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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0148
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Weiter heitzt es dann: Aber über allein inöae
Ans, auch wenn wir auseinanderaehen müssen. dte
alteKameradschaft nicht verloren
gehen und -er einigende Sinn fiir die stolzen Ta-
ten des Krieges, sowie die Liebe zu unseror vom
Feinde unbesiegten Flag»e. Der Aufruf
schliefst mit der Aufforderung an die Marineange-
hörigen. zusammenjjuhalten in Treuo gegen jeden
Kameraden. wie in der Liebe zum Vater-
lande und mit der alten Kraft die neue Ar-
beit in Angriffzu nehmen.

Die Arbeit der deutschen Minensuchverbände
Die Admiralität gibt bekannt. dah die deut-
schen Minensuchverbände längs der jütlän-
dischen Küstc einen 10 Soemeilen breiten
Eroß-Schiffahrtsweg von Minen säuberten.
Die neu gcschaffene Schiffahrtsstraße verbindet in
einer Längenausdehnung von etwa 60 Seemeilen
das minenfreie Gebiet der innercn deutschen Bucht
mit den gleichfalls mi.nenfreien Gewäsiern der
nördlichen Nordsee und des Skagerrak uiÄ» crmög-
licht den Schiffsverkehr auf ;dem direkten Wege,
den Zugang zu den norivegischen §iäfen und zu den
Fängplätzen der nördlichen Fischgründe. Der
Hauptstiltzpunkt für die dort arbeitenden Minen-
suchsahrzeuge war der dänische Hafen Esbjerg,
deffen Benuhung ihnen dänischerseits in entgegen-
kommender Weise zugestanden wurde. Die Ärbei-
ten in.diesem Gobidt roerden fortgeseht.

tzilferufe der bolschewistischen
Regierung

Nach einer Mos'käuer Radiomeldung erläßt die
bolschewistische Regierung einen Aufruf. in dem
es heißt:

„Dfe roten Armc>en habsn Charkow, Ostrow,
Jekaterinoslaw, Zarizin und Kiew aufgeben müs-
sen. Die Ee'genrevolution im Dongebiet
Lreitet sich immer Mehr aus. Wir haben
uns äus allen Gebieten zurückziehen mtiffen, aus
denen SowjekrLßland Kohlen ustd Gold zum Htzi-
zen erhalten konnte. Dennoch haben wir keinen
Erund, vorDenikin Angst zu habe n."

Dann folgt eine Drohung. daß man ihm das-
selbe Schicksal wie Koltschak bereiten werde,
und Aeußerungen des Bedauerns, daß man leider
im Anfang die Offensive Denikins nicht richtig ein-
geschätzt habe. Man werde das alles aber wieder
gutmachen und die Arbeiter sollten nur helfen, De-
nikin zu schlagen. Dann würden die Schornsteine
der Fabriken wieder rauchen und die Eetreidezüge
wieder rollen.

Nach einer weiteren Meldung würde in Mos-
kau der Velagerungszustand erklärt. weil
die Regierung einen Streifzug der Kavallerie De-
nikins in die Eegend von Moskau fiirchtet.

Ein polnischer Sieg

Kopenhagen, 26. Sept. Nach einem Telegramm
aus Warschau ist die große Schlacht bei
Kraklawsky an der Düna nach zohntägigem
Berlauf Mit einem vollständigen Sieg der po ln i-
schen Truppen entschieden worden. Bedeutsame
bolschewistische Streitträfte wurden umringt und
aufgeritzben. Die Polen machten über 1500 Ge-
sangene, außerdem wurde viel Kriogsmaterial er-
beutet.

Regierungswechsel.

Amsterdam, 26. Sept. Der „Nieuwe Courant"
verzeichnet das Gerücht. -aß Lenin gestürzt
sei und einer anderen Lolschewistischen Re-
gierung Plgtz gemacht hat.

(Lenin ist schon so oft gestürzt worden, daß
einigo Vorsicht dieser Meldung gegenüber anqe-
Lracht ist.)

Franzöfische Rachsucht

Die fvLnzöstsche -Regierung beschlotz. die Franzo-
sen vor ein Kriegsgericht -u stellen. di>e an der -wäh-
rend dtzv deutschen Besetzun-g in Nordfranckrs'.ch er-
schicineTren „Eazettedes Ardennes" milge-
arbcitet baben. Es sind berorts 29 FranMsen cm-
veklast -woriden. Autzevdem rmrd noch ein Lason-
dereis Vsrsaihren gegen den deutschon Major
Schnitzler , der ditzse Zeitungen redisterte, ein-
geloitet. um durch ein Urteil «esem! Hn seine Aus-
lieferung su fovdern,

Murne

Eigener Drahtbericht der „Badischen Poft"

Versailles, 26. Sept. Wie die „Ebicaao Trt-
bune" meldet, ließ Wilson Ztalten eine
Antioort in der Fiumefrage zugehen. wo-
rtn er sich kategorisch weigert. den Vorschlag Tit-
tonis, datz Fiume italienisch werden sollo unv datz
der Hafen zu internationalisieven sei, iLerhaupt 1n
Betracht zu ziehen.

Lugano, 27. Sept. Wie dle Vlätter melden,
fanden bereits Zusammenstötze zwischen den Trup-
pcn d'Annunzios und den SUdlaven ftatt. Dio
Blätter sind einstimmig der Meinung. datz dieser
Zustand auf militärischem Gebiet und auf dem
auswärtigen ohnedies eine äutzerst gefahvvolle
Lage schaffe.

Serbien mobilistert

Rotterdam, 26. Sept. „Daily Mail" mtzldet
aus Velgrad: Die ältesten JahrgäNge sind wieder
einberufen. Die auffallende Maßnahme wird in
Berbindung mit der iFumefrage gebracht. Von
Agram aus sollen bereits serbische Truppen an
der Sam-Linie nach Fiume vorrücken.

Ein Aiurnestreich gegen Aolland?

Eigener Drahtbericht der „Badischen Post"

Aus dem Haag, 27. Sept. Die Brüffeler
Standavd berichtct, datz eine Bewegung im Eange
sei, died arauf hinziele. in Limburg einen ähn-
lichen Staatsstreich durchzuführen. wie d'An-
nunzio aus Fiume durchführte. Zu diesem Zweck
sind angeblich bereits 23 000 Mann angeworben,
darunter zahlreiche Offizieee und Heeresangchörige.
Me gerüchtweise verlautet, verfiigt man über aller-
hand Wafsen, Munition und Maschinengewehre
und hat bcrcits begonnen, in den zu besetzenden
Teilen Hollands eine Propaganda durchzuführen,
damit dadurch auch ein Teil der Vevölkerung an
dem Schlag beteiligt wird.

Die Lokomotivfrage

Das „Iouvnal des Debats" veröffentlicht Er-
klärungen. die der preutzische Eisenbahn-
minister dem Bcrliner Vertreter der Havas-
Agentur über die Lokomotivfrage gemach! hat. Da-
nach verfügt Deutschland gegenwärtig über
13 000 Lokomotiven gegen 18 000, die es vor ^em
Kriege besaß. Die Zahl der reparaturbe-
dürftigen Lokomoiven beträgt jetzt 41 v. H.
gegen 19 v. H. vor dem Kriege. Trotz Heranzieh-
ung der Privatindustrie befinden sich nach der letz-
ten Ausitellung 1800 Lokomotivsn in den Repara-
turwerkstätten. Der Minister erklärte dem fran-
zösischen Preffevertreter weiter: „Wir werden froh
sein, wenn wir einen Teil der an die Entente
abgeliefcrtcn Lokomotiven wiedererhalten,
vorausgesetzt, daß sie sich in gutem Zustanüc Le-
finden: wenn stc beschädigt sein follten, würde eine
Milduttg der drohenden Verkehrsnot unmöglich
sein da die erfordcrlichen Reparaiurcn sehr lange
auf sich warten lassen würden."

KeLne ZahlungseLnsteüung
Deulsch-Oesterreichs

Das „Ntzuc Witzncr Abendblatt" iMldet: Ee-
genüber den aus Berlin vorliegenden Meldungen
über eine angebliche Zahlungseinstellung
Deutsch - Oesterrcichs und Anordnungen
aus Wien an Berl'.ner Banken, den am 2. Oktober
fälligen Koupon der deutsch-österreichischtzn Staats-
werte nicht einzulöfen, wird uns von insormierter
Seite mitgeteilt: Deutsch-Oesttzrreich dentt über-
haupt nicht daran, seine Zahlungen einzustellen
oder seine Zahlungsverpslichtungen nicht auf das
geiiaueste zu erfüllen. Deutsch-Oefterreich wir.d viel-
mehr alles tun, was ihm nach den Friedensbeding-
ungen obliogt. Es ist aber nicht zn üersehen, daß
der Friedensvertrag mbezug darauf, datz die
Schulden des alten Staates auf die ein-
zelnen Natkonalstaaten bezw. auf jene Staaten, die
sich TeilgeLiete einverleibt haben, nur allge-
meine Grundsätze aufstellt, die nicht ohne wei-
teres als Grimdlage des praltischen Dienstes die-
nen können. Es sind deshalb Vorarbeiten und
Feststellungen notwendiq, die in dem kurzen Ter-
min bis zuni nächstfälligen Tage nicht gtzleistet
werden können. Es handelt sich also nur um einen
Aufschub von einiegn Wochen. dann wird we-
nigstens eine provisorische Rcgelung stattfin-

den tönnen. provisorisch deshalb, weil zum Defini-

tlvum die Enffcheidung der W^edergutmach-
ungs - Kommtssion und Vowerhai

Vorverhandlungen
tschen den einzelnen Nationalltaaten rtotwendig

Von aicherer Seite erfLhrt das Dlatt: Die
d«ltsth.österreichischo Finanzverwaltung hat die
fälligen Koupons bisher für gemeinsame
Rechnung aufgekauft. Don dieser Praxis
mird nrSglicherweise jetzt Abstand genommen wer-
den, well der Frledensvortrag jeht die Fiktion der
gemeinsamen Rechnung aufhebt ünd weil bis zum
1. Oktober noch nicht völlig klare Verhältnisse gs-
schaffen werden können.

Die Verteilung der Welt

Versailles, 26. Sept. Der Fünserrat hat
Spitzbergen Norwegen sulgeisvrochen unter
gemiffen EinfchvänckuNgen h-nsichtlich der von Frvnr-
idtzn erwovbencmi Rechte und der Ausibeutung von
Minsn. Fekner wmde auf Munlsch Portugals die
EnklMve von Kionga im Norden der Kolonie
von Mosembique, die von DeMsch-Ostafrickai
getrennt wird, Portugal zugcisvrocheii. Dst Ge-
biete von der Oistgvense von Polen, dre wostlich der
Linre lliegen, die «dre volnilschen Truppen nicht über-
schr.Liten dürfen, wurden endgültig Polen sugtzlsvro-
chen. Uebcr die Evbiete östlich droser Qinie vst noch
keine Bsstimmiung getro>ffen worden.

Unser giel

Aus Baden

Aus dem besctzten Hanauerland

Jn einer anfangs Juni ds. Zs. der„Badischen
Landeszeitung" zugegangeyen, durch Korrespon-
denzmeldungen an dio übrige Preffe weitergegebe-
nen Mitteilung war unter den an den franzosen-
fveundlichen Treibereien im Hanauerland Betei-
ligten auch Kaufmann Weber aus Kehls ge-
nannt. Auf Erund jentzr Mitteilung wurde Herr
Weber im Zusammenhang mit den Namen Hompa,
Liebermann usw. erwähnt. Infolge des erschwer-
ten Postverktzhrs ist es ersterem erst jetzt möglich,
die gegtzn ihn gerichteten Vtzhauptungen als jeder
Erundlage entbehrend und vollkommen unwahr
zurückzuweisen und zu erklären. daß ste nur auf
persönliche Eehässigteiten des Einsenders zurllckzu-
führen find.

Turnen, Sport und Spiel

* Rugby-Futzbatt. Das morgen 'Sonntag
nachmittag auf dem Heidelberg College-
Feld (verlängerte Mönchhofftraße) stLttfindende
Welisptel Heidelbtzrger RudertluL —
Verein für Bemegungsfpiele wird das
Jntertzffe aller Rugbyfreunde finden und das sport-
liche Ereignis des Tages darstellen. Wjähvend
RudeLLlub in disfem Iahre schan einige Wettspiele
ausgetragen hat, tritt die Mannschaft des V. f. B.
zum ersten Male im Rugbykanrpf a,n. Sie wird
aiber in der Lage sein, ein technisch durchdlachtes
Spiel vorzufülhrea, da sie zu-n gcotzen Teil cvus
Spielern des frülheren F.-C. Heidellbsrg-Neuenheimj,
des ehemaligen dtzutfchen Rug!bymeisters>
besteht. Be-sonders die Hintermannschaft dürfte
sich den Feinhtziten des Rugbyspiels gewaMen zei-
gen. Rudei^tUb feinerseits hat durch die Wett-
spiele gegen Frankfurt bewiefen, datz er seine ftü-
here Stärke bald zuvückerobern wird. So sind alle
Vorkussetzungen für ein feffelndes Mätch gegeben,

das für die Dewertung der Lokalgegner sehr auf-

... .. M.

schlußreich sein und dem interesssierten Publikum
erivsut den hohen sportlichen Wert des Rusbyfpiels!
vor Augen führen wird. Spiellbeginn 3^ Uhr.
Vormittags 914 Uhr treffen sich auf dem glejchen
Felld die mn Wettspjel nicht beteiligten Spieler
des Rudtzrklub und des V. f. B. zu einem
freundschaftlich vereinbarten Uebungsspiel.

* Affociations-Fußball. Die Ligamannschalft des
V. f. B.-Heildelbcrg absovvtert morgen in
Mannheim das erste Verbandsspiel. Sie mutz
gloich segen don stärkstvn E-egner, V. f. R.- Ma n n-
he im, antreten. Verläuft diese Begegnung in
Ehren, so darf dies als ein gutes Vorzeichen für
die Position der einheimischen Lisaelf innerhalb
der Ligaklaffe betrachtet werden.

Helft msem GefiiWieii!

Jm Gegensatz zur Auslandpresse, in der
selbständige Arbeiten dcn breitestcn Naum ein,
nehmen, sind die deutschen Zeitungen in crster
Linie Vermittler von Nachrichten. Auch unstre
größten Zeilungen suchen ihren Nuhm weni-
ger in politischen Vetrachtungen. denen n.ehr,
oder weniger wahre Eeschehnisse nur zur Un-
terlage dienen, als in der möglichst schnellen
und möglichst umfangreichen Uebermitfilung
von Nachrichten selbst.

Es unterliegt keinem Zweifel. daß diests
deutsche System Vorzüge hat. Der deutsche
Leser, selbst eines kleineren Provinzblaltes, ist
in der Lage. sich ungleich vielseitiger zu unter-
richten als selbst der Leser z. B. des „Tcmps."
Eine andere Frage ist die, ob der Lescr dies
nun auch wirklich tut. Wir möchten das be-
zweifeln; wir glauben vietmehr, datz die Häu-
fung wichtiger und unwichtiger Nachrichten
oft in nicht einwandfrei verständlicher Form
und meistens ohne die oft unbedingt notwen-
dige Erläuterung dargeboten, den Leser eher
verwirrt als unterrichtet und so mit dazu bei-
getragen hat uns zu dem unpolitischen Volke
zu erziehen, als das wir uns leider in diesen
Iahren der Bedrängnis erwiesen haben.

Diese unkritische Häufung des Nachrichten-
materials hat denn auch eine gewisse Unifor-
mierung, zum mindesten der mittlercn Pro-
vinzpresse, geschaffen, die der aufmerksame und
etwas anspruchsvolle Zeitungsleser so oft be-
klagt.

Wir sind bestrebt, mit unserer „Vadischen
Post" andere Wege zu wandeln. Wir beschrän-
cken uns nicht auf das allgemein zugängliche
Nachrichtenmaterial: es ist uns vielmehr ge-
lungen, eine Anzahl Jnformationsquellen
uns nutzbar zu machen, die uns hinter die Au-
tzenseiten der Dinge blicken lassen und uns
wertvollen Stoff, erheblich bevor er allgemein
zugänglich ist, zu bringen. Daneben sind wir
bestrebt, die Fülle der Nachrichten so gründlich
zu stchten, wie es bei der jetzigen Papierknapp-
heit nötig ist, wenn das Blatt noch Raum für
selbständige Arbeit behalten will, und so durch-
zuarbeiten, datz bei jeder von uns weitergege-
benen Meldung der Leser unter allen Umstän-
den im Bilde ist.

Den Hauptwert legen wir aber darauf, daß
der Leser unseres Vlattes stets von selbständi-
gem, voruteilslosem Denken dicktierte kritische
Vetrachtungen vorgelegt bekommt, die ihm hel-
fen, soweit er dazu nicht schon selbst in der
Lage ist, ein eigenes Urteil über die sich drän-
genden, sich überstürzenden politischen Ereig-
nisse zu gewinnen.

Dabei haben wir auch besonders an den Teil
unserer Leserschaft gedacht, für den die Politik
eine neue Welt ist, da er durch Eesetzesschrau-
Len bisher von der politischen Mitarbeit aus-
geschloffen war, der Frauemvelt.

Sie fieht die Politik aus einem anderen
Eesichtswinkel als deren bisherige Alleinträ-
ger, die Männer. Für sie stehen Kultur- und
Erziehungsfragen viel mehr im Mittelpunkte
der Erörterung, für sie bedeutet die Sozial-
politik weniger den Kampf um Arbeitslohn
als Fürsorge für die Schwachen. Dieser „Poli-
tik der Frau" werden wir eine besondere Vei-
lage unseres Vlattes widmen, für deren Lei-
tung wir eine Frau gewonnen haben, die ak-
tiv im politischen Leben steht und über reiche
Erfahrungen auf politischem wie sozialem Ee-
brete verfügt.

So glauben wir mit dem wenigen Platz,
der uns zur Zeit immer noch zur Verfügung
steht, doch in der „Vadischen Post" eine wirk-

Neues aus aller Welt

Französische Ritterlichkell

-erichtet

Ein heinrgeköhrter Auslandsbeiitscher
im ..Schwäb. Merkur":

Von der Entente erhielt ich den Befehl, Lüle-
VurgaS in 24 Stunden W verkaffen. Es half niichts;
innerhailb der kurzen Galgenfrist mußte ich Hab
und Eut zu einem Spottpreis verkauifen. Das
Notwendigsts zum täglichen Leben wurde rasch zu-
fammengeraifft und dann mußten meine Fvau und
ich Abschied nohmen van der Stätttz, welche wir
uns zur zweiten Heimat evwihält l/atten. Es war
zwecklos darüber nachzudenken. daß der Evfolg
jcchrebanger Arbejt und scknveren Ningens im Laufe
von Minuttzii in ein Nichts zerronnen «war. Teil-
ten Mr doch nur das Eefchick von taussenden Aus-
tandsdeutschcn.

^n Konstantinopel verssuchte ich die Ee-
nchniigung zu erha-lttzn, dort LleiLen zu dürstn. 2
Monate verqingen mit hin und her. Die italieni-
sv)e Botschaft stellte den Erlcvubnisschern aus, der
IFranzosse bestand auf der Ausweissung. Und so
wurdsn wir auf «inem türkischen Schissf, eincm
alten schmutziqen Kasten, veri-aden. Wir waren
etwa 500 Personen. Kalbinen aab es nur etwa 25,
ste wurden an Kranke und alte Leute vergeben. Die
tuvkischen Schiffsossfiziere vermielteten ihre KaLi-

nen um durchschnittlich 250 Ltqs. (elwa 5000 Mk.).
In unserem Raume. dem ibesten aber ckleinsten des
Hintevschiffs, wvren wir 65 Personen, Frcnuen,
Männer und Kinder. Als Lagerstätte dstnlen uns
Bretter, Matratzen und dererlei Lupus gaL es
nicht. Mit vieler Mühe evhielten wir einige Dek-
ken, auss welche mir uns lagern konnten. 6 Taae
lana lagen wir vor Anker. Vom nnd zum Schiff
durfte niemand mehr. Jetzt fing das Kohlen an.
Bald waren wir wie die Neser. Mc» man gins
und stand, alles war mit Kohlenstaub überzogen.
Endlich lichteten wir die Anker und bei herrlicheftn
Wetter sing es durch die Davdanellen. Die Ver-
pftegung om Bord war unzureichend und sschltzcht.
Morgens einen Becher Spülwasser-Tee, mittags

u. abends Hüsssensrüchte, in peinlicher Abwechslunq
L' ' ..^.

Vlchnen und Linsen. hier unid da einige schlechte
Kartoffeln, Fleisch glänzte fast vollkommen durch
Abwessciicheit, zuin Schluß war es unqenietzbar ge-
worden. Hierfür mußten für Kopf und Tag l^i
Ltqs. (30 HNk.) bezahlt werden. Ein grosszer Miß-
stand ivar, datz das Essen nur an einer Stelle aus^
gegeben wurde, so daß ntan oft l^ä Stunden an-
stechen mußte. Nicht visl beffer war es mit Eeträn-
ken bestellt. Vier und Wein schlecht und teuer
(4 Zehntel Flassche Bier 5 Mk.. Wein 20—25 Mck.).
Trinkwaffer hatten wir zu wenia. Täglich wurde
pro Kopf Liter ausgegeiLen. Zuni Wasschen und
Spülcn mußte Akecrwasser verwendet werden.

Nach einigen Zwishenfällen mit Sturnt,, See-
kvanckhoit und Minen liestn wir Smyrna an,

um die dortiaen 150 Deutsschen «ufzunehmen. Die
Frcmzosen besetzten sofort das Schiff und bs^andel-

tsn uns wie Schweroerbrecher. Wir baittzn. tzrüchte
ussw. kauifen zu dürfen, doch alles wurde verboten.

Unsser englischer Kcwitän, der den Transvort leitete,
konnte mit vitzler Mühc

e tzrreichen, daß uns Trinck-
wasstv gegeben wurde. Nachts gingen die uns be-
wlachsnden Franzosen mit Rtzvolvern in der Hand
auf und ab.

Duvch mamchesMinenstld hindurch erreichten wir
Tritzst. Dort in entgeaenkoinmendster Form
Patzrevision durch einen italienischsn Offizier, der
uns auch als licibenswürdigtzr Dolmei-cher beim
Eintauf von Früchten und W>ein untefftützte. Eine
Wohltat gegenüber dein herrischen Wesen der Ver-
treter der grande nation. Von Venedig kam ein
italienftscher Arzt an Bord, an dem wir im Eänse-
marsch zur ärztlichen Musterung vorbeizosen. Taqs
darauf sschl-eppten uns 2 Schlopper vor den Bahn-
hofsquäi. 7 itcvlienische Soldaten machlten sich un-

tier Äufsicht ihrer Offtziere soifort än das große Ge
ic^ausiftade

plückausbaden. Sie waren freundlich uitd zuivor-
kommend. Salonwagea errvarteton uns nicht; zu
26 Perssonen, 1 Hund und 1 Papaaei richteten wir
uns sso Mt wie möglich in einem Eüterwagen zu
langer Bahnfahrt ein. Es wcrr unbequein, aber
darWer haff uns die Freude weg. nicht meihr unter
dem unerträslichen Druck der Frnnzosen zu stchen.
Wir atmeten wieder frei umd rollten unstrcm deut-
schen Multerland entgegen. an deffen Ecssundunq
nun «uch wir mit aller Krwft mitarbeiten wollen.

Den Haß gegen Frankreich haben wir und

unssere Ktnder gelernt.

* Der verschobene Ealgen. In der neuesten
Nummer des ..Simplizissimus" schildert Th. Th.

^eine in 6 Vildern de'n verunglückten Verjuch, den

ber ____ ^

Schlinge, fägt u,»v llt —

und verschicibt ihn für fünfzig Pfenniq pro Pfund
Brennholz.

Eingelaufene Bücher

Ausführtiche Besprechunq vorbehalteu.

Das Hans Thoma-Vuch> zum 80. Eeburtstvs
des lALeisters bcreitet von Karl Iosef Friedrich
Verlag E. A. Seemrirn, Leipzig. Mk 6—, Vor-
zugsausgabe Mk. 20.—.

Vodenreform, Heft 17, Oraam der DeutschtzN
Vodenrsforiner.

C. H. Beckcr: Kulturpolitische Aufgnben des
Reichcs.o Verkag Quelle u. M«yer in Leipzig,

Sllle Nenerschelnungen auf dem Büchermarkt
wcrden geliefcrt durch Buchhdlg. Bangcl L Schinitt
(Otto Pctters) Jnh.: M. Freihen, Leopoldstraßc 5. (74W

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