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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0090
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sprach den groHen Satz gelassen aus: „Es ist
leichteL, dic Linigkeilzu zerstLren,
als sie wieder herzüstellen." Die Wahrheit
dieseS Satzes haben wir leider in unserer zwei
IahrtaUsende alten Eeschichte mehrfach und
kürzlich wieder aufs Allerschmerzhafteste am ei-
genen Leibe erfahren müssen. Im Augüst 1914
war die Einigkeit als Erbschaft Bismarcks und
des alten Kaisers, als Erinnerung der herrli-
chcn Zeit, da das Deutsche Reich mit Blut und
Eisen zusammengeschmiedet wurde, mit Hilfe
und zum Nuhm der Sozialdemokraten, uorhan-
den, Und dann kam der alte deutsche
Erbf'ehler der Zwtetracht, der Unei-
nigkeit, des Voranstellens kleiner Ziele vor
dem einen grotzen gewaltigen Ziel, den Sieg
Lber eine Welt von Feinden zu erringen, der
Engherzigkeit, des Mangels des in die Weite
gerichteten Blickes wic dcr Unterordnung des
Einzelnen unter -die Eesamtheit, der Selbftan-
klage und der Selbstzcrfleischung, der Lüge
ünd der Pyrase zu seinem Recht oder vielmehr
zn seinem Unrecht. Da ging die deutsche Eiuig-
keit.in Stücke und das Dcutsche Reich in Trüm-'
.m'er, Auf dem Schcrbenhaufen ader saßen die
Herren Ebert und Scheidemann und verspra-
chen zu Weihnachten 1918, im blinden Elau-
ben an die Versiuechungen des Feindes, dein
deutschen Volke Frieden, Brot und Arbeii.
Den,F ri e den habenrvir, allerdings noch
nicht ganz — aber dafür ainen Frieden, der
Schmach, der Knechtschaft des Hungers und des
Elends, einen Trieden, den selbst ein Philipp
Scheidemann — zu seiner Ehre sei es gesagt —
nicht unterschreiben rvollte. Brot und A r -
beick haben wi-r nich't, darüber dürfen
wir uns nicht hinwegtäuschen, vbwohl im Au-
genblick inanches besser aussieht, als es wirk-
lich ist. Dcrran trägt die Hauptfchuld die ge-
samte Sozialdemokratie unter der Führung
Scheidemanps. Eiureitzen ist leichter
als Ausb aueu ! Nicht wahr^ Herr Phi-
kipp Scheidemann?

D'Annunzios Abenteuer

Die Lage ln Fiume
.Miessaseuo" koknte als einsises Blatt di-
rekte Berichte aus Fiuime ueröffentlichen. Danach
werdon sich wahrschainlich auch d-ie iranzösischen!
Trnupen einschisren. Der Hafm wird von italie-
nsschen Kriossschcffe-n überwacht. Die Lebens-
rnittelzuiubr für die Freiwllligen d'Annun-
sios iist in Frago gestellt, da von den Süd-
ftawen niatüülich keine Lrefferungen zui erwarl-en
>sind. Fiume bcrt nur kmmpe Lebensmittslvorriite,
<die tn divfen Tagen zu Ende gehen werdon. Man
>bofft deshalb, -dcck der Huvlaer dem Abenteuer ein
Ende mackM wffrd.

Nach einer >amtlichen italionischen Darstellung
vorlassen bereits zcchlreiche Soldaten Ler Brrgade
dor Adrba den Abentauenzuo d'Annunzios, aber die
offizielle Mitterlung nncg glei^sitig zugeben, dah
die italiemischen So 1 d'ia t-e n in demi kroati--
schen Vorortvn von Fiume rahlreiche Eewalt-
tat^en vevübt habon. Die amerikamiischen T-uv-
uen hatten Fiume verlassen, daaagan sind Äie iran-
Sösischvn Truppe-n snrllckgeblieben. . -

Das Echo m Jtalien

GematzigtereFriedensbedingungen

Kapstadt, ftS. Sept. Eeneral Smuts eicklürte in
der D^atte, die der R.a tl.s.ik ation des Jrie-
deiisvertragrs mtt Deutschland im Parlament. vor-
ausging, er ersuche das Parlament nicht darum,
ben FriHensbertag gutzuheitzen, sondern M rati-
sizieren. Smuts.wies darauf hin. datz Dyutschland
mttgeteilt werden fLs, datz es, roenn einige' Bestim-
mungen des 'Friedensvertrages fich als ündurch-
füih rb ar erweisen würden. 'im Völkerbunde das
Mittel chAte.' unt L em äh ig ter e Bedingungen
M erlangen? ...

Die Entente-Wilitärmrsston
in Berlin

> LlZi'e -hie. Poljttisch-vcrulamentarrschen Nachvich-
'tsn börc-u, istLis tnteralltterte Komnrission am
DiienStag, Ln Be r.l'Lm einsetrvsien. Der rcrng-
ältcffte OfMer .tzst der frcrnMische Eenevcrl N o l -
l-e.it. Lr chat im Vsrlcmfe des TccLss dem Reichs-
miirifier DNller Mne LluffwartunL semacht.

Die ameriknnischen Dertreter
Berlin

-Eigener Drahtbrricht der „Badifchen Poft"
RotterLam, 47. Sept. Aus Ne-wyaÄ wird
loeLvn gemeldech, datz Eeorae M ar A n e nv, Ber-
lagsdiroktvr 'dsr N«wyork Times Ämn amerikcrni-
schen Botschüfter iin 'De-vlin ernamnt ist. 'Tüche Er-
nennung 'soll Migiell mitgetMt wetden. sübcLld 'der
lFrivdensvertras ratsiiziert tst.

Die it-nilienilsche Regierung hat die Veröffent-
lichung aller Ncvchrichten über Frume vierboten.
Die Ze i.tlUiNigsz e ü'swir wurde rbicder einge-
führt. So bietet der Secülo das sSchaiuffviel emer
-grotzsn Zonlsurlücke. In ffeinem Leitartttel sordert
das Nlatt di-s Veübündieten cvuf, su hedenken, datz
«anz Jtalren e i nm üt iH Fi'p m-e'ver lange.
Der Eovriäre della 'Seria .stellt felst, dab die' Rode
des Mintstervräsrdenten N it ti ,mtt ibrein.de-
mmt ig-em To n ke i n e s.w e gs die Zusirmmung
des Landos geffunden habe. Der Evrriere della
Sera saat, dae Derbündeten chätten mnr Aufklcrruua
verlrrnat mnd es sei rm übrigen Italien überlaissen,
sslbst Ordnuns zu .schafffe-n.

Jnfolge der Ereignisse in Fiume herrscht in den
Trie.ster .italienksHen nationcclrstrschvn Kreisen
g,r o tz.c. Bv g e ist o.r un g. Fre wNige wurden
erngestellt, die n'.ach Flume ubgehen.

Das Sabelregiment in der Pfalz

Ludwigshafcn, 17. Sept. Nach her „Pfälzischen
iPost" wurdc- dom soziaild. Ähg. Prvffit von
ffransöfischer Seite wns verhoten, unter welchen
Vormänden auch imrmer oine Vevscvmmlung su or-
sanisteron, oider in ainer Vsrsinnmlung ÄaS Wort
zu egrsüfen. — Der Stadt Zwoibrücken Lst
eino sStraffo von L0 000 Mftrk aingedraht wordien,
wenn sich die ,PeHon, dffe cmn SedamLtaigo oine
KransniodiUlegung amWismarckdenHmal veranllabta
nicht L-is Äumr Son'ntas mvoldet.

Zweibrücken, 46. Sept. Diie biesise Veiffamm-
lung gogn die ^Fveie Pffcrlz" wuode nach.sweilstüm-
digsr DcvuKr durch Lem framjzöstschen Kiontrollofffi-
sier amffgolÄft, woil dre letzten Rödmer dffe Frawe
„Die Zukunft der Pfals" nur alls ein IMtttel be-
trachteLon, nmi sSgen den Frliedsnsoertrag Stellums
zu nehmen und die Bepövkerung gogen dio Ver-
Lündete-n uuffzulhctzen.

Antonomie-Bewegung im Elsah

Die Haltung der Entente

Der Oberste Ne.l blsthlötzttdrr Ä'iLelegen-,
ihett ins Roine ru siringen, m der Anna-Hme, -dab
die-ser Handel vern inter ntzr -Ehnr«ktvr
Labe. Gleichgeitiz aber erklärie der Obeiste Rat
Lum sSchlust, datz die .noch immer schwebenÄe Mase
in kürserstor.Fr rsi sesöst w er den. niüsse. Ta nn-
glllcknchevweise die. amerckanisch - -Ab-nd 'ung. noch
ttnmer ohne Znftmktion settenL ihrbr 'Rrgierünü
isi. kcnitten noch/feine Böschlüsse gcfatzt ncrdeii.

Prins Georg pv n ,-e r h i en soll Liiipört
durch die Praookation d'Annuii-iös. elne K o m i --
t ats chäfffabrt organlfiert b aLen. . .. '

Krists ber den DrutschnaLioneilen?

Eigener Drahtbericht der .Padischen Past"

(!) Bochum, 47. Sept. Aus politschen und
warlcrmentarischen KttSisen ierfährt'die „Freie Past",
datz sich in der b em t s ch n.at iamn le-n V.oll ks -
p.art.ei ernste SchwneriLke-.it.en Lrgeben
chaben. Die cÄemaligen Deu t schk o nse rv a-
tti v e n fühlen ffich in der deutschnirtionalen 'Dolks-
partei nicht genügend berückslchtigt. ' nameMich 'tn
der .-parlamontarMen Vesttxung. Sie .haben jetzt
LN die Partei das Verlggnen nach stärkerer perso-
.neüer Verüfisichtigung gerichtet.,' insbesondere in
der parlamenta.rischen Vertretung. Eraf W est ar p
soll starker in den Vordergrund treten. Mnu neci
net demgegenüber rntt -einer ernsien Opposition des
, unter der Fllhrnüg won BLhrens sLeheNden Jlügels.

Nach unsoren InforMationon stimntt chies, Äen-
so wie auch das FLHnle.in derer mm Traill» Wider-
stand zu llvisten Legiimt.

Jn Mühlhausen, in St-ratzbwrg und
Grbwetl.ea haben Demonstrationen der Ar-
b e i t e r für die Autonomie von Elsatz-Lothringen
stattgefunden. Französisches Militär hat verschie-
done Umzüge gewaltsam aufgelöst. In zahlrei-
chen Gemeinden und Landorten des Ober- und
llnterelsatz w.ird die autonomistische Bewegung
unter der Bevölkerung ständig grötzer. - Bisher
sind mehr als 40 Personen wegen autonomiDfcher
Destvebunge von der französischen Behörde ver -
haftet worden. Die Franzosen machen bekannt.
datz nachweisbare Agttation und Förderung der
Autonomiebewegung innerhalb Elsatz-Lothringens
wls Landesverrat Lilt und strenge Strafe nach sich
zieht.

Keine Auswcisung deutscher Arbeitrr
Nach einer Mvldung des „Vorwärts" ist die ffür
Dienstag angekündigte Ausweisung dcr deutschen
Arkeiter aus Clsatz-Lothringen infolge der dro-
henden Haltungder Arbetterschaft auf unbe-
ftimmte Zeit üerschoben worden. Die Ange-
legenheit soll in der frcmzösischen Kcrmmer entschie-
den werden.

Me Austreferungsliste

Von unsercm Verliner Bcrtretcr
(-) Berlin, 17. Scpt. Von matzgebnider Sette
wird uns mitgeteilt: Die Entrnte wird unmit-
telbar nach Inkrafttreten des Friedensoertrages
mit Deutschland der deütschen Negierung die Listc
der zur Bestrafung auszuliefernden deutschrn
Staatsbürger übergeben. Dicse Liste ist gegänwär-
tig fertiggestellt und umfatzt etwa 5 V 0 Perso -
nen. Wie verlautet, wird in erster Linie Eng -
land den Prozeh iibernehmem

Deutschland und die Schweiz

Bern, 46. Sopt. Zu der Moldung. datz als Ne-
presialie gegen bie ungenügende deutsche Kahlen-
lieferung die 'Schweiz die 'Le be n s mntt.el a.u s-^
ftvb r nach Deittfchland gesp errt habe. wird
von schweizerifcher Seite arklärt. dntz ,es sich um
Lmstellung Ler im.beutschen Wirtschaftsabkommen'
oom '6. Iuni 4918 uorgesehenen fchweizerischen
Kompensation^lieferung chcmdelt. Der pr.ivat e
Warenverkehr Häbe kei'ne llp.t erb.rv chun<g
erhülten.E

Ein Weltkohl^rsyEat?

Lon uüferem Vcrliner Bertreter

1.!) Lerlin, 47. Sept. Dan gut unterrichtLter
Seite Lpfahren wir: H om e.r wird demnächsi dem
Ober g e s e l l s ch a ft srat einen Plan zur
IntL r n a t i o n a l i f i-L-r u n g der Kohlenpro-
dukkion der Lanzen Welt zur Begutachtung vorle-
gen, darnach soll die cLrrÄtung eines Weltkoh-
l en-S yndika t s vorgeschlagen werden.

Das Frauenwahlrecht in der
Schwelz

Gigener Drahtbericht ber „Badischen Post"

Dasel, 16. Sept. Im Kontrollrat des Kan-
tons Zürrch fand eine Abstimmung wegen der Aen-
derung und Ergänzung der Verfassung statt jn
.die das Frauenwahlrecht aufgenom'men
werden soll. Die Aenderung wurde mit 83 gegen

74 Stimmen Leschlossen.

Zur Danziger Frage

Da auff die Nvt-e der'd^utschen Negie-
rungcm die Emtente vom 13. August, ffn dcr um
AuÄku-M Mer das 'Dchichal des Lnfttgen Frei.
staates Danzi-g gobeten wu.rde. Lishcr eins'
Antmort noch nicht erfolgt ist, hctt. Deutschtand
nmnmohr eine Mahnung nach Verfailles
äbgehen lasien.

Deutsches Reich

* Ausweisung Eeheimrat Maurcrs aus Mies-
badcn. Geheimrat Dr. M a ni'L r in Wiesbaden
der ftühere linksnationnälliberale AbgeordriLte und
ietzige Führor der Deutschen Volkspartei, der in der
letzten Zeit wiederhott in öffentlichen Landesver-

sammlungen gegcn ^die Rheinifchc Republik aufä^

reten ist, ist plötzlich oon der französischen Behörde
aus demi beffetzten Eebiet ausg « w iesen worden
Als Grund wird die angMiche Werbveitung eines
Artikols aeWn die Nheinüsche Republik -engeL'Äen,
dirn die Zemlsur seinerzett verboten hcktte.

* Kabmettsberatung Lber Zwängswirtfchest.
Gestern mkchmtttag fcmd-eine Kabiuettsfitzungfiaft
Lie sich mii den F r aL^e n der Zw a n gsiv'i-rt-
s cha f t beffassen wird.

Aus Baden

Landwirte und Zwangswirtschäft
Freiburg, 16. Sept. Auf eiiner um Srvmstag
hier abAchaltenen Konferentz der Amtsvorständs
dcs badischen Oberlaudes wurde über einen W e i-
nungsu m sch w-u n g der Llcvnidwirle .in der
Fvage der.ZwangswirtsHaft Lerichtet. Dcrrnach
sosien 'fich 'die 'Landwirte der ZwMgswirtsckiM
ünterostdnen wollen.

Lcimen, 47. jSevt. In,der Nacht vmo 12. cmiff,
13. Ssvtember wurden dem Schmied M. Scho-
Lpr 6 lederine TreiLrie-men im Merte von 4000j
Mark crus seiner Werkstatt gestohlen. /'

Altneudorf, 17. Sevt. Böim Stratzepwart Alb.
Lberle dvcrnsen DveLe ttr den unwttschlossenen
Stcvll e'm und entwendeten ein Kcrlb.

Lahr» 16. Sept. Wie die „Lahrer Zeiktung" be-
richtet, -sind heute dier A-rbeiter sämtlicher
städt. VetrieLe wegen Zulagenl, die si^üv?r
den Lestehenden Lohntariff Hinaus folderten, rn den
Ausstaüd getre'ten.

Lahr,' 16. Sepff. Im GeViete 'des Mckcnfflprüng's,
zmlichen Dürrheim und Sck-wemrmgen hät -ein skö-
tzerer MoorLrand stattgefundem -

Aus Stadt und Umgebung

* Wavnung an Wiswanderer! Det KaÜffinän-
nAche Verein von 4858, ÄandeSgLffchaftsstelle fLc
Dadcu m Mannheim, teitt mtt, datz der Dervin wdn
seiner GeschäfftSstelle m Argentinien, uüd zwar
crus der Häuvkstadt Buemo's Arpes, ldws fol-
genve Kckbeltelegramm erhrett: »Marnt 'drimgend
ünd Ullfeitig vor 'Auswanderung m-crch hier'."

§. Das Ende der BezugSscheine. DcH Mklöi-^
dungscvmtdes Kommunalveübcmdes HeidÄb^rg --i
Stadt, giibt heute bekäinnt, dcvtz d>as Bezugsschttn-
verfcchren für WeL-, WirL- und StrilSwcvren, sowie
für Schuhtvarem crufgchoLen -ist.

^ Der neue Dra'chkentarif. Das Bezirr.:.cvmt ver-
öffentlicht ffm houtisem Amseigemte'tl den neuen
Drofchkentarif.

Gymnasium und neue geit

- ,, Der Kampf um das humanistische Eym-

m asium, -desien hoher Wert uns unzweifel-

- . " häft erscheint, hat in den letzten Monaten

verstärtt -eingesetzt. WirLröfsnen mlit den
i ' folgenden interessanten Ausführungen die

Disküssion Mer diesesThsma. D. Schr,stl.

Es wäre sonderbar. wenn unsere prächtige Ge-
genwart in ihrem -sieghasten Gefühl, wie herrlich
wett wrr es gebracht haben, nach glücklicher Besei-
tigung all Ienes modrigen Urväterhausrates, der
irgendwie luit Tradition und Autorität zusam-
'menhängt, vot oiner Einrichtung -wie dom humani-
stischen EymNafium Hatt machen wollte. Steht döch
d'.ese Schulgcrttung 'ganz besonders in dem schlrm-
'Men Verdacht, datz sie eine Standesschule fei. fa,
datz fie etwas wie eine Geifiesaristokratie heran-
.zuzüchten sich unterfange. Aristokratre aber ist fa
Lekanntlich der schrecklichste aller Schrecken und mUtz
mnter allen Umständen dem funkelnagelneuen Prin-
zipien dcr Freihett, Gleichhett und Brüderlichkett
zu Liebe vernichtel werden. So ergibt sich von
-selbst die ebenso zcitgcmätze wie dringliche For-
dcrung, datz das Eymnasiuin.zu den anderen alt-
mod schen Dingen wie unserem Heer und unsrrcr
Monarchle in die historische Rumpelkammer zu
wersen feu Dabei macht es mur einen .gvvrngen
rvnterichlüd, ,ob man das.Todesurteil über die wer-
m ^)u!gattung kurz -und Lündig durch dervn
AufhcLung ausspricht, oder ob man fie durch eine
jgmstlge Blockade. in diesem Fall Einhettsschule ge-
nannt, zum langsamen, aber sicheren Hungertöde

der Trümmerstätte Deutschland follen glaüben ckön-

nen, der Eeist des echten Jdealismus umd 'der Geist
freien .echten Menschentums. wie ihn das Gyipna-
sium seinsm liessten Wesen mach in öinzigLrtiger
Weise seinen Schülern einzupflanzen vermag, ffür
die hercmwachsende Iugend notwendiger ist als ,je.

Da war es denn ern ausgezoichneter Gedanke
des derzeitigen Jnhabers des um -dre klasiische Al-

tertumswisienschaft hochverdionten Teubnerschen Der

MänncrN, deren

verurtcitt.

Nun geht aber das Gerücht. es gebe hie ^nrd
da im deutschen Vaterland noch Leute. Lie von 40-
mer unbedingten Verwcrstichkeit dcs Gymnafiums
-sich .noch .nicht haben Merzeugen können, Leute. die
zwar weit davon rentfernt find, zu mernon. unser
. heutiges Gynrnasium se.i kerner Verbesserungen fä-
hig, hie aber 1m liefften Herzen von 'der höstigen
Eewitzhett Lurchdrungen sind, datz geräde in unserer
Zeit. wenn wir überhaupt an einen Wiederaufbau

lages, eine grötzere Anzahl von
Namen in deutschen Landen ernen -guten Klcrng
haben, zur Bekundung -ihrer Ueberzougumg vom
Werte des Eymmasiums in unseror Leit anzuregen.
Illnd siehe da, es fanden sich aus allen nröglichen
Berufen 'St-rmmen zusammen: ckchne Rede davon,
datz etwa nur klasiische 'Philologen und SchUlmäm-'
.ner für ihr attes, ihneu liebgewordenes Jdeal mn-
getreten wäken! Noben ihnen brlden Zuristen. Ger-'
manisten, Philosaphen. .Mjchizinea. .vor allem aber
.auch Techniker. Kausteute und.Künstler in dem vor
ainigen Wochen erschionenen Buch „D as Ep m-
n a s i u m u n d di e n.eu e Zeit" FürsMachon
-und Forderungen für feiire Erhattung mnd seine
Zukunst (Teubner. Leipzig. 1919) .einen erndrucks-
wollen Chor, in dem sich bei aller Mannigfattigkeit
'der Einzelbegrün-dungen .und Loi allar Verfchieden-
heit der Stanüpunkte. von denen aus das Problem
geprüst wird, dsr Eedanke der NotwendigkLiit ber
Erhaltung des Gymnasiums als Hauptthema durch
alle Teile hindurchzieht. Voi der grotzen Fülle
vvn Einzolbeiträgen. die der Bynd in sich ver-
Linigt, lann in dieser lurzen Skizze natürlrch nicht
beabslchtigt werden. auf Einzölnes einzugöhcn.
Doch darf ich hier in Heidelberg wohl darartf hin-
iweisen, datz auch der Eraeosit unsvrer Anrverfität.
-Fn-a nz Bol l, desien .envxgrsches >.Eintreten ffürdie
humanist sche Bildung einem we.it.eren Krerse aus
gelcgentlichen Zeituugsarlüeln der lchren Iabr
Lökannt soin diirfte, 1n tiefdringenden Worten fei--
ner Erkentnis vom unerfetzlickicn Werte des Gym>-
nasiums Ausdruck verleihft Für diejenigen aber,
bie Mva noch in dom Vorurteil befangen Mn foll-
!ten, .als ob .gnodern" iscffn und Llnhänger huma-
nistrfcher Bildung fein zwei fich nusschlietzenhe Pe-
gnffe waren, mag auf Len Wettrag won W af t«r
Ra 1 henau hingcwiesen wcrden. der mit erfreu-

licher 'Schärfe und Deutlichkert das ffalsche Herein-
ckragen aeiner Mtzlichkestsgesichtspuntte indie Fra-
gen der Jugen.derziehung geitzelt. Wenn — was
doch gehofst und erwartLt werden nrutz— auch
die Degner dss Gymnafiums.diefes Buch zur Hand
nehmen, ehe 'sie darangehen, ffhre Zertrümmerungs-
Pläne in dre Wirklichkest zu Mertragen, so follte
man denken. fre mühten rn elfter mnd zwäkfter
'Stunde noch fiutzig werdsn, einer folchen Kuitdge-
bung gegeirüber und sich zu der Erkenntnis durch-
ringen, datz dio Möglichkert, diefe Art der BilduLg
in sich rlufzunchmeu. der deutschen Iugend urcht
.»eraubt wcrden darf, wenn nicht -unsggttckie Ver-
armung und Dcrflachung rhrer Leistigen HMen-
lage die Folge sLin soll.

Nur in -eä.n-e-m Püntte wird wiÄllercht Lerade
mancher grüuklicher und .tiefer peranlagte Leser
Las Buch itickst voll ibefried.gt aus dor Hand 1e-
Nachdem .or so. vreles. zur VeLteid.igung und
iEmpfehlung der humanistischsn Bttdung gehvvt
hat, könnte er das Bediirfnis empfinden, eine -grö-
tzchie Klarheit darühcr zu bökommen, wieso denn
-e.gentlich diefe fahrtausendc.alte Kuttur der Grie-
chen und Nömer uns Menfchen ,des zwanzigficn
Iahrhunderts noch immer so viel zu fagon hat. r»d
denn w.irklich dic Füden, die won ihr zu .uns lau-
ffon, so ftark und so Lcdcutsam sind, datz sie ohne b.ie
grötzte Eefahr für unfer ganzes Eeistesleben nickfi
durchschnitt-en werden diirfen. Auch -für solche Le-
-ser -ist erfreulicherweise gesargt. Hier niusfie es
das Bcstreben des Verlages sein. nicht — wie bei
dem ersten Vuche —-erne nwglichst grotze Mannig-
ffaltlgkett von St.mmen zu Wort 1omm.cn zu las-
fvn, son-ern jewLtls die Leston Vertreter ber -ein-
zelnen Eöbiete der ttassischen Attertumswisien-
schaft zu gewinnen und von ihnen Lie grotzen Zu
fammenhänge daLlcgcm zu llässen. bie „oo m Äl -
k-ei ^ L-0 ll c n.w n r-t" führen. llntcr
dresem Trtel ) rft denn uuch dem erfien Dandc
schnell vrn zwerter gcfolgt. ber diese Äusnabe in
awrblldttcher Weise ilöst, Lin Duch. bas sawohl für

< ..Pa>m ALter 1 um z ua: lEleLrmWmrt".
Die -KütturzUsammcnhänge än 'den Hauptepochen
und auf den H'auplgebieten. Teubner. Leipzig.

-den Fachmann eme hochfi erfrculiche Lektürr ist,
wls cauch vccr mllem Änem wetteren Kreife des gc-
.bildeten Pubttkunrs rrne.Fülle ,der Anregung und
Delehrung zu geben wermag. In .seinem erfien
TeNe werden „die Zusammenhänge rm Ällgemer-
nen" dargestellt. Da hören wir r>on dem mie
unterbrochenen Weiterbestehen der Siedelungen an
der römisch-germanischen Grenze in der Zeit dcs
llebergangs vom Ende des römifchen Kaisarrciches
zum deutschen Mittelalter. vom HinMergreifen
staatlicher und krrchttcher Ideen von der eriten die-
fer Perroden zur anderen, wtt sehen, wie dre Ein-
w'rkung des Mtertmns 'str der Zett der 'Renasi-
sance ganz besonders stark rchrd, wie zur Zsit des
Neuhumanismus Deutschland seine ganz besonders
Nolle gespiett hat. und wie ffm 19. Iahrhimdl'st ffn
den verschiedensten Brechungsn stlrmer wieder der
Eeist der Antike, vornehnrlich des Grrechentums,
befrirckitend auf das deutsche GeisteslLhen «inwirkt.
In grötzercr Ausführttchtett behandelt dann der
zweite HaüpttelI.„die Zusamnrenhänge auf den ein-
zelnen GLbleten". Hrer mutz es wieder genügen,
auf ernrge bestntders hervorttetende Artrkel lhinzu-
wcifen". So auf die kurzen, warmherzigon Wotte.
bte ber Iurist M ill-e.i s über d.as römischc Rccht
wnd ferne Bedeutung auch noch ffür ulsiere LL.it, die
Zert des Vürgerttchen GefetzLuches, zu fagen meA
auf die beherz'.genswetten Ausffiihrungen -von
Zi-c h cm m Frankfurt Mer Püdagogik. von 'der
-er verfichert, datz fie „noch niemals fo fcchr wie stn
Ättertum eine hLcIfchände Slellung in der 'G.sfamt-
cküttur -dvr Aett vrngenommcn" habe. nnd idatz Laher
„muf dem Gebttt.der Pädcigogik die Airtike llebüv-
dig bleiben müsie, nichi nur! um das Worden der
'Dinge zu verstehen, fondern str mindefiens gleichein
Mätzo, mm 'das zurzett Lorhandone -nach klaren und
zivlsichcren Nichtlinren wetterzuontwrckeln:"

Wvfonders bedcutfame Darlegungon fioucrl dann
dcr Lerliner Evrmanifi Nw effh e äibor dic Zu-
sammenhänge der deutschen Läteratur mtt ber An-
tike bei. die bcsonderschencn ans Herz gelegt st'ien,
b.ie da nichnon, Begejsterung -für die 'Antike ver-
ckragc isich nicht mtt der ttivfsten Liebe zimi Deutsch-
lum. Rust Lms. doch Roethe zu. Latz wtt -die von
Eriechcn und Nömorn gewirsonen Woge lemirn
miissen, „wenn wir uns selbst verstehen. die uner-




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