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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0071
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Samstag, den 13. September 1919

Stresemann über die politische
Lage

Der RelchstagsaLgeordnete Stresemann hat vor
kurzem in Os n'a brück. wie wir schon meldeten,
nach langen Monaten schwerer Erkrankung wieder
die Rednertribüne betreten und seinen Wählern
in einer von der Deutschen Volkspartei
veranstalteten Versammlung seine Auffassung der
politischen Lage dargelegt. Wir möchten die w:ch-
tigsten Stellen der Rede unsern Lesern nicht vor-
enthalten und geben sie nach dem Vericht der Os-
nabrücker Zeitung wie folgt wieder:

W'.r sehen die

Monarchie

als ,die am besten geeignete Negterungsform für
Deutschland an. Aber wenn sie kommen soll, so
darf sie nicht gestützt auf die blanken Bajonette
kommen. fondern sie mutz getragen sein und stch auf-
bauen auf den W i l l'en von Millionen von
deutschen Biirgern. Wer daran denkt, der Mon-
archie durch einen Putsch zu helfen, der schadet
der Sache mehr, als er nutzen kann. Die Sozial-
demokratie würde eine folche Aklon mindeftens
mit dem Generalstreik auf der ganzen Linie be-
antworten, un,d dann kämen wir zu dem furchtbar-
sten Chaos und bahnten dem Bolschewismus den
Weg. Die Entwicklung, die sich von der Nevolu-
tionsanfchauung des Novsmbers abwendet. ist an
sich schon auf dem Marsche. Auf alleu Eebieten
ist ein Zusammenbruch der versprochenen Er-
rungenschaften der Revolution. eine weitgehende
Ernüchterung eingetreten. JnnerpolAisch sollten wir
der Freiheit entgegengeführt werden. Der Staat
der Reaktion und der Junkerherrschaft sollte zu-
sammenbrechen. Man hat dem alten Staat die
Knebelung der öffentl'-chen Meinung vorgeworfen.
Gewitz. während des Krieges sind gelegentltch Zei-
tungen verboten worden: aber wie regtert unsere
jetzige Negierung? Sie regiert mit dem Belage»-
rungszustand. sie verbietet Zeitungen und bestimmt.
was in Deutschland gedruckt werden darf. Ist es
da nicht eine unerhörte Heuchelei, sich als Frei-
heitsbringerin hinzustellen und doch genau so zu
handeln. wie es das alte befehdete Regimre getan
hat, so datz sich eigentlich nur .die Personen geän-
dert haben, nicht aber die Methode? Es ist also
eine aNldere Sache, ob nur kritistert oder selber re-
g'>ert wird. Jnnenpolitisch haben wir die alte
Praxis, nur noch verschärft gegen früher, wlrtschaft-
lich längst die wachsende Erkenntnis. datz die Ideen
über Verstaatlichung der Betriebe nicht durchführ-
bar sind.

Reichsnotopfer und Erbschastssteuer
sind berecht gt. aber sie müssen in Formen gebracht
werden, >die die wirtschaftliche Selbständ gkett wah-
ren. Das Vermögen liegt doch meist in landwirt-
schaftlichen Erundstücken, Waren, Fabriken u. s. w.
fest. Mutz der Besitzer aber Schulden aufnehmen,
um Steuern zu bezahlen. dann kommen wir zu
einem verderblichen Zustand, der Abhängigkeit von
den Eeldinstituken. Der Staat mutz Mitnutznie-
tzer in der gesamten Volkswirtschaft werden. Nur
6 v. H. sollen als Dividende verteilt werden: was
darüber hinausgeht, daran sollte der Staat Anteil
baben. Dann sinä beide Teile an dem w'rtschaft-
lichen Aufschwung interessiert, und der Arbeiter ar-
beitet dann für das Eanze. Die Erzbergerschen
Vorlagen sind ungesund. Sio reichen nicht für den
FinanzbÄmrf. Er ist der ewig lächelnde Optimist,
der sagt: Wenn der Verband von dem Steuerertrag
ctwas haben will, werde ich sofo'rt die Vorlage zu-
rückziehen. Er hat uns früher auch gesagt. der
Verband wollte unsere Schiffe nicht. Es ist auch
taktisch nicht zu verstehen. weshalb man das Letzte
aus unserer finanz'ellen Kraft herausholen will,
ehe .dis Forderungen des Verbandes feststehen:
maii reizt die Fernde dadurch geradezu, ihre For-
derungen noch zu erchohen. Sie kennen die Bestre-
bungen auf Errichtung einer

Rheinischen Republik.

Sie kennen auch die Bestrehungen aus Errichtung
eines freien Hannovers. Jm Rhetnlande hat es
den Anschein, als wollten di>e Ratten das sinkende
Schiff verlassen,' in Hannover ist es die alte Tra-
dit on. die zu dtesen Forderungen führt. Ich möckts

Vadische post - Nr. 213

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Die Volkserziehung soll das Urbild eineS voll _

A kommenenMenschen, BürgerZ undVolsgliedesin A
^ jedein Einzelnen Vertvirklichen. Iahn

Oie blaue Spur

Roman von Iulius Regts
Aus dem Schwedischen übersetzt vo>n E. v. Kraatz
Oopyrlgtit 1917 b^ Orettilein ür Lo. O. m. b. ti. l-eipriF
(61. Fortsetzung)

,Im Eiobelzimmer machte stch das Klirren von
zerspringendom Elas vernÄhmbar. Und Wallion
rüar mit süns Schritten zur Stelle. In der Fen-
stervfsmmg erschien eine schwarze Silhouette, als
>der Iournalrst jedoch ohne Bostnnen einen donnern-
oen Schutz anf sie abfenerte, war sve mit einem
kurzen Aitsruf verschwunden.

Ietzt ging drautzen eine knatternde Salvo los.
Dre Kugeln suhren mit tnackendem Laut in die
Holzwände ein, und Scheibe auf Scheibe g!ing in
Stürt-e. Jm obern Ctockwerk knallten dje Waffen
des Doktors und des Bedienten unausgosetzt. Der
Lärm hielt etwa eine Minute an. dann trat zum
zv n Mal eine Pruse ein. und es wurde ganz

Wallion horchts an der Haustür. Nikel-
i o leine Büchse.

^iii schleichender Schcitt drautzen. untz! ein
Pra„el,i. Peng, peng, peng! Drei schavfe Knalle
d'cht neben dem Türschlotz. Das dünne Holz zer-
brach imd zersvlitterte, das Schlotz löste sich, und
scrb nach. In der Oesfnmvg erschien eine Rsvolver-
mmi/dung. und die beidsn Verteidiger sprangen
ra,ch zur Seiie. Krachend ging die Tür auf, und
Zwei dunkle Eestalren stürmton mit «heiserm SHrei
herem.

Keiner schotz, denn die Finsternis in dem engen
KVtUr u-ar undurchdringlich. Eine Sekunde lang
die Angre-.fer und diese Sökunde benutzte
Abaunce Wallion.

Panther wavf er stch auf den ihm zu-
-Ltehenden, packte ihn an der Gurg-Äl und
Mc-udsrte ihn kopfüber zur Tür hinaus. Der
«orper schlug imt dumpfem Laut auf die Futzboden!-

über diese Frage einmal in diesem Zusammenhang
sprechcn. Für mich steht die Sache so: Zwei Wege
gibt es, nach denen wir das neue Deutschland ge-
stalten können. Der eine Weg ist der Weg der
völligon Re i ch s e i nhe i t, die unser 60-
Millionen-Volk umfatzt, die aus der Kraft der völ-
ligen Einheit schöpft und die Ueberlegenheit gibt,
die England und Frankreich uns gegenüber gehabt
haben. Wenn Bayern, Baden, Württemberg usw.
erklären: wir wollen aufgehen in die große deut-
sche Neichse.nheit, dann bin ich der Meinung, datz
auch Preutzen darin aufgehen soll. Da könnten
Rheinland, Hannover usw. als Provinzen in die-
sem grotzen Neiche leben und wirken. Aber oins
geht nicht an, datz Prcutzen zertrümmert und alles
andere selbständig bestehen bleiben soll. Würd
Preutzen zertrümmert. dann sehcn unsere Feinde
ihren Zweck vollendet. Deutschland zu schwächen.
Ringen wir uns nicht zur ReichscinheI durch, daim
mutz ein grotzes Preutzen als Kern Deutsch-
lands hestehen bleiben. Aber wir sollen uns in
der Deutschen Volkspartei bewutzt an die Spitze
stellen für die Bewegung zur deutschen Reichsein-
heit. (Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen unser
Preutzen aufgehen lasten in Deutschland. wtr wol-
len an unstre Brüder im Süden den Appell rich-
ten: Jhr mützt ebenso eure Eigenart aufgeben, da-
init die Not der Zeit ,uns die Ein'gkeit gibt, die
wir brauchen.

Es ist kein Zmeifcl, datz eine gewisse Bewegung
im Volk vorhanden ist wegen der

Mitarbeit der Zuden

"bei den bolschewistischen Unruhen in Rutzland, Un-
garn und München; man macht sie dafür verant-
wortlich, datz ,die Ehrlichkeit im Handel etnem
Schieberunwesen Platz gemacht hat. man wetst wei-
ter mtt Recht darauf hin. datz viele Kroise des
Iudentums sich in auflösender Literatur betätigen.
Abbr fragen wir uns: wenn wir es einzelnen Tei-
len des Iudentums zum Vorwurf machen, können
wir da behaupten, datz das eme spcziell jüdische
Eigenschaft se? Wir haben ein Bestechungsunwe-
sen auch an solchen Stellen, wo ein Einflutz des
Iudentums nicht vorhanden tst. Dieser Einflutz
hat im dritten und vierten Kriegsjahre eingesetzt,
er verteilt sich auf Gesellschaftsschichten, von denen
man es nicht erwartet hätte. Das kosmopolitische
Denken sehen Sie auch gerade bei deutschen Zdeo-
logen. Die Neigung zu Anarchismus und Bolsche-
wismus fmden Sie auch in der deutschen Künstler-
schaft ausgebreitet, die mit der Iudenschaft nichts
zu tun hat. Die Iuden haben in sich selbst hestige
Kämpfe der verschiedenen'Nichtungen. die sich let-
denschastlich befehden. Aus allen den Eründen
schlietze ich das eine. datz unser Kampf gegen die
Zersetzungserscheinungen sich gegen das Schieber- u.
Wuchertum in seiner Gesamtheit richten muh. tns-
besondere hinsichtlich der zersetzenden Literatur.
Wer ist deim mehr schuld'-g. der die Kinodramen
verfatzt, oder die Menge, die die Kinos stürint?
Wir sehen. datz wir die Auswüchse in ihrer Ge-
kamtheit bekämpfen müssen. um wieder zur Ee-
sundung zzu kommen. Den grundsötzlichen Antise-
mrtismus in seiner einseitigen Stellung der Schuld"
frage un- scine Auswüchse kaim eine liberale Par-
tet ntcht vertreten.

Der demokratische Abgeordnete Hesse hat da-
rauf hingewieseu, die

Demokratische Partej und die Deutsche Bolkspartei,
die einander nahestünden. sollten stch vereinigen.
Sicher würde die Einhertlichkeit die Stotzkraft ge-
gen die Sozialdemokrati.e erhöhcn. Aber gerade
seine Partei hat die Listenverbindung be'v den
Wahlen abgelehnt. Jn der Demokratischen Par-
tei kämpfen zwet Richtungen. Veptreter der etnen
war der Abgeordnete Naumann, ein Mann,
den ich hoch geschätzt habe, der d-env ganzen Libe-
ralismus das Eewissen geschärft hat, etn Mann,
der um das Herz des deutschen Arbeiters gerungen
hat, um es für ein kaiserliches Deutschland zu ge-
winnen. Neben Naumann steht sine ganz andere
Rtchtung, die Dertreter der kosmopoliti-
schen Weltanschauung. dah wir den Deut-
schen nicht in erster Linie als Deutschen ansehen,
sondern den Eedanken des Völkerbundes und der
Völkerversöhnung voranstellen. Di-e demokratische
Partei wird grotze Schwierigketten ha-
ben, zu einer Einigung ihres Programms zu kom-

planben der Vsranda auif rmd rollte zappelnd üiber
die wenigen Stufen au-f den Hof hinunter.

„Nikelson, geben Sie acht auf den Kerll" schrie
Mallton mit Donnerstinrme.

Jm Berlauf dioser einen Sekunde hatte d'er Re-
volver des andern Angreifers ei-nnral, M>einral ge-
knalvt, und dei dem flüchtrsen Schein «erblickte
Wallion das rotbeleuchtete Naulbtiergrin^ Eoan-
llons. Dann tauchte er unter dem Arm des andern
ourch, und ste gerieten -im Dunkeln wütend an-
einander.

Der Iournalist hatte, Evanstons rechteS Hcknld-
geloirk intt disernem Eriff umfatzt und kbog es
zurück, bis ein wüteiider Schmerzenslaut stch knur-
rend denr havboffenen. keuchenden Munde seines
Eegners entvang. Wieder ging ein Schutz los,
aber die Kugel stchr in die Zinrmerdecke. Ihre
Fütze trampelten hin und her, dunrpf Lumfend rau-
melten ste von Wand zu Wand. Ein Stuhl kam
ihnen in den Weg und ging krachend in Stücko.
Fluchend stolperte Eoanston üiber die Triiimmer,
und oer Iournalist kani niit ihm zu Fall. Nun roll-
ten ste stunmr, mit zeusanrmengehissenen Zähnen auif
deni Boden herum. Fast augenblrcklich gswann
Wallion die Oberhand und hob seinen Gegner mit
umvtderstühlichem Ertff vam Bolden empor.

„Du bist -an de.n Unrechten gekonvmen, meltt
Iunge!" muvmelte er. »Von vorn mutz majn! imtch
nicht angreifen."

-Mit schlenkernden Armen flog Goanstion wie
e-ine Kanonenkugel zur Tür hinaus, rücklingjÄ, mit
vor -ohnmächtiger Wut ver.zerrtem Eestcht schlug
er eine Volte über die Veranda und fiel oben auf
den Kopf des andern, der stch oben mühsam laufs
Knie erhoben hatte.

Der Australier ürach in sautes Gelüchter a!uö.

„Sie verstechen stch auif die Kunst!" rief er bei-
fällig.

"iJa, aber ich fürchte, wic gehen. wle Wilde mit
Ihrem Hause um". bemerkte Wallioni. .Natürlich
wird alles ersetzt . ."

«Sie drauf losgehea zu sehsn. ist schon ein paiar
Fensker und etne Haustür wertl" entgeguete NikÄ«
son immer noch lachond.

Eoanston hatte sich zur Hälfto aufgerichtet und

Cvanston -hatte sich zur Hälfte aufgerichtet und
fluchend ergriff er von derm andern «efolgt dte
Flucht. Wor der Veranda war es leer gsworden.
Vom Balkon aus knallte daaesen noch ein Schutz.

men. Heute schreiben domokratische Führer, wenn
dor demokratische linke Flügel noch weiter nach
links geht, so gehen wir zur Deutschen Volkspar-
tei. Wir unsererseits wünschen unsere Partei zü
erhalten in voller Selhständigkert gegen
rechts und links, aber wir sind eine Partei des Li-
beralismus. und unsere Tore stchen jcdem offen.
der rm nationalen Liberalismus wirken will.
Wenn ein grötzerer Kreis jetzt dabei mitwirken
will, so soll es uns herzlich freuen. aber wir ^a-
ben kednen Anlatz, unsere Selbständigkeit aufzuge-
ben. (Lebhafter Beifall.)

Bismarcks deuisch-russischer
Rückversicherungsvertrag

Der Juhailt -des deut.ch-russiischeii Rückversiche-
rungsvertvages vom 18. Juli 1887 war der Welt
bisher nu-ü aus einer M'ittsilung der „Hamdurgsr
Nachüichten" vom 24. Oktober 1896 bckannt, die
vvin Fürsten BismaLck setbst h-errührte. Dre
„Drubsche Allgem. Zeitung" rst nunnrehr in der
Lage, den Wortlaut des französischen abge-
fabten Bsrtraiges in deutscher Uober-setzuug zu vcr-
öffentlichen. Der Vortrag lautet in seinen wcsent-
lichen Punkten wie folgt:

-Artikel 1. Für den Fäll. datz einer der hohen
vertrags.schlietzendeü Teile sich -mit einer drit-
t-ei' Erotzmacht im Kriieige ibesinden sollte,
wird der andere eine wo hlw o l lende Neu-
tralität borvahren, und seine Sor-ge darauf
richten, den Streit zu lokalisieren. D'rese Be-
stimmvlng soll auf ornen Krieg gegen Oestsr-
reich oder: gegeu Frankreich keine Anwen-
dnng finden, falls di-eser Kürog durch einen An-
griff eines der ve-rtvagschliehenden Dsile aegen eins
dioser beiden Erotzmächte heworgerusen ist.

Arttkel 2. DüutMand erlkennt die grschichr-
lich evwovbenen Rechte Ruhlnnds awf der
Ba l ka n h-a lb t ns e l an und 'dnsibesondere d)s
Rechtmätzigkeit sein-es vorlbregenden und entischöii-
denden Etnflusfes in Bulgaüien und Ostrumülien.
Dte beiden Höfe vevpflichten sich, keine Ae nde-
rung des berritorialen status guv der sogenann-
ten Halbtnsel cchne vo.cheriges Crn-vor°-
ständnis zuzu-lasfeir und sich gegobenenfalls js-
dem Versuchs, diescim status quo Abbruch zu tun,
oder ihn ohue i-hr Einverständnis abzuändsrn, zu
widersetzen.

Artikel 3. D°s heideir Höfe erkcnnen den eu
roväischen und gegenlsüit'g hindend.n Dharaktei
des Grundsatze-s dsr sSchlrehung d er Meer -
engen des Bosporus und dvx Dardan el-
l e n an, der -bsgründet tst aus dom Völterrochts be-
stätigt durch die Verträge und zvlsaMinenge'atz
>in de-r Cvklärung des zwüiten Bevollmächt'gten
Rutzlands, in der Sitzung des Berliner Kongrüs-
sss vom 12. Juili. Si-s wevden güinetnls-amr dar-
über wachen, datz di-e Türküi ke.nle Ausnahme von
dieser Nsgel ru Gunlsten der Jnteressen irgend -ei-
nec Regterung dadurch macht, datz sie den Tetl ih-
res Räiches. den die M.^rengen Lilden. füv nrili.
tärische Opevationen -oirier kriegführendsn Macht
hergvbt.

Im Falle einer Verletzung, oder um etner
etwa dvühendsn Vüvlehung vavzubeugen. werden
die b-eiden Höfe der Dürke'r evklären, datz ste
-eintre.tenden Falles sich als im Kriegszu-
stand gsgenülber dem verletzten Teile besindlich
und dhe iihvem territori-alen Status quo tm Ber-
ltner Vsrtvalg veöbürgte Sichovhett als veriwivkl
nngesehen werden.

Artilkol 4. Der «egeniwärtige Vertrag svll
während ernss Zeitraumes von drü'i Jahr-en,
gerechnet vom Tago des Anstauschgs zur Ratifi-
kation, in Geltung bloiiben.

und -gleich darauf sagte ldie Sttmme des Doktors:
,-Es sieht beinlch aus, als o-b !io genua hätten. Sie
ziehen stch in den Wald zurück."

Auis wetter Ferne tünte von der See her ein
grelles, langgedechntes Pfeifsn herüber. Der Iour-
nalist blickte Nikelson an.

„Haben Sie gehört?" fvalgte er. «Das klang
wie eine Warnung."

Er steckte seinen Brownina in die Tasche und
aing nach oben. Die Zimmer waren voll Pulver-
oampf und die Balkontür hatte keine hetle Scheibs
mchr. Andersson satz ruhtg da und band stch ein
Taschüntuch um den linken Arm.

..Iohn lhat eine Schranvme davongetragen", sagte
dsr Doktor, indem er stch die Stirn trocknete.
„Elaubon Sie, datz es ietzt vorbei tst?"

„>Ja, ich denko eigentlich". erwiderte WaMon.
«Wieviele wiaren es auf dioser Seite?"

„Nur ein etnztaer", vsrsetzte der Doktor, „aber
dad war ein wahrer Teufel -an Hartnäckiskeit.
Wenigstens dreimal mutz er getroffen setn."

„Das war Gonzales", murmelte Wallion. „Mir
und Niketson standen Robeiva und Eoanston gegen-
über. Ihr Motorboot wlrd -allso von Imez Nobeiiva
bewacht. Wünn . .

Seine Augen begannen zu leuchten.

„Wenn man thnen doch den Rückzug 'abschnet-
don könnte!"

Zwet Minuten sväter alitt evan der Nordfeite
des Haulses zum KUchenfsnster hinaus und stcchl stch
in wsitem Woaon zum Walde empor. Jrgendwo
vor stch her hörte er leise Stimmen, sctzlich laber
lautlos weiter,
ende
cfen.

Artikel 6. Dis hohen vertrlagsschli'etzendcn
Teile versprechen einander über dsn Jnhalt und
das Bestahen -des gegenwärtigsn Vertvages uiü»
des bsigesügten Protokolls Schwelgen zu be-
wahren.

Zu dem Nückversichcrungcivertläg gchö t äin
g-anz geheimes Zusatzprotokoll. Dar-
nach sind die beiden Höfe übereingskominen, in
Vulgarien evne geocdncte und gchstzmäöigö
Regwrung wicdicr hcrzu-stellen. Deutschland
verspricht, in keinem Falle eine Zustimimung
zur Wcedscieiiisetzung des Prinzen von Bat-
lenberg zu gcben. FUr dcn Fall, datz Rutzland
dic Aufgabe der Verdeldiguna des Zuganges
zum Schwarzen Meere übernehmen! mützte.
verpflichtet sich Deutschland, zu wohlwos.
lender Neutralität.

bis er stch dsm zuin Schisfssteg
hinabfüHvenden Wog asnähert hatte Da fina er
an zu lauf

iefen. Aweige zevbrachen,
kam dee Stejg uud Hplzstapel in

seiner Werwünderung vernahm er von
rechts herüber lEerüuschs, als ob auch andere Men-
schen durch den Wald li
Steine rvsselten.

Schltetzlich
Slcht.

Da rlef einä Stimme ganz in der Nähe aüs spai-
ntsch: „Laht rms das Bost des Iournalisten nüh-
men, das geht schnetter."

Blitzschnell veibarg stch Wallion hinter einem
HoWausen.

Zwül Eestalten rannten 1m Ealopp vorüber,
und er schosp Ein Wutschrei. und die beiden Ee-
stalten verschwanden, ahne den Schutz zu erwtdern-

„Alle rlei auffällige Vorgänge"

Die ultramontane „Freiburger Ta-
gespost" befatzt sich unter dieser Ueberschrisr
in ihrer Nummer 209 mit der Umwandlung
der „Heidelberger Zeitung" und knüpft daran
allerhand Bemerkungen, die zum Teil so läp-
pisch sind, datz sich darauf zu antworten er-
übrigt. Doch schneidet das Blatt eine Sache
an, die nicht unerwidert bleiben soll. Es
schreibt nämlich:

„Dvese oüste Tochter (des LiLevalismus) hat nun
Sehnsucht nach einer guten Dante unid klopft be:
lder ./Lanldcszoitu-ng" an, ob sie sich nicht su ihq
sstzen und es inl'rt iihr halten wolle. Jn Nr. 207
vom 6. Septsmber sagt sie auch, wte ste auf iden
Esdairken kam. Die .Badische Lanldeszektung" hat
nämlith auch an rhrsm F'Hvmensch'W hsrumscldok-
tert. Das Wort „dem-oknaUisch" gef-iol ihr ofsenbar
nicht möhr recht unld sa schiri b ste von stch: sise sei
von jstzt an ,-das Orsan d-es national und frsi-
heitlich gssinnten Bürgerturns." Die „BaldWe
Post" steht 'tn dom Vorgang etwas -arg Ersreüll-
ches. Die Tante M gsfunben. Ia sogar ein Onlkel.
und zwar ejn steinroicher, soll am Enlde noch mti
ihr konrmen. Das liobe Kind -vom Nsckarstvanb
erzählt uns: Die .Kandeszeitung" gehöre doin roi«
chen Minvster Dietvich. Dieser wolle osfenbac „nach
rechts -abschwenksn", dann müffe er wahl aus dcan
Kabinett heraus. Er habe -datt ahnedies schon
gsgen Allerlei, was ihm nicht gssallsn habe, Mont
gemacht. Für die Tante .Kandeszoitung" habe er
bei >all IdiiLsen Umkroinpelungen auch -schon güsorgt.
Dev bisherige Redakteur verschwin>ie und der
Kammerstenogravh Dr. Dröse wevde scün Nachfol-
ger. „Was vlant aber denn oigentlich Herr Diet«
rich?" So sragt das neugierise Kind mrt -dm
„Blauäuglcin" am Neckarstvand. M':r wollen d'«e
Antwort goben: Herr Dietrich olant. aus d m
Evabe -u holen, die wo im letzten Hevbst dort zur
Ruhe gebettet, die nationalliberale Partei. Diclff
Amtwort fvsut doch gewitz das gute Kinb vom Neck-
karstrand. Mir möchten die Fveude n'cht stören.
sondern nur fcagen, ob Herr Dietvich nrcht rulm
zwe'rteil Mäle zum Totengräber der genannkeir
Partei werden solle. An Fähigkeiten dasu rdirb
es ihm nicht sehlen, mie uns Kenner der Dinge
versichern."

Ueber den Ton, den das alte Wackerblatt
anzuschlagen beliebt, wollen wir nicht mit ihm
rechten. Wer politische Dinge so kindisch be-
handelt, mutz es sich gefallen lassen. datz man
es als alte Klatschbase von der Dreisam nicht
ernst nimmt. Um aber jeglicher Legendenbil-
dung von vornherein entgegenzutreten, sei
ausdrücklich hervorgehoben, daß nicht die alte
nationalliberale Partei wieder aus dem

Ln der nächskrn Minute sah er ste weiter hin äm
^trande zum Vorschein kommen und wie toll von
dannsn laUsen. Eine dritte Gestalt kam lairgsainer,
mit der Hand an die Seite tzedrückt hintevher, und
gleich darauf maren sto allo im Schatten der Bäuine
vsrschwunden. , , , .,

(Schlutz folgt.)

Aumor vom Tage

Jm Variete wird eine neue Nummer vorge-
führt. Ein Jndier erscheint, geleitet von ei-nem
schwarzberockten Begletter. und ntmmt würdevoll
auf einem Stuhle Platz. Der Begleiter trrtt vor
und verbeugt sich gegen das PuLlikum.

„Meine Damen und Herren! Ich habe dre
Ehre. Ihnen den berühmten Kagulla vorzustellen.
Kagulla wird sich gestatten. jetzt erstaunliche Pro-
ben seiner wunderbaren Eaben vorzulegen. Er rst
Hvllseher. hat.das zweite Eesicht und ist imstaiide.
jede Frage aus dem Publikum.sofort zu beantwor-
ten. Darf ich nun bitten, Fragen zu stellen . . .

Tiefe Stille. Endlich etne Stimme aus dem
Hinvergrund: „Wo ist eine Fünfzimmerwohnung zu
vermieten?" (..Lustige Blatter'.)

Schwedlscher Humor. Er war verlobt und war
ein guter Kerl. Aber dennoch konnte sie es nicht
unterlaffen, von ihm zu fordern. datz er sich in
allerlei Richtungen ändere. Als ste eines Abends
zusammen satzen. sagte sie:

„Wir müffen wohl etwas hrer im Leben opfern.
Metn Bruder hät sich entschlossen. nichb mehr zu
rauchen."

„Und was willst Du opfern?

„Ich! Denks Liebste." sagte er. „ich weqdo mrr
die Freude versagen, Dich zu küffen. Das ist etn
schweres Opfer!"

Zwei> Tage vergingen. und wieder waren st»
Abends zusammon. „ - . r-.

„Ich habe Dir etwas zu sagen. sagte sie.

„Was denn?" fragte.er.

Meln Bruder hat wleder angefangen zu ran-

chen!"__ -

Helst mstrii GestWMii!
 
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