Zu-s'ammenarbeit mit der Heimat-
ift ueu ru rogeln, — tai'seud Aufgabon, diö
längst hätton vorbereitet werden
müssen uud für die noch Nichts, äber röin sar
nichts, gesch-ohen ist. Statb dcssen her'.ischt m der
Wilhelmstvatze noch Sommerruhe.

Und was wivd aus uusercini Begiehungon ru
Rutzland? Ohue für sie oiue Fornr su findön,
die Rutzlaud als Nobstoff- und Arbeitsinavkt wie-
döi ebschliötzt, ist der Auifbau dcr dei'tschen wie dev
euro-väischcm Wirt'chaft nicht möglich. ALrn mutz
dafür eine Jd ee, Gödanken und Anveguugen
haben. B-emüht sich das AuLwärtige!Amt, sie zu
finden? Dann- borührt es doch nierck-würidig, datz
gevade GejeMen seiner Mifslieder, dio die
Lösten- Konner Rutzlands sind. su rze i t. sv asio-
ren gehen müssen.

emmal ein Demokrat, meinen die anderen. Ein
Mann sei er, der der Augenblickseingebung folgt
und.eine diktatorische Ader hat. Das ersieht man
vielleicht auch daraus, datz Noske neben einem an-
deren Minister der einztge ist, der den Mut hat,
dem Pläne einer Diktatur der. Mitte anzuhängen,
also zü regteren mtt Ausschaltung der Nationcu-
yersammlung. Und wie Noske sich in den Partet-
kreisen. so hat er sich auch tn den Kreisen der Re-
gierung Gegner geschaffen. Freilich.die Mehrheit
steht noch immer auf seiner Seite. Es wird jeden-
falls interesiant setn, zu hören. datz er mit Schcide-
mann in einem heftigen Kampfe lag. Scherde-
mann aber keine Mehrheit fand, sondern nur durch
Wisiell attestiert wurde. während die übrigen Mi-
nistor Noskes Matznahmen in allen Streikfragon,
namentlick beim Streik der Bergarbeiter im west-
fälischen Kohlenrevier. unterschrieben. Auch in der
preuh. Regierung gehen die Meinungen über Noske
auseinander. Die Mehrheit steht auch hier auf seiner

'Aus Stadt und Umgegend

Seite, aber Männer. wie Dr. Südekum, sind keine

Freunde Noskes. Man Mricht ihm die Kinderstube

ab. Es ist wohl ratscun7 Zu vcrschweigen, welcher
Minister - diesen wenig ehrenden Äusdruck ge-
braucht hat.

Hinter den Kulisscm ist also nicht alles goldsn
und der starke Mann in seiner ungeschliffenen, ro-
hen Art stötzt auch Lei seinen Kollcgen so oft an,
datz man oor seiner Tätigkeit und seinem Macht-
hunger zu bangen beginnt. Noske ist selbst-
herrlich und will von der Nationalver-
sammlung nichts wissen. Jhre Kritik, ihr
Aufpasserrecht. das er so ziemlich bei seinem Mi-
nistörkollegen, soweit seine Tätigkeit in Frage
kommt, abgeschafft hat, behagt ihm nicht. Es ist
daher anzunehknen. datz, da die Nationalversamm-
lung von der Meinung Noskes auch einmal Wind
bekommen mutz, einmal die Freundschaft 'zwischen
ihr und ihm plötzlich in die Brüche geht. Ewrg
wrrd der Dank nicht halten, den die Regierung
und die Nationalversammlung Noske, dem Be-
schützer der Revolution, schuldig stnd.

Ainler den Kulissen

Von unserem Berliner Vertreter wird
uns geschrreben:

Noske gilt allgemein als sta r k> er Ma n n.
Er ist es auch; denn er ist eme gerade und furcht-
lose Natur. Doch zweifölt man selbst in seinen
Parteikreisen seins politische Haltung stark an.
Jemand, der ihn genau kennt und die Meinung
m der Regierung über ihn, versicherte, mair sage
nicht mit Unrecht, Noske sei ganz unpolitisch ge-
worden. Einesteils mag das für einen Minister
ja ein Lob> sein, anderseits aber hat sich Noske da-
durch in ^seinen eigenen Freundes- und polrtischen
Kreisen viele Eegner geschaffen. Er set kein So-
zialdemokrat mehr, sagen dre einen. Cr- sei nicht

Der Reichskongretz der U. S. P.

Abflauen der revorutionären Stimmung?

Zn der Dienstag-Nachmrttagssitzung der Reichs-
konferenz der Unabhängigen Sozialdemokratie
führte Haase, laut „Freiheit", zum Thema „Dre
polrtische Lage" aus:

Die Regierung, die sich nur illit Hilse dös Be-
lageruirgszustandes an der Macht erhalte, behaupte
zwar, d:e vollendetste Dem-okratie zu reprä-
sentieren. Sie stelle äber nur eine verkrrppte Dik-
tatur der herrschenden Klassen dar. Jm Prole -
tarrat sei eine gewisse Gleichgültig-
keft erngetreten und> die Kommunisten hatten
rrchtig das Aflauen der revolutionären
Strmmung erkannt. Dre wirtschaftliche Not
könne aber nur zu einer verschärften Revolutions-
phase führen. Mcm müsse aber auch mit esner
längeren Dauer des Tiefstandes der
r e v o l u t i o n ä ren Bewegung rechnen. Da-
her dürfe die Parter die parlamentarischo Wirksam-
keit nicht aus der Hand geben und die Wahlen
keineswegs boykottieren. Solange die jetzige Ge-
sellschaft bestehe, müsie man durch Mitarbeit im
Parlament dem Proletariat möglichst günstrge
Kampfbedmgungen zu schaffen suchen. Was die
Beteilrgung ander Regierung betreffe,
so ser für dte Partei auf dcm Boden dev jetzigen
! Verfassung an eine Mitarbeit in der Neichsregie-
rung nrcht zu denken. Erner möglichen Äuf-
forderung der Rechtssozialisten zur Beteil gung. an
der Regrerung gegenüber könne es sich unter llm-
ständen empfehlen. ihnen Bedmgungen zu stellen,
dts- heitzt, ihnen das volle Parteipro-
gramm zur Annahnre zu unterbreiten. Dcrs sei
abev nur eine Formfrage, da dio Ablehnung von
vornherem feststehe. Diö Ausgabe der Partei müsse
sein> das revolutionäre Bewutztsem zu stärken und
-ie Lage im Jnteresse des revolutionäron Zieles
auszunutzen. _

» Emschränkung des Personenverkehrs.

16. Septemher an fallen auf Len badischcn ^Strek.i
ken eine Anzcrhl Cisenbahnzüge aus.

* Neucs Operetten-Theater. Wir weisen noch-
mals auf den heute stattfindekrden Pfalzer-Abend'
hin, -bei dem das berühmte La'irdhäuser-Q,uartett
'aus Mannheim mitwirkt. Die Leitung des Abends
hat Herr Vagler.

* Vargeldloser Verkehr. Die Zahl der'Potz-
scheckkunden m Heidelberg rmd Umgegend be-
trägt jetzt 813, sie hat sert Mitte A-prtl d. >Z. unr
1k>4 zuigeirommen, ein erfreuliches Zeichen dafür
datz die Bedeutung und die Vorterle des bcrrgeld-
losön Z«h>ungsverkehrs inrmer mehr erkannt 'wer-
den.

* Ein Preisausschreiben zur Erlangnng v»n
künstlerischen Entwürsen zu einem Warenzsichen,
erlätzt dio Landeswirtschaftsstelle für das badischü
Handwerk. Sie fordert alle badischen Künstler und
Fachleute zur Beteiligung auf. Schriftliche oder
mündliche Austzunft erteilt das Landesgöwerbeimt
Karlsruhe.

^ Vergrötzerung des Postkartenformats. Die
mi>1 der bevorstehenden Erhöhung der Portosätze
verbundene Spesenbelastung für den Kausmann
gab dem Zentralverband des Deutschen Grotzhan-
dels Veranlasiung, auf eine Vergrösierung des
Postkartenformats beim Reichspostministerium hin-
zuwirken. Wie dieser Verband nunmehr vom
Neichspostminister erfährt. hat der Neichsrat in-
zrvischen genehmigt, daß vom 1. Oktober ab im
Privatwege hergestellte Postkarten dieselbe Erötze
wie die Paketkarte — 16,7 zu 10,7 Zentimeter —
haben und bis zu 8 Gramm wiegen dürfen. Die
von den Postanstalten ausgegebenen Postkarten be-
halten die alten Abmesiungen.

^ Personalnachrichten. Zn dea Bereich der
Staatseissnbahnverwaltung wisder aufgemommön
wurde der Bureaugechilfe Friedr. Krempel hier.
Versetzt Bau-asststent Kürl Brauch von Mannheim
nach Heidelberg. Zn den Ruheftand aetreten sind:
der Zuametster Peter Bär, die Weichenwärter
Heinr. Hetz. Andreas Wcrgner. Peter Hetz, der
Bremfer Zoch. Hug sämtlich in Heidelbers.

* Pnzeige dör Hausschlachtungsschweine. Damit
die mit der FleischK?rsorgung Letrauken Vehördcn
rechtzeitig Kenntn-is über die Zahl der für die
Hcmsfchl'achtuug bestimmtsn Schweine erhalten,
rr-urde durch Verordnung des Mintsteriums des Jn-


t-r ^itunS

giial

S-7dieLnde




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-h-ne'

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___ . , _ bestt

Schweine, deren Schlachtung in der beginuendM

HauÄchlachtmrgsperiode in Ausfickt genoimmen ist,
' " ' Sept. 1919 an-

Eine rvichtige Enlscheidung
»A Berlin,, 11. Sept. (Prioattel.) Laut »Berl.
Lokalanzerger" hat das Reichswirtschaftsmini-
sterium die Hm unterstellten Bohörden angowiesen,
mit Nücksicht auf die aufgeheiLene Blockade alle

vorhandenen Bestände und stwatlich Lewirtschaf-
' o f f e schleumigst dsnr Verbrau

Löten Rohst

zrk übevgeben.

dem Kommunalverband bis zum 25.
zuzeigsn ist.

* Höchstpreise für Tchlachtschafe und Tchafsleisch.
Entsprechend der Erhöhung der Preise für Scklacht-
schafe mutzten auch die Höchstpreise für Schas(Ham-
meljfleisch erhöht werden. Darnach stellt sich der
Pre'is für ein Pfund Schaf(Hammel)sleisch künftig
auf 2,70 Mark, wozu in Städten mit 10—20 000
Eiiuoohnern noch eiu Zuschlag bis höchstons 10
v. H.. in Städten mit 29—50 000 Einwohnern bis
höchstens 15 v. H. und in Stadten mit 50000 und
mehr Einwohnern bis höchste'rls 20 v. H. kommen
darf.

* Rohzucker an Stelle von Derbrauchszuckcr.

(Znfolgo der autzerordentlich grotzen Kohlenknstpp-
heit wird es^nicht möglich sein. den Zuckerrastlne-
rien saviel Kohlen zuzuführen, datz sie ihre Betriobe
oufrecht erhalten können. Es mutz also damit ge-
rechnet werden, dah der Bedarf des Monats Oktbr.
nicht in Vevbrauchs.zucker. sondern in Rohzucker ao-
deat werden mutz? - .

* Kein Auslandszucker zu Einmachzuckcr. Die
Nöichszuckerstelle hat dem Minister'mm dcs Znnern
mitgetellt, dah die Erlangung grStzerer- Mengen
Auslandszucker nicht erTnöglicht worden sei. Zur
Verteilung von Cinmachzucker dürften daher keine
Mengen zur Verfügung stehen.

Dkeüstahl. Aus dem Hause Hauptstratze 13
wuvdo ein Fahrrad im Werte von 500 Mark ge-
stohlen. — Auf dem Wege vom Artushof znm Me-
tropol-Hotel wurde eine goldene Damenuhr verlo-
ren und von dem Finder unterschlagen. — Aus
einem Schuhgeschäft in der Hauptstratze wurde eine
Kiste Herrenstiefel im Werte von 1375 Mark ge-
stohlen.

Theater und Musik

* Mannheimer Nationaltheater. Au der unter
der Leitung von Mlhelm Furtwängler stehenden
Ausführung des »Fidelii? gebangt zum ersten
Mrle nach der Kerkerfzene nicht die Leomoren-
Ouvertuve Nr. 3, sondern deren erste Boarbeitung,
bekamrt unter dem Namon „Leonoren"-

O uve r ture Nr. 2. zu Gchör. — Am Freitag

^ ^ litzler-Abends

sindet dle evste Wieiderhölung des Schnitz
nach den Ferien statt . Es kommen die beiden Ko-
inödien »Der Pupven >spiel er" und der „D e r
Familientag" (Komtesse Mizzi) zm AufW-
rung.

* Ein deutsches Symphonieorchester in Prag.
Zn Prag hat sich ein Kollsortium gebildet, welches
ein 60 Mann starkes Symphonieorcheste-r mit sanz-
jahrigem Bgstlande erhalten will. Dieses Orchester
wird von Kapellmölster Nudolf Lorenz geleitct
werden.

* Eine neue Komödie oon Thaddäus Rittner.
llnser Haniburger Korrelpondent schreibt uns: Zm
Doutschen Schauspielhaus kam Thaddäus Rittners
Komodie „Garten der Zugend" zur ersten
Aussühvung. Es ist wieder ein rsmantiischer Vor-
such des Dichters, röich an literarischen Feinhei-

aber ohne überzeugende Wirlung. Dio schwache
ftandlung rankt fich um die Gestalten eines alten

Königs und feiner sungen Eattin. Zuweilen schei-
r.en An,atze zv. einer Groteske vorhandon

weim Rittner den König im „sefährlichen^Alter"
m Begleltuug fecnes Leibmedikus vergebliche Ver-
Earten der Jugend nurche" lätzt, aher
piotzllch belomint der Dichter Angst vor feiner sa-
nriichcn Ader und wird „pootisch". Das Publ!-
kum wollte die Wandlung nicht mitmack>en und
L'lchte das Stück aus

" Ein „Neichsbund für Volksbühnenspicle"
wurde am 11. Augnst 1919 von den Delcgierten

tischer Dichter zu erwirken suchen. Die Dsreinli-
sung, dev schon heute über 200 LaienbMnen an-
gegliode-rt sinL», soll am 1. Jannar 1920 o-Msiiell
'ms Leben tröten.

* Hochschulnachrichten. Der Privatdozent Prof.
Dr. Erich Obst in Marburg ist zum a. o. Pro-
fessor der Eeographie an der Universität Bres-
lau ernannt worden. — Prof. Dr. Älfred Klotz
an der Prager Deutschen Universttät hat einen
Ruf auf den Letzrstuhl der klassisch-en Philologie in
Erlangen erhalten. — Der Neutestainentler,
Geh. Konststorialrat Prof. Dr. theol. et phil. Paul
Feine in Halle a. S. beging am 9. September
den 60»>Eeburtstag. — Zum Profesior an der Uni-
versität Breslau wurde,vom preutzischen Kul-
tusministerium Her Ehirurg Dr. Nichard Levy,
e:r geborencr Mannheimer, ernannt. Dr. L?vy
studierte u. a. in Heidelberg.

Neues aus aller Wslt

brs , Vsr.banides der PrIvat-Thoator-Vere!ne
Dcutschlands segründot. Der Bund setzt.sich das
Ziel, ldem thoatralischen Ummosen der ost so üblen
ldiramatlschen Vöreine entgcgenzuai'beiteni -er will
thnen d>ie Wege zu guten Laienaufführungen fin-
den hAsDn uud ini den bre>ten Massen Verfiänd-
«ns urid Achtung r>or den Werken grotzer drama-

Caruso schlägt die Neklametrommel. Der „Ko-
nig dsr Tenöre", Eurico Lamso', der während des
M-'ltkri-oges ein wenig in den Hintergrund getre-
ten war, lätzt jetzt wiöder die Röklametrommel iüv
fich schlagM. Sein amerikanischer Jmprosario tut
kund und zu wissen, datz der grotze Sängörsnlann
seine längst vorbereitete Kunlstycjse du ch Europa
übevlMivt nicht antretcn werde. Er habo e'men
märchenhaften Vertrag, mit dem beglücktcn Au-
stiraliön abgeOchilossen. Caruiso tritt ein dveinio-
natiges Engagemonit ab Endo Augufi !>n: Sydney
an. Er werde in diöser Zoit dveitzigmal singen
und Lafür 60 000 Pfund 'crhalten, für e-ine Vor-
siellung also 2000 Psund^ was nach dmn jetzigen
Kursfiand des dieutschen Goldss mehr als- 120 000
Miarlk sür jcden Albend wäre.

* Dio abgeführten Revisoren. Man schrcjht uns
aius de,n Hannoverschen-. Zn Heiliscnloh im Han-
nevevschcn gab es dicser Tage <inen Auflauf. Dier
Rovisorcn warLn angekommen, die gleich Äas erste
Gehöft auf.üchten und sich sür ber«l)tigt erklärtcn.

die Vorräte dss Eehöfts einer Rovisioin zu unter-
ziehen. Noch waren sie mit ihrer Revision nichi
fertig, als das Göhöft von etwa 100 Bauern um-
stellt warl, die, bewaffnet mit allerhcmd Dingen,
dje Röoisoven aüftorderten, schleunigst das Dori-
zu vövlasien. Und ald die Herren dem Komm'ando
nickft folgeni wolltön, nahm man sie in dbe Mtte,
bildete eiinen geschlosicnen- Zug und zag mit ihnen
zum Bcchnhof n-ach Drentwede. Ern Mluisilker., der
des Woges Sam, mutzte sich Lom Auge vovwnM>llcn
ünd unter fvöhlichen Klängen schtedon die Rea>l-
soren, Littevböse und grimmig zwar. ccher man
meukte i'hnen an, datz sie die Vauern- in Horligeubotz
nicht mehr bllMgen werden.

* MilitärLild von heute. Jn Zeithainl sm-
dei öine Truvvenbesichtigung statt. Zunächfi häli
drr Geitöckal ehne Anspvache, dann der sächstche
Kriogsminifier Krrchhoff. Drcfcr ist in Zivil er-
schiencn: in oinem schlichte-n blau-cn Zackettanzug.
mit einem Ruckscrck bswshrt, in donr man allerhand
veviuuten kann. Der Kriegsminister erliine t dic
.Sokoaten an die ftühsren millitärischen Zustände:
Damals habe man die Mlannlschafftn gcquält und
gchchunden. Er schildert, wie die Behandlung ietzt
um so viel besser geworden sei. Die Worte Des
Redners lösen boi einigenZuihürern wavnre Sym--
vathte aus. Die Soldaten lehnc^. ihr Gew-chr an
dcii Arm und — klatschen hevzlich Dei-,
sall.

» Nusc aus der Gefangenschaft. Aus unseroin
Le>setrkvoiso wird uns ein Brref oinös Gcfangenen
zur BcMgung gestellt. dem wir folgönde Einzel-
he.itön ontnehmen: Nöben don körperlichon lloboln
wirkte niatürläch doppelt stark Ler Schmerz Mer das
nngeheueae Unglück unservs armön Vaterlaü-
des. Das Eeheul sämtlicher Damvfpseifen und
Scvöwen der Fabriken imd Schifft Le Hllvres niit
dem Glockengekäute der Stadt wirkte wic ein kör-
verlichier Schmers, und di-e volle Bedeutung der







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Wcrftensti llstandÄbvdin gungen muvde en-iMic da
vecht dsutlich. Jür Herrn Ersbe xg er brmgen
wir keine fteundlrchen Gefühle mit. Nicht wegen
der Bsdingung, die sich auf uns bezieht. sondern
übevhaupt .. . Untevornährung, schlechto Unter-
kunst und Klöidung, dabsi schwere Aivbsit ftn
FronitgcHiet- (nach Maftenstillstand) brachten dio
Gefangenenkompagnien auf einen oischreckend nie-
deren Stand, und die Lazarftts füllten sich. Es
ist unerhört, dcritz foilcho Dftrgö nach Mtafteiifiill-
stand voirkommen konnteii. Und os> ivuide da ein
Keim gÄegt zu cinem Hatz gögen die, dio das auf
drm Göwissen haben, k/>r nnt jodoin Tag, den
man uns länger hier fofihält, nuv wächfi. Das
bibchoni Glauben an Menlschenrcchte. das einenr
noch g«bl'ce>b 'n tfi, umd das nran wie eine'lvfibare
Pflanze durch alle Stüume hindiurch gerettct liat-,
jetzt wird auch Lias amigerotier. Aber eino fchwcrs
Gefa.hr ifi dcmrit verbunden. Menn das- allcr, was
sich in uns angvsainme.lt hat, oinmal zuin Aus-
bruch kommt, so liegt viel >am Verhalten Dr-utsch-
lands, zu vevhindern, dab es stch n'Ht gcg'". es
Iselbst richtet. So wie wir cirfahren, sche'mt man io
-'do-rt alles mögliche zu machen, um dcn Miicrtoii
immer neuen Vovwcmd zu grbcn, uus länger hicr
zu Lehalten, bis w'ir schliotzlich vollenf-s gebrochcn
nach Hanse kominen." „Hier in di-'sein Lager ifi
auch tatsächlich nicht ein bitzchen zu mcrken, datz-
>F^ied-ön ish Was man doch von >oftliscrin>atzcn
denkeuden und nur etwas mitfühlönden Äö nschcn
bätte. evwcrrten könnien, datz man uns w'iligst-'ns
bei dov Zählung oider bei einem sonstigon Antrc-
ten mitgeteAt bätte: „Nun ist wieder Fried>o", so
was gab es nicht. Noch immer abo rbalten sie uns
rccht sest hinter Stacheldraht und zählon uns 'ioH
zweim-al täg-lich und geben eine D-ö'.ipftegung, dis
öinen gevade Wer Wasiex hält."

* Was uns noch gefehlt hat, ifi zweifellos e'm«
Mitternachtsbühne, dercn tief und allge-

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