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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0140
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Der altcn Vcrfussung wurde in den letzten
Tagcn eine eingehende Erabrede gehalten.
Aeber die Toten nur Gutes war dabei nichl
gerade der Lcichentext. Sondern Eerechtigkeit
im Aufzeigen ihrer Vorteile und Nachteile,
zwar nicht im Einzelnen, wohl aber in dem
ganzen Eeist und Erundgedanken und in dem,
was seitdem aufgrund dieser Vcrfassung an
und in der Kirche entstanden ist. Der diese
Erabrede hielt, ist der Mannheimer Psarrer
Dr. Ernst Lchmann. in seinem eben erschie-
nenen Buche: „Der Aufbau der evan-
gclischen Volkskirche in Vaden",
einer Schrift, die noch mehr als Grabrede über
die Vergangcnheit eine Taufrede für die wer-
dende Volkskirche sein will und wirklich auch

Man kann die Zeit von 1861 an, ein-,
schließlich der besonders dargestcllten „Aera
5>elbing" wesentlich andcrs einschätzen, als Dr.
Lehmann es tut, wesentlich wärmer unter Enr-
schuldigung mancher Schatten und unter Be-
iiiäsichtigung eines fehlenden Volkswillens
uuo bewußten Kirchentriebes: zugegebcn muf;
dennoch werden. demokratisch — synodal war
das Derfayssungsprinzip nicht, unter dcm die
das Verfassungsprinzip nicht, unter dem die
scit 1861 bestanden hat. Lehmann zeigt uns
fogar. wie die Verfasmng durchaus nicht ihren
gutcn Nuf verdient, dessen sie sich weithin we-
gen angeblich liberalen Eeiftes erfreut. Die-
ser „Bildungsliberalismus", dieser zu wenig
'srziale und von unten her ergänzte aristokrati-
sche Eeist hat in der Tat vielfach der Kirche
gcschadet und dem wahren religiösen Fort-
schritt Steine in den Weg gelegt. Wenn auch
nrcht in allen, so doch in vielen derartigen An-
klagen hat Dr. Lehmann richtig gesehen.

Ob es aber überhaupt restlos möglich ift.
eine Landeskirchc ganz auf die Bafis dcr De-
mokratie aufzubauen? Baut man ausschließ-
lich von unten, so gehen eben wieder Werte
oristokratischer Art verloren und diese Werte
maren denn doch auch nicht so ganz wertlos.
Ilnsere Heidelberger Daniel Schenkel und
Richard Rothe und die anderen Eleichge-
sinnten wußten wohl, was sie taten, als sie die
alte Verfasiung aus der Taufe hoben und das
Kind sozusagen auf seine „aristokratischen und
iudividualistischen Beine stellten." Das möge
auch jetzt nicht ganz unvergesien bleiben, de
heute der Pendel der Eeschichte und der Ent-
wickelung nach der andersn Seite ausschlägt.

Freilich die Wahl, zu der die Elieder un-
serer Landeskirche am kommenden Sonntag zu
schreiten Lerusen find, berufen, soweit fie sich
cmgemeldet hatten, lüßt wenig von der grund-
sätzlichen Erkenntnis der Dinge erkennen, die
anzudeuten der Zweck obiger Zeilen ist. Mehr
hat man von Vekenntnis-Freundschaft oder
Pekenntnis-Feindschaft reden hören, wie weno
die Bekenntnisfragen im Vordergrund stün-
den. Nein, was man unter dem Wesen der
Kirche vcrstehen will, nach welchem
^Prinzip man dis Kirche neu bauen oder
umbauen möchte, in welchem Eeiste man
fich diefeArbeit denkt, was das Vauelement
dcr Kirche sein soll, Gemeinde oder Ve-
börde oder ein Ausgleich beider, das ist
dre Frage. und diese Frage ist weit wenige:
als zugegeben wird, eine Parteifrage. Viel-

*) Wir Mrden uns in uns:s:r Beilage „Dom
religiösen Leben der Gegsnwart" ausfuHrlich mit
dem Buche befassen. Es ist niach mehr alls einer
Nichtung wertnoll. Heute loll es nur Lirz, aber
cindrrnglichst zum L-ssen emvfoblvn sein. Er-
Wenen berm Evcrng. Verl-ag, Heid«l?erg^
Preis (-bis 1. Okt.) 8 Mk. ^

Theater und Musik

Der Verband znr Förderung deutscher Thea-
lerkultur beabsichtigt in Karlsruhe ein« Orts-
gruppe zu «rrichten. Die Eründungsversammlung
f'.ndet am 21. Sevtember. abends 7 Uhr, in der
Technischen Hochschule statt. Dabei werden sprechen:
Privaldozent Dr. K. H o ll ,Mr Einführung", In-
tendant Dr. (5. Hagemann über „Theater und
Kultur". Dr. E. L. Stahl iiber „Die bisherigr
Tätigkeit des Theaterkulturverbandes" und ein
wciterer Nedner über das erste Winterprogvamm
dcs Karlsruker Orchestervereins.

" Erich Wolfgang Korngold soll nach einer Der-
c'.nbarnrg'. mit Dr. Löwenfeld, deii'. Direltor des
Hamburger Shadttheaters. als Dirigent in den
Dienst des. H'a mburger Stadttheatcrs
Wie d.e „Hamburger Nachrichten" schreibsn. rvill
ihm Dr. Löwenfeld eine Dirigenten'tellung voa je-
ner Art einrichien. wie sie Franz Liszt in Weimar
hatte. Korngold soll nach seiner Wahl Oper.n di-
rigieren und einstud-eren. Als erste nahm Korn-
gold den „Troubadour" ins Auge.

Kunst und Wisssnschast

* Hochfchulnachrichtem Prof. Dr. David Katz
^ ^ ^ n wird dem Rufe an die Univer
sttat Rostoct folgon und hier den neuerr chteten
aukrerordentlichen Lrhrsiuhl für Pädagogit und
Phrlo!0flhlr. sow.e di- Lritung des psychologischen
Illpituts uoernehmen. — Dex wissenschastiiche
H lfslcyrer an der OLerrealschule in Erfurt,
Dr. Eusrav Kirchner. ift zum Lsltor der eng-
l!sch:n Sprach-r an der Universität'Jena ernannt
wordcn. — Der P.nlolog: Ei.'h. S.-udienrat Eym-
nafiaidrr-rtor a. D. Dr. Rudolf Mücke in G ö t
ti.ngcn vollsndete am 23. Septsmber das 70.
Lebensjahr. — Profcsior Dr. Jul:us Has-
hrrgcn >n Bonn hat den an ihn.ergan-
ernen Ruf znr Uebcrnahme des Ordnrariats der
n.itt eren und neuer n Tesch.chte, v rbunden m>t
ci.i rn Lol/.allftrag für rhcrnische GcMchte an d. r
UnivcrsitcL KoIn angenommen. — I.n Eöttin-
der cnrer. o. ProfLssor der Staatsw s-
»en.chasten an der dortigen Universitäl, Geh. Ncg -

mehr ist dies eine Frage desElaubens
und des Vertrauens zu der Reife der Ee-
meinden und der einzelnen Kirchenmitglieder,
eine Frage des Vertrauens auf die Macht der
Ideale, die selbst bei etwaiger nnzweckmäßiger
Behandlung doch nicht ihre Kraft verlieren.
In dieser Erkenntnis würde ein weiter ge-
meinsamer Weg und eine starke Ueberbrückung.
der Eegensätze liegen und auch eine Gewähr,
daß unter der neuen Verfasiung ein neuer
Eeist, ein Geist des sich gegenseitigen Ver-
stehens und Ergänzens gehegt und gepflegt
würde.

Durch das Verhältniswahlverfahren ist
vorerst das ganze Verfahren unter die Partei-
schablone gestellt. Sei es drum! Täuscht
nicht alles, so ist man innerlich schon vielfach
über das Parteiwesen hinausgekommen, da
man noch äußerlich Partei und Parteiwahlsy-
stem auf den Schild gehoben hat. Der Erfolg
und das Ergebnis wird zeigen, wieweit ge-
radezu dieses Parteiwahlsystem zur Ueberwin-
dung der Parteigegensätze beitragen wird.
Denn bei der Wahl kommt auch die Minder-
heit zur Geltung, „auäitur", nicht bloß „nu-
äintur" nltern par'?. und so mag denn über-
haupt jede Majorisierung unterbleiben und die
Verschiiedenheiten werden einander ergänzen
können statt einander befchden zu müsien. Eine
Kirchenverfasiung auf diesem Prinzip ge-
baut und in diesem Geiste geleitet, wäre frei-
lich etwas Neues. von dem Werke des Iahres
1861 nicht Erreichtes, aber etwas Vesieres als
das Fruhere und endlich etwas, was einem bei
den Jahren 1918 und 1919 wenigstens einiger-
maßen angenehme Gedanken und Erinnerun-
gen zu wecken imstande wäre

Um Fiume

Die „Times" berichtet: Aus Rom roird zuver-
lässig gemeldet, dasi die italienischen Armee-
kommandanren fich in der Kronratssit-
zung gegen die Verwendung italienischer Trup-
pen gegen Fiume ausgesprochen haben. Es wird
weiter bekannt. daß in den italienischen Kasernen
Kundgebungen für die Besitzergrcifung Fi-
umes staltfinden. Aus Mailand wird berichtet,
daß Aufrufe in den Kasernen zur Bildung von
Freiwilligenkorps für Eabriele d'Annunzio auf-
fordern. Zn den Kasernen und in den Straßen
Mailands finden feit Sonntag unausgesetzt Kur.d
gebungen gegen die Haltung der Regierung in
der Fiumefrage ftatt. Jm Ministerium herrscht
keine Uebereinstimmung über die gegen dio Volks-
agitation zu ergreifenden Maßna-Msn.

Kämpfe zwischen SLdslawen und Italienern

Spalato, 25. Sevt. E.stern nachmittag b--
gllnn e'ine süd-slttwische Trupvenaibtei'lrms in
der Mchtmrg auf die pon' dsn Ztalienern besetzte
Stcvdt Drcrn vorzudringrn. Die Einwobner oon
Drcm sriffen su den Waffen unb.eröffneten das
Feuier -cmf die Jtali-ener, die eiiligst die ^St-cvdi
verlichen. Den Siibsiaiven fvelen 1 Panserauto,
dm Kommanbcmt dep italienischsn Truppenabtei-
lung und drei Mann in die Hänbe. Jnswi chen
schifsten stch 200 b^wttfsnete amerikanische
M>ar'rne!soir,Lten mit Mnschinengewehren aus nnlb
übsrnah-men das itialiirnische Panzerauw und die
Ecifangenen. Insw'Hch>en trafen die serbischcn
Truvven, von ber Dwölkerung stürnrisch begrüsii,
ein. Di-e Ämepikamer Wergcch.n die Stadt den siid-
slcuw'üschM Trimpsn rmd schifften fich wieber ein^
Die sübslawrschen Truppen verfolgten dle Italic-
ner üibrr die Doau hinans unld setzten chre Aktian
fort. Em amrrikanisches Kriegsschiff ble'ibt einige
Tage im Hafen^

Rat Dr. Eustav Eohn. im Altor von 79 Iahren.

— Der Präsident der bayerischen Akademie der
Wissenschaften. Direktor der Münchener Stern-
warte Geh. Rat Prof. Dr. Hugo v. Seeliger,
vollendete am 23. September das 70. Lebensjahr.

— Jn München vetschied der Kunstmaler Wil-
helm Eilers im Alter von 63 Jahren.

* Prof. Dr. Hans Rott in Bruchsal wurde zum
Direktor dcr Sammlungen von Altertums- und
Völkerkunde in Karlsrube ernannt.

— Die Zejtschrift „Eeist Les Osten", das Organ
der Gesellschaft der Kunde des Ostens in München,
wird, nachdem die Herausgabe der Zeiischrift wäh-
rend des Krieges ruhtc, dcmnächst wieder zu er-
scheinen. bcginnsn. Als Herausgebsr zeichnen der
bekannts Sanskritforscher Dr. Herm. v. Staden
und Frau Elife MarquLrd, eine der beften
Kennerinnen des Or „nts und seiner Kultur. Fast
alle nttinhaften Orientaliftsn gehören zunr Mitar-
beiterkreis der Monaisschrift. die im Schahin-Ver-
lag in Darmstadt erscheinc'n wird.

Neues aus crller Welt

* Anch e:n Zeichen der Zeit! D.e bebbein Kall
stadter Winzerve.eiue b-ttben so.b.n bis cruf wc'-
teres iyre Ausschan,kstatten wcgen „Revaraturen"
geschkosien. Sie beksmmcn — da- ift Ler wabre
Grund — beim Verkauf ihxer Dvstände im Grohen
noch höhere Wuchervreise als beim Schoppencms-
schank.

- Oberleutnant Hofrichter begnadigt. Der
Präsident der Nationalversammlung chat dsm sei-
nerseit wögsn Eistmoüdversuches an eincr Ansahl
von Gsllieralstabsoffizieren oerurteilten ehemali-
gcn Obrrlcutnant i)Üd o l f Hosrichter den Nvst
der Fre'beitsstrüfe crlassen. Wie noch erinncrll ch,
blli im Novemb'-r 1910 Obe-'leutnlli't Hofrich-
t e r, der d-L'nrls den Eencralftaib.'kurs bcfuchte,
aus Ebrseiz, uin ein schnclleres iAiv,ancement su er-
rcichcn, sn eine gröber» Jcrbl feiner Vobdermän-
ner tn der Altersliste mit Zyankali vergiftete Pil-
len als anonynie Ee chcnke gSsandl, Hofrichter

Krisengefahr in vesterreich

Zahlungsstockung

DVs Tägliche Ruivdfchau bshcruptet, dah in
OestSvvoich den Staatsbankerott bereits
Totfacho gsworldien sei. Das üsterreichvsche
StttlatSamt der Finan-en iir AZien hätte Id've dsut-
schsn BamLen erfucht, vorläufig eine Einlösung
von Wllvgkeiten der Lsterrerchischen Sta'ats-schuld
nicht mehr, vorLunehmen. Motiviert wüide das fol-
genderMatzen: An dem von der Republilk Ooster-
reich am 1. ssevtLm>ber 1919 unterzeichneten Frie-
densvertrag set allerdings eine Regelung der
Derbiudltchkeiten der Staatsschuld des ebmnaltga::
Oesteereichs avfolgt. 'Die Durchführung d-'s Frie-
densvertriLges erfolge je-doch erst nach umfangver-
chen Do-va-Nbeiiten und Feststcllnngen, die vor dem
1. Oktober nicht abgeMossen rvevdien kön-nten. Eine
proviisorifche Rsgolung und Mieisungen über die
Wrcidemuifnahms der Zahlungen in dom Umfangr,
der den Vervflichtungen der RopiMik Ossterreich
ontspvicht, würden jodoch in allerncichfter Zeit mit-
geteiilt wevden. Biiis Äahin soll eine Einlösung der
FäMgkeiten der österwichifchen Staatssch ld miter-
LLeiLsw. Das iist, wenn man will, zunäch/st nur eine
Zahlungsstockung. Ob eine Aahlungi.'>ein-
stellung davaus wirklich wivd, wird man zunächst
abwarten müsian.

Dio Tägliche Rundschau erzählt bs'i derfekb-en
Eelogenheit auch, dasi es sich bei der neuerlrchrn
vertrjaultchen Konferenz der -devt chen Finanzmi-
nvster sich uin die Frage der Verhütung des
Staatsbankerotts gohai„dr lt habe.

KLrzung der Vrotration

Infolgs der mang.'lhaften Mbliefovungen von
Eetroiide vm.Jnlande und der kleinen Zu-
schüsfe vonseiten der Ententc in letzter Z.ir strchr
nach erner hlesrgsn Ko.respon^e.iz eine Kürzung
ider Brotration bLvriis in nächstcr Z e i t
bovor; wuch in der Kartosfelvcrforgung
sieht Osstrrreich schweren Zeilen entgrigen. da die
Ernte in Oesterrcich sehr mäsiig ist. V:rs ch'-, aus
DoutMand Kartosfeln zu b-k7>mmeni, sind gsschei-
t<rt, da Deutschland gcgen ieden, Lebcnc-mittol,
trans-port vst.

England erhält dcn „^mperator"

Euglische Dlätter vom 22. ScptSmL.r melden
aus Nowyork. Die Ve.-Hinigtcn Staat.n haden
Erohbritannien d.c f üh rcn dcutschcn Tainpfsr
„Imperato r", „Patr' cia" und „P-.etorlia"
üäertragen. Wie verlautet. wcrdcm d.e srühe..L-.t
deutschen Dcmipstr „Eraf Malderssc", ..Mobilr".
Kav Finifterr^' und „Kaiserin Augrste V k-'oriill"
de.nnachst c'benfnlls Eroßb.itllnnicn üd rrragen.
werden.

Die Wrener Cnthüüungen

Das Echo bei der Entente

Die englische Presse l,at bis jetzt von
den österreichischen Vcröffentlichungsn nur ganz
lurz Kenntnis genommen. Diese schreibt, doß di:
neuen Enthüllungen keine Dcrschiebung iu dem
B'.ld von den UrheL-irn d?s Kr'sosausbruchs brin-
gen könnte- auch in der f r a n z ö s i s ch e n Pr>-siö
ift diese Auffasiung fcstgehalten. Besondcrs cha-
vakteristisch ist die Aeußerung der „Debats", worin
es heitzt: „Die Ursnch^ des Kriegs fieht ar-f d m,
Schuldkonto der b e i de n deutschen Sta-.r
ten. das ist eine Eewißheit. Wir haben. nuch ein
moralisches Inter sst Laran, d efc Gewißheit zu be-
halten."

Oesterreichischc Millionen fiir Nikita?

Ein Londoner >7.!cgramn besagt, daß der be-
kannte ameritanische Iaurnalist Paul o. Wie-
gand nsue Entbüllr.nac.i auc dcm Geheimarchio
des Ministeriums des Aeußern n Wien ankündigt

wiM-e zu lebenslk-isüMm Kcrker vermteilt. D'i
Muvbrrch des Kr'v-Ä s wrldcte cr sich zum Trenst
<rls Frontsolldat, wrmde aber ab^ rv'csen. Dcr Fall
Hofrkcht« hat seiner-zcit io'st .rk § Aufsthen crregt.
dcvtz üb« ihn ekrre förmlichc Litcratur entst.iM

Grober Mitzbrauch bei der
Aemterverte'luirg

Loicht kommt unter Deutschlllnds hcche Tisre,
Und im Glanz crh.io'ner A mtce st.vhlt,

Wer 'laut Ausweis der Partc vapiere
Seinün Deitrag immer v.omv.t bezahlt.

Bürjgcrmci'ster od.r Amtsvorsr beij
Landrat und R-'g'crun.gspräsi ent.

Alles Lics wirst du um so eh r.

Ie genlauer die Partet dich k a.'t.

Fürchte nicht, L-a7 m>cm dich ctrr-r r.nbscl m>cisj,
Falls dein ge'.st'g s Dcfizit c la. nt !

Das Talent crsttzt d-er rote Ll,.:sweis.

Mit dem Amt gibt die Pai.c, Terstand.

Eerber Schuls er.üchte voll b'<jittr:ng
Um ein Pöstch'-n. Man gewäb t ihm d c.-,

Wsil der M-virante sich la t Quiltung
Als langjähriger Eenob crwics.

Doch bald -ei-gt sichs, dafi dkr list'ge Errö r
Nie zur zahlenden Partei gebört.

Jn dem Kuevse redlichcr B''wer,her
Hat die Fälschung.ungemcin emvört.

Denn die Ordrvung wankt, und an ldie Nv-.re
Eehts dem Staat, — der Vorwärts rüz- es schnf!
Wjenn sich ieder die Parteipo.picre
Und die Quitluivg selbor schreibcn darf.

Caliban i m T a g.

U. a. werden Schriftstücke veröffentlicht wech«
aus denen hervorgeht, daß dcr König vou
Montenegro von Oesterreich bereiis igna»
Iahre vor dem Kriege und auch während d »
Krieges Geldsummen. darunter kurz nack
der Kriegserklärung Oesterroichs an Serbiey
MiÄionen Kronen erhalten habe, um den gröii
serbischen Plänen, dic für Montc„earo
-ehenso bedenklich waren, wio für Oesterreich. Hm,
dernisse in den Weg zu legen.

Wilson bleibt fest

Amfterdam^25. Sept. D-as Prcssebureau Nadio
meldet aus Annapolis: Wilson erklärte m ciner
in Lake City gehaltenen Nede. mit der An-
nahme irgend eines Abänderungsan-
trages falle der ganze Friedensver
trag. Jn einer Rede in Utha crklärte dsr Prn
sident, daß es ihm nichts ausmach.e, we
lange der Kampf dauere. Er werde ihn bis znm
Siege durchführen. Den republikanischen
Führern wurde eröffnet, daß die gemäßigtm Re
publikaner nicht für den Abänderungsa, irag stinu
men werden.

Lodges crster Sieg

Paris, 25. Sept. Senator. Lodge trug geste-,n
im Senat im Lcrufe der Diskussion üb r den
Fricdensvertrlag einen parlamentartschc^
Sieg davon. Trotz der Bemühungen der Demokra-
ten kam mit 43 gegen 40 Stimmcn ein Antrag z:-r
A"nahme, burch welchcn die Diskusiion über den
cr,ten Zus-atzantrag F-all cruf die nächsis
Wcche verjchoben wird. In diesem Zr.satzantiy';
wir-d verlangt, dasi die Vsreinigten sSt-aatcn in kei-
ner durch Len Berlrag eingesctztcv Kommisiion sein
sosten,

Die Viehablieferungen

Die Viehablieferungen Vayerns an die En-
tente find in den nächsten drei Monaten mit den
Sammelstellen in München, Niirnberg und Würz-
burg wic fclgt ststgesetzt: 19 795 in Milch stehrnde
Milchkühe . 14 296 Kälber. 1529 Bullen. 6446
Iungrinder, 2262 Zuchtsauen, 16153 Schcfe, 162
W-ddei, 686 Ziegen.

Diese Ziffern Uberschrejten bereits im wesent-
lichen die Leistungsfähigkeit Vayerns und sind trotz-
d;m erst als vortäufig ttnzuschen!

Die Million für den Sergeanten
Manheim

kam in der französischen Kammer zur Sprache Aus
die Vehauptung des Abg. Marin, daß die Forde-
rung-en der französischen Regierung von Deutsch-
land stets umgangen wurden, erklärte Clemen-
ccau: Wir haben alle die von uns verlangten
Eenugtuungen erhalten. Marin erklärt-e: Ich
glaubte, daß die Buße für die Ermordung dcs
Sergeanten Mannheim durch eine Privatper-
s o n und nicht durch don deutschen Staat, wie Sie
verlangten, entrichtet wnrde. Clemenceau erwi-
dsü-e: Sie sind m Jrrtum! Darthou erwiderte
hicrauf gegen Clemenceau zugewandt: Sie haben,
verlangt. daß 1 Million an das französische
Rote'Kreuz ausbezahlt werden soll. Die Aah-
lung crsolgte an das i n t e r n a t i o n a l e Rote
Kreuz. was zur Folge hat, daß Deutschland aus
diese Weise wieder einen Teil des Geldes zurücker-
lai.gen kann. Tr fft dies zu? Sie müssen mit ja
oder nein antworten! Darauf wandte sich Clcmm-
csan an Barihou und antwortete ihm sehr ent-
sch cden: Nun gut. ichsagenein! Iä> habe eine
Million verlangt, di-ese wurde an das franz 5 si-
schc Siote Kreuz ausbezahlt.

Die tzerren Europas bei der
„Arbeit"

Jm „Journal de Eeneve" plauderte W:lliam
Marti'n einige interessante Borgänge
aus den Sitzungen des Obersten Rates aus, Man
versichert. däß Orlando. der kein englisch oerstand.
greße Mü.> hatte. den Derhandlungen zu folgcn
und ia der wi'desten ArL gestiküUerte. Clemen-
c'c a u', der durch die Kugel, die noch in se ncm
Körper saß. geschwächt war, schlies östcrs ein.
LloydEeorge hatte die Teschencr Fragc ange-
schni tcn. ohne zu wissen, wo überhaupt
Teschenliegtu. Wilson hatte Südtirol den
Itaüe: ern gegeben. weil -er nicht wuhte. datz
es sich h er um ein deutsches Volk handelte.

Und diesen Ignoranten sind wir wehrlos aus-
geliefert!

Der sranzösische Terror

Mainz, 24. Sept. Nach einer amtDchen
lanntmachung des Oberbefehlshgb.rs der zchn^
ren Armee haben auf der Straß. dre Männe:
die entblößten Regimentsfahnen und dre
militärischen Leichenzüge zu grüßetz.
Während des Absingens d:r N a t i o n a l h y m u e
dcr alliierten Mächt». an ösfentlichen Orten hnde-l
d e Männer die Kopfbedeckung abzuiicy-
m e n und die Hymne stehend anzuhören.

B rliN' 24. Sept. Die Franzssen verbi. ten
d' e Eidesleistung der dcut.s ch en Ve a in -
t e n Dsr dcutschen Negierung ist dcr Befelst dü
s-an.'ösisch^n Konirollstellen Lei'dcr deu:sch-'n Z>'
oilvcrwa.tung m.Bezirce Wiesbaden zur K.nnt-

nis g2komi>:en. in d m dsr Regierungspröüdent

von Wvrr!.".7-.': ersucht wird, jedr n-'se Eid^lrr-
stung Lcr L.utschrn Veamten zu verb eten. Ieesr
B ttintc, der cinen solchcn Eid le stet, oder chn
n n Untergsbencn abnimmt macht sich. w-.e
hcißt. einss schwcren Vergehens schiildtg.

deutsche Wanenstiisstandskommiision hat nn
Arstr.ra; L r deutschsn Ncg erung g gen dcn sran-
zösiichcn V-.f.7l nachdriicklichst Derwuhruiig erng^
legt und dic Erwartung ausgesprochedatz stm
d:: All'.iertbsi der Prüfuna der AngelegealüN
von der Notwcndigkeit dcr Besüt gung des Be-
fehls' i'.berzeugen werden.

Die sparLakLtzrschen Mb'rdev-
zenLralen

Ikcber die Aufdeckung kommunistischer Mörd«r-
zentraken >n Teutschland. ron dcnen. wie g.'met-
d t, eirre sscbsn in Halle ausgehoben wurds, er-
fahren wir noch von unterrichteter Ecite: Die kom-
munistische Partsi hat in zahlreichen Stav-
tcn Deuischlands Mörderzcntralen
 
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