Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0169
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Iini.

MZL'

Stadt-^

^-">-rs^7-,

adend«',^»«,

vp»°u- !?/>«-.
» «°°.!?>

Ä-7--L.

„Dte teeue"

K^mödie in

Dienstag^g^ . !
.F.ine Nacht

»R°me» >md z,^°
D°>7-rst°g, L
»v>ph°us und^

RosengH^

Maunhti,,,.

Mttttvoch. i. x, s i..
«Die Regimentstochla>
Donnerstag. 2. X.. 7i-
„Einsame Menscha'-

BaÄ. Landesthcch

KartSruhr.

Dienstag. 30. IX.. 4'/z k
„Parsifal".s

Mtttwoch. 1. X., 7IH
Adam, Evau. die Zchloy
Freitag. 3. X.,
„Parsifal".

Hesi. LandestheM
Darmstadt.

Dienstag, 30. IX., 7 lh
- „Cavalleria rusticana",
„Der Basazjo".
Mittwoch. 1. X-, 7 U
„Heimat".
Donnerstag, L X-, 7 Ih
„Wozzeck".

letrter

Diebeliebteuoäb-^

tenäefilm^"^

in ikrer

neueste»

stiel§tersc>

iiöptu°L

-vcvo>o^^°

klne
Stuclie w

61. Jahrgang - Nr. 228


kjeiöelberger Zeitung

Mittwoch, 1. Oktober 1919

r Die „Badische post" crscheint an jedem wochentage mittaas 12 Uhr und kostet bei
j jeder Postcmstalt monatlich IM.1.66, vierteljährlich IM 4.98 ausschließlich Zust'ell-
Z gebühr; durch die Ugenturen oder die Trägerinnen frei ins yaur monatlich Mk.1.75.
r hauptschriftleiter: Rurt Zischer.

Gegründet1858


r Knzeigenpreis: die 35mm breit Petit zeile oder deren Uaum35 pfg.,imUeklamen«
t 1eildie75mmbreitcpetitzeilr iLopsg..initplatzvorschrifti«opfg.Vetwiederholungen
z Nachlaß nach Tarif. Iin Einzelverkaus koftet die „Vadischepost" in Heidelberg lOpfg.,
^ auswärts I5pfg.

vaoiMa

wochenbeilage: Oer Oorn

Landesorgan öer Deutschen liberalen Volkspartei Vaöens

»auptschriftleiter und verantwortlich süc den politischen Und volkswirtschaftlichen Teil Kurt Fischer, sür das
i-euilleton, Kunst und Wissenschaft, Theater und Musik, Neues aus aller Welt und die Unterhaltungsbsilage
lulius Kraemer, für Baden, Oertliches und Literatur Fritz Ganden^rger vonMoisy, für Turnen

Spiel und Sport AlfredSchmih, sämtlich in Heidelberg. Fernruf 182. — Berliner Dertretung: Berlin XV 50,
Bambergerstr. 1. Fernruf AmtKurfürst 318. - Für denAnzeigenteil verantwortlich Alfr ed SchmitzinHeidelberg.
Fernruf82. — Druck und Berlag : Heidelberger Derlagsanstalt und Druckerei G.m.b.H. Heidelberg, Hauptstr. 23.

Das Wichtigste vom Tage

Nach amtlichen Meldungen aus Washington
soll d-e russische ;Tcu:jetregierung tatjüchlich zum
Fricdcn bereit sein.

Zn Mitau hat sich eine cigene östliche Rcgie-
rnug gebildet; deutsche Trupyenteile haben sich
als russische Truppen erklärt.

Die polnischcn Truppen kaücn nach zweitägi-
gem erbitterten Kampfe die Befcjtigung von Dü-
nabarg am Tüdufcr der Diina genommen.

Die Na t i o n a l v e r s a m m l u n g, die ge«
stern wieder in Berlin zusamment'.'at. crlcdigtr
den Notetat.

-

Der Untersuchungsausfchuk Mr die
Tckuld am Kriege hat seine Bcratnngen begon-
nen.

Zn der Frage dc'r Umbildung des Reichs-
kah'netts ist noch keine Cntsch'.'iduilg gesallen.

Die Nutonomie Oberschlesiens wird
jetzt sosort eingeleitet werden.

Der Ttreik der Seelcute
gcscheitert.

iu Bremen ist

,n ^

Das Ende Sowjet-Ruhlands?

Auisterdam. 30. Okt. Das Pressebureau Radio
moldet aus Lyon. dak in Washington amtliche
Nachrichten eingetroffen sind. nach denen die rus-
sische Sowjet -- Negieruna bereit ist, F r ie-
densverhandlunaen unter folgenden Be-
dingungen em.zuleiten:

Bcendigung des Sowjet-Regimes, Einstellung der
Hinrichtungen. Abschaffung des Tervors. Erteilung
eines Freigeleits für 12 Volschewistenführer, da-
runter Lenin. Trotzkn und Slnowjew, die sich nach
Südamerika begeben wollen.

Dieser Vorschlaa der Balschewisten wird fran-
zösischen und amerikanischen Diplomaten in einem
neutralen Staate übermittelt werden. Man glaubt.
dah Wilson eine neue Regierung nicht vor
Zusammentritt der Konstituante in Rutzland anex-
kennen wird.

Eanz unglaublich ist ja der Inhalt des angc-b-
lichen russischen Friedensangebotes nicht, dennoch
ist nach wie vor .^urückhaltung im Urteil erforder-
lich.

DLe Autonomie Oberschlesiens

Von umerem Berliner Vertreter
(:) Berlin, 1. Okt. Bei den heutigen Verhand-
lungen zwischen den VertretevnOberschle-
siens und der preuhischen Landesver-
sammlung i'st eine Ernigung unter sämt-
lichni Parteien erzielt worden. Darnach soll Ober-
Alesien die provin.zielle Autonomie im
Rahmcn der weitgehenden Vcstimmungen, d:e iiz
Zukunft für die preubischen Provinzen gelten sol-
len, crhalten und zwar möglichst sofort. und
nicht mehr, wie ursprüngl'.ch geplant war> vom 1.
April ab. Auch dcr Beirat von Oürrschlcsicn soll
»ofort geschasfen wrrden. Die Vereinbarung dcr
Parteicn ist um so bedeutsamer. als bisher alle
Enllguttgsversuche zwischen Zentrum und Sozialde-
mokraten gescheitcrt warcn. Den Vcrhandlungcn
wohntcn auch elnige Vertretcr Obrrschlesiens in
dcr Nationalvcrsam.nlunq bci. Auf Grund dieses
Ergrbnisses mird d:e Autonomicvorlage für Ober-
schlesien. die gestcrn iu der Landcsversammlung zu-
rückgestellt wurde. ohne wei'teren Verzug
erledigt werdrn können.

Forderungen der
elsah-lothrrngischen Sozialisten

Vrriiil, 30. Scpt. Wie der „Vorwärts" meldet
proiejtierte eine Vers.i,minl,ung der Metzei:
Cozialisten g'egen die Einberufung d^,
Lli,';rüangs ld98—9v, gegen oie Amveseicheit von
Kolouialtnippcn in Lothringen und gvgen die
- Zurücklv.iiung elsn/>ilchcr Arb.'itcr ans Frankreich.
Fern r wird die Entlnssung bcistimmter franzon-
schcr Beamten aefordert. Die Straschurger So?
Sialisten icl.'oncn stch dem Protest an.

Vcrsrrüles, 39. Sept. Wie das „Iournal" aus
Metz meltct, bat dcr Munizipalrat oon Metz w.e-
ven des Streils der städtischeu Arbeiter
uim feine Entlassuug.

MarsthallLiman über türkisiheZrage«

Enver Pascha — Die versehlte 2)ildrimexpedi1ion — Die Verteidigung
von Gallipoli — Tapsere Badener - Die „Flucht von Vazareth"

Marschall Liman von Sanders weilt

seit einigen Tagen in Heidelberg auf einem
kurzen Erholungsurlaub auf Villa Felseck,
dem idyllischen Wohnhaus von Frau von
Ihne, deren hiesiges Blindenheim, wie neben-
bei bemerkt sei, in diesem Sommer mehr als
60 Kriegsblinden Ruhe und Erholung gebo-
ten hat. Der Marschall hat die Strapazen des
Krieges gut überstanden. Seine hochragende
Gestalt, zu der freilich das Zivil nicht so rechr
passen will, wenn man seine aus unzähligen
Veröffentlichungen bekanntes Vildnis in tür-
kischer Uniform mit der Fellmütze und dem
Halbmond daran kennt, ist ungebeugt, und mit
bezaubernder Liebenswürdigkeit ging er auf
meine Fragen ein, die er mit größter Vereii-
willigkeit beantwortete. Aus dem fast zwei-
stündigen Gespräch sei nachstehend das ein oder
andere wiedergegeben, das auch für die wei-
tcre Oeffentlichkeit von Interesse ist.

„Wie fanden Ew. Erzellenz ldie Verhält-
nisse in K-onstantinopel vor, als Sve im
Dczemlber 1913 nrit der Militärmirssion dorthin
kvimen?"

„Bei mebiljLm Erirtreffen war> Prinz Said H a-
l' m Grosiwssir, ein vornehmer Mann und nobel-
dcirkender Dhavakter. Dab Jzzed Pascha da--
mals Kriegsminister war, mar mir Lesonders an-
geneHin. da er mirr ssit langem bekaimt war.
Während mevner Tätigkeit als G?neralsta>bsoffi-
z>cr in Kassül, war er mir zur Einarbeitlmg zuge.
teilt gswesen. Rach emiaenWochen übernahm dann
Enver Pascha dia/s Kriossmllnistorium und von
da an wurden die Vevhältnisse recht schwie-
r i g. Nicht aus persönlichon Eründen. sondern
wcll er die mrlitärische Macht, die mir und der
Militävmission laut Vovlvag mt der Pforte zu-
stand, nbcht anerkennen wollts, da sie 'chm hinsichl-
lich seiner eigenen Ziole nicht pahte. Er hat auf
a.lle Arten vc'rsucht. d>ie Rechte der Militärmission
zu beschneiden und es ist erklärlich, datz daraus öf«
ters Konilikte enstandsn, zumal wir häusig sehr
verschiedener Auffassung waren. Mir persönlich
wurde dies nach dem Eintritt der Türkei in den
Weltkrieg dadurch schwer gemacht. weil ich als
Armeoführer viereiNhalb Iahre fern von Konstan-
tinopel weilen mutzte und keinen pevsöirlichen Eiu-
flutz aulf Cnver ausülben konnte. Andere häben
dies vvel mehr vermocht und aüsgenutzt.

Als Veispiel diene bcsonders, dah ich vor der
umfangreichcn sogenannten Pildrim - Erve-
dition, die-unter dem Oberbesehl des Gcnerals
von Falkenhayn staud, nicht gehört worden
bin und ich überhaupt erst oon ihx erfuhr, als
Falkenhayn bereits in Konstantinopel eingetroffen
war. Hätte man mich vorher befragt. würde ich
unbcdingt von dem Unternehmen abgeraten
haben, weil es von vornherein auf irrtllmlicher
Erundlagv und falschcn Voraussctzungen beruhte,
und trotz unzureichender Kenntnis dcr Berhält,
ni>se, der Zeituinftäude und der Truppcn bcgon-
nen wurdc. 4luch psychologische Fehler sind be»
gangen worden. Jn dc» 10 Monaten. in dencn
Falkenhayn in dcr Türkei war, ist Bagdad
nicht wiedererobert worden, dagegen oin-.
gen Ierusalem, Zaffa und Zericho ver-
loren. Wozu überhaupt in einer Sache die Ber-
antwortung von Deutschland aus übernehmen,
wa m an gar n i ch t di e Mittel hatte, um ei,
nen Ersolg durchzusetzcn?

„Mas halten Sie, Herr Marschall. von Taa-
Iat Pascha und Djemal Pasch a?"

„Taalat Pascha war von den führendclnl MAn-
nerm dex Tüvker de-r werkvollste von all-en. E'm
kluger Mann von hervorriagendem Takt. Die Ent-
wicklttng dieses Mannes vom Postschalterbeamteir
in Saloniki bis zum Erotzwasir unid führenden
Slaatsmann, war erstaunliich. Freilich staud auch
cr unter bcmi Einflutz des junigbürkischen Kmnites
und war dalduijch an manchen Fehlgriffen. nament-
lich im Jnnern, betöiligt. Mit Diemal Pascha
hin ich nur wenrg zusammen gekoimmen, Er war

in S-yrien eine Art Vizeköuig. Envers Macht
hörte füdlich des Taurus auif, daraus isst au^
manchs Zwiesvältigkeit zwischen den beiden Mill-
tärs verständlich."

„Eine Fvage, Ersellontz. Wenu bri uns in der
Heini-at von den Kämpfen in der Türkei gssprcchrn
wurde, so dachte man, auch dauk der offisiösen B:-
richterstattung, vornehmlich an dis Flottc, a>
„Eoben" und „Breslau". LHelches war Lsr An-
teil der Marine bei d-n Dardanellen.
kämvf en?"

„Ich üm Ihnen dcvnikbar für diese Frage, da sie
mir Gelegenheit gibt, eine irrtümliche AEassung
der ich bereits wicderholt in der Heimat begcgnet
bin, richtig zu stellen. Man mutz bei den Dardanel-
lenkämpfen zwei Abschnitte unterscheüden. Einmal
den Flottenangriff am 18. Mävz 1915, gsgen die
Mcerenge. der von der durch Marineinanmschaften
vcrstärkten Festung abgewiesen wurde und mlt
st.xvken Verlusten der Engländer und Frlanzosen
endete. Dann folgen die grotzen Landschlachten
der 5. Armee auf Gallipolr, die m'tt dor Landung
dcr Engländer usm. am 23. April begannen und
achteinhalib Mdnate daucrten. Währcind dieser
ganzen achte'mihalb Monate sind „Göben" und
„Breslau" nrcht in den Dardanellen sewesen,
nur die altcn Schlachtsch'ffe .Meitzenburg" und
„Wörth" haibsn in den erston Wochm mit kndirek-
tem Feuer über die Halbinscil hinwea in die Käm-
pse eingegrrffen. Die Flotte hat für die Land-
kämpfe allerdmgs dadurch su helfen gesucht, dab
sie kleiine Maschinengewehrabteilungcn mit im
ganizen 20 MaMnengewcihren drtachierte. Auf
der asiatischen Soite wurden ferner vom Marine-
Sonderkommando einige Batterien errichtct, die
ihr Feuer auf dis rückwärtigen Verbindungen bn
Sckddlulbahr richteten. Die grotzsn KLmpse waren
also ausschlvotzlich eine Landschlacht der 5.
A r m e e.

Die Verteilung wari infolge dcs Umstandcs
hcsonders schwer, weil sie gegen d.e Landungs-
armee und die artilleristische Emwirklmg clner
grotzen Flotte gerichtet war. Das zcigt sich auch
i„ den sehr starken Verlusten. Zch habe
?um Schlutz 22 Dwisionen untcr mcinem Vcfchl gc-
habt. Die fünfte Armee hatte im ganzen 218 000
Mann blutige Vcrluste, davon 66 000
Tote, während die Marine in dem Dardanellen«
scldzug noch nicht 250 Mann verloren hat. Schon
allein aus diesen Zahlen wird die Art der Dar,
danellen-Verteidigung und ihre Verteilung auf
Heer und Marine genügend gekcnnreichnet."

„Haben Ew. Ekrellen; uirter Ihrem Befehl
süddeutsche Truvven, >im besonderen ba-
dische Truppenteilo gohabt?"

„Rein bädilsche Formationcn nicht. obwohl na>
türlvch auch manche Badener unter meinen Truv-
pen gewesen sind, wohl aber habe ich zaihlreiche ba-
difche Offiziere kennen gelernt, die mlr aus-
gezeichnebö Mithelfer waren. Um nur einige zu
nennen, möchte ich den hochverdienten Oberst
Wehrle herlvorheben, der sich an den Dardanel-
len, ferner den Rittmeister Schueler. jetzt auf
Baldenwvgershof bei Freiburg, der sich in Kle'm-
asien hervorgetan hat, hervorheben. Me B?-
ziehungen zu den Dadenern waren> mir Lcsond'rs
ersreulich, Ltt ich mohrere I-uhre meiner Diensttä-
tigkett in Baden zugebracht babe. War ich docy
von 1890—93 zuerst im Eeneralstwü dex 28. Di-
i'ision in Karlsruho tätrg unid.dann dort Eska-
dronchef tm. Leibdragonerre>gi,ment. Von den
Württeimbergevn! sind mir besonbc-rs General
Schlee und Majol, Lausfer. der sich nament-
lrch an> der Front gegen Aegypten 'ausgezeichner
bat. sowie Hauptmann Fischer in liüber Erin.
nerung."

„Darf rch noch um c'me Aufklärung bitteu, Es-
zcllenz? Ist Ihnen der Artttel mn Militärwochsn-
blatt über Ihre angebliche „Flucht aus Na-
zareth" bekannt?"

.LäwoM, leider! Das ist, wie ich übu gens
schon o'rnem Berliner Blatt Mitgeteilt babe, d:e
gemeinste Lüge» die man über mch verbrer.

len konnte, datz ich Nazaretb eher verlassen hätbe,
als meins Trupppen? Die Engländer versuchten
am 20. Dextember vorigeil Iahres das Oherkom-
inando aufznheben, indem sie s'rne Kavallervebrr-
gade in Begleitung von Panzerautqmobtten ei-
nen Rttt vön 120 Kilometern machen lietzen, ur^.
uns zu üb-ercumpsln. Das Oberkominando solltt
nach Damaskus verlegt werden. Während des eng-
lijchen Angr'cffs zog ss mit se'men Hauptteilen aus
de^ Stratze nach Tyberias ab, die Äie Engländer
'nerkwüvdigerweise nicht besetzt hatten. Da wir
>mr noch wenige Tvuppen m Nwzareth -hatten, grifs
alles zu den TÜaften, ioder Offizier hat mtt dem
Karabiner gefeuert. Stach fünsjtündigem Stratzei»
kamps sinb die Engländet abgezogen und mutzten
sämtliche Deile von Nazareth räumen..

Wrr hatten 43 Tote verlorsn, aber Nazareth
behauvtet. Ich. der Ehef des Generalstabes und
msine beöden deutschen Adiutanten, waren die
letztsn, die Nazareth verlassen haben, zwei Stun-
oen nach Aozug der Engländer."

Der Marschall sprach diese Worte in sichtli-
.cher Erregung. Mit Recht, denn die Verleum-
dung ist das schlimmste, was einen treube-
währten Soldaten und Heerführer treffen
kann. Auf die Frage nach seinen nächsten Zu-
kuuftsplänen erwiderte er, datz er noch die um-
fangreichen Arbeiten der Militärmission zu
erledigen habe und ihm zuvor ein kuizer Er-
holungsurlaub in Baden und im besonderen
in Heidelberg, zumal nach den Neberanstren-
gungen der Feldzüge sehr angenehm fei. Mit
einem herzlichen Händedruck ttrennten wkr>
uns. Es waren zwei ebenso anregende, wie
aufschlußreiche Stunden.

Kurt ssi8ctier

Noch keine Cntscheidung in der
Umbildungsfrage

(:) Verlin. 1. Okt. D'.e V e rh and l u ngen
über die sachlichen Erundlaqen. die eine Neubil-
dunq dcs Kabinetts unter Zuziehung von Vertre-
tern der Deinokratiscken Partsi ermöglichen sollen,
sind unterbrochen. wenn auch nicht abge-
brochsn. Es hat sich gezeigt. datz die Schwre-
rigkeiten wesentlich grötzer sind. als nrsprünglich
angenomnren worden ist. Ied-snfalls haben die
Beratungen der Parteifübrer des Zentrums. der
Sozialdemokraten und der Demokraten auch grstern
kein positives Ergebnis gehabt.

Die Tatsache. datz dcr Reichskanzler Bauer
am Abend eine Reiss nach Breslan antrat, zeigt,
datz man jedenfalls mit einem schnellen Ergeb-
nis dcr Verhandlungen nicht rechnst. Nach
Schlutz der gestrigen Plenarsitzung der National-
versammluna hielten die Sozialdemokraten und
das Zentrnm Fraktionssitzung'.n ab. in dsnen übsr
die bisherigen Ergebnisse der Berhandlungen be-
richtet -wurde. Die Demokraten hielten keine Sit-
zung ab. weil sie erst die Entschsfdung der ande-
ren Fraktionen abwarten wollten. Es wird sich
zeigen. ob die Beratungen des Zentrums und der
Sozialdcmokraten eine weitere Annäherung an den
Standpnnkt der Demokraten ergeben werdsn, die
es ermöglicht. die Verhandlungen heute mit eini-
ger Aussicht auf Erfolg fortzusetzen.

Die weitere Entwasfnung
Deutschlands

Paris, 30. Sept. Die Friedensko-mmission der
Kammer hat endgültig folgenden Work.aut des
Vorschlags,, der in ihrcm Namcn der Kammer
nntervreitet wrrden wird. angenD,imnen: Die Kam-
mer M>et di^ Regierung ein. sjch mit den alliierten
uird asso-ziierten Mächtenj hinsichtilich der DurchKH-
rung aller Matzncchmen zu verst.indig.'n, dnrch die
die Cntwaffnung D e u t s ch l a nd s u. seiner
Miierten wirksam gemacht wird durch Verbote ge-
wisier Kriegsfäbrikationen und durch die Erlassunig
aller als notwendig erachteten Bostiinmungen.
Barthou wurde als Berichterstatter be,zeichnet.

Die Vcrteilung der deutschen Luftschisfe

Paris, 30. Sept. Dsr Fünferrat stimmte den
Be-schlüssen der Kommission zu. die mit dsr Ver-
teilung der deutichen Luftschiffe un-
ter die Alliierten betraut ist. Es wurde an
Deutschland oin Protest gerichtet. gegen den
Verkauf oiner gewisien Anzahl von Flu-gzougen an
die Neutralen. Diese Flugzeuge stellon cinen Teit
des Kriegsmateriäls dar. welches den Alluerten
abaelieifcrt w-srden mutzts. Es wurden Lorkchrum
gen oetroffen, nm weitere Verkaufe zu

" " Amtterdam"'30. Sept. Der Oberste Nat hat
schlo e. datz ^ dea E r.lös. den es au-

Vereauf des Luftsch.iffmatertals erzielt, den
Alliierten auszuhandisen yat.
 
Annotationen