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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0098
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wurfs lieZÜglüh ciner Kriegsabgabetzvom Ver-
mögenszuwachs vom 1-1. Ianuar 1019." Die
Aeberjeilbung an die Mitglieder der National-
vcrsaNnnlung wiederholte ich Mitte Juli, als
die SteuerberatuNgen bevorstanden. Meine
Arbeit fand seiner Zeit sympathische Presse-
stinrmmen, und eine der größten Fraktionen
schreibt mir wörtlich:

.LLemn mir anch nicht mit allom, was sSie
schroiben, ein.verlstanidew sein können, so smd doch
verschiedene Anrogungen gegübvn woüden, Äie bej
dcr Beriatung dtt Steucrvovlüüen immerhin erör-
tert wcrtden sollten."

Wie meine Arbeit bei der Regierung
aufgenommen wurde, ersehe ich aus der Tat-
sache, daß man, wie der abgcänderte Entwurf
des Eesehes erkennen läßt, in verschiedenen
Punkten mir folgte. Auf Seite 2 meiner Bro-
schüre sagte ich u. a. folgendes:

„Das Ausland eMmrrtct untor arötzter Svan-
nung das in Aussicht geftellte Steuerassetz bezüs-
tich der KriogsaLsabe, weil es o-lmedies schcm ivöiß,
dcrtz der deut che Kcmfmann, aans abgesechen von
vhr, iür Jcchrsehiite >allein durch Staats- und Kom-
nlunalst-euern aus das Schwerste belcostet wird. Es
gehört al-so kein gvoitzer MoHster dasu. um die un-
geheuerie Michtigkert ckner gvündlichen und güwiis-
senhcvsten Boaübeitung des Gesetzentwuvfes zu eri-
kennen. Je nrshr die Krcditg-eber im Autsrlande
von dex Sorgfalt überzeugt werden, mit Äer das
Eesetz beratan wurdo, düsto mehr Zutrauen se-
winnen sie su mrser-er kiitz-ftigen Wi-xtschcrftslage
und desto grötzer w-erden d-ia Kvedito sckn. über die
Deutschland vevfiigen Kann... Eans tm GegM-
satz suv Eevflogenitzeit unferer bistzerigen sstaats-
regrerung haben uinlseve wirtischaftlich stärMn Eeg-
ner, vor allem England un>d Almerika. schon von
jeher Mlänner der Praris sur Erlcidigung ihrciü
StaaitsgchchLste -ugesogen. DAt welchem Evfolge,
dais tzat der Ausgang dcs Krie-ges deutlich gezeigt.
Es würde deiStzcrlb auch nur Vertranen im Ans-
lande «rtweckon könn-en, wenN- se'mem alten Brauche
DeuLschland endlich fölgen uütz Miänn-er des prak-
tischeü Leibens dorthin stellen würde, woHin ssie ü^-
bören."

Auch Crzberger dürfte meine Broschüre ge-
lesen haben. Er weiß jedoch alles besser und
Lraucht keine Berater. Der Verband füd-
westdeutschev Jndustrieller prote-
stiert bei der'Reichsregierung dagegen, daß zu
d'en Steuerberatungen keine Sachverständigen
zugezogen worden seien. Jst es nicht schon ein
unverantwortlichesBeginnen, daß
sämtliche Ministerposten unter rern partck-
politischem Gestchtspunkte vergeben werden,
cknerlei, ob der Vetreffende die Fähigkckten
besitzt oder nicht? — Können wir vomMus-
lande, auf dessen Kredit wir angewiesen sind,
das geringste Vertrauen beanspruchen, so lange
dieser Zustand wckter besteht?

' Die besten Männer sind gerade gut genug.
um den vollständig verfahre'nen Karren aus
Lem Dreck zu zieh^n. Auf jeden Fall'finden sich
für jeden Posten geeignete Leute, wenn man
oie Parteibrille von der Nase nimmt. Wäs
würde man sagen, wenn irgend jemand sür ei-
nen Totkranken den tüchtigsten Ärzt nicht her-
beirufen wollte, weil er einer anderen
Partei ängehört. Als Erster muß Erzber-
ger vom Regierungstische verschwinden, der
bis jetzt ausschließlich Unglück üb^r sein Vater-
land brachte. Das Volk hat ein Anrecht dar-
auf, seinen Auserwählten zuzurufen: Wi e
lange noch?

Englandseindliche Bewegung
in Persien

Velagerungszustand in Teheran

Der Konstantinopeler Verichterstatter des
Iournal de Popolo meldet nach einer Romer
Drahtung: Die Nachrichten aus Persien seien
trotz strenger interalliierter Zensur iminer be-
unruhigender. Die Flucht des Schahs von
Persien sei auf die steigende antieng -
lische Bewegung zurückzuführen, die
gleichzeitig einen scharfen antidynastischen
Charakter angenommen habe. Ueber Tehe-
ran ist der Velagermngszustand verhängt. Die
Ctadt ist von einem bedeutenden indoeng-
lischen Aufgebot besetzt. Englische Ve-
hörden haben sich in allen Ministerien festge-
setzt, obenso in allen Banken. Die persischcn
Truppen sind entwaffnet und inter-
niert worden. Deportationen finden in Mas-
seu statt. Wer mit Wasfen angetroffen wird,
wird sofort erschossen. Die Unruhen slackern
immer wieder neu auf, namentlich in den ent-
legenen Provinzen, wohin die englrsche Kon-
trolle nur mit Schwierigkeiten gelangt. Dje
Telegraphenlinien sind ünterbxychen. Drans-
porte werden angegriffen. In Jspahan und
Tabris kam es zu blutigen Zusammenstößen.

Ein englisch-französischeD
Levante-Abkommen

Der „Temps" teilt mit, daß zwischen Clemen-
ceau und Lloyd George über die militärtsche
Besetzuiig der Levante ein Abkommen getroffen
wurde. Die britischen Truppen müsien bis zum
1. November alke Gebiete nördlich der Erenze
.zwischen Syrien und Palästina räumen, dä diese
Erenze nur politischen Charakter habe und geän-
dert werden könne, wenn dis Friedenskonferenz
endgültig über die politische Organisation der Le'-
vante entscheiden werde. Der „Tsmps" sagt, ,es
scheinü nicht. datz der Bezirk von Mosul in. die
Regionen inbegriffen sei, in denen Erotzbxit§nnie,i
aufhore, für die Aufrechterhaltung der Ordnung ver°
antwortlich zu sein. Ferner sei beschlossen wor-
den, datz die vier Städte D am a s k u s, A l ep p o,
Hama und Homs nach dem Abzug der britischen
Trupen nicht von.französischen Truppen besetzt wer-.
den. da sie sich iu der Zone befinden. worin nach
dem englisch-französischen Abkommen von 1916 die
Einrichiüng des arabischen Staates oder
eine Vereinigung der arabischen Staaten votge-
sehen ist. Nichtsdesto-wenigor aber müsse in Zukunst
die arabische Macht ihre Ratschläge und Unter-
stützung nicht mehr von der britischcn, sondem von
der französischen Regierung für diese Eebiete ver-
langen. Unter den Eebieten. woraus die btitischeri
Truppen zurückgezogen werd'en mütztem befinde sick
äüch K iliki e n . wo sich bereiis französischs Trup-
pen sowie- eme frauzösische politische Mifsion Le-
fändsn. . '

Lloyd Geopge besleht auf
Auslieserung den Kmseps

Nach einem Tckemicrmm des JourNal^aus Lckr-
don versichert man, datz Lloyd G e o r g e Frcmk-
reich nicht verlasien werde, beoar cr ckö Atz -
sendung e'iiner offiziellen Einlcr>d>üns an
Holl-cvnd zur Auislieferung des Kaisery ' erreicht
HLöe.

Die Wasserilieferungerr an die
Tschecho-Skowakei

Ueber die Waffenlieferungen an die Tschecho-
Slowaki wird aus Berlin gemeldet: Die Liefe-
rungen haiten in der Tat bereits begonnen, als
die zuftändigen Reichsstellen. Reichsverwertungs-
amt und Kriegsministerium. davon Kenntnis er-
hieljen. Sodann wurden die Sendungen sofort
ve rhin.de rt. Gegenwärtig schweben Verhand-
lungen. die noch nicht zum Abschlutz gekommen sind

Wieder ein polnischer

Waffenstillstandsbruch!

Berlin, 17. Sept. Am 9. Deptomber morgens
sriffen Vie Polen untev B-ru ch de s W aff en-r
stillstecndes idon Bahnhof Lowin anrf dor
Strecks Tirschtiogol-Birnlbaum an. Als Äre Polen
fluchtarttg Mvückweiche-n mutzten, hcrben sie Äen auf
PostM steheniden Muveotior Rot-bart zunächst
le'cht oermun-det, den Verwundeton dann mitge-
irommem, berwulbt und aus allernächstor Näbe
duirch Kovsichuh getötet.

Badische Politiki

Deulsche liberale Volkspartei

Mannheiin, 18. Sept. Der hiesigen Orts -
gruppe der Deutschen liberalen Volkspartei
ist es gelungen, Herrn Kapitän Paul Kö-
nig, den Führer des ersten Handels-Unter-
secbootes „Deutschland" zu einem Vortrag
am nächsten Montag, den 22. September im
Versammlungssaal des „Nosengartens" zu
gewinnen. Näheres wird noch durch Anzeigen
und durh Anschlag an den Plakatsäulen be-
kannt gegeben.

Aus Baden

s. Ziegelhausen, 18. Sept. Ein grotzesTurn-
fest vercrnstaltck am kommenden Sonntag die
Turngemeinde. Das Fest ist verbunden mit dem
Jugendturnen des Elsenzgaues. Das
Wetturnen beginnt vorm. halb 9 Uhr, das Schau-
turnen nychm. 2 Uhr. Festplatz ist das Neckaroor-
land.

sch. Neckargemünd. 18. Sept. Bei der gestrigen
Bürgermeisterwahl wurde Dr. Emil
Loist, ein gebürtiger Neckargemünder. zuletzt in
Köln, mit 40 Stimmen zum Bürgermeister ge-
wählt.

e. Schwetzingen, 16. Sept. Der Wirt Kam-
mererzur Rheinlust in Rheinhausen. Amt
Philppsburg. verlegte sich auf den Schmuggel.
Als er jedoch Ende der vorigen Woche wieder ein
Quantum Tabak aus der.Pfalz über den Nhein
nach Baden schaffen wollte.'wurde er von den fran-
zösischen Wachtposten evwischt in dem Augenblick.
ials er den Nachen besteigen wollte. Er ist bis jetzt
noch nicht zurückgekehrt.

Mannheim, 17. Sept. Für die heimgekehr-
tenKriegsgefangenen fand hier gestern in
der Lhemaligen Reithalle ein Begrützuugsabend
statt. Für die Stadtverwaltuug hielt Bürgermei-
ster v. Hollander eine Ansprache. Drahtgrütze
wclren eingelaufen<yom Roichspräsideuten Ebert,
Reichskanzler Bauer und Ne'ichsminUer des Aus-
wärtigon Müllet. Heüte vormittag traf Staats-
präsidenä Geitz aus KarlSruhe hier ein, um die
beimgekehrten Kriegsgcfangeneu zu begrützen. Der
Stügtspräsid.ent h'.etz, die Heimgekehrten herzlich
willtommen. richdete-an sie aufmunternde Worte
uiih ermahnte sie zu treuer Mitarbeit än dem not-
wpädigen LLiedoräufbau. Major Eröneveld
danfte dem Staätspräsidenten für seinen Besuch
lict'Mns'der in dio Heimat zurückgekehrten Leute.

-Lahr, 17i-Sept- Uuter-dem Vorsitzs des Vür-
^ermeisters Kaufmann-Hornherg Und. hier die 10.
Landesversammlung de.r bad. Ee-
meinderechner statt. Man besprach haupt-
sächlich OlganksätionsfrageN.

Baden-Baden, 17. Sspt. Dck Stadtrat sisht
sich. infolss Verschieiden-er Vorkldiiünnisie gcmötist,
sich mlt dom Abbau des Fremdenver-
kehrs ru bächcrftkgsn. Eruind dazu gcvb dais Äer-
gernis mvd dre Erreguug in der Gmwochnerschaft,
däü niiLnchr Kurgäste ihren Aüfenthalt dasu mik-
Ibvauch-tön, in dsr Städt und UmseHüng NaH-
runMWjtel auftzukaiufen und Viosg in ihrs Hckinat
zu schichen. Bon ietzt an foll dor Paket-, GepäL-,
und Frachtvckkehr streng kontrollrert werÄen. Auch
dex stckis runehmcnde Vevkehr mit Lmuscrutomo-
bilen, sowie diie Tanzvergnügen in den Hotels und
ini Knrchaus fpllen ckngeschränkt werden.

Aus Stadt un) U'.ng».^sns

Ein neuer Zweigsozialer Fürsorg,

Vertreter der Krsise Maiinhe m. Heidelder
und Mjosbach bahen gestern in Verbindung mit ^
Stadt Heidelberg aufgrnnd der Leschlüsse
Kreisversammlungen und des Stadrratv eine k
m. b. H. gegründet, die in dem .^Haus am
tenbühl". bisherisen Hotel „BUlevue" ein 2
natorium für innerlich Kranke err ck!
tet. Aufgcnommen werden Nichtversichnte. dic n-.cki
in der Lage sind, Kuren in Privatstnatorien z!
bezahlen. Das Haus wird nach Abschlr.ß de> M.
derherftellungsavbeiten im Cvätheröst eröfsact D'-
ärztliche Leitung übernimmt Profesior Tr.
Fraenkel, bisher Badenroeiler.

^ahrprcrsermatzigunq sür Kricqsbeschädiote
Vereits im Iuli ds. Is. hat die Fraktwn der
einigten Bürgerlichen Eruppen den Stadtrat er
,ucht dahin zu wirken. datz den Kriegsbesckädm
ten. denen die Erreichung ihrer Arbeitsstätten ^
chwerlich fallt. Freikarten für die Elektrische Stra'
tzenbahn gewährt werden. Doch ist vorerst nick^
erreicht worden. Dieser Tage ging nun der Frck
tion vom Stadtra-t folgender Bescheid zu: Der
Aufsrchtsrat der Stratzen- und Verqbahn A -E"bat
unterm 12. Mai ds. Is. beschlosien. den kriegsbe-
schädigten Einwohnern der Stadt Heidelberg die
in der Benutzunq der unteren Extremitäten Lehin
dert sind und sich durch eine Bescheinigung vom
Vczirlslommando oLer oom Roten Kreuz auswei-
sen kvnnen, eine Fahrpreisermätzigung
für die Stratze-nbahn zu gewähren. Die Karte mns?
mtt Photographie verfehen sein." Somit haben
Kriegsbeschädigte. die von dieser Vergünstigunc,
Gobrauch machen wollen, ein diesbezügliches Ge-
such an die Direltion der Stratzen- u.
Bergbahn A.-G. zu richten und ihm die Bescheb
nigung des Bezirkskommandos oder Roäen Kreu-
zee nebst Photographie beizulegen. . Die Ermatzi?
gung betrage den halbenFahrpreis.

* Nietzkckie Vortraa. Dr. Ernft Wackler aus
Wckimrr liest vom Oktüber Sis Ianuar wöchentllch
eiämiail Unld zmar ieden Dienstaa atbend 8 bis 10
Ubr vom 7. Oktolber ab iim Schiwarken iSchiff in
Neuenhckm über ..NiMckes Qeiben und Vttke". zu-
glerch als EinmLruna in die Vvobleme deutsck^
Kultur. Der Vortragende bat.oevsünlich unld litc-
rcrrilsch sckt IaLräckinten nickk nuv der Schwcster
des Milofophen. sondern auch seinem tveuesien
F-reunde Peter G a st. nväbe rrcktcrnden unld wird
unbekannte Schriftftücke ldMcklbeni mitteilen. Älles
Nälbere tst im Anseigentckl cmn 1. Ocktober zu er-
sehen.

* Der Odenwaldklub Mternimmt am kommen-

den Sonntag seine 8. Wanderung: sie geht von der
Ziegelhäuser Vrücke aus durch das Bärental nach
dem Lärchengarten. Schönau durch den Eaisen-
grund zum WcktzenStckn. Von hitt auf dem Kamin
des Höhenzuges nach. Erain. Al^dapn geht es tzurch
schönen Hochwald auf der Kamyrhöh^ weitcr. rvo
die durch die Kohlennöt verursächten Kohlhiebe,
mancherlei schöne Ausblicke bieteü. Aü dem Worm-
ser Erhölugsheim vürbei hinab nach Neckaxstsinach.
wö die Steinach abermals Werschrittsn wird, an,
den drei Burgen und dem Schwckbennest vorhej.
auf halber Bergeshöhe zum Eudpunkt nach K.lein-
g.emünd, ^ , ,

* Dtt Heidckberger Sängevverband veranstast
tet fiim kmmnenden Sonntas in der SchlötzwirtsckM
eiii Konzert zu, Estnsten i«r heimkehffck n-
d e n Äuslandsdeutfch e n..

" Das städt. Hochbauamt hat seine Eeschäfts-
räume nüch Hauptstratze 206, im früheren Hotel
Prinz Carl, verlegt.

* Besitzwechsck. Das Haus Rohrbacherstratze 89
ging aus dem Besitz des Baumeisters Philipp Ue-
berle Erben um den Prejs von 65000 Mark in
den Besitz des Bankhirektors Älbert Dorn üh?r.

* PolizeiLericht. Verhaftet würde ein Taqe-
löhner wegen Körperverletzung, weil er seineiii
Hausherrn mit einem Stock vttprügelt hat.

* Unfall. Die Köchin eines Hoteks in Neuen-

heim stürzte die Kellertreppe hinunter und zoa stch
Futzverletzungen und Hautabschürsungen am Kopfe
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Theater und Musik

Neues Operettentheater

„Die ledige Ehefrau",

Operette voy Milo und Haltor, Musik von
Snaga

Es jst mehr eine der zur Mode gewordenen Ge-
sangsposien, gls eine'richtige Operette. womit das
Operettenthecüer weiterhin volle Häuser erzielt.
Cine ganz toll-lustige Derwechslungs- und Ve'r-
Wicklungsgeschichte im allerberlinerischsten Ge-
schmack, wo Worte wie „Schiebtt" und .Zalles"
Trnmpf sind, ist da zusammckigebraut und mit
stärksten Witzen gepfeffert.

Snaga, der es mit Mein und Dein nicht allzu
genau nimmt, macht dazu.die waschechteste Schieber-
musik, und das Publikum jubelt und windet sich
vor Lachen. Die Tagesoperette ist auch ein lehr-
reiches Kapitel zu der Frage: „Wa^ ist aus den
Deutschen geworden?"

Daß man sich „jottvoll" unterh.alten hat, dafür
sorgte eine Aufführung von ausgckasiener Laune.
Es war cin wahres Vergnügen. in dem glänz-ckld!
ausgestatteten Zahnarztatelier zweimal einer
Zwergfell erschillternden Zahnextaktion beizuwoh-
nen (Ernst Os/erburg als besonders komische.
Episode!)

Die Scele der Sache war Anna Vrenken,
die Haushälterin. eine komische Alt>e von tollem
Humor, die kein Blatt vor .den Mund und auch
sonst nirgends hinnimmt. Als Johannes führte
sie in Herrn Dodl einen durchaus passenöen Lie-
besgegenstand mit sich.

An der nötigen, starL kabarottmätzigen Schärfe.
fck>lt cs auch Frl. Bernauer nicht, die deö
„Nübe" wirklich ätzenden Saft gab. Der farblose
v. Kasiel, dem diese Rübe zufällt. bot Herrn
Maier - Waelde kein besonderes Arbeitsfeü).
Lustiger. lätzt sich der Maler Zick anfassen. was.
Herr Köß.ler,, derTemperameiit besitzt, auch iuit
reljieydem Talent tat. In. -cx Mitte der Eeschicke
steht das heimliche junge Ehepaar Hansen. Appe-
titlich und fesch UeltMls- kleine. Frau Doktor Lilli
Wetterauer Haus. V o gher yersah die mu^
ikkalifche Zahnp.raLis unh anderes in sejner leicht-

beweglichen, flotten Liebenswürdigkeit und der
mühelosen Sangesfreudigkckt. Viel Eelegenheit
für diese bietet die Posie nicht. was aher dem
„Ehrenabend" Voglers keinen Äbbruch tqt< Er hat
sich das Publikum sv sicher ersungen, datz es- einen
Wald von Blumen und einen Sturm von Beifall
gab. Auch.dem tüchtigen Spielleiter galt die ge-
drängte Kundgebung.

Es ist immer behaglich, zu beobachten. wie Ka-
pellmeister Bannholzer mit sprudelndem Feuerckfer
sckbst in solch „ödleü" Aufgaben aufgeht. Dr. S.

Mannhermer NatLonalLheater

„Iugend". Drama von Max Halb e.

Dsr schwüle seuchte Lenzwind stpeW he-klem-
mend durch dieses Stück. 'Kräftig durchwM es dtt
auifrelzende Geruck dec gcMrzten Erde. Um junse
erwachenide Atenschenkinder wvÄ dieser hötäuihende
Hauch uivd lag-ert sich um ihre Hsrzeu, i-h're Siunio,
verwiröt uud ibetort sie, so datz sie in kiMickein
llnverstand, in Schmucht nach F.reih'ekt M-
nung von ewigen Msieln, schuldN un!d sündig, wer-
den. Perirrt, gchetzt, erschrE und, ach, so, jung,
so unerfahren, unreif! Das Schickfal. an dvm ftlbst
Evwachsene sö> schwer traxM uiid nicht sckteni ver-
zweifem, es erfullt sich Qn halben Kindern. 'Kin-
oer hcvbeir oder sollen wider dumkl-es Drängen zu
kämpfen haben gleich veif-rn Akenscheii, die sich der
Derantwortung. voll biaivutzt sind. Und da. ste unttt-
liegen, unLcholfen wie 'Kiudor, stvaft ste dev zllr-
nende Eott der Liiclbiö, dem si>e das Heilige Fckitt
zu fvüh enLwondeteii, nicht niilder gls er Mann
und Weid in Ler KrafL Lhrev Icchre und chres Sin-
lurntums strasten wüvdo. Doch darin kiegt dev
iKevn dcr Tvagödie nicht, zu der das Stück ttst durch
einen Zufall nach autzea hiiv gestsnrpelt wird.
Amaivdus, der schchachstnnige Bruder des irvsegan-
ülonisn junsen Mädchens. der üherall im Wege ist
und von nieniand ernft geirolMinen wird, außtt vom
junlien Prtesttt, der Zckige des ckementaron Ge-
fiilhlüausbruches des in dumpfoiv, auialivollein Ah-
iWw'-en daliintrohendcki Buvschen ist. Amjandus!
heitzt >ie Tragödie, Amandug das PvohMt, das
einen psyck)op.ithischen Fall darstellt und durch sckne
Lösung auch die dxamatWe LiieibeshandluNL MMv
AiLischlutz, bringt. In MeMchtiaer Lrresung, die!
durchaus erotischen Urfprunas ist, schietzt der

KveÜin auf den Vers-üihrer feintt Schwester und
tötot das Mädchen, das sich schühend vor den Liöb-
sten stellt.

Dte Aufführung, von Hcknz W. Voigt mit
fÄNckn künstlerischckn Emipfinden gckeitck, fand sehr
l-cibhaftckr V-eifall. In Eretek Mohr besttzsn
wrr eine Nawe, die sich den Aiifovderunaen einer
Rolle, wio der des Annchens, die nur scheinblar die
Wiademahe natürlichoir jugendlichen Enipfindens
allein ersordert, mühelos üciwachsen zeigt. Man
bedenko nulr di-e Rerhe von durchweg entschridendö'n
Erlohnisisn, die das junge Mädchen im Zcktralmn
von wentgjen Tagen crfchüttern. und nvaii wird dre
Wlle vpn Ausdrucksmittelin inne werden. die dazu
>öohär,on. dve ve-in au>f psychologifchr Atonvente ge-
stcklte Handtung zu dramafischer Entwicklung zu
bringen. Dasselbe gllt für den jungen Studenten
Hgns, der dürch F r i h O d -e m a r ci'ine leibenHc/e-
troue Darstrllung ersülhr. Eüte und Op'timismus,
die deuflichsteu Wcsenszüge des bioderen altrn
Pslarrers Hoppe, brachöe Karl Neumann - Ho-
ditz Wn iso überzengiendör zuni Ausdruck, als did
dWere. sanlati'sche 'Art des pölnischrn Mapvans jede
fröhe Negung in dem Ae'vnen Pfarrhaus zu or-
stickon fuchlt. Hermann iKupfer spickü» den
religipsen Eiferor überralchend gut Mvd war von
bstr, wle-nn auch unheimlicher Wirkung^ als
er die priösterliche Würde von stch strckfte und mit
Annchm zunv Tanz antrat. Dsr Amandus, die Le->
deuton!d,ste Nolle des Stückies, lag bei Max Erün-
Ler g in den besten HLndni. Trotz viivem kurz
vor der Vorstellung ttlittenen Unfall war der se-
wamdte Künstler in dsr scheinlnrr engen Begren-
zung dor gckstigen nnd physischen MgfainHeit fetnier
Nolle volltcmimeii Herr seiniöL solbst und osriivochto
du,rch die Gharakterisierung her Amandus-JiMr,
dio in> den Aeutzerunigon primllioffter Instlinkte
gipifelt, auf- grausige Art zu packem Das schr gut
bchuchte Haus folgte der Auffichrung mit regstem
Jntevesie. —6. —o-

*- Mannheimer Natkonaltheater. Die heutvge
AuffüHrung von Eoethes ..Egmon t" beginnt um
6 Ühr. — Jn der Aufführu.ng von- Mozdrts »F i -
garos Hochze'it" aui Fvoitag, den 19. Septhr.
singt Berbha, Malkin zu»i ttsteir. Male dvo Partie
oes „Cherubin". Den ..Evaljpn „Mmaviva"
singlt Joachim Kronitt. — Am Sonntiag. den 21.
Scptember sinst in der Oper »D ieJüdi n" von

Halevy, Anna Ortner zum evsten Malis die Partie
der ..Recha" und die des ..Lero-polid" Fvitz Bart-
ling. — Als nächste Neuheit dos NcvtionalttMttts
wird der Schwank »D i e drei Zwillinge
von Toni Impekaven und Carl Mathern vorbere,-
tet. D-e Hauptrolle spickt Ludwig Schmitz.

* Edmund von Strautz, dtt Kapellmeister der
ehemaligen Kgl. Oper in Berlin, ist nach langer
Krankheit im Alter von 50 Iahren gestorben.

Aus der Mannheimer Kunsthalle

Die RückbringuM dos ch^rühm'tsn Jfenheimcr
Alt-ars von München nach Eolmar ienlt dio gM-
meine Aufnrttkfamkoit auf don Schöpfer diefts
Meistorwerkes, auf den in der Eechachto M'-lst'ii^
DuiM Eetauchtcn Zeitgenosien Dürtts. Lranachs
und Holbeins auf 'Mathias Grünewaio
aus Aschaffenburg. Sein Nanie erscheint n.ach drm
dreitzigjührigen Krieg so> gut w>ts ausselöscht- lbs-
läufig ist er auch hsut» inir FachLoutoir uud or ver-
diente doch wohl mit den gröfstc-n Leutsthen
stern in >-iivem Ätem genannt zu worden. Tls Ms-
vrucksNnstler stcht E. unttt den Lltevsn Maistern
unevvLickst da uad die Leuchtkmlft stiner dsarven
macht ihn von allen anderen ksnntlich. .

Dicffes durch u. durch u. gerade da-r-uni,so
vergessenk'n docktschen Künstlers bat sich
'Mamcheimer Kunsll-allo angeno-nmen und cm-
Erüneiwald-Ausstülluna eröffnet in dercn MiNec-
punkt Nachbildicngen dor Istnheimer A.trr^-
malde stchj.m. Die soivohl stvrbigüii. als, Wck p^-
(oMapff)ischen NoprodukUonen sind m

noch- tai-mi ervöichter Vollkonimenhell Legluckt

vermitteln wirklich eine» unvergegllchen ElNdrua
von dom erhabenen Kunstwork. das nun als (mlu

zes gerühmt und verehrt wevden kami. deun o
aoistiM Slusdruck der geröaltigen SchoMM'd ist M'
doftens ebonffo üborwältiasild wie der kiinsticr'M^
Autzsr don gvotzen Nachbitdungisn der Altarg'.mack
ist noch ckne Fülle von Detailaufna'hnien aiwo^

stellt und zur Einführung in die weiiig bd"u
.Künst Eröne-w'alds eine Auswabl seiner besten u
mälb-' und Zeichnungoil in .gloichsalls enmM ,.
fr.eien Reprod'lltionen. Der Dssucki der meisterya'
aiiMordneten Äusstellung kann nicht dringem> ^
uu>g empfMcn werden. Er ist vou bcsonde
Nckiz, da die cknzelnen Phötoarachien zu
Pvejlson käuflich erworben werden könnon.

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wari

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