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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0123
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Dienstag, den 23. September 1919

vaoische post — Nr. 221

veilage

h°b°ii. V
°h"UN,d°«ki„

)ersprechend.

^aderewskis?

iel.det-. PolniM tzW

t volniisch parlameiitaH
ncuh RliM'bc <j„z ^
'chen. Als NtÄ^
genannt, den Mn-,

liteir'Hc.
it. LÄ ti

Nichi«

i dursie^
!i, anlov'
L rti >

die

ttp-

Neue wirtschastliche Gefahren

Nor kUi-scm wunton die deuusche-n Zeitungen
vou Verhandlungen zu berichten, die mit Dertre-
tern von deutschsreuiüdlichen Newyorker Bankhäu-
seci' iir Beolin stattgefunden haben. Ein Nesultat
sei nicht erziolt wordnr, denn dic Doutschen hätten
teino Garantisn für kurzfristige Engagements über-
nehmen wollen, und um langfristige zu gewähren,
sei n>ach Ansicht dcr Amer'ikaner der Augenblick
noch nicht getoinmen., doch hätten sie vollos Ver-
trauen in dic Wicdel'ausrichtung des wirtschastli-
chen Deutichlands gowonnen.

Gs ist zu vormuten, dah d'nese Mitteilungen in
weiten deutschen Kreisen mit sohr gemischtcn Ge-
siihlen anfgenommen wordsn sind. Zwar dak die
deutschen Banken cs cvblohn'm. kurzfristige Ver-
pflichtungen zu garantieren, kann sicherlich nur den
Veisall aller Einsichtigen sinden, denn d'ose sich
immcr erneuernden.Engagements sind ein Haupt-
liudernis sür e-me steigende Bowegung unserer
Valuta, Mer wenn die Amerikaner uns heute nicht
oelsen wollen und sich 'doch ovtimistisch iiber unsere
Zukunft aussvrechen. jo sind rvohl nnr swn Znter-
pretationen ibrer Erklärungen möglich und beide
ind höchst unerfreulich fllr uns. Entwüder exi-
tiert dicses aNgobliche Vertrauen in Mirklichkeit
richl und »ran jveist uns nur mit einer höfltchen
Nc-densart ab oder r.cher es willd in der Tat erst in
-or ZuEunst diln Akoment ofntieten, in melchom eine
'ns von dcn -Amerikanern gowährte H'lfe für d'.sse
elbst wesentlich vorteilhaftcr sein würde. als es
-eute dey F>all ist: dioses wüvde dann geschehen.
veim Amerilkcr vorher unsers heutigen Nöte
veidlich gegen uns ausgenützt hätto. und es sivht.
iis-m man die houti.gen Börjenbowegungen bUrach-
et. fehr darnach aus, als ob wir in den Beginn
Ueser Periolde bereits eingetreten seien.

Wenn Ausländer beute an uns Maren verkau-
>en. so geschieht es selbstve ständlich zu einenrPreise,
rer ihnen, auch wenn sie d e erhc,ltencn Mark so-
ort in ihre' L.andeswährung umsehen, einen be-
timmten Nutzon übrig lätzt. Die können nbsx auch
ioch aus drer andere Arten mit dieser MaA ver-
«hren, sie können dagegeu Falbrlkate aus Dcutsch-
«nd importieron. ste könuon ihrc'Markguthaiben aus
7poku>lcrtionsgrüNden kolnseuoieren u. sie können es in
,eutschen svn'anLiellen Wertcn jedor Art anlegen —
tn Hüusern, Hypothöken, Pfandbriefen. Staats- u.
5t.aiditanleiden, Bankaktien, industriellen und Verg-
berksaktien usw. usw.

Dic zuevst genannte Anlage — der Kauf von
eutschen FÄbrikaten — wivd uns natllrl ch immer
ngenehm setn; -der sür unsere Einkäuse schlimme
3alutakurs wivd Lei'm Verkavse wieder konwon«
-crt: die Zweite Art — die Dpekuilütion der Aus-
änder mit unsever Valuta — kann giinstig und u-n-
'üu-stig sür uns cvusschlaaen, jÄ-onfalls bositzen w'r
ein Mittsl. um diese Opemtioncn irgendwie z»
.oeinslusson. Di-ö dritte Art — 'der Erwerb vo»
-eichchen Merten soll uns hier beschäftigen. Dabei
.'ll alles rein Thcovetlsche — alfo icgliche Wert-
hoorie — aus deni'-Avicle gelassen wcrden, auch
se gera.de jccht sehr! uiivstrittene Fvage. ob der In-
rndspveis die Basis für' die Valuta — also für die
luskrndcibLroertung der Währungseinheit — bib-
et, oder aber oL das Umgskehrte dsr Fall ist, und
ur zwei Foststellungen svllon gemacht wrrden, dis
üv Theorie und Praris von aus-chlasg^Lmder
Zedeutung sind:

1. Die Disserenz von AngeLot und N ach-
rage spielt in allen Bewertungon eine hevvorra-
'eude Nolle, ccker Ls'i weitem nicht Vie einsige. Den
»atl>em.atisch7N Beweis hievfllr kann man dadurch
rbringen. dah inan AngoLot und Nachsrage als

gleich groh annimmt. Die Wagschalen sind dann in i
glcichem Miahe beschwert und das Gleichgewicht
wlrd nach keiner Seite gestört. Aus welcher Basis
dieses E«leichg.ewicht avch eingosMt war. es LleiLt
nach dem Gesotze ocp Trägheit unverändert. Die-
ses gilt natürlich auch sür die Valuta. Will inan
aber seststellen, wie das momentane Eleichgewicht
sich gobildet hat, so kann man gerade so gut auf ein
vorher bostandcnes Uobevgewicht von AngcLot
eder Nachfrage stohen als aus vrcisbrldende Im-
vondsrabilien, von dencn das gewaltigste ist: das
Vertrauen oder das Mihtrauen von Jnland und
Ausland zu der w'irtjchafilichen Znkunst des Lan-
oes; Erinnerungen aus den zahlre'chrn M.chsel-
fätten des Krieges werden das Lestätrgen. Hier
irerdcn mit Micilcnsticseln Woge zurückgelegt, wel-
che der UcLe^.hutz von Nwchsrage oder Angebot
uur inühsom Schritt für Echritt durchmessen kön-
nen. Zedenfalls gibt dercn heutiges Berhältii'S
weitex nichts an als dle mamentane Entwlcklungs-
Nichtu n g und imme: noch unter dcm Dovbehali,
dah inzmischsn kern neves ZinvonderaLile von
gcoher Dedeutung in Erscheinung iritt.

2. Unscc Bcsih ist tcils idecller, teils inatevi>e'l-
lec Natur. Der Ainteil an eine.in Bevlagsuntev-
iiehmon z. B.. so wertvoll es auch sein mag, reprä-
sentiert ost nur Gowinnnröglichkeiten aber gar
keine realen Werte. Bcsitzt man ein H>aus, so Le-
sitzt n:.an swar eni LLickt, das unter allen Um-
ständon einen Wert bat, aLer der wcrhre Mert dc-s-
f.clben tuitt e-st zutage,' w'nn man vorschlc'dcne
ideelle Fakwven mit Lerücksichtiat, wie etwa die
Verwendun.gs.mögllchkclien. Nun kann os sohr wohl
der Fall ssin, datz Deutschland in jeiner heutlgen
unglücklichen Lage eine starke Einbuhe an allen
se!n?n idcellen Werten erleiiden mntz. eine EinLutze,
dle sich in einom roduziertsn Valutakurs dem Aus-
laude gcgeiiüber aus-drückt: ader wir besitzen doch
oußcrdcm auch matcricllx W rte, wic z. B. alle un-
sere Bodcnschlätze, bei denc.il id.elle Rücksichben.
wcnn auch n-cht gaiiö fchlen. so dcch stark zuvück-
treten, und t'ic deshllb einen gcw'-sicn ungeführen
Weltvreis LrLen müssen. W.nn nun ^ostlmmts
M.rte dxs.r letztcren A>.t v-or dem Kr'.eee sür den
Ausländer einen Me.'t, sagcn wir, von 1 Mllson
Dollars, gohabt babsu, so werden sie auch n.ch
dcm Kriog: nicht vicl weuiger wcrt sein. Jn
Dcutschland bat sür dicsclL.n — in Mark ausgo-
drückt — tcine allLugrohe Mertveränderüng statt-
gefundeu. dcr Amerikaner kann sie aber keute, in-
folgc des Nic'decgang:,.' unserer Valuta. für den
sechstcn Tci! oinec Mllion D-tta s erwevben. Diess'
gewaltige Svannung mus; sich daid.'rch löstn. daü
entwo>Lr un.stre Vülvia wieder stark steist, oüec
dah wir alle unsere Preise — ohue Ausnahme —
auhcro.'dentlich in die Hö>ho s-'tzan, odex dak diof'
Leidcn Tond7,i>zen sich gleühtzcitig iu Bewogung
setze.i und sich auf eincin mittloren Punkl'e be-
gcgnen.

Diuss zwci Festst.llungen th-o. tischon und
gleichzeilsg eminent aktucllcn vraktsichrn Lbarak-
ters.. mutz Zeder oollkomincn in sich ausnohnien,
>der ui'^ere heutigc gefahrvolle Lage scharf in das
Auge fassen und Schli'tzfosgerungcu daraus ziehea
will.

Sre würdni da.nn unzwc'sclbaft dabin aehen.

1. dus; d: Amcr^kauer sch.'n allcin durch de r
guten Willev uiks 'chon in'.ute zu hslscn. uiise er
Valuta so'wil erwcn starken Zmpvls nach üben ve^
leihcn würden,

2. datz die Alinerikaner unt.'r den heutigen Vcr-
hältüissen in dor Lage sind, deuischs Mierto --
idollle u. matcriette, — zu Svottvreisen zu er-
wcrben.

3. datz Lie Amerikaner. w:nn sie letzteres getan,
uud dann uilsere Valuta hinaufsetzeil würden,
wcvs sie jodcr Zeit im Staude sind zu tuu. uoch ein
zmeites glänzeiides Goschäft auf Kosten Dcutsch-
lands machcn würden.

Das sinld die tvübseligen Aussichten,
'die sich >uns eröffnen und die uns gleichzeitig von
einer neuon Seite ze'.gen, welchen autzerordntlichen
Wert das üal'dige Steigen unserer Valuta für uns
habcn würde. Datz dieses Steigon einmal komiuen
wird, das ;st die folsenf'site UcLerzeuguug von al-
len Deujenigen. dio — trotz ANem — an den Mten
K-ern unsercs Dolkes und an seine Zukuuft glau-
Len, abec auch der Pessimist. den hcute Kohlennot
uud vovolntionärer Geist >die näch.ste Zukunst sanz
bcsonLcrs schwars sehen lassew, wird uicht Lestroi-
teii. köunen, datz Ztalien trotz jajh-rlanger allev-
schmevster Kohlcnnöte am Lehen gMicLsn ist, un/o
er mirjd auch zu.gobcn müssen, datz wir noben schlim-:
men.auch eine Noihe von freuudlichon iSymvtome»
zu oerzeichnen habeu. Wir sind aller Putsche Herr
gewovdou uud erfreueil uns oincx relatiiven Ruhs.
Dio öffentüch: Sicherheit hat unverkcnnLav ruge-
nommen, eine Reihe von Gciwerben avbeitet wioder
regelmätzig uud die .dcutschon Mesion vorspvechru
glänzion.de Nesultate. die Zabl der Evwerbslosen ist
in manchen Gegenr>en in starker Abnahme, im
RuhvgeLiete uud in Oberjschlesien wird wicider gut
goavbeitet. die EisenLahnfrage wivd mit Ernst an-
aepackt, tn vielen ArLe'cterkroüsou ist d'e Bcsinnung
wiodor rurückgokohrt und solLst die ..UuaLhängi-
gcn" und die Konimunisten müsien erklärcn, L>atz
Ler u'ntstiür/zleriischs Gcist im ALflcvuen ssi. Froilich
liogt uoch Manches sehr im Argon, auch auf Rück-
schtäge, LLsonders im nächsten Winter. mutz man
gefatzt seiu. Mer, datz w'ir wieLcr im Aufste'gen
bcgri.ffon stnd, ist uiwcrkcnuLar und damit ist auch
gosagt. datz uuscre Valuta wioder steigcn wivd Die
Friage ist uur. ob wir nicht iilzwichon zulassen, ja,
ob wiv nrchit selbst daru beitvagen, datz wir vorher
ausgcpowert wcvdcn. Denn w's die Vorhältn'sie
heuto liegen. schaffen wir autzer notweudigcu Le-
bcnsmitteln uud Rohstonou, die wir dringend
bvo.uchcn, iii Müsicn Luxusartikel ius Laud, dir
wiv, ie nach Wuvlsch dcs Auslaudes.'outwoder m't
uusercr woiterow Vevsch'.,ldl ug uud mit immsr ti:-
ferom wcrtschrftlichsm Falle od.r mit u-seren be-
steu Akliven bczahlou. Jcdss Haus, das iin bssetz
teu GoLict oou Ausläudern g k uit wivd. jcde Hn-
vothek, iedcs W:rtpavicr und jcds Attie. dbe vou
liinen bei uusercv heutigen Valuta errr-or-
b'-'i' wivd, bodeutet, nach allsn Ve.schlslKeruilgoii
eiucs fünfiäbxü^u- K-rivge?. eine noue oheuso uii-
heilvolle Verschleuderung deutschcu E'Lenttt;,iS.
a» dcr alle Diejcn.gcn iiritlvirkcn, >die sich an drm
Erwovbe dieser Luxusartikcl beteiligen.

D'.oses eiuseh u uud diazegsu F ont machen
sollte Eines f-in. Zst d.uu mit dcr aassvserungs-
votten Begeistcnmg dcx' erston Krieg-jahre oller
Patriotismus uvd alle Entsaguilg'krast, deren
Doutschlaud fäbig ist, ve.Lvai'cht wo.dsn? Menn
Dout.ch'.aud w'udsr begruut, an srch solbst zu slau-
ben. uud oernunftg.'inätz zu banboln, danu wird
a.uch das Auslarld wic-dcr an uus glauben. Danu
abrv rverden auch die ncucn Gefnhren. in die uns
'der gewaltige Valutasti'rz bringt, überwuuden
wevdsn köunen. A. K.

' Einjahrsdienftzeit in Frankceich. Zn der Se-
natskommission für Heercswesen erklärts Senator
Paul Doumer. die militärische Dienstzeit in
Frantreich könne ohne Gefahr auf ein Zahr
herabgesetzt werden.

* Eine zmeite Europareise 4lZitfons? Nach einer
Meldung des Mesiagero beabsichtigt Wilson. noch-
mals nach Europa zu kommen.

Unruhe im Zentrum

Die katholischen Arbeitervereine sind mit der
Politik der Zentrumspartei nicht mehr zufrie«
den. Sie verstehen die Machenschaften nicht
mehr mit der Sozialdemokratie. Sie wollcn
die alten Jdeale des Zentrums wieder auf-
bauen. „Nicht blos Schlagworte, sondern klare
Nichtlinien" so heisit es in einem Äufsatz der
..Westfälifchen Arbeiterzeitung", dem Ver-
bandsblatt der katholischen Arbeitervereine.
Es ift ja verständlich, datz sich die vesonnenen
Elemente im Zentrum dieses Ballspielen von
Erzberger nicht mehr gefallen lassen wollen.
Ilnd man braucht sich daher gar nicht zn wun-
dc-rn, wenn bisher treue Zentrumsmänner
aus dem Lager des Herrn Erzberger in ande'ro
Parteilager abmarschieren. Die polii'sche Me«
thode Erzbergers hat nun allerdings in
einzelnen Kreisen des Zentrums Verehrer ge-
funden. Das zeigte sich in den Kämpfen um die
Errichtung einer Nepublik Rheinland: und
namhafte Vertreter dieser Partei hcrben den
landesverräterischen Eedanken der Loslösung
propagiert. Nun tritt die Partei wieder für
den Verbleib beim Reich ein. Eine wilde Zer-
fahrenheit herrscht im Zentrum. Erzberger
möchte sich natürlich nicht auf ein Pro-
gramm festlegen, um möglichst unauffällig
se'ne „Operationen" ausführen zu können.
Aber die Zentrumsleute verlangen jetzt ein
Programni. So steht in der „Westdeutschen
Arbeiterzeitung". dem Verbandsblatt der ka-
tholischen Arbeiter- u. Knappenvereine West-
deutjchlands:

„Dw Partei ist in Eefahr, auseinanderzugehen,
sich in „Richtungen" aufzulösen: Arbeiter. Bauern.
Mittelstand. Klerus, Zntellektuelle — nienmnd tst
recht zufrieden mit.dor ParteU Jede Eruppe tastet
sich auf eigenem Wege voran, die Arbeiter in ihren
politiichen Komitees. die Bauern in ihren Bauern-
schaften. die Mittelständler in den Mittelstandsver-
einigungcn. die Zntellcktuellen in ihren Akademi-
terzirkeln. Es sehlt der Partei die Jnstanz. die
vom Vertrauen der Zentrumsmasien zur organtsiev-
ten Führung berufen ist. Mancherorts herrscht eine
trostlose Verwahrlosung des Parteizusammenhan-
ges. Da den Znteressengruppen die einheitliche
politische Leitung fehlt. gehen sie ihre eigenen
Wege und machsn ihre eigene Politik. Die Par-
tei ist dort eigentlich keine Partei mehr, son,dern
günstigenfalls ein politisches Kartell verschiedenster
Znteressengruppen. Und im Lande, im Reiche? —
Wer repräsentiert denn da die Partei? Etwa die
Fraktion? — Die Presse? — Die Parteiorganisa-
tion? Soweit man überhaupt davoir sprechen
!ccnn welche denn? die schlesische. die rheinische. die
bayrische. die westfälische? Welche? D'e Verhält-
uisse stnd durchaus verw'.'rrt."

Die katholischen.Arbeitervereine wollen
mit „einem grosten Ruck in d a s r e ch te E e -
l e t s." Auf der Essener Tagung wurde hier-
über viel gesprochen. Besonders beachtenswert
sind die Äesternngen des Abg. Zoos-M.-
Eladbach in seiner RSde über Politik. Partei-
wesen und Zeitbedürfnis. Er fordert. wie wir
der. Koln. Zeitung entnehmen, folgendes Zen-
trumsprogramm:

..Wir brauchen ein Zontrumsorgan. das mohc
ist äls eine Sammlung von zwei odec mehr deut-
lichen Sätzen. ein Programm. von dem nicht jcder
sagen kann: ..wie ich es auffasse". Es genugt mcht
mehr zu sagen: Unser Programm. das sind un-
sere j'ewciligen Abstimmungen. D;e Parteien von
heute müssen Ziele stecken. em Zutunftsbild haben
und dürfen sich »icht treiben lassen. Etn Programm
bindet freilich. aber es erlöst von der Eefcchr. tn
Grundfatzlosigkeit zu verfallen. Die Zentrums-
partöi braucht ein Programm. auf das man stch
gceinigt. in dem die Gegenfätze innerlich ausgetra-

Wenn der Mensch sich etwas voriiimmt, so ist Zii
. ihm mehr möglich. als man glaubt. Pcstalozzi ^

Das versunkene Dorf

Vou Nannq Lambrecht.

Hundert weitz? Häuser stehen dort. Genuu
ündort, seitdem die alte Madelone ihres hinzu-
ebaut hat.

UiiL riniIS u,n die hundert Häuser türmen sich
^rge, und auf deu Berg:u wachicii die dunkleu
.anuenmalvec Die hundert Häuser stehe,, auf
'ner «usgedehnten Schicfergrubr. und da die tOO
Ȋuier 300 Menschei'. haben, so finden die 300
Kcivjchen in der grotzen Schiefergrube ihr gutes
'Uskommsn.

Das ist im Laude Vclgien in den ArdennLN.
We„,7 man i" das Hundertdorf hineinkommt,
'ird „ran sie gewitz sch.'n, Ä; alte Madetone. Biol-
icht wird man^von Haus zu Haus otwas schleichen
hen, Las uns Schauec des Mitgefühls crregt. Ein
ürlcs. verkri'imm'tes W-ib'ein. so trumm. datz das
esicht fast bis an dte Zi.liee bückt. gekuickt m.e ein
mgübrochener Stamm. Si>e war gewitz ein.mcrl
'ne «vsrcchte. stramme Fvou. Man saat. sie habe
ite Wairll-n gehcibt uiid Sonntags zur Gitarre in
er Strasi' f-etanzt. Aber nun schleicht sie von Haus
i HMs, betteck an dea hundert Türen und betet
abei: Ze vo is s'aiue. Marie . . .

Usbsr dem krummeii NiicLen dsn bl.uu>leinenen
'cit.'Wck, nnd'sta.aft Brotschnitte hinein und
'p:ck und Lumpen und betet: Ze vous salue,
ck.ario...

Die Lun'psn sortierl sre in schwere Frachtsäcke,
ie der Händl r abholen konuiit. Dis- Brotschirrtte
>«.rk.rl'st sie üt>er die Berae hinüber dem Schwojne-
ichtei n, -u.i'id don Spect brät sie. Und betet: Ze
oas saKe. Marie . . .

Li tz di- Centimesstiicke klimpern, dann die
rnnbii, dani'. die Füwsfcailken. daiin das Gold.
»c,u dun Gsld bcrnte sie sich das weitze Häuschrn,
as lchte im Dorf. Unb fveute srch> und wartete.
'ie wartete amf ein'-'n. Auf dsn Sohn. Den Sohn
att.su sie hüiisen wolleii. weil er im StrM Eiuen
r>>ch'"ig. Da 2ing er ihiiea durch. Sie selürr hat
M über dre Berge gebracht. im Mägetchen des

Lumpenhändlers unter den Säcken. Saprlsti, si-e
wird ihn doch nicht häugen l'assen.

Wenn Gras iiber die Geschichte und doni Zun-
gcm Haare ins Gesicht gewachscn sind, dann wird
man vielleicht ein Auge zudrücüen und d:n Sobn
der alten Madclone miederkommen lasien, o-hue
ihn M hängen.

Uud weiui er lüm — ein eiliziges Mak in dcr
Nacht — im'd uuc. um ihr waitzss Häuschen zu
schen. Darciiuf w'.irtete sis. Er wird einmal kom-
men. Das wcitz si.>. Und gehl und bettelt u.nd
schieicht und be-tst d n Häusera. Zhre Stimmo
schnnrrt alt und vsrgrämt, wehleidig und mitkeild-
ertzegend: Ze vous sal'i'. Marie. . .

Aber da koii'men eines Tages die Frauon vcr-
stört an die Tiirsii, itopsen ihr den Nettels-ack voll,
sagen, sie müsse Leten, sie müsie oiel bete-n, oin Un-
glück zeige sich, in dem Schieferstollen seien in dem>
Gallerien.e 2 und 1 d-.e Stützpfeiler Mu-nkon. und
iua.n ecinuere sich doch, datz es in den altcin Ue>ber-
liascrungen stebs, das ganze Dors würde oinmal in
der Schiesprgri.be vcrsi 'ksn.

Da tommen auch schou die bb.-ichen, schlaffen
Männer von der Na-htschicht zurück und erzählon,
datz es wirkl'ch so '.icschehen. Uad fluchen. Sie-
fluchen immer, wcnn sie b/ewegt oder erschüttert
sind.

„Tannerre. und grad die Gallerien 2 >und 4,
toniiLrre. tonnerrc!"

,.Hä was! was ist denn mit dj.m Galterien 2
l'nd 4? Wavum grad die?"

„Eh, du verdammtes Weibörmaull Woitzt du
uicht, das; Gallerie 2 und 4 das g'anze Dorf durch-
kreuzt'und hohl legt?" ^

„Hä ja, und Gallrris 2 .und 4 siand im Zahr
1850 voll Wasser wie cin Negenfatz."

„Sacve Lliou^ was läuft de'i'i der Uhe Eli
daher.

Der süspr Eli kommt wte ein Flüchtonder ge-
rannt, wirft die Arme, datz der blaue Bergmanus-
kittel flatbert. hat den Mund wi?it offen, schreit
etwas. Was schreit er? Sakre diou^ das Wasser
wär iii den Galterien .... Vsrgleute .. . cruspum-
pou . . . vite. vite. vite!

Sie reunon, si? stürzon, die Kittel flattern. die
Beine fliesen, die Schcitte dröhnon. Das Schlaffe,
die Müdo ist -ans ihnen. Mit gefalteten Händoir
iiber der Brulst 'schesi ihnen die erschreckton Frauen
' nach. Guher Gott, guter Gott. menu da m«r kvin

Malhcur wird, eh, Nladeko-ie, l>et. bet. da — Brot,
da -- Sveck, da - auch e>n alter Nock. vuter Gott.
bet, Madelone.

Da ziebt Madelone durch -die Stratze und ihve
Stimine schnarrt: „Ze vous salue. Marie. ."

Dio Männer kehren nicht wiodor. Sie -arbeiten,
sie pumpen. Man wird des Wasiers nicht Herr.
Znrmsr mehr dringt ein, immer mehr. Dile Schat-
'ten des Äbonds fallen schsn. Die Frauon laufen
an den Förderturm. warteu. Sie vierlangen iyre'
Männer, sie weinon.

Da tönt vdii druntei, herauf -das Nolsignal.
Man soll den Förderkorb heralufziehn, vite, vite,
vite! Dip SchvauLen knirschen, die Kettcn sck)iurfen
über die Kurbel, höhcr. immer böber schweLt der
Förderkorb, hockeude Acänner, Lleich und müde,
stunipf u. uuverdrossen. Die Gallerion sind nicht mehr
zu r-etten. Es Lröckelt schon, es wird stürzen —
Und schon dvu'iiton ein dumpfwogender Fall, tief
uivd arausig, hintennilch ein Knattern und Raspoln,
imd zwischendurch strömendes Rauischen des ein-
dringenden Wassers.

Die Gallerion 2 nnd 4 cingostürzt! — Die Män-
r..er stehen stumm mit hängpnden Köpfen wie Lei
einem Begrcvbnis. Dort unten in der Tiefe wird
sa aiuck etwas begraben, was ihnen gchörte: ein
Stück Arboit. ihres Lebens.

Dis Fraüilen drängen an sie heran. sie sch'.ingen
den Arm u»n den der Männer. ach Mter Gdtt.
mags da dvunten stürzrn, wenn 'sie ihn nur beil
hie dcoben haben, den Mann. den Ernähver. A'ber
da stehen die Männ-er noch siumm ur»d stotzen. die
Frauvn Mrück. Mas weitz ein Weib davon. wieoi'el
m.an mit einom Stück Arbeit begräbt! Doch füh-
ron die Frauon sre heim in die ongen Stuben und
setzen sie an ven gedeckten Tisch.

(Schlutz solgt.)

Theater und Musik


Mannheimer Nationaltheater

Die Züdiil

Frau Ortner. unsere neuo Hochdramatische.
sang am Sonntag als zweite, ihr entschieden mehr
wle der „Fidelio" li-egende Partie, die Necha. Nach
manchen Unsicherheiten zu Anfang ging hicx Frau
Ortner, deren tragender und ausgieL'ger Höhe nur

mehr Ausgeglichenheit zu wünschei, ist. vom zwer-
ten Atte an crfreulich aus sich heraus. So kam
ihr schönes Material voll zur Geltung Da die
Künstler n die Tragik der Recha-Gestalt auch dar-
stellerisch packend g^staltete und ihre Mittellag«
seit ihrem letztjährigen Gastspiel gewoiinen, konnre
man mit dieser.Recha zufrieden sein. Das Ele,che
gilt von Herrn Bartlings „ur darsieller sch
etwas überhasieten Leopold. Zm übrigen hatten
neben Herrn Günther - Brauns fesselnd-rea-
listischem Eloazar vor allem Herrn F r a n l s wuch.
tiq gesungeuer Kardinal und Frau Cdens Prin-
zesiin Anteil am Erfolg des Abends an welchem
auch der Chor recht tonschöii Felix Lede-

rer brachte die etwas äutzerliche Halevisiche Mu-
sik zu voller Wirkung. —

Neues aus aller Welt

* Gegen den „Hcrrn Zoachim vo» Hohenzollcrn-.
Zu unserer Notiz in Nr. 204 unter dieser Sp'tz
marke schre'Lt uns der Vertreter des Pnnzen:
.Der Name Sr. Königlichen Hoheit ist nach wie
vor ..Prinz Zoachim von Preutzen". da der Name
.Hühenzottern" nur den Namen seines Geschlechts
darstellt. Von einer Klage ist Sr. Königlichen
Hoheit erst durch den Artikel in Zhrer Z-ntung
Kenntn^s gegeben worden. Der Betrag von 214.20
Mark ist von der Hofstaatskasie Sr. Königlichen
Hoheit durch Postscheck am 13. Dezember 1018 über-
wieseu wordeu. Die Ucberweisung konnte nicht er-
folgen, da der Postscheckverkehr cingestellt war.
Se'ine Königl. Höheit Prinz Zoachim von Preufsen
ist niemals unbekannten Aufenthalts gewesen. son-
dern hat semen Wohnsitz in Potsdam. „Villa Lieg-
nitz". niemals verlassen.

* Die Bahiisteigkarten werden teurcr. Das Lay-
erische Verkehrsministerium tcilt mit. datz der Prels
für die Vahnsteigkarte auf 20 Pfeunig erhöht wird.
Uebergangsweise sind zwei Karten zu je 10 Pfen-
nig zu löseu.

Das drahtlose Tasch-"telcphon. -'Varconi st-l
es nack) einer Drahtuiia der Magdoburglscheir ZU
tuiig gelungen set». sich mit einem Freund' durch
eiii drahtlasi-s T„lche"tclepl>on zu vcrstai'd-gen.
 
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