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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0064
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Nrnvenvurg und Ludendorsf über
das deutsche Weitzbuch

Generalfeldmarschall von Hindenburg
erklärtö nach einer im „Hannooerschen Ku-
rier' veröfentlichten ttnterredung über das
Weißbuch, es ermögliche kein objektives
' Urteil über die Verh^rdlungen zwischen der
Obersten Heeresleitung und der politischen
Reichsleitung in den Tagen des Waffenstill-
standes und der Revolution. Wenn Herr von
Lersner die Glaubwürdigkeit der
Aussagen der Obersten Heeresleitung bezwei'
felte, daß die militärische Lage hoffnungslos
sei, so frage er, warum Lersner, der mit den
Mitgliedern der OHL. und auch an ihrem
Tisch in zwangloser Weise verkehrt habe,
nicht schon früher hervorgetreten
sei, um seiner'aus langjähriger Erfahrung ge-
schöptcn Ucberzeugung, daß den Versprechun.
gen der OHL. nicht zu trauen sei, Ausdruck zu
geben.

Wbe d:e „Berlliner VürseiiLvituna" mitteilt,
lieb Genevcrl Ludendorff socben bcii 9Mtler
und Sohn eine Erwiderun>g <mf L>e Darftel.
lung erschoincn, dire das kürrlich erschienene W>ih-
b'rch der Rogierung und sodann dcr StcöatSsekretcrr
von Hintze m oinsx diefer Tcvge in der ,^rankfurt.
Zeitung" veröffentliichten Dentschrift Wer die Vor-
.geschichte dee> Mckfenstillstcrnidas gegeben hctben.
Genevail Ludcndoriff gibt u. a. oine bisher u n v -e
ö'ffentlichte Ve r e i n b>aru n g swischen der
Netch.slvitung und der Ob ersten He er es-
leitung vonr Anfcrng 1918 bekannt. i>n der es
u. a. heiht:

Die VevcrntwoDtumig für diie FviodenSoerhand--
lun-gen 'träst nach der ReichSoerfasiung der Reichs-
kavsler. sZie bostzeht stch auif zu oüstrcibendo Ziele
die in Mntwcndung gebrachte Daktik unid' das Er-
gebnis. Die oibebsben Heeresstellen halbeir dcvs
Rscht und dio Pfkicht, an den Devhandllungen m
bcratonder Msojfe mitzuwirkeni, i^wciit ldiosolbcm
dre mdlttärilschen Anteressen berühren. Dcr Um-
kreis dicser Jnteressen ist wÄhrend des Krieges
nichj auf die mtlttärischen Ange-legenheiten inr en-
goren boschränkt,, sondern umkabt anch Fra-

gen der Zndustrie, des Vevkohrsmcsens und Ar-
beiterinteressen, soroeit diosg nnt der Kniogfüh-
rung im Zusammrenihang stohen, und die morali-
schen AüirLungen der getroffynen MaHnaihmen cmf
das Hoe-r. M>cknungLwersch!icden>bieiiten Kwischcn den
milrtärischen Stellen und 'dom RÄchsitanrler stnd
<mf dom Wsge gegenseiitiser Atussprache su beseiti-
gen. Golingt di-ss nicht, so ist die Eirtschclidung
des Kosisors einsuholen. Diie erfolgte Entschei-
dumg überhM die mtlitärvschon Stellen in allen
Nillirn i j.cider. eiigenen Verantiwortung. Der Reichs-
kcrrLler hat in dsm Falle, datz dio kaiiserliche Ent-
scheidung gegen ihn ausfällt, die stcmtsirechtlichcn
Kvnseqnensen ru siehen, indom er soine Entlassung
ni'mmt.

Am Schluffe der neucn Ludendorffschen Schrist
werdsn Lie föit dem 14. Aiugust Letiliobenen
Schritte rur Herbeiführung oiner m'ioutra.
l-en Vermittlung sefchildert und bÄmorkt:
sSert dvm 111. Sciptembsr hat die Obevsde Hoerss-
loitung darcruf gewartet, dah trgend etwas ge-
schehe, was in dom Generalfeldmarschall und mtr
boi dem seelischen Niedergang der Hormicrt. der da-
dumch srfolsten Spannung an der Westfront und
dom Ende Sevtember erfolgten mrlitärischen Zu-
sammenbruch Bulgariens zu tum, Wrig ssblieiben?

* Die Starke d«r Unabhängigen. seinem
Cchlustwort teilte Dittmann auf dem Reichs-
konqrest der U.S.P. mit, dah die Zahl der einge-
fchriebenen Mitgliedör nach den lMen Borechnun-
ven 715 500 betrage.

Theater und Musik

Derneue Schlutz des „Weibsteufel"

Schönherrs „Wsibsteusel" bat bekanntlich vielo
Anfechtungen erfahren, die stch — mir allerdings
unverständlich — vor allem gegen den Schluß rich-
teten. Das Kurtheater in Friedrichsroda hat
nun, wie wir Lereits berichteten, den „Weibsteu-
fel" mit einein neuen Schluh aufgeführt, der von
dem Hallefchen Philofophen, Geh. Rat Prof. Dr.
Vaihinger, stammt. Jn der foeben erschienenen
Nummer 1 der Zeitschrift für Theater-Jntercffen-
ten „Die Kritit" lesen wir. dah der neue Schluß
mit grohem Veifall aufgenommen wurde.

Nach' .den letzten Worten des Dramas, wie es
bisher war: „Jhr Mannsteufel, euch ist man doch
über!" wendet sich jetzt,. so lesen wir in der „Kri-
'tik", das junge Weih energisch und herrisch gegen
den Erenzjäger mit den Worten: „Hinaus mit
dft, Mörder!" Der Jäger wankt langsam zur Tür,
dann richtet er sich auf, ruft ihr das Wort „Mör-
derin" zu und schlägt dio Tür hinter sich zu. Seine
Schritte, verhallen, und das Weib geht mit ra-
schen, entschiedenen Schritten nach der Seite der
Schlaskammer: aber vor dieser kiegt der Tote; sie
sieht ihn, erschrickt, und Entsetzen packt sie. Mit
ausgesireckten. abmchrendcn Armen geht sie kang-
sam rückwärts hach der anderen Seite, soroeit sie
kann, bricht dann in die Knie zusammen und wie-
derholt m.t andcrer Vetonung schluchzend das
Wort „Mörderin". Der Norhang fällt.

Der Verfaffcr Vaihinger meint, man dürfe nicht
einwondev, datz d'eser Schluh dem Charaktcr dcs
Weibes widersprechs, der sich im Verlauf dcs Stük-
kes immer mehr als ein satanischer epthüllt habe.
Die Sacho liege vielmehr umgekehrt. Das junge
Weib war ja von Haus aus eine anständige Na-
tur,- sie hat sechs Zahre lang ihrcn kränUichen
Mann treu gepflegt und sich nichts zuschulden kom-
men lasseiu Erst dio Verschuldung der bciden Män-
ner (wieso der beiden?) hat in ihr das Böse ge-
weckt uno grotz g«.zogen. So ist sie eins Teufelin
geworden. Nach der Katastrophe aber, als sie
»>ren toten Mann vor der Schlafkammer liegen

Aeimkehr der Kriegsgefangenen

Auf einer Sitzung am 10. 9. in Berlin wurde
sestgestellt, dah die H aup t sch w i er i g ke i t für
die Heimbeförderung der Gefangenen die Loko-
motivenknappheit Lildet; die Eestellung
von rollendenv Materia-l und Schiffsraum macht
dagegen Fortschritte. Jn England befinden sich z.
Zt. 95 000 Eefangene, .die iu 3 0 T a ge n aus Eng-
land abbefördert sein sollen und zwar ein Teil zu
Schiff nach Rotterdam, der gröhere Teil nach
Calals und von dort auf dem Landweg nach
Köln. Holländischen Blättern zufolge stimmten
die niederländische Regierung und die in Betracht
kommen,den niederländischen' Eisenbahngesellschaften
dem Plane, die noch in England befindlichen deut-
schen Kriegsgefangenen in Transporten von je
3000 Mann über dis Niederlande nach Deutschland
zurückzubefördern. zu. Neuter meldet: Die Kriegs-
gefangeneniransporte üker Frankreich werden
ab 15. September täglich 4200 Mann betra-
gen. Wcitere Trhöhungen der ZcM der hejmzu-
schaffenden Kriegsgefangenett seien fllr die 4. Sep-
temberwoche zu erwarten. Äber die englische
Prcsse betont noch iminer, dah der Abtransport zu
langsam vor sich geht un,d macht den Vorschlag,
dah in Anbetracht deffen, dah Transportmittel feh-
len. die Gefangenen in Eruppen von je 10 000
Mann zu Fuh nach Hause marschieren zu
laffen.

Ecnf, 11. Sept. Nach Pariser Meldungen ist
ein Teil der deutschen Kriegsgefangenen in Frank-
reich bereits seit 8 Tagen in dest Sammel -
lagern zusammengezogeii. Auslassungen im
„Homme libre" und „Journal" laffen annechmen,
dah der Abtransport der Eefangenen aus Frank-
reich immer noch von de^ vorherigen Erledigung
Lcr Arbeiterfrage siir den Wiederaufbau in Nord-
frankrcich abhängig gemacht wird.

Bcrlin. 12. Sept. Die Refchszentrale für die
Kriegs- und Zivilgefangenen teilt mit, dah mit
Eenehmigung der englischen Negierung die im
Malta befindlichen deuischen Eefangenen jetzt in
die Heinmt zurückgeführt werden.

Drohungen des Petersburger
Sowjets

^ Stockholm, 12. Sept. Das hiesige Büro
Rosta erhält aus Petersburg dre Nachricht, dah
der Sowjet ^er Stadt in einer Entfchliehung das
Friedens-Angebot dcs Volkskommif-
sariats an die esthnische Regicxung gutgehei-
hen hat und die Ueberzengung ausfvricht, das
Bolkskommrfsariat werde die Einleitung von
Friedensverhandlungen auch mit dev iehigen fini,
schen Negierung nicht verweigern. Die Entfchlie-
hnng endet jedoch mit einer drohendcn Wendung,
rndem sie erklärt, dah der Sowjet zur Verteidi-
gung des roten^Petersburg cntschloffen
fei und jeden Angriff durch einen GegeNaiw-
griff auf Neval und Helfingfors Veänr-
worten werde. Ein folcher Angriff wiirde die
Nnsrottung allcx finifche,, und esthnifchen'Bürge-v
rum Ziele haben .

Die Ablieferung von Vieh

Dex Lokalcviisciiger nieldet: Die Forderlmgen
der Entsnje betr-effend Lieferung von Vloh, ge-
mäh idem Friedensvertrag rwachen alle Döübierei-
tungen für die heimische Vüehhaltung sehr schwie-
rig. Die Entonte hat die Derhandlungsn über
die Mehvioferungen noch nicht Lbgeschloffen.
Frankroich ha.i aus Sorge vor Seuchenein-
fchlepvuns seine Forderungen auf Lioferung
von Schweinen ermäbigt und forderk dafür Z i e-
gen Md Federvieh. Dio Reichsrogverung
hat den EliMkvaten bereits Anfstellungen sugehen
laffen übep die Höhe des albsugckbenden Vielhs.
Es foll veüsucht werden, das Dbeh freihändig
auftsukausen und Zwcrngolioserungen su ver.
nieideN. Dve Fsstsehung des Preises macht aLer
noch Schwierisksiien.

sieht, dem ste lange Jahre ihre Treue und Sorgfalt
gewidmet, da müh sie doch notwendig der Schrecken
über das Eeschehene, das Entfetzen vor dem Toten
zum Bewußtsehi dessen zurückbringen, was sie an-
gerichtet hat. (Nun auf einmal wieder sie?) Mit
dic-ser einfachen Wensdung oder vielmehr Umwen-
dung sei dem kategorischen Jmperativ der Drama-
tik durchaus Genüge geleistet. —

Nicht aber dem Gedanken des Werkes! Die in
Klammer gesetzten Fragen wollen bereits angedeu-
tet haben, datz hie Notwendigkeit des neuen
Schluffes durchaus nicht jedermann zu iiberzeuge'n
vermag. Einem Dramatiker von den künstlerischen
und dichterischen Qualitäten Schönherrs ist wohl
zuzutrauen, dah er für dieses Drama den Schluh
auch gefunden hat, dcr zu ihm gehörte. Dem „ka-
tegorischen Zmperativ der Dramatik" Eenüge zu
leisten, ist zu wenig.des künstlerischen Eesetzes für
einen echten Dichter. Wenn das Weib von Haus
aus eine anständitze Natur war, so ist es der
Erenzjäger noch mehr gewesen. Des Weibes Mann
aber war vom Beginn der Ehe an ein Halunke.
Das Weib hälte also sechs Jahre lang Zeit ge-
habt,^ schlecht zu werden, und hätto hen Grenz-
jäger dazu nicht gebraucht. Aber das ist auch no-
bensächlich. Man spricht im Volk vom „Teuscl «m
Meiischen", ohne daß das Volk den Menschen sekbst
dafür verantwortlich inacht. Die Tragid der
Schuld ist stets.gröher als die Schuld selbst. Mit
dem Eer'chtsalt hat die Tragödie eines Ver-
brcchens noch niemals ihrcn Äbschlusi gefunden,
»nd mit dem Fallen des Vorhangs ist für die
Denkenden das Drama nicht zu Ende. Weshalb
will Prof. VaiH'ngcr weiter gchen alq. der Dich-
ter Schönherr? Man könnte auch Fausts'ersten
Tcil einen neuen Schlusi geben, dcr manchen sicher-
kich mehr befriedigte, dem ein sichtbares Leben hier
auf Erden bcsser gcfällt als eiiie verheihende Se-
ligkeit im Jcnseits. Soll sich ein Dichter vielleicht
sogar,avf einür Tabelle zeigen laff n: hicr hast du
Schlusi zu mnchen und zwar den Schlusi nach Sche-
ma F.?! Ucborftüssig der Kampf gegen Schönherrs
„Weibsteufel", üb^rflüssig der ncue Schlusi. Er
hatte Erfolg? Kunststück, wcnn vor hem Schlusi.die
5 Akte Weibsteufel gesprekt wurden! A. M.

Oberschlesien

Die neueNote der Eutente über Ober-
fchlosien ist gestern in Berlin einsetroffen. Soweit
wrr unterrichtet sind, soll ste in Vbjektiver Woise
bemuckft sein, einen gangbaren Weg zn fin-
ben, de^. auch don doutschen Stnndpunkt anerkennt.

Nach dem ..Lockalanzeiger" wurde am Mittwoch
NLchmittag die E n 1e n t e k o m m i f si o n für
Obevschlefien in der Nciho eines Schlosses an der
volnischen Erenze von jenjcits der Erenze her b e-
schaffen. Verletzt wurde niemand.

Der Münchener (keiselmord-
Prozesi

Jm weiteren Verlaufe der Verhandlungen
wurde eine Neihe Zeugen vernommen. die der
Gruppenabteilung angehört hatten. die der Zeugc
Noetzer führte. Die Aussagcu decken sich mit
denen Noetzers. Der Zeuge Pcjer Schalk brachte
erschütternde Einzelheiten über -ie Erschie-
tzung der Eciseln. Besonders eingehend schilderte
er den Tod der Eräfin Westärp. des Professors
Verger und des Fürsten Thurn und Taxis. Prof.
Berger mutzte durch sine Gasse Roter Gardisten
gehen, schreckte aber dann bei dem AnbNck der
Leichen zurück und mutzte gewaltsam weitergezogen
^worden. Als Her Fürst Thurn und Taxis immer
wieder sagte. er sei unschuldig. schrie der Haupt-
mann: „Äch, was sollen wir da lange herum
machen. Einer von hen Hochköpfen lst er alleweil,
nur fort mit ihm an die Wand!" Trotzd'em die
Gräfin von mehreren Kugeln in Hals und Kopf
getroffen wurde, war sie nicht gleich tot. Darauf
gab ein Soldüt ihr einen Fangfchutz. der den gan-
zen Kopf zerritz.

Veim Verhör des Zeugen Debus, eines 18
Zahjrs alten Kellners, wiederholte sich die schon
mehrmals erfolgte Ueberraschung. Latz die Ange-
klagten den Zeugen der Mittäterfchaft beschuldig-
ten. Als der Zeuge erkläcte, er.sei während der
Erschietzung im Zimmer gewesen. sprang der An-
geklagte Riethmeier auf und sagte, er habe den-
Zeugen im Hofe gesehen. Der Zeuge hätte die Ee-
fangenen abgeführt. Debus hätte auch mehreren
Eefangenen die Vrieftaschs abgenommen. - Auf
eindringliches Befragen des Vorsttzenden gab der
Zeuge zu, -ah er von Hausmann niit der Führung
der 2. Geifelgruppe beauftragt morden sei. Jn
den Brieftaschen seien nur Lebcnsmittelkarten ge-
wesen. Debus wurde abgeftihrt.

Praktikant Vauer, der am 27. April ohne
Erund verhaftet, aber bald wieder frei gelassen
wurde, ist am 30. April als Neugiexiger ins Eym-
nafium gegangen, wurde aber dort weggewiesen
mit der Benrerkung, ein Zivilist brauche nicht zu-
zusehen, was da hinten vorgehe. Der Zeuge hat
am Tage nach seiner Verhaftung eine Ansprache
Se!id?ls an die Rotgardisten in .der Aula des
Eymnafiums mit angehört. Aus der Ansprache
ging hervor, datz man sich über das Revolutions-
tribunal hinwegsetze und auf eigene Faust
handeln werde.

Seidel bezichtigte das Revolutionstribünal
der Machenschaften mit der Negierung Hoffmann.
Der Zeugs hat von der Ansprache den Eindruck
gewonnen, datz Sejdel die

Nevolution nach französischem Muster
machen wollte. Ueber dön Aktionsausschutz und
Voll^u^aüSschuh habe Seidel gesagt, datz.er die
ganze Bagage noch verhaften taffmi werde. Tat-
sächlich wurds der Vollzugsrat am gleichen Tage
festgenommen. Seidel stritt die Aussage des Zeu-
gen ab, gab aber zu. datz er an dem Tage in der
-Äula des Eymnastums gewesen sei.

Darüber. wer eigentlich das Kommando zum
Schietzcn gegeben habe, entspann stch eine läagere
Auseinandersetzung. an der sich auch der Angellagte
beteiligte. Der Vorsitzende erklärte schlietzlich. allcs
dran zu setzen, um diesen Kommandanten ausfi'idig
zu machen.

* Helfferich vor den Staatsgerichtshof. Staats-
sckr. Helfferich foll autzer dem gegen ihn eingeleiteten
Verfcchresi noch vor de-n Staatsgerichtsüof
gestelli werden, da auSführliches belastendes Ma-
terial über feine ftiilhere Tätigkeit in der Reichs-
regierung vorliegt.

Neues aus aller Welt

* Ein neues Wort. Wir lciben in der Zeit, der
Verstaatlichümg. Zahlreiche Privatbetriebo s hen
in die Bswrrtschaftung des Reiches übev und es
kann nicht fühlen, Äatz diciser Vorgang auch seinen
sprachlichen AuÄdruck finden mub. Ein süvdeut-
schs Vlatt, da>s „Freiburger Tagoblatt". hat ihn
Leraits gcfundon: Es überschreübt einten Leitarti-
kel in serner Nummer 220: „Wolcho Earantien
mutz Baden bei der Verreichlichung seiner
Dahnen vorlangen?" — Verreichlichung... MM
wird kaum sags-N LÜirfcn, dab sich eme gute trag-
kväftige HauvtsMe mit einer schivachen Vo.stlbe
und Awei schwachen Nachsilben, dercn Berkettnng
mit der HaulptstVbe Lurch eine unschöne Kdnsonan.
tonhäüfung erfolgt, schleppcn mutz. Sachlich drückt
das nsue Wort allerdings ziemlich genau den
das Müö Mort allerdings tzi-emilich genau don
hin wäre es begrützcnswert, wcnn 'ein sprcch
lich schönercs Wort geftimden wevden könntc —
ein nützlichcr Gegenstand ftir ein Preisaasschrei-
ben des deütschen Sprachvereins.

* Wieder mal ein Rätemitulied. Wegen
schlweren Einbruchsdiebftahls wurde der obemalig>e
Dr. Mvd. Otto Loos i>st zuim auheror!>:ieiitlich?n
mens Bugs, zu 1 Icchr 3 Monaten Zuchthaus und
5 Jahren Chvoerlust verurtc-lt und wegen Fluch
verdachts sofort verhaftet. ^ Er w>ar frilher Uncub
hängiger Sozialdemokrat und zuletzt su dsn 5lon.
munffben llbengegangen.

* Ein fid'lcs Spartakistcn-Gefängnis. Schr
erfreuliche Zustände werden >aus Ebrach über die
Er.iinde borichtet, div zur Berhringung dcr dort
unchrgehrccchton Soartakisten Mü b s a in. Tollcr
und Genossen in cün andcres Gefäivgnis gcsiilmt
haLen, Eo wnrden in Ebvach Diskussionschcnke
gestüttet, dlie zu. r/ichtigen spartakistischen Lchrkvr>
sen auÄwnchsen. Die Frauen dc-r Jnsassen halten

Deutsches Reich

Keinc Staatsnnterstützung fiir Skreikende

Der Neichsminister des Jnncrii hat folg^
Vcrsügung gelroffen: Der Hauvtausschuh der Cr.
werbslosenfürsorge in Verlin bat boschlossen den.
jeuigen Streikteilneh in e r n, die^ währcnd
des Stncnks dc-r Aufforderung zur alsbaldigen
Wiodjeraufnalhme der Arbsit nicht nackftoim, en
und deshaikb entlassen wardsn sind, Unter'
stühungen zu Lowilligen. Dieser Be.chlutz
steht im Widerspruch mit dcn geseh'ij,

chen Bcstimmungen. Im Einvernelmen
mit dem Reichsarbeitsministerium ersuche ich da
her, ihn aützex Wirksamkeit su sehen und boinerke
datz ich 'ein'e Uedernahme der aus dem Entschlutz
entstehenlden Kosten auf Streikforderungen als den
oosehlichen Bestimmungen zuwiderlanfend nicht bc.
füiworten kann und auch nicht in der Lage st,n
wüide, Deckungen aus St a a 1 s m i 1 t e ln be-
reitzustellen.

* Eine beschlagnahmtc Erzbergernummer. Am
Sonntaq wurde in München Haussuchung in den
Räumen der Satirischen Wock>enfchrift ..Phos-
phor" gehalten und eine bere'itliegende Nümmer
beschlagnalhmt. Jetzt teilt der Herausgober. de^
Lekannte Schriftsteller Frivdrich Freska. mit, datz
e«e»sich um eine Er zder ger nu m m e r handle
steltt oas Erscheinem dieiser Nummer mit dem Auf-
hören des Kriegszustandsg'ssetzes vom 15. Sept.
dennoch :n Aussicht und fordert Herrn Mathias
Erzberaer triumphierend zu einem Tän.zchen vor
dom Münchener Schwurgericht auf. Im der Mün-
chsner Preffe wird diese Angelegenheit auch dahin
bosprochen, datz man stch hier alles preutzische
Spitzeltum und von Berlin inszenierto Ein -
griffe m die Prefse-freiheit verbitte.

Badische Politik

Hofberichte von heute

Wfts hat man in der vornovembsrlichen
Asit nicht allos ülber den Vysantinismus der Hof-
berichte gyspottet, übrigens durchaus mit Recht!
Mer es ist tn der Ropublik 'nicht amdors gclwor-
den. Nicht nur, datz über „EHerten" gvotze Bcrichte
ausgegoben werden, nein, auch die kle-ineranEeiswr
erhalten dio Ehre gesonderter Berichtorlstiattuns.
Die broitere Oeftentlichkeit bekommt Äiese Hof-
berichte der „Potemtaten" aus dicn übrigon Resi-
Üenzen leider nicht zu Eestcht. weil sie nur in kloi-
nen Zoitungen veröftentkicht werden, sonst würde
sie nicht glanben düilfen, wür lobten in oiuer nouen
Zeit. Dcrhe'r sei ihr wenigAtcns ein HoifboLicht uber
den badischen StaatL-vräsidjenten Eeitz L-en
der ,-Pfullrndorfer Anzerger" Lrachte,
als er Lie Stadt Ravensbürg bosuchte uud bSi
seinem "Freunde, dem MvhrenMut, Wohnung
nahm:

„Herr Eeitz Lcsuchte unter anderem auch die
rchönc Kiirche in Wsingarten, woselibst gerado von
dom. anwesenden Herrn Direiktor dre heriAche Oc-
gol bosichtigt und erklärt wurde . Albcnds brachie
der zu einer Prpbe versammolte Sängo L «anz
„Eintrachi^ dem Herrn ein Ständchen. Der Herr
Staatsmiiiiiistier war angenehm ü b e r rids ch r
und des Lobes voll ftir dre fchöne Stadt."

Ni-cht wcchr: (So war es fvüher auch? Nur de:
Schwulst des Hofberichts ist sortgefalleN. abcr im
llbrigün: dio Hofberichte leben auch in der rer-
änderten Zeit.

Zur Auflsifung dex Volkswehren
in Baden, dre gemätz oinor Verfügung des Reichs-
wehrministers Noske bbs 30. Sevtcmber su erfol-
gen lhat, wird dom Rastatter Tageblatt von su-
ständiser SteM mitgotoilt, datz die Volkswehr
Nastatt nicht aufgolöst wird. Ms Erund
für das Fortbeistshen der Wiehr gilt folgendes:

UTlgehinderton Zutritt, es konnton Mit Leichtigkoit
schriftliche Mjitteilungen und Waiften eiiNigeschmug-
gelt worden. Autzerhalb doq Stadt führten die
sStrafgofangenan ein slottes Leiben. Gbvach wäre
öino vichtige - SvartaPistenkolonie gcworhjen, wenn
dte Jns,assen dort noich längere Zeit verblioben,
wäreir. Voi ihrem Mtransvo.ck sangen sie Spoti-
liedcr auf Gbert und Noske?

* Auch ein Jubilänm. Varl Milliam Vüller,
der bokannte Dharaktsrkomiker. der durch zahlreiche
Eastspiele an allen deutschen Bühnen bekannt ist,
spielt bci einom Gastspiel in Zittau zum zwei-
taufondften Malo die Rolle des Stries^ im
„Nanb der Sabinerinnrn".

* Ein Dummer-Zung-irstreich. Das angobliche
Attontat niif Eeneral Lettow-Vorbeck
hat sich als Dummerjungenstteich herausg-estetlt.
Der Ättentäter, ein 18jähriger Bursche, ha't mit
einer sMenaunten S chr eckschu tzp istol e, wie
sts von Kindern zum Spielen beirutzt wird, eiiien
Schutz abgegoben, bevor Eeneral von Letto/w Vor-
beck den Wagen Lestieg. Er hat es unümwunden
zuge§eben.

" Die Post um eine Million Mark betrogen.

Dio Hamburger Polizei fahndet auf Ersuchen der
Obrrpostdivoktion >auf einen angeblichen Mllg g
ferner auf einon Mann naimens Ganthard und
einon dritlen Unbekannten. Das Trio hnt sich
durch Einschmi'.ageluna falscher - Pc-stzahU'arten im
Vetraae von einer Million Mark dieso Smnme er-
schwindclt.

* TelephLNverbindung Deutfchland—Schwev.'M
Mit der Legung des Telophonkabeis zum direkt'en
Berkchr zwische,'. Schweden und Deutsch and ist jctzt
begonnon worden. Die Kabelloauna wird voii
Doulschland geleitct. Der Verkebr kann vielleicht
schon Ende des Monats aiilfaenomnien werdeu.

' Die neue Uniform der Reichsmar'.ne. Das
„Marineverordnungsblatt" enthält neue Bestim-
mungen über die Uniformieruftg der Reichsmarine.
Auf dcn Knöpfen, d e fortab auch für die Zahlmei-
ster golden sind, fallen die Kronen, auf den Müt-
zenbändcrn dcr der Mannschaften das „S. M. S.
fort. >Als Einheitsanzug sür alle Dienstgrade vom
Unteroffizier mit ncunjähriger Dienstzeit an auf-
wärts ist das Jackett vorgesehen. Der für Offiziere

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