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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0060
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EeLcntcil. Schickelhofer bestrettet die Richtigleit
der Aussage des Zeugen und sagt: „Wenn ihr
miitgcmacht habt, dann dürste ihr jetzt nicht so
seige sein und es abstreiten!" Schilkelhofer wurde
jehr crregt bei diesem Zwischenfall ünd erllärte:
„Nein, mein Lxber, im Hofe bin ich nicht gewe-
sen."

Die Witwe des crschossenen Husaren Linner-
brügger sagte nicht vtel aus. Dio llhr, die
Hesselmann trug, erkannte sie neuerdings als die
ihres Mannes.

Frau Maria Hausmann, die Eattin des
durch Celbstmord gccndeten früheren Kommandan-
danten im Luitpoldgymnasium. erklärte: Ich bin
am 30. April 12 Uhr mittags ins Eymnasium ge-
gangen, nm meinem Manne das Essen zu bringen.
Jch habe über die Schultern meines Mannes hin-
weg auf dessen Schreibtisch einen Zcttel gesehen,
wo ich etwa oon 22 Eeiseln und vom Erfchietzen
las. Auch erkannte ich die llnterschrist Egel-
hofers. Als ich meinen Mann fragte. wer den
Befehl zum Erschießen gegeben hättc, sagte er mir:
Ein g.wisser Lerner. Auch hat er 20 000 Mark
mit nach Hausc gcbracht, die mein Mann als
Flüchtlingsgeld bezechnetc. Am 3. Mai sprach
dann mein Mann davon, datz er sich das Leben
nehmen wolle, damit er nicht der „Tyrannenbrut"
in die Hände falle. Er fragt« mich. ob ich auch
mit ihm sterben wolle. Einen Zwang hat er nicht
ausgeübt. Bei der Gelegenheit wurde ich verwun-
det und kam .deshalb in die Klinik. Vor seinem
Scheiden schrieb er einen Abschicdsbrief. worin
stand, dah die Erschietzung der Geiseln auf Befehl
dcs Obcrkommandos erfolgt sei. Die Zeugin be-
kundete, dah sie zu Rechtsanwalt Löwenfeld hinge-
gangen und dort auch die Frau Ceidels getroffen
habe. Jm Verlaufe der Unterhaltung mit der
Frau Seidel habe fie sich dahin geaußert: ,Lof-
fentäich geht die Sache gut aus!" Darauf haLe
Frau Seidel bemerkt: ,^a. wenn wir lauter solche
Zeugen hätten. wie fie, Frau Hausmann, dann
würde mein Mann mit 10—15 Jahren davonkom-
men." Die Zeugin erklärte weiter. dah am 15.
August ein Mann zu ihr in die Wohnung gekom-
men sei, der sie dringend sprechen wollte. Er sagte
zu ichr, sic (Frau Hausmann) sei die Hauptzeugin.
An ihr liege es, den Seidel einigermahen zu ent-
lasten. ,Lch sagte ihm," fährt die Zeugin dann
fort, „ich hatte schon einen Eid geschworen. Der
Mann sagte dann, der Eid binde doch nicht, nach-
dem sie solange in der Klinik gewesen sei.

Die eidliche Aossage könne man ummodcln.
damit der Seidel nicht gar so sehr hineinkomme.
Ferner bemerkte der Mann, eincm Toten tue es
ja nicht wehe, wobej er auf den Eatten der Frau
Hausmann anspielte. Diese rohe Aeutzerung ging
-er Frau HausmGm. wie ste erzählte. sehr zu Her-
zen. Daraufhin sei der Mann fortgegangen. Auf
eine Frage des Vorfitzenden, wer dieser Mann ge-
wesen sci, sagte die Frau Hausmann: Ein gewisser
Schneidermeifter Watzelberger.

Der Zeuge Watzelsberger wurde unverei-
digt vernommen. Seine Vernehmung Lildete einen
Höhepunkt dcs Prozesses. Die Fragen des Vor-
fitzenden beantwortete der Zeuge sehr zögernd und
Lnvollkommen. Watzelberger war auch derjenige,
der dem Hauptangeschuldigten Fritz Seidel seine
Legitimationspapiere ausgehandigt hat. die ihm
zur Flucht verhalfen. Ferner hat Fritz Seidel
zwei Tcge und zwei Nächte nach der Gejscl:rsch'e-
tzung bei dem Zeugen gewohnt. Der Zeuge er-
klärte, dah er zu dem -Besuch bci Frau Hausmann
von einem Unbekannten oeranlakt worden sei.
lleber die Unterredung sclbst gab er nur ungenü-
gende oder gar keine Auskunft. Der Staatsanwalt
erklärte: ,^>ie Frage der Veurteilung dcr Aussa-
gen des Zeugen und der Leute, die hinter ihm ste-
hen, wird Eegenstand eines Ermittclungsverfah-
rens wegen Meineids sein. Jch erkläre den
Zeugen Watzelberger für verhaftet.

Der Angeklagte Josef Seidel (nicht zu verwech-
seln mit dem Hauptangeschuldigten Fritz Seidel)
lleht nun auf und sagt: Er sei mit dem Zeugen
Watzelberger zusammen gewesen, als die ersten
Eeiscln zum Erschietzen auf den Hof geführt wur-
den. Da habe er zu ihm gesagt: „Man soll doch
hie Leute nicht erschiehen." Daraufhin habe aber
Matz-.lberger erwidert: ,^Vie machen es uns
nicht anders,' in zwei oder drei Tagen leben w,r
alle miteinander nicht mehr!" Als die ersten dret
Geiseln erschossen wurden, sei Watzelberger in aller-
nächster Nähe gestanden. Der Zeuge stritt dies ab,
worauf dann der Angeklagte Seidel erwlderte. er
erkenne den Mann ganz genau wicder. Watzelber-
ger wurde hierauf abgeführt und ins Untersuch-
ungsgefängnis eingeliefert.

Erohes Aufsehen erregte noch die Aussage des
Zeugen Sattler Rötzer. Der Zeuge ist am 30.
April mit etwa 60 Mann nach dem Luitpoldgym-
nasium marschiert, um dort unterzukommen. Er
wurde von Schickelhofer gleich empfangen und ge-
fragt, ob seine Mannschaften gute Kopf- und Brust-
schützen seien. Sie hätten sich weiter nichts dabei
gedacht und zugesagt. Daraufhin habe Schickel-
hofer gesagt. sie mützten 22 Eeiseln erschießen.
Rötzer habe fichgeweigert. diesen Vefehl aus-
zuführen. Schickelhofer zeigte dann einen Zettel.
auf dem stand: Todesurteil! Sofort zu vollstrek-
ken! Egelhofer. Hinten drauf stand: Sucht euch
die Feinsten heraus! Die Mannschaften erNärten,
sich an der Erschießung nicht zu beckeiligen. Der
Angeklagte Schickelhofer bestritt die verschiede-
nen Aussagen des Zeugen Nötzer. Auf Befragen
erklarte der Zeuge. daß er. wenn ein ordentlichcs
Todesurteil vorgelegen hätte. z. V. vom, Neoolu-
stcnstribunal weniger Vedenken gehabt hätte. die
Bollstreckung auszufuhren. Aber auf einen derar-
tigen Wisch, wic ihn Schickelhofer vorzeigte. hätte
er gar nichts gegeben.

Deutsches Reich

Beschleunigte Ein- und AnsfnhrbewilligunA

Aus Kreisen des Handels und der Jndustrie
werden rmmer von neuem. und in lctzter Zest Le-
sonders dringlich. Veschwerden darüber geführt, daß
die Ein- und Ausfuhrbowilligungen einen unange-
messenen langen Zeitraum in Anspruch nehinen.
Persönliche Vorstellungen seitens des Hansa-Vun-
des beim Reichskommissariat für Ein- und Aus-
fuhrbewilligung wurden dahin beschiehen. daß jetzt
innerhalb drei-er Tage beantragte Ein- und Aus-
sthrbewilligungen erledigt werden sollten. Eine
Desserung scheint aber trotzdem gegenüber dem viel-
iach beklagten alten Zustand nicht eingetreten zu
sein. ein Umstand, der mit Rücksicht auf das jetzt

immcr lebhaftcr werdende Eeschäft zum Auslande,
mit Nücksicht auf dic Vcrhältnisse in den bcsetzten
Eebieten und mit Nücksicht auf den leider immer
noch fallcnden Marklurs Handel und Jndustriie
außerordentlich einengen und volkswirtschafUiche
Verluste mit sich bringen.

Der Hansa-Bund hat sich deshalb telegraphisch
durch folgsndes Telcgramm an den Reichskommis-
sar gewandt:

„Trotz der von einem Jhrer Herren unserem
Referenten vor einiger Zeit gegebenen Zusiche-
rung. daß zukünftig Anträgo auf Gin- «und Aus-
fuhrbcwilligungen innerhalb dreier Tage ihre
Erlcdigung sinden sollten, mehren sich kürzlich di«
aus Handels- und Jndustriekreisen an uns her-
antretenden Beschwerdcn Lber langfristige Ver-
zögerungen, die den Abschluß von Eeschäften illu-
sorisch machen. Unter Berücksichtigung der unter-
sch.Ldlichcn wirtschaftlichen Lage im besetzten und
unbcsctzten Eebiet. unter fernerer Berückstchti-
gung des Valutastandes. dcr unter Umständen
cin schnelles Handeln dringen.d erforderlich
macht, ersuchen wir nochmals um schleunigste Ab-
stellung der vcrzögerten Bewilligungen und er-
bitten baldigste Rückäußerung."

Zugleich wird ersucht, diesbezugliche Beschwerden
mit den sachlichen Unterlagen sofort der Zentrale
dcs Hansa-Bundes für Gewcrbe. Handel und 2n-
dustrie, Berlin, Dorotheenstraße 36. zur weiteren
Veranlassung zugehen zu lassen.

Mitwirkung von Handel und Znduftrie
bei der Eesetzgcbung

Dio Handolskammor Manrheim bat im
Namen dcr Vereinigung südwestdeutscher Han.
dclskammern an sämtliche Re'cksministerien fol-
senbe Einsabe gerichtct'.

,^ven HanÄolskcrmimern wird dic Erfüllung ih-
rer AkuifgaLen gegenüber dcr Regierung und ac-
genüber den von ihnen, vcrtretenen Firmen da-
durch evschwert, daß sie nichr in ausveichei'dcm
Maße Eelogerrbeit haben, sich zu den von der Re-
gierung gcvlanten Mlaßnabmc'i und Gesetzentwür-
fen su äuhern. Es mus vor allem Loan.stanLet
werLen, dab die Vewffentlichunoen der einrelnen
Ministerien der Lerufenen Dcrtretung von Han-
del mrd Inbustrie, dem Deutschen 2nd'-'strte- und
Handolstag, mcht in erfotderkcher. Zabl unid nicht
stühgeitig gc-nug zur Derfügunk sestcllt w:rden.
Eine gleichmäßige und raschc Bedienung aller In-
teresfenten ist.rmr durch dic Rogierungsstellkn
felbst möglich. Die Veroielfältigung der Dorla-
gen durch einzelne Körverschasten ist nicht nur au-
berordentlich zertraubend, sondcrn arch unwirr»
schastlich unL» laßt sich >nit den Fordcrnngen der
Zeit nicht verernbaren. Die Folge des jetzt scüb.
ten Derfahrens, nur wenizr Eremulare von Re--
gierungsvorlagen einzelnen Körpeifchastcn vTie zu-
fällrg zu überlassen ift die, daß die l-eute ersorder-
lichen, 1i«f in das M.rtschaftslcben einschnciden-
den Steuer- und Eefetzcntwürfe nicht mit Ler
Eründl'ichckcit behandclt werdcn, die ibnen entge,
gengebvacht werden muß. Es wäre für die Zu-
kunft dringend su wünschen, daß sämtliche Veröf-
fentlrchungen dcs Mnisteriums» foweit sto' Hcrn-
del und Fnduistrie brtrcsten. in der erfordcrlichen
Ansahl dem Deutschen Zndustrio. und Handelstag
übevlassen werden, der fie danm feinen MitgÜ^-
dem sofort zugänglich machen kann. Nur wenn
diefes Verfahren bBobachtet wird' cvscheint uns
Eewahr gcboten, datz alle Jnteresscnten st, dcr
ihnen zukommenLen Weise zu Eehör kommen."

Eine Pfälzer Kundgebung

Landau, 10. Seot. Westvfälzischc Bkätter mel-
den, daß ein rweites Hambacher Fefi an
eincm der nächsten Herbstsonntage stattfinden soll
und Lwar als Gesamtkundgebung der
Psälser rur Pfälzer Frage mit Dckenirtnis zum
Deutschtum und deutschen Vaterland. Diese vatcr-
landischr .Kundgebung auf dem althtstorischen Hcmr-
bacher Schloß dürfte von historischer Bedeutung
und Größe weiden.

Deutsche Arbeiter, die eine Stunde
umsonst arbeiten wollen!

Leider nicht i,r Deutschland. wohl aber
in Tschechien! In einer in Schsuckenäu
(Deutsch-Bühmenl absehaltenen Sitzung der Wi r t-
schaistsräte erklärte der Vertreter der deutschon.
Arbeiterschaft, ste sei r bereit. länger zu ar-
Leilen alsacht Stunden; ste sei sogar be-
reit eine Stunde umsonst zu arbeiten für die
tsch>echo-sle>vak ische RepubliL Redner
schlost mit den Worten: ..Eebt uns Arbeit nnd zu

esse-n und 2Hr habt in uns die allerlonaisten Dür-

ger dcr Nepubl
deutsche Arbeiter!

BesAimendes Beispiel für

Die deutschen Kolonien ihren
rechtmahigen Eigentümern

Der ,/Oaily Telegraph" meldet aus Kapstadt,
Eeneral Dewet habe durch Vermittlung cines
nationalistischen Organs „Volksblad" in Bloem-
fontain ein Manifest veröffentlicht. er wolle über
.die ungesetzliche Eroberung von Deutsch-
südwest- und Ostafrika nicht länger schweigen. Er
müsse jetzt, da Botha tot sei, zu seinem LeLwesen
mit der nackten Wahrhcit herausrücken. Die wirk-
liche Ursache für den Aufstand 1914, an der er teil-
genommen habe, sei ein u n g e r e ch t f e r t i g t e r
Angri-ff auf das deutsche Gebiet gewesen. Er
beabfichtige deshalb eindrrnglich an das Volk von
Südafrika zu appellieren. es möge die Regierung
zwingen.die deutschen Kolonien ihrcm
rechtmäßigen Eigentümex zurückzug^cn.
Er würde das nicht getan haben. wenn nicht die
von Botha und Smuts sofort nach ihrex Rückkehr
aus Europa verkündete Amnestie noch immcr nicht
durchgeführt worden wäre. Dewet e-rklärte östent-
bch, er werde, obwohl noch interniert. die Neaie-
rung nicht mehr um Erlaubnis fragen. wenn er
seinen Distrikt zu verlassen wünsche.

* Die Cholera. Nach einer Timesmteldung aus
Pekstrg, sind in Charbin 4000 PHrlsant«g an
der Eholorn gestorben.

Vadische Politik

Iwangsbewirtschaftung

Am Mlonicrg, Uen 8. Scvtember fcrnd fm
Sitzmrsssaial des Landtagsgcbäudes in Karlsruhc
eine Bosprechung ides MinLstertums des Innern
mit Berkreter der badischen Landwirtschast Lber
die Zwangsbewir tschaftung statt. Mini-
stor Remmele leitote die Besvrechung mst län-
geren Ausfübrungen ein. indem er fich mit den
sahlreichen Dovwürfen aegen die Zwanasb^wivt-
schastmng auseinandcrfctzte. Das StreiLi.ccht der
Landwirtschaft sei swar verfastungsgcmätz berech.
tigt, doch warne er davov. Er richtcte crn dic
Landwirtscha.ft die Mtte. dic St.aatsautoritäb zu
stützen. Das Necht gcgen die ZwanLSwirtfchaft ru
reden und zu fchreiben habe felbstverstaiüdlich jc,
der Lcrndwrrt. Was aber gefährlich sei. Das seien
dis Auffordermnge>n zur Selbsthilfe. Solche For-
dcrungen sci.cn gleichstchend mit Landesoerrai.
Tie Rcsierung stehc oor den Landwirtcn nrit dm
Bowutzlsein, folgerichtig ihre Pslicht getan zu hcr-
ben. Herv Eebhardt kritijierte das Systcm der
Zwangswirtschaft. Er bcrt die Regierung, in
der Frags der Au.fhebung der Zwansswtrtschcrfj
nichti zu ängstlich zu sein. Staatsrat Meitz
haupt wendete sich gcgen yc'ilschiedcnc Vovwürfe,
dic segen ihnr ivabestehende Bauernverbände er-
hoben worden sind. Die badksche Landwirtschasi
habo vsll und sanz ihre Psticht getan. Die Äus
hcbung d<r Zwangswirtschast halte cr nicht sür
moalich ohne Eofahr sür die Ordnung und E
deih des Volkes. Nach längeren Ausführruvseii
des Bürgermeisters Renner, der vor allem sick
dagegsn wandte, datz man die Frage der Zwangs-
wirtschast auf gewissen Seiten mit Schlagworten
lösen wolle, bckfvrach Mg. Fischer (Lcchr) d.e
lFvagL der hohen FültejrmsttelprcHe, Ledervrerfe
ufw., um zu dein Schlutz ru kommen, datz die De-
bandluing der Landwirte in jckder Hinstcht fcrlsch
sei, datz er aber hoste, datz di'e vom Minister oev-
sorochcnen Drleichterungen M einer Bcruhigung
der Lanidiwirtschaft führen wird. Die Msisrung
richtet zum Schluh einen starkcn Uppcll an die
Landwirtschaft und ihrc Führer, wcniger zu kriti-
siereu und die Regierung in ihrem ohrlichen AAl-
len ru imterstutzen.


vor dem Frühjcchr dcn bcreits angetundwte?

Oberbürgermeister Hcvber,
inchl ihat setit 30 Iahren mit einer von allenPar-
teien ancrkcmnten Tatkrast und Arbcitsfreudi^ii
seinem Amt vorgostanden. ^ ^

Bruchsal, 10. Sept. Der Katholische Leli.
reroerein wird am 13. September fcine g
Hauptversammlung für Baden abhalten.

Baden-Baden, 9. Sept. Vom 14. bis 20. Seol
finden in Baden-Va-den eine Reihe von mannig-
saltigen, interetzanten Dnanstaltungen statt. die >n

satzt werden. Am Sonntag wird diese Wocb> mkl
Schauslügen, vecbundcn mit Trapezlurnen aü!
stiegenden Flugzeuge «röstnet, veranstaltet vom
Sportklub Baden-Baden E. V. Am SRontag kiZ
em Tanzabend von Hannelore Ziegler Er
den Arthur Nikisch als Dirigent gcwvnnen
Uleichen Tagv eröffnet der SportkluL
Baden-Bar>en E. V. em stobentägigcs Lawn-Tcn-
-lu l>sm zahlreictz.', nanchafte Spieler
chre ^teiliguna zu-gcsaigt habeu. Am Dienstaa
^Fmnt im Palais Stourdza die Welt-Mode-

Echau. Am Donnersitag sindet ein Sonder-
konzert statt. das Artbur Nikilck,

rert stait, das Archur Nikisch leiten wird'.
vV/ren Ab,chluß erhalten die Veranstaltungen mit

einem Tan.;turnier, da§ am Freitag, den 19. und
SlliMstag, den 20. Sept. abgehalten wird. Anmel-

Der Ladische Bahnhos in Basel aks
Annexions-Objekt?

Der »Oberländer Vote" in Lorrack» schreivt:
Nachdem die im Fruhfaihr wicderholt aufgetcruchten
Gerüchte uber die Absichtcn der Schweiz, den oa-
dischen Bahnhof in Kleinbasel zu erwer-
ben, seit geraumer Zeit verftummt stnd, taucht
nunmehr ganz Lberraschend die Nachricht auf. datz
die En 1 ente die Abstcht habe. den Vahnhof mit
Anrechnung auf die deutsche Kriegsentschädisnn«,
zu übernehmen und «n die Schweiz zum Aus-
gleich gegcn anderweite Verpslichtung-en zu über-
geben! Die Entscheidung io,ll bereits in den
nächfien Tagen fallcn. Man darf sebr gespannt
sein, zu erfahren, ob diüse peinliche Wendung der
Angelegenheit. wobet alle-rdings Deutfchlanb wÄ,r-
loll alles über fich erochen lassen mutz, von der
Schwsiz selbst veranlaßt worden ist. und ob hier die
Ursache des rätselhaften Mderstandes der Berner
Regicrung gegen dre Wiedorinbejtriebnahmie des
badischen Ncchnhofes durch die Badische Staatseisen-
bahn s^ucht lverden muß.

Wie schon bekannt gegcben, sind die Verhandt-
lungen zmilschen der Sctzweiz und dor deutschen Re-
gierung wegen der Wiedereröstnung des bädischen
Vcchnhosss in Basel inzwisckien zum Abschlutz ge-
langt. Aussfallend war es immerhin. datz Lie Sache
solango verzögert wurde, sodatz die Vernrutun-
gen über die Annexionsgolüiste wohl bercch-
tigt waren.

* Aufteilung des Grundbesitzes. Vergangenen
Sonntag stmd in Radolfzell ein« BcssPrechung
uber die Aussteilung des Erotzgrundbe-
sitzes statt, an der unge-fahr 80 Gemeinden des
Seokreises teiln'ahmen. N-ach c>insehender Aus-
sprache wurde folsendr Entschlietzung ein-
stimmiq angenommen: Die Dertreter von 80 Ge-
mckiivden des Seekreises bezeichnen es als eine
mirtsschaftliche und soziake NotwendigFeit, die par-
zelliert verpachtetsn Güter der Standesherrschaftsn
und des Staates uwd diejenigen Eüter dereg Er-
Irägnisse bisher versteigert oder an Landwirte oer-
kairft wurden, aus den Pachtverhältnissen in Pri-
vateigentum von selbstwirtschasstendeTi Baiuern
überzuführen. Eine Bew i rtschv ftun g
ouf aenossenscha.ftlicher Erundlaige
wird a b ge l e h n t."

Aus Baden

Dkannheim. 10. Sopt. Beim Derladen von
Holzstämmen auf einen Eissenbahnwagen verun-
glückte der 42 2-aHre alte. lckdige Taglöhner
2osef Langlotz aus Brühl im Lager Fendel crm
drUten Hafenbecken in Rhcinau dadurch. datz er
beim Abwerfen des Stammes auf die falsche Seite
sprangj, dabei zu Boden geschleudert wurde und
ihm dor Stamm auf den Kops fiel, fodatz der Tod
cruf der Stelte eintrat.

Karlsruhe, 10. Sept. Der Badische Dlin-
denverein hält am 19. Sopt.. vormittags- tzalb
II llhr im Milhelmsgarton seine Landesversamm-
lung ab.

Karlsruhe, 10 Sept. Die Eastwirtsge-
hilfen sind in einc Lohnbewegung ciiige-
trcten. Sie vcriängen Absschassfung des Trinkge'ld-
zwanaes und Wochonlöhne von 100 bis 180 Mk.
für Kellnerinnen und Kellner, außerdem Umsatz-
prämien.

Karlsruhc. 10. Cept. Ein von hier gcbürtiger
Angchöriger der Reichswehr in Berlin. der unver-
mütet cmf Urlaub hierherkam und seine Frau mit
eincm Nebenbuhler überraschte. verfctzte die-
fem in verMngencr Nacht in der Durlacherstratze
dr^t lebensgcssährliche Messerstiche in die Hnzge-
gond und suchto älsdann das Weite.

Pforzheim, 10 Sept. Beim Fisschen mit Ha n d-
granaten in der N-agold entzündete sich eine
HcrNdgrcrnate, die ein Feldzugsteilnchmer ins
Wcrsser aoerssoir wollte, zu früh. Der Marcn wurde
fchwer verletzt und starb cm seinen Vcrlctzungen.

Pforzheim. 11. Sopt. Oberbüraermeister Ha-
bormehl, dessen Eosundheitszusstand fich in letz-

dunaen für bas Tan,zturnier find an die Fntendam
der sstädt. Kurverwaltung zu richten. Derusstan-
zer können an dem Turnier nicht teilnehmen.
Außerdein findcn in der fraglichLn Zeit eine Reihe
andcrer spovtlicher Dercmstaltungen wie Hockey-
Wettspiele, Futzbällwettspiele ussw. ftcrtt. Des Wei-
tercn wird das Programm durch ein Vreisaus-
schreiben stir Amateur-Photosraphen. Vorstcllun-
sen des städt. Theaters und Kocrzcrte des städt.
Orchessters bereichert.

Badrn-Baden, 10. Sept. Unter grotzer Anteil-
ncchme wurde gestern nachmittag die Leiche des
Eenerals der Znfanterie z. D.. Karl Dürr Le-
stattet. Für das srühere Erotzherzogspaar ncchm
Frevherr Schillinq von Cannsstadt an der Trauer-
seiorlichkeit tetl. Vectreter verschiedener Negi-
menler und militärifchL Dereine legten Kränze
nieder.

Radolfzell, 10. Sept. Wegen Kohlenmangel soll
der Dampsserverkehr cuvf dem Dodensee an
Samktagen vom 15. Sept. ab vollständig «inge-
stellt werden.

Gerichtszeitung

Heidelberger Straskammer
Zn der Sitzung am 9. September kcnnen fol-
gende Gegenstände zur Verhan-lung: 1. Die Tag-
löhner Martin Wols von Mannheim, Karl
Greifs von Ziegelhausen, Hans Bogel von
Schwetzingcn und Rudols Huber von da haben in
Ziegelhausen bei dem Anwesen der Gerberei Pirsch
(Haarlaß) die Umzäumung durchschnitten, find fo-
dann durch ein Fenster in das Gebäude emgestiegen
und haben aus der Ledervorratskammer, in die
ste nach Aufbrechen der Türe eingedrungen find,
Leder im Wert von 600 Mark entwendet. Der Mit-
angeklagte Dreher Friedrich Wolf von Ziegel-
hausen hat den OLengenannten geholfen, das von
ihnen gestohlene Leder im Wald zu verstecken und
dann dem Schuhmacher Stcfan Elemens von
Obermohr zu bringen, um dann von dem Erlös
des Eeldcs etwas zu erhalken. Clemens hat den
größten Teil des Leders gekaust. obwohl er wissen
mußtc, daß -as Leder nicht aus ehrliche Weise er-
langt war. Die Angeklagten stnd geständig mit
Ausnahme des Clemens, der nicht gewußt haben
will, daß das Leder von einem Diebstahl herrührte.
Die Strafkammer hielt die sämtlichen Angeklagten
für schuldig und verurteilte ste und zwar Martin
Wolf zu 5 Monaten und 2 Wochen Eesangnis.
Ereis und Huber zu je 2 Monaten Eesängnis, Do-
gel zu 6 Wochen Eefängnis, Friedrich Wolf zu 9
Wochen Eefängnis und Clemens zu 6 Wochen Ge-
fängnis. 2. Die Strafsache gegen den Kausmann
Ewald Czupeck von Lubowitz wcgen Diebstahls
und Vestechung wurde oertagt, da der Angeklagte
zur Verhandlung nicht erschienen war.

Freiburg, 10. Sepi. Weaen srotzer Dieb-
stähle von Vüchssensieisch und Ratwein wurden
miter Einrechnung früherer Strafen der Heinrich
Simon aus Gundelfinsen von der hiefigen Straf-
kammer zu 3 Zahren 3 Mon-aiten Zuchthaus, der
Karl Bugger <rus Löröach zu L.Zähren 9 Monaten
Eefän-Mis, der Heinrich Maier aus Freiburg zu
3 2-ahren Zuchthaus verurteilt. Autzerdem wurden
ihnen die Ehrenrechte absesprochen.

Neue Vücher

* Francisco ds Zurbaran von Professor Dr.
Hugo Kehrer, München 1918. Hugo Schmidt
168 S. 88 Abb. .

Vor uns liegt eine Gelehrtenarbeit von echt
deutschcr Gründlichkeit. Dcr Derfasser, ein gebore-
ner Heidelberger, ein besonders feiner Kenner der
spanischen Kunst, hat hier einen großen Wurs ge-
tan und hat inmitten der Ereuel des Weltkrieges,
selbst im Feldc stehend-, Muße gefunden zu einem
Werk der schönen Kunst. Seinem im gleichen Der-
lag erschienenen Greco folgt jetzt Zurbaran. Frei-
lich em Velazqucz oder Murillo war er nicht und
doch sind Zurbarans heiliger Andreas und sein
hejliger Franciscus in Lyon von eiuer mächt.gen
Wucht, Monumentalität und einem Realismus,
die es wohl berechtiUt crscheinen lassen. den spa-
nischen Maler einen Zeitgenossen und Freund des
Velazquez einem größeren Kreis bekannt zu
machen. Auch hier wie Lberhaupt in der spani-
schen Kunst des 17. Zahrhunderts größter Realis-
mus nebcn stärkster mystischer Transzendenz. Zur-
baran rciar auf dem Zenit seiner Kunst der klassi-
sche Maler der Einzolfigur. keiner hat die Heiligen-
lcgendc so historisch wahr gemacht; wie Velazquez
den wcMichen hat er den kirchlichen Hofstaat ge-
malt und stellte dabei das Erößte mit den kleinsten
Mitteln dar. Die Welt der Rkönche tut sich uns
hier auf. keiner hat sich so in sie hineingedacht wick
Zurbaran, dcr in der Einseit'.gkeit groß war.

Zn knapper klarer Sprache und geradezu m i-
sterhaft versteht es der Verfasser an der Hand dcs
prä'chtigen Vildmaterials uns mit dem „Werk" dcs
Malers vertraut zu machen. Strenge Stilkritik hal
Kehrer sich zur Aufgabe gemacht und seine Ein-
reihung und Datierung der BUder hat etwas un-
gemei.n Zwingendes.

Dic Ausstattung.des Buches ist der Kriegszeit
entsprcchend gut.

München. ^ Dr. H. Weltz.




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!U°«Zigar,

^-n vorsM. s
U «lln llnkofi
^S^rrst e,n.

steigt.
 
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